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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-19 · Heft 8 (19.2.1892) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
Seite 93 (sequence 9)
Language
German
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93 sizier; es die kühne i ganzes e Mühe; uß dieser bei dieser Saterland r es verigen und Geistliche u retien n. Nach jeilslosen Gestalten Skrupel Manetle wch vom anderer iloinoii“ Schönheit hters der Lien, von der von zu und äre viel eller ans mtürlich, Mädchen in fragt, Aebtissin aber in »faßte sie in der I tor sagt rankreich Zeit. Er existireu raussage )aß eine vor den en wird, ivn den äusigsten iüdinnen lche mit Runzeln und weißen Haaren. Gott bewahre, sic mit den Madonnen von Rafael zu vergleichen! Ich habe mich gefragt, was wird die Jüdin in dieser neuen Rolle darstellen? Der Vorzüge der Jugend beraubt, wird sie mehr der Satyre Stoff geben; ist es etwa eine geheime Absicht des Autors, sie uns von der Last der Jahre gebeugt vorzuführen'? Weit entfernt! Und Sie haben es nicht zu bereuen, meine Damen, wenn der Dichter manchmal das graziöse junge Mädchen aus dem Spiel läßt, um Ihnen die tapfere Gattin und die ehrfurchtgebietende Mutter zu zeige»! Ach, ich hätte leichtes Spiel wenn ich hier aus den Tragödien des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts schöpfen wollte, aber wenn ich den Esther und Berenicen geopfert habe, so lassen Sie mich wenigstens die Erinnerung an die Tragödie der Inden von Garnier auffrischen, in der der Dichter der Königin Anithal, der Mutter des von Nebukadnezar besiegten Königs Sedices verliehen hat. Rur die Ahnfrau mit ihrem weißen Haar ist interessant inmitten ihrer gefangenen Kinder und Enkel, und man ist von Mitleid erfüllt, wenn sie den Nebukadnezar bittet, die Ihrigen zu schonen und sie selbst zu tödten. Die Sprache Andromache's ist eleganter, aber sie ist nicht vornehmer als diejenige der jüdischen Königin. Nebukadnezar selbst, der so hart gegen alle anderen Gefangenen ist, erwies der Hoheit dieser jüdischen Königin Ehre. Ich übergehe andere Gestalten: Sara in dem „Sacrifice D’Abiaham", Jochebed, die Mutter des Moses, eine Tragödie, deren Titel selbst schon einen Lobspruch enthält: „.Toeabed ou le Miroir des vraies meres." Ich ziehe es vor, Ihnen hier nach einem Romanschriftsteller das Bild einer guten Wirthin, einer Jüdin natürlich, zu entwerfen, einer jener Heldinnen des Kochtopfes, welche auch ihre Poesie haben, wenn es wahr ist, „daß ein tadelloses Mittagessen selbst schon ein Gedicht sei". Eine Frau von Ordnungsliebe, Verstand, die ihre Wirthschaft sorgfältig, ja sogar mit Koquetterie versieht. So ist die ausgezeichnete Sorte, die Frau des Vater Moses in der „Blokade von Pfalzburg". Sie ist sehr beliebt bei Allen, diese brave Frau, sogar bei dem schrecklichen Sergeanten Trubert, einem rauhen Krieger, der alle Feldzüge Napoleons mitgemacht und den man 1813 in die Garnison nach Pfalzburg geschickt hat. Dieser Trubert liebt die Juden nicht. Er hat sie in Rußland und Polen gesehen und hat von ihnen eine schlechte Meinung behalten. Der Zorn des Königs Salomo ist schrecklich, aber er ist nichts im Vergleich zu dem des Sergeanten Trubert, da er in der Mairie von Pfalzburg eineu Einquartierungsschein zu Vater Moses erhält! „Juden, hütet Euch ... ich werde Alles demoliren." Aber Trubert hatte seine Rechnung ohne die gute Laune und den freundlichen Empfang der jüdischen Wirthin gemacht. Der heftige Sergeant, der Schrecken aller Bürger, bei welchen er wohnt, sucht in allen Ecken. Nirgends ein Stäubchen zu finden, nirgends ein Fluch anzuwenden. Alles ist von peinlicher Sauberkeit. Er kann's nicht glauben, daß er bei Juden ist. Er staunt; entzückt schüttelt er ihnen die Hand und ruft aus: „Oh, Vater Moses, Ihr könnt Euch rühmen, eine solche tüchtige Frau zu haben! Das nenne ich eine Frau." Je länger der Aufenthalt des Sergeanten im Hause dauert, desto mehr Interesse!>nd Zuneigung gewinnt er für seine Wirthe. Eines Tages, als die Kinder der Frau Sorle am Typhus, der in der Stadt ausgebrochen, erkrankt sind und der Pflege, besonders einer guten Bouillon bedürfen, ist es rührend zu sehe», wie der Sergeant sich des einzigen Stückchen guten Fleisches, das er in der Kaserne erhalten, beraubt, um deu Kindern dieses letzte Heilmittel zu verschaffen. Er ist glücklich, diesen Juden, die er seine wahren Freunde nennt, eine Freude bereiten zu können. Und mit lebhaftem Kummer trennt er sich von ihnen, nachdem die Belagerung zu Ende ist, und bittet um die Erlaubniß, zum Abschied die gute Madam Sorle, wie er sie nennt, umarmen zu dürfen. Ja, diese brave Frau, mit ihrem Leben voll von Ehre, von Arbeit, von Frömmigkeit; diese gllte Sorle, die ihre Kinder erzogen die ihren Mann gestützt und ermuthigt hat, ist wohl dieselbe, von der im 31. Kapitel der „Sprüche Solomons" die Rede ist. Ich erinnere mich, daß Herder, der von diesem Kapitel gesprochen, es so schön findet, daß er es ganz zitirt. Sie werden mir wohl sagen, daß das nicht in einem Vortrag um zehn Uhr Abends geschehen ist. Das ist wahr, und ich begnüge mich im Vorübergehen daran zu erinnern, daß unsere jüdische Litteratur schon vor den modernen Romanschriftstellern, vor den dramatischen Dichtern die Frau verherrlicht hat, nicht die frivole, sondern die ernste, die geachtete Frau, die, von der gesagt wird, daß ihr Werth höher sei als der der Perlen. tSchlw! iutflt.) * Der heilige Herr. Historischer Roman von Ferdinand Dieffenbach. Sechsundzwanzigstes Kapitel. Schluß. Einsam und zurückgezogen von der Welt verlebte nun Eva Romanowna, so nannte sie sich nach dem Tode Franks, die Tage, kaum Kunde von der Außenwelt erhaltend. Ohne daß sie es bemerkte, gestaltete sich die Welt um und alles, was noch aus der „guten alten Zeit" übrig geblieben war, wurde nach und nach umgestürzt. Nicht nur die wichtigsten Persönlichkeiten des „Jahrhunderts der Aufklärung" verließen nach einander deu Schauplatz, auch die gesammte Bildung dieses Jahrhunderts wurde weggefegt und eine neue trat schrittweise an die Stelle; eine ganze Reihe von Staaten und ihre Einrichtungen gingen gleichfalls in Trümmer. Am 9. November 1796, in den Morgenstunden, starb Kaiserin KatharinaII. Zwei Jahre darauf folgte ihr einstiger Geliebter, das Opfer ihres Ehrgeizes, der gütige und ritterliche Polenkönig Stanislaus August, ihr im Tode nach. Nach Katharinas Tode zeigten sich bereits die ersten Spuren eines Wankens des Thrones, die Folgen jenes brutalen Egoismus, der im Zarenreich den Weg zum Throne ebnete und der selbst die Heiligkeit und Unverletzlichkeit des gekrönten Hauptes nicht kennt; der, wie er rücksichtslos Prinzen und Prinzessinnen des kaiserlichen Hauses beseitigt, wenn es die Staatsraison erfordert, auch vor dem Morde am Kaiser selbst nicht zurückschreckt. Wie einst Peter 111. wurde auch Kaiser Paul am 23. März 1801 durch eine Verschwörung Pahlens und v. Bennigsens gestürzt und in seinem Schlafzimmer erdrosselt. Seitdem vollzog sich in Rußland eine völlige Umwälzung. Beinahe noch wirrer gestalteten sich die Dinge im westlichen Europa. Das alte deutsche Reich erlag den Stürmen der französischen Revolution und den kühnen Streichen des korsischen Imperators Der Rheinbund, dem auch Psenburg beitrat, entstand und verschwand wieder vom Schauplatz. An Eva gingen die Ereignisse spurlos vor. über. Ohne Theilnahme für die Vorgänge der Außenwelt lebte sie für sich, und zeitweise sah man die schlanke, vornehme Gestalt mit den hochgeschwungenen Augenbrauneu und den dunklen, feurigen Augen in einfacher, schwarzer Kleidung durch die Straßen wandeln. Ihre Herkunft blieb für die Mehrzahl der Bewohner der Stadt am Mai. ein Räthsel. Erst ini Jahre 1813, als die Verbündeten ihren Zug nach Frankreich vorbereiteten, trug sich ein Ereignis; zu, das die Augen der Welt wieder auf das Geheimniß lenkte, das die Person Eva

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