Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1892)
- Date
- 1892-02-19
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
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88 nasi" gemacht, welchem Namen die unwissende große Masse den Namen Jude voransstellte, znm Zeichen ihrer „Vornehmheit", ihrer geschlossenen Brüderlichkeit. Freilich wissen nnr sehr Wenige, welche Summe von Unglück, welche ungezählte Scheiterhaufen, wie viel Raub und Mord dieser Begriss in sich schließt, sie würden sonst gewiß dieses grauenhafte Wort Spangole längst mit der ihnen so lieb gewordenen Sprache der „heiligen Inquisition" der Vergessenheit und Verbannung aus ihrer Mitte preisgegeben haben. Heute gilt das Wort „Je od As sam Spagnol" als eine Art Allshangeschild, was sagen soll: „Ich bin besser als ein Aschkanasi, ich gehöre nicht unter Jene". Das obige Aushängeschild wird auch dem armen jüdischaschkanasischen Wanderer entgegengehalien, wenn derselbe an die Pforte seiner Brüder pochen muß. Diese abwehrende Haltung lvirft einen dichten Schatten auf das Leben unserer Brüder, da dieses Gebühren nicht sporadisch vorkommt uild an gewisse Landstriche gebunden ist, denen man den niedrigen Kulturgrad Vorhalten kann, sondern allüberall sich findet, wohin die spagnolische Zunge reicht. Man würde aber fehlgehen, wenn man annehmen wollte, daß sie nur den Beutel straffer spannen und damit entschuldigen, oaß sie zuvörderst die Armen des eigenen und engeren Kreises zu unterstützen verpflichtet sind. — Selbst die Herzenspforten Pflegen sie verschlossen zu halten vor einem „Todesco". Jüngst stand ein spangotisches Mädchen hart vor dem Sprunge, die Segnungen der Ehe vom Altäre des orthodox-christlichen Glaubens sich zu holen — da sprang noch im kritischen Augenblick ein deutschjüdischer Arbeiter ein und führte sie heim. Diese Wendung der Dinge ließ sich der schwer gegrämte Vater gefallen. Ein ähnliches Vornrtheil hält die armen spangolischcn Elter» ab, ihre Mädchen in den Dienst eines Aschkanasi zu schicken, und nicht blos aus religiösen Bedenken, die so viele aschkenasische Familien einem konservativ-spagnolischcn Gemüth einflößen. Einen unliebsamen Kontrast bildet die gewiß sehr bedauerliche nrld unsittliche Gepflogenheit der armen spagnolischcn Klasse in Saloniki, ihre Töchter gegen einen geringen Wochenlohn in die Harems zri allen Dienstleistungen zu vermiethen, und wir meinen, das; auch im Harem der fanatischsten Türken gar manches nicht „koscher" ist. Wir wollen mit dieser Besprechung nicht das Sündenregister unserer Brüder aus Spanien zur Anschauring bringen, sonderir nur konstatiren, das der Spagnolismus nicht das edle Pfropfreis bilden kann, welches zur Verbesserung des jüdischen Stammes dient. Die einzige klassische, ja die allein heilbringende Schöpfung ist die natürliche, welche darin besteht, daß den zurückgebliebenen Brüdern, den Pseudospaniern, echt jüdischer Geist aus dem Lager der Aschkanasim zugeführt werde. Diese unsere Ansicht, welcher wir vor mehr als einem Ouinqnennium an anderer Stelle Ausdruck gaben, fand bereits Eingang in besser denkende Kreise Serbiens und Bulgariens. Hier wie dort sah man bereits ein, daß eine geistige Regeneration erstrebt werden müßte, wenn das spanische Judenthun: mehr als ein leerer Schall sein sollte. Und man wandte seine Blicke nach Europa, um das Licht des Wissens durch Berusimg deutscher Rabbiner nach Belgrad und Sofia, nach dem Osten zu tragen. In wie weit diese reformfreundliche Bewegung an Ansdehnmrg gewonnen und welche Früchte sie getragen, läßt sich bei der kurzen Spanne Zeit von vier Jahren allerdings noch nicht feststellen. Wenden tvir uns nun den Aeußerungen des spagnolischen Charakters tiefer zu und belauschen wir deren Thun und Lassen unter einander. Es sei uns gegönnt, jenes Gros der Spagnolen ins Alige zu fassen, welches die breiteste Schicht ausmacht und die von der modernen Kultur unbeleckt nur noch der Tradition leben, wie Millionen unserer Brüder in Europa. Bei diesen armen Leuten spricht uns so recht der edle jüdische Volkscharakter an, welcher unabhängig von der nicht jüdischen Bevölkerung auf Grund seines inner:: Wesens, auf Grund der heiligen Lehre Israels sich herausgebild« hat. Da vermochte keine engere oder weitere politische Grenze sich in die ethischen und ethnischen Fundamente Jakobs einzuschieben, ui.i sic zu theilen und ihnen ein anderes Gepräge zu verleihen, Wir beginnen mit den Aeußerungen der Nächstenliebe. Diese erfüllt das Gemeinwesen der Sephardim nach Maßgabe der Mitglieder und deren finanzieller Kraft. Eine Zahl von kann: 10 Familien vereinigt sich gleich nach ihrem Zusammentreffen zu g- - meinsamen Humanitären Werken. In erster Reihe wird für die kl: terstützung der Kranken gesorgt. Das humanitäre Pflichtgefühl diktirt ihren Gemeindeältesten die Errichtung eines Vereins unter den Namen „Bikur Cholim", aus dessen Einkommen ein Arzt, Medikamente, oft auch Nahrung dem armen Kranken beigestellt wird. Do», diese offizielle Wohlthütigkeitsübung verdrängt die private niemal-:. Der ärmste Kranke sieht sich bald von einer Schaar Besucher um Besucherinnen umgeben, jeder derselben sucht mit der innigsten The» nähme die Situation durch Wort und That zu mildern. Ist die Rettung unmöglich und hat der Tod seinen Tribut g» fordert, dann treten die Männer oder Frauen der Chewra Kadischal, an die Stelle und bestatten den Heimgegangenen zur ewigen Ruh-. Aber auch die Hinterbliebenen werden in den Kreis der hunn - nitären Beachtung gezogen. Die Nachbarschaft bringt währender Trauerzeit die Beköstigung ins Haus, lim die weihevolle Schiwvl: nicht mit der Sorge um Nahrung zu profaniren. Auch zu dies-, Zeit bleibt das Haus der Trauernden nicht menschenleer, wohingegen die Trauergäste mit schwarzem Kaffee bewirthet werden. Weniger von Privatvereinen als von der Gemeinde werde» Anstalten getroffen, um den Armen in kritischen Momenten unter die Arme zu greifen. Im Winter wird Heizmaterial und warine Kleidung gespendet. Der Monat Adar fordert seine Spende zur Beschaffung von Mazzoth, Wein rc. und Bekleidung. Daß arme Bräute Gegenstand der Fürsorge sind, braucht faimt hinzugefügt z:> werden. Die Sorge für den Unterricht weicht bei den Sephardim in einer sehr wichtigen Beziehung von der Gepflogenheit bei den Asä» kanasim ab. Bei den Spagnolen liegt es dem Vorstande ob, für de» Thoraunterricht Sorge zu tragen. Der Familienvater als solcher kümmert sich um den Fortgang des Unterrichts fast gar nicht. Nur größere Gemeinden können eine mehrklassige Talmudtho:» unterhalten. Die kleineren Gemeinden begnügen sich blos mit eine»: Lehrer, der ihnen den Gottesdienst, die Schlachtung und alle sonstig- » Funktionen versieht. Daß in einzelnen Gemeinde,: die berufenen Persönlichkeit-» fehlen, um das Gelehrte auch kontroliren zu können, läßt sich wo»> erklären, deshalb sinkt auch das Niveau des jüdischen Wissens in»:»» tiefer, was z. B. in Rußland und Galizien nicht so leicht möglich i». da sich dort jeder Vater um den Untericht seiner Söhne klimmen, der Melamed aber für seine Leistungen von „Prüfern" verantwort! .» geinacht wird. Dieser dunkle Punkt in dem Gemeindeleben der spagnolischen Jude»- heit rührt zumeist von der Kleinheit der einzelnen Gemeinden her. die es schon seit langen Jahren nicht ermöglichte, ihren Kinde » einen gründlichen Unterricht zu ertheilen. Und wenn man in ei»c spagnolische Synagoge tritt und den Vorbeter um den Inhalt der Gebete befragt, ist derselbe kaum in der Lage, eine befriedigende Antwort zu geben. Int wenn er i> daß l gesungen Die verschuld tat und rnstung, Aiangel »lgeinei: dacfniß »och nil ln: Here ( »nterhiet vier ab :pagno Kandels .-„den gänglich i er grü Kandel einen P l rottire: tändeln,!»:lb de iphardfl geringe »lhiger i > »ewitter »eben d Die »gen Pr: Aenügsa .-bensw Die Aulgare Aölkersck europäis Anspruc m:d wo! rdentlic Die »tziehe: »»erden, eutet : »iiseina Ve, »and b< versuch ,ge Nc »'erden, -mderstt mögen treibt s iation, »efaßt e iragung »leinde. gezeichm Jahren,