Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1892)
- Date
- 1892-02-19
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
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89 den, wie n Leuten ■er imab es innern isgebildii renze sich »eben, uu Maßgabc >on kann, :n zu gi die II; ichtgefüil inter den; Medikc rd. Doo niemals lcher un >;en Thei>- ribut gi' Kadischal; en Ruh» er hun»- währein Schiwo!; zu dies'; , wohn - en. 'e werde» ten unter >d warne lende znr >aß arme gefügt z» irtvbim in den Ascin i, für den;ls solcher cht. mudtho;» nit einen; sonstige;! nlichkeit» sich wo;;> ns immer löglich in.!iimnic't, ntwortliei; m Judennden her.; Kinde'» n in eine »halt der ciedigendc Indes; meint Jeder, seiner Vaterpflicht Genüge gethan zil haben, wenn er seine Kinder mit dem spagnolischen Singsang beten lehrt, ji daß der Nigun von groß auf klein, von alt auf jung fortgeslingen und vererbt wird. Diese bedauerliche Vernachlässigung des Unterrichts hat es auch v rschuldet, das eine gewisse Plattheit im Denken sich heransgebildet l ,t und daß Jahrhunderte verstrichen sind ohne bemerkenswerthe geistige Leistungen der spagnolischen Juden. Hand in Hand mit jenem Mingel an jüdischem Wissen ging auch die Apathie gegen das tl lgemeine Wiffe». Empfanden sie ja schon deshalb kein Bectcfniß darnach, da die türkische Regierung vor wenigen Jahren noch nicht das geringste Interesse zeigte, die Nichttürken auf eine lohere Stufe der Bildung zu heben. Die christliche Propaganda nnterhielt zwar Missionsschulen, ja selbst Ghmnasicn für ihre Zwecke. U'3et aber hatte für die Juden Schulen errichten sollen? Der /pagnole wendete daher sein ganzes Haben und Können dem (andelsstande zu und fristete so sein Dasein. Besitzen die russischen ,-uben jenes Geschick, welches im kaufmännischen Leben so iinnm- »änglich noth thut, so geht dieses unser» sephardischen Brüdern in ker größer» Mehrheit ab, wofür aber Letzterer redlicher seinen vandel betreibt, und das Wort Bankerott oder Falliment jagt ihm cmen panischen Schreck ein. Das leider so modegewordene Banl rottiren ist unter den Spagnolen, welche nach alter Sitte leben und i'iiideln, ein Verbrechen, eine That, welche den Betreffenden außertilb des Bereiches der synagogalen Ehrenrechte stellt. Was der i phardische mit dem aschkenasischen Kaufmann gemein hat, ist der »ecilige Nutzen, welchen sie zu erzielen suchen, um sich konkurrenz- > chiger zu machen, in einer Zeit selbst, wo der Judenhaß wie eine Gewitterwolke über Alles sich gelagert und auf Schritt und Tritt das neben der Juden gefährdet. Die Möglichkeit aber, die Maare zu billigeren als den landläu-; zen Preisen loszuschlagen, gewährt dem spagnolischen Kaufmann dessen 'eiiügsamkeit, dessen Sparsamkeit, gepaart mit einer fast frugalen .ebensweise, welche die geringsten Ansprüche an die Tasche macht. Dieses hat sich allerdings seit der Herrschaft der Serben und -illgaren einigermaßen geändert. Diese wiedererstandenen kleinen Völkerschaften hassen alles Türkische ebenso gründlich, wie sie die europäischen Kultnrznstände in ausgedehntem Maße für sich in Anspruch nehmen. Serbien und Bulgarien zählen sich zu Europa »nd wollen auf gleiches Niveau sich stellen, was das Leben außerrdentlich vertheuert. Diesem können sich auch unsere spagnolischen Brüder nicht ganz ntziehen. Den Anforderungen der Zeit muß Rechnung getragen »»erden, und zwar oft auf Kosten der Solidität. Was dieses beeiltet und auf welche Weise dieses sich vollzieht, bedarf erst keiner lnseinandersetzung. Verlassen wir den Handelsstand, so soll uns noch der Gewerbe- »ond beschäftigen, und wir möchten den Handwerkerstand als einen versuch bezeichnen, den unsere Brüder gemacht haben, um anderweiuge Nahrungsguellen zu finden. Es muß aber hervorgehoben »erden, daß kein Gewerbe als unehrenhaft betrachtet wird wie »nderswo. Mein Freund M. T., welcher ein ganz ansehnliches Vermögen besitzt, ließ seine Söhne im Handwerk unterrichten »nd be-;reibt selbst (ein Mann von mehr als 70 Jahren) die Kvfferfabrilation, in welcher er auch arme Kinder unterweist. In freien Stunden oefaßt er sich mit hebräischer und talmudischer Lektüre, mit Ueberiragungen ins Spanische und den Angelegenheiten der Sofiaer Gemeinde. Da wir schon von dieser achtbaren in ihrer Art ausgezeichneten Persönlichkeit reden, sei hinzugefügt, daß er vor drei Jahren, als der Antisemitismus und die Blutmärchen zu sprlken begannen, eine sehr lesenswerthe Broschüre in bulgarischer Sprache auf seine eignen Kosten drucken und in den tonangebenden bulgarischen Kreisen vertreiben ließ. Römer und Inden. Bon Dr. Marcus Landau. M>. Es waltete aber noch ein anderer Unterschied zivischen Römerir und Inden ob, ein Unterschied, der sich mit der Entwickelung beider Völker immer mehr vergrößerte. Der Jude wnrde immer glaubensvoller, der Römer mit demFortschreiten der Bildung immer ungläubiger. Die Religion ward bei diesem Herrschaftsinittel, ein politisches Werkzeug im Kampfe der heimischen Parteien und in auswärtigen Kriegen. Vogelschau, Blitze »nd andere Hiininelszeichen ivnrden von Parteihüiiptern benützt, um unbequeme Volksversammlungen anfznlösen der deren Znstandekommen zu verhindern. Der Augur vertrat oft die Stelle des modernen Polizeikommissärs. Sobald ein neuer Kaiser zur Regierung gelangte, wußten die Schmeichler allerlei Wunderzeichen von seiner Geburt und Kindheit zu erzählen. Hosgenealogen leiteten seine Abkunft von Venus, Herkules oder irgend einer anderen Gottheit her. Die Kaiser aus dem julischen Hause leiteten ihre Herkuirft von Venus, Galba von Jupiter nnd Minos, Marcus Antonius und Titus von Herkules ab. Polybius betrachtete die Religion der Römer nur als eine geschickte, wohlausgedachte Polizei, um das »ngeberoige, leichtsinnige und begehrliche gemeine Volk in Zucht und Ordnung zu halten/) Der vornehme, gebildete Römer brauchte sie natürlich nicht. „Wie können zwei Auguren einander ins Gesicht schauen, ohne zu lachen", hatte schon der alte Cato gesagt, und Cicero, der diesen Ausspruch citirt, machte sich über den Unsterblichkeilsglauben, über die Lehre von der Bergeltung im Jenseits-), über die Vogelschau und Eingeiveide-Beobachtnng lustig; freilich nur ganz im Geheimen (soll sumus, licet verum exquirere sine iuvidiu), denn öffentlich durfte man die Haruspicina als Staatsangelegenheit nicht angreifen'), und mit großen! Ernste schrieb Cicero an Plankns (X, 1:>) über den Bericht der Wärter der heiligen Hühner, ivelcher von „unserem Kollegium bestätigt wurde". So wie Cicero macht sich auch Plinins über den „kindischen Glauben" an die Unsterblichkeit der Seele lustig, und Jnvenat meint, daß selbst die Kinder nicht mehr an das Reich der Unterwelt, an Charon und den Styx glaubten4). Weil die römischen Staatsmänner zu ihrer eigenen Religion keinen vollen Glauben hatten, konnten sie anck den Glauben Anderer nicht recht begreifen. Er erschien ihnen immer als hartnäckiger Eigensinn oder strafbare Auflehnung gegen die Majestät des römischen Staats. Das Volk aber und auch Einzelne ans den höheren Stünden, namentlich die Frauen»), ivaren dem krassesten Aberglauben und Feteschisnius verfallen, die von den frühesten Zeiten der Republik bis in die späteste Kaiserzeit von Staats ivegen genährt und gefördert wurden. Bei den Geschichtschreibern Roms finden wir eine Menge Beir) Polybius VI 5(>. 2) Orntio pro Cluenlio Avito <>1. 3) De (livimilionc 11 12, 24. 4) I isl. n;it. Vll, .■>(); Jtivcnal Sal. 11 149. ö) „Dii, quos tu ciist.is.simi coluisti, lioniines qu'ilms ejfo servivi," schrieb Cicero seiner Fron, sich über die Undankbarkeit von Göttern nnd Menschen beklagend, (oü Diverses XIV 4.)