Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1892)
- Date
- 1892-02-19
- Page
- Seite 92 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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92 - Die Liebe der Hadaska ist unglücklich, wie jede Liebe einer schönen Jüdin. — Und wie kann es anders sein? Eine Jüdin kann nur einem Christen Liebe einflößen... im Roman! Sie darf nur von einem Christen geliebt werden! Es ist unseren jüdischen Julia's unmöglich, jüdische Rvmeo's zu finden. Ein sonderbarer Romeo, dieser häßliche, schmutzige, fette Jude, den man am häufigsten auf die Szene des Romans bringt, wenn es regnet, damit er von Koth bespritzt vor uns erscheine. Uebrigeus können sich die Romanschriftsteller einen Juden gar nicht jung vorstellen. Die meisten dieser schönen Jüdinnen werden von einem alten Vater oder Onkel begleitet. Das Alter der Juden bildet noch einen guten Theil der konventionellen Form im Roman. Da Freund Fritz bei Erkmann- Chatrian das Viertel, wo die Synagoge steht, durchwandert, sieht er nur wackelnde Köpfe und zahnlose Mäuler. „Man hätte glauben können, daß alle diese Leute aus Ninive, aus Babylon gekommen seien, oder daß sie sich aus der Sklaverei Aegyptens geflüchtet Hütten, so alt waren sie." Wann wird endlich der Dichter kommen, der es wagen wird, uns einen Liebesroman zwischen einer schönen Jüdin und einem schönen Juden zu schassen? George Eliot hat das wohl in ihrem Roman „Daniel Deronda" versucht, aber mit welcher Schüchternheit! Ihr Held weiß, da er in das Mannesalter kommt, nicht, welcher Religion er angehört, und seine ganze Erziehung verdankt er Christen. Das ist es, was die Verhältnisse sehr ändert. Wie sind doch die Dichter eifriger und kühner, wenn es sich um die Jüdin handelt! Das ist so wahr, daß ich gar nicht fürchte, einen viel heiklem Gegenstand zu berühren. Manche Schriftsteller haben aus der Jüdin eine Courtisane gemacht, und das ist auch leicht verständlich,- da die Jüdin ein höherer Schönheitstypus war, konnte sie schlechterdings dieser Rolle nicht entgehen. Aber die Tradition der Gestalt verliert sich nie. Die Jüdin bleibt doch sympathisch; darf ich es wagen, zu behaupten: Sie ist fast tugendhaft auch im Laster. Esther in dem Roman: „Splendeurs etmiseres des courtisanes“ gehört sicherlich nicht zu jenen frechen Weibern, die im Laster eine friedliche Behaglichkeit finden lind die nicht mehr erröthen können. Sie ist liebenswürdig und wirklich ruhrend in ihrer Bescheidenheit. Der letzte Brief, den sie an ihren Geliebten Lucian de Rubenpre schreibt, enthält viele schöne Gedanken und verrüth eine schöne Seele. Die Jüdin Sara Feiler in dem Roman „Lu mailresse de M. le miiiistio" von Mervuvel giebt uns Beweise von Großmuth und Edelsinn. Ter Minister M. de Lignieres giebt seine Entlassung, um die schöne Jüdin, die er liebt, heirathen zu können. Das Projekt dieser Verbindung würde aber die Ehe, die das Fräulein de Lignieres eingehen soll, auflösen. Was thut nun die Jüdin? Weit ihrem Geliebten überlegen, der nur ein schlechter Vater ist, opfert sie sich selbst, sic verläßt Frankreich. Glauben Sie nicht, daß sie neue Abenteuer sucht; sie stirbt, aber mit der hohen Genugthuung, daß sie die Achtung braver Menschen mit sich nimmt! — Hier gebe ich Ihnen ein noch viel interessanteres Beispiel, das ich in einer Novelle von Guy de Maupassant „Mademoiselle Fifi" gefunden. Mademoiselle Fifi ist der Spitzname eines preußischen Offiziers, der während des letzten Krieges in einem Schlosse nahe von Rouen in Garnison lag. Um sich die Zeit zu vertreiben, nahmen sich die Offiziere eines Abends vor, sich in Rouen lustige Damengesellschaft zu suchen. Sie kommen, fünf an der Zahl, man ißt, trinkt; man trinkt viel. Der Offizier, von dem die Rede ist, bringt einen Toast aus auf seine Armee, spricht beleidigend über unsere Niederlagen, über unser Vaterland. Vier von den Mädchen, von denen ich gesprochen, hören schweigend und erstaunt zu; aber die fünfte erhebt sich mit Entrüstung, nimmt ein Messer und ersticht den Offizier; es ist die Jüdin Rachel. Nach dem ersten Moment des Entsetzens sucht man die kühne Rachel, die sich durch das Fenster geflüchtet hat. Ein ganzes Bataillon wird ausgeschickt, ihr nachzuspüren. Vergebliche Mühe; die Jüdin hat sich aus dem Staube gemacht. Der Schluß dieser Geschichte ist sehr interessant. Man begräbt den Offizier; bei dieser Gelegenheit läßt der Geistliche zum ersten Mal, seit das Vaterland in Trauer, die Glocken läuten, weil die Feinde ihm, falls er es verweigert hätte, gedroht hatte», selbst in die Kirche einzudringen und in den Glockenthurm zu steigen. Und dort hatte der brave Geistliche der patriotischen Jüdin Zuflucht gewährt. Um sie zu retten entschließt er sich, dem Feinde die letzte Ehre zu erweisen. Nach dem Kriege wird Rachel von einem braven und vorurtheilslosen Patrioten geheirathet und sie führen eine sehr glückliche Ehe. Was scheert uns nach diesen Beispielen, daß es auch Gestalten giebt, die weniger achtungswerth sind, die mehr Habgier als Skrupel zeigen, wie z. B. die Mädchen vonDuval in dein Roman „Manette Salomon" von Goncourt. Sie unterscheiden sich immer noch vom Inden, da sie schön und verführerisch sind in Ermangelung anderer Tugenden. Ich könnte, wenn ich wollte, für diese „Maoetle Salomon“ auf mildernde Umstünde plaidiren, wenn ich auf sie, deren Schönheit die Verzweiflung der Maler ist, die folgenden Verse des Dichters der „Fuges intimes" anwenden wollte: Pour effacer La tache infame et nous laisser Ton image ideale et pure, Que l’art sacre touchant ton front De ton pass6 lave l'aftront Et la souillare! Que ee corps au dedain livre, Par le pinceau transfigure Avant de vieillir s’eternise. Que du moins un peintre inirnortel A 1a. beaute dresse Tautel Qui divinise! Glauben Sie nicht, daß ich daran denke, diesen Frauen, von welchen ich spreche, Altäre zu errichten. Es giebt Bilder von jüdischen Frauen, die wenig geschmeichelt sind; ich gebe es zu und will nicht behaupteil, daß sie unwahrscheinlich sind. Ich wäre viel mehr dazu geneigt, wenn ich sehe, wie der Romanschriftsteller auf Kosten der Phantasie die jüdische Frau feiert. Ist es natürlich, wenn man uns ein Kloster der reuig zurückgekehrten jungen Mädcheil zeigt, >oo jeder Zutritt hat, ohne daß man nach der Religion fragt, und daß man an die Spitze dieses Klosters eine jüdische Aebtissin stellt, die ihrer Religion treu bleibt? „Niemals wollte sie der Religion ihrer Väter entsagen, aber in ihrem eifrigen Glauben und in ihrer großen Toleranz umfaßte sie alle Bekenntnisse." Diese sonderbare Geschichte findet man in der t „Juive de Marche Neuf“ von Eugene Mouret. Der Autor sagt uns aber doch, daß ein solches Kloster vielleicht nicht in Frankreich existirt habe: es bestand früher in Tirol in der guten alten Zeit. Er fügt noch hinzu, daß ein solches Kloster wohl noch einmal existireu könnte. Ohne Zweifel au jenem Tage, an dem sich die Voraussage des deutschen Drainaturgen Paul Lindau erfüllen wird, daß eine Zeit kommen werde, in der man alle deutschen Frauen vor den jüdischen Frauen auf den Kuieen um Verzeihung bitten sehen wird, dafür, daß sie sie verkannt haben. Diese Studie wäre nicht vollständig, wenn ich nur von den Jüdinnen, die jung und schön sind, spräche. Diese sind am häufigsten im Gegensatz zu den stets alten Juden. Aber nicht alle Jüdinnen in den Romanen sind zwanzig Jahre alt, es giebt auch solche mit Runze von st, Jüdin brraul geheim vorzus meine Müdch die eh wenn Jahrh geopfe Tragö König König Haar und >i die 2 Andre der j: andere l)’Ab Titel des \ schüft eutwe Poesie selbst die ih ist di „Blot schreck lüge ' nach ‘ Er he schlech schreck Trübe schein Alles Laun> Der wohn nirge oaß c und solche oer A und; Kind« erkrar ist es guten Kindi Jude könne dem