Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1892)
- Date
- 1892-02-19
- Page
- Seite 90 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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90 spiele des kindlichen Aberglaubens, mit welchem man Mißgeburten, Erdbeben, Meteore und andere ungewöhnliche Naturerscheinungen als böse Vorzeichen für Einzelne oder für den Staat betrachtete, und von den Beschwörungen, Opfern und anderen Mitteln, die nnm anwendete, um das drohende Hebet abznwenden, die erzürnten Götter zu versöhnen. Selbst ein Paulus Aemilius ließ dem Herkules eine große Menge Rindvieh opfern, als eine Mondfinsterniß glücklich vorübergegangen war;') und noch im Breviarinm des Eutropius wird (VI, lf>) erzählt, daß Crassus von den Persern geschlagen wurde, lveil er eontra oniiuu et auspicia eine Schlacht lieferte. Bon einer ganzen Menge Wunderzeichen wird aus den Zeiten der Bürgerkriege berichtet: Kurz vor der Zusammenstellung der Proskriptionslisten durch die Triumviren gab ein Stier eine menschliche Stimme voll sich, und die Hunde heulten wie Wölfe, Götterbilder schwitzten, neugeborene Kinder fingen zu reden an, und an der Sonne bemerkte man allerlei verdächtige Zeichen. Der Senat wußte nichts Besseres zu thun, als Priester nnb Wahrsager aus Etrurien herbeiznrufen, welche freilich den Senatoren nichts Besseres zu sagen wußten, als daß sie alle zu Sklaven gemacht werden würde:!, was jeder vernünftige Staatsmann ohnehin wußte.? Auch als Julius Casar mit seiner Armee sich Roin näherte, hatte der Senat „inoie vetusto" etruskische Zauberer herbeigerufen, die aber mit ihren gräulichen Mitteln nichts ausrichteten?) Als Kaiser Marcus Aurelius zum Kriege gegen die das römische Reich bedrohenden zahllosen Schaaren germanischer Völker ausziehen sollte, da ließ er von allen Seiten Priester herbeirufen, nach den verschiedenartigsten Riten Opfer bringen und die Götter um Hilfe anflehen gegen die furchtbaren nordischen Barbaren. Aber es half nichts, und die frommen Römer, die orthodoxen Anbeter Jupiters, wußten auch, warum es nicht half: „Seit dem Aufkommen der neuen ungläubigen Sette, die sich christlich nennt, grollen die unsterblichen Götter und strafen uns mit Pest, Erdbeben und Niederlagen." Ta ließ der paphlagonische Schwindler Alexander von Abonoteichos, der Cagliostro jener Zeit, der sich für einen Propheten und Gatten der Göttin Luna ausgab, dem Kaiser sagen, sein Schlangenorakel habe verkündet, er solle zwei Löwen mit den kostbarsten Spezereien Indiens in die Donau werfen, wo dann er unfehlbar die Markomannen und Ouaden besiegen werde. Und der Philosoph auf dem Kaiserthrone, der gute und weise Mark Aurel, der Verfasser der berühmten philosophischen „Bekenntnisse", der sich so erhaben fühlte über jüdischen und christlichen Aberglauben, begab sich im Priesterornate, von den Vornehmsten des römischen Heeres begleitet, an den Rand des Stromes und ließ die wohlparfümirten Löwen in die Donau werfen. Die Thiere schwammen durch den Strom und wurden am anderen Ufer von den ungläubigen Barbaren todtgeschlagen. Wenige Tage darnach erlitt das röniische Heer eine furchtbare Niederlage. Als die Barbaren die Donau überschritten und bis nach Aquileja vordrangen, und die Angst in Rom auf das Höchste stieg, legte der philosophische Kaiser wieder das Priesterkleid an und assistirte dem Schlachten der Opferthiere. Dann nahm er einen Speer ans dem Teinpel des Mars, tauchte ihn ins Opferblut und schleuderte ihn nach uraltem römischen Brauche gegen die Gegend,^aus der die Feinde kamen?) Nicht innner begnügte man sich mit lächerlichen und ekelhaftem Mitteln; in Zeiten großer Noth machte man auch von den furchr barsten Gebrauch. Die Römer, die so oft von den barbarischen Religionen andern Völker, von den Menschenopfern der Gallier mit heuchlerischer Em rüstung sprachen, den Christen vorwarfen, daß sie Kinderblut bn ihren religiösen Ceremonien benützten, haben eigentlich erst mit 9b nähme des ChRstenthums anfgehört, öffentlich und feierlich Mensche: opfer darzubringen. Nach der Schlacht bei Cannä ereignete sich, wie Livim (XXII 57) erzählt, daß zu allen: Unglücke noch zwei Vestalinnen iln Keuschheitsgelübde brachen. Um die Götter zu versöhnen, ließ der Senat einen Gallier, ein. Gallierin, einen Griechen und eine Griechin im Forum boariuri „an der schon früherzuMenschenopfern benützten Stelle lebend begraben. Ein ähnliches Opfer war einige Jahre frühe! während des Krieges mit den Galliern gebracht worden?) In diesen: Falle ist uns das Opfern von Galliern begreiflich, warun aber die vier lebend begrabenen Ausländer für die Liebschaften de Vestalinnen bestraft wurden, ist schwer zu verstehen. Zwei Jahre vor seine!:: Tode ließ Julias Cäsar;wei Soldaten von de:: Oberpriestern und den: Priester des Mars öffentlich an? dem Marsfelde altschlachten?), und nach Einnah:ne von Perugi? ließ Octavius dreihundert gefangene Römer vor den: „Altäre de? göttlichen Julius an den Iden des März als Opfer schlachte::.8) Noch zu Plinius Zeiten wurden Burger eines Volkes, mit den: die Römer Krieg führten, im Forum Boariun: vergraben, und de Magister des Collegium Qiiindecemvirum sprach dabei die vorge schriebenen Zauberformeln?) Zu diesem Kollegium gehörte nute-' Kaiser Domitian auch Tacitus, und wenn das von Plinius erwähnt Opfer einige Jahre später stattgefunden, Hütte auch der große Histo riker bei einem Menschenopfer fungirt'und dann wahrscheinlich nod; entrüsteter von der „exitialnlis superstitio" der — Christen nt: Juden deklamirt. Mehr als hundert Jahre später ließ der Kaiser Didius Julia uns viele Kinder schlachten, um aus ihren Eingeweide:: die Znknnf zu lesen?) Und nach weiteren achtzig Jahren warf Kaiser Aurelian den: Senate seine Lässigkeit in religiösen Angelegenheiten vor, schall daß er sich wie in einer Christen-Kirche und nicht wie in den Te:n peln der Götter benehlne und erbot sich, so viele Thiere und gefan gene Feinde zu den Opfern zu liefern, als nun: brauche. ,,S ' haben unsere Vorväter Kriege begonnen und geendigt"?) Kaiser Konstantin ließ, bevor er sich zun: Christeuthun: bekehrte mehrere gefangene Fürsten der Franken und Alanumnen den wilde Thieren vorwerfen, „da er dem Volke ein prachtvolles Schauspi? geben wollte?) Die monotheistischen Juden und Christen, obwohl es bei i^ne auch nicht an Aberglauben fehlte, standen diesen: wüsten Polythest n:us mit Abscheu und Schrecken gegenüber; besonderen Wide? willen flößte ihnen aber der Kaiserkultns ein, zu den: man sie mi? unter zu zwingen suchte. Von den Römern und Griechen wurde:? aber auch die ruchlosesten Kaiser bereitwillig als Götter anerkenn Ja nicht blos die Kaiser, auch ihre Frauen und Kinder wurde.- r) Plutarch, Biographie des Paulus Aemilius. *) Appian, Bürgerkriege, IV 4. 3 ) Lucanus, Pharsalia 1 559 sg. 4) Lueian in: Leben des Alexander von Abonoteichos, Capitolinus. Marcus Antonius Philosophus 13, 14. Dio Cassius LXXI 33. ') Plutarch, Biogr. des Marcellus. 2) Dio Cassius XI,Hl 14. 8) Suetonius, Octavianus Augustus 15. 4) Plinius hist. nat. XXVIII 3. 5) Dio Cassius LXX111 Hi. *•; Historia Augusta, V. Aureliani 20. 7) Eutropius, Brevinrium Hist. rom. X. 2. vergött Tiber!:? von d dienst 1 stell n:^ die Ha Befehl D stall irt, Tempe Der S — er 1 fahren, als Ge Ei zu schb des Ka Ui geführt wollte, sich de: dekretir vergött beiden Sever:? Ji auch a? Pest i? geschickt nach 3i kam. mutter brachte A Jüngli Tempe auf de habe u Uebersi G schwier suchte hinübe zu Ro A und B andere moder: tunst nach d' der Fi *) -) 3) *)