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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-19 · Heft 8 (19.2.1892) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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Materiellen Verhältnissen thut es wohl, wahrzunehmen, welch ein üllhorn reichlicher Dotationen sich über eine Anzahl von Personen ergießt, welche im Dienst conununaler Verwaltung ihren Lebensuterhalt sich solchen müssen. Ten davon Betroffenen ist es von \xrjen zu gönnen, und es ist anderseits mit Gewißheit zu erwarten, mH sie es nicht an Eifer und Hingebung fehlen lassen werden, das )\mx nun zu Theil gewordene bessere Loos redlich zu verdienen. Bas inan aber auch jetzt anzuuehmeu berechtigt ist, das ist, daß die Misere des Verlangens nach Separatremunerationen ihr Ende -rreichen wird. Wenn es schon vom Argen ist, daß trotz der Beiuagsleistnngen der Mitglieder zu den Gemeindelasten jede Gegeneistung mit nicht geringen Auslagen verbunden ist, so ist es peinlich ab das Ansehen der Verwaltung empfindlich schädigend, wenn überic§ von einzelnen der hiebei in Verwendung kommenden Funktioäre ungescheut noch weitere Forderimgen an die Parteien gestellt werben. Dank der hier vorhandenen Munifizenz nicht weniger Geleindemitglieder, werden bei jeder sich darbieteuden Gelegenheit die viinftionäre in reichem Maße bedacht; umso unangenehmer berührt ö, wenn an den Säckel solcher Leute herangetreten wird, die mit er Entrichtung der allenfalls festgesetzten Gebühren ihre Schuldigkeit -ethan zu Haben das Bewußtsein fühlen unb zu einem Weiteren eine Veranlassung finden. In Sachen der Wohlthätigkeit besteht im Judenthum der obliche Grundsatz, an Niemanden um eine Opfergabe heranzutreten, essen Vermögensverhültnisse nicht klar zu Tage liegen; warum soll o tolerirt werden, direkt oder indirekt an Leute Geldansprüche;ii erheben, welchen an und für sich jede Berechtigung fehlt und eren Befriedigung vielleicht denselben nicht so leicht ankommt, als * den Anschein hat. — Ter Vorstand würde daher nur die natüriche Folge aus seinen! löblichen Beschlüsse, die Bezüge seiner Angestellten wesentlich zu erhöhen, ziehen, wenn er es nunmehr strengstens!ntersagte, in welcher Form immer sogenannte „Trinkgelder", euphemistisch Remunerationen genannt, zu verlangen. Als vollständig unstatthaft, oder besser verwerflich muß es bezeichnet werden, wenn ein Beamter sich nicht entblödet, Provisionen -der Gratifikationen von Gewerbsleuten anzunehmen, mit denen sein Wirkungskreis ihn in Verbindung bringt. Nicht nur die ihm zur Pflicht gemachte Unparteilichkeit leidet darunter empfindlichen Schaden -andern in erster Linie moralisch der Vorstand und dann materiell utweder der Gemeindesäckel oder das Gemeindemitglied, für dessen Rechnung die Leistung vollzogen wird; der Gewerbsmann hat doch -inner das Streben, die gezahlten Provisionen rc. sich in irgendeiner Bejse hereinzubringen. Die günstige Finanzlage der Gemeinde stellt aber an den Vorhand auch die ernste Mahnung, endlich die Lösung von Ausgaben ms Auge zu fassen, die mit gebieterischer Nothwendigkeit an ihn lmantreten: ich meine die Prediger- und die Tempel frage. Mag auch die auf dem Gebiete des svuagogalen Lebens immer tiihner ihr Haupt erhebende Reaktion die Bedeutung und den Werth der Predigt noch so sehr herabzudrücken bestrebt sein, so kann sie doch vor der Thatsache nicht das Auge verschließen, daß dein von der Kanzel herab verkündeten Gottes-Worte eine gewaltige Anziehungskraft innewohnt. Die Räume der Tempel füllen sich bei uns in der Regel nur dann, wenn gepredigt wird. Ist es schon aus diesen! Grunde eine unabweisliche Pflicht des Vorstandes, dafür zu sorgen, daß der darnach hungernden Gemeinde das religiös-sittliche Brod nicht entzogen bleibe, so lassen weitere Itinftänbe einen längeren Aufschub in dieser Pflichterfüllung kaum mehr zu. Die in ungeahnten Progressionen anwachsende Gemeinde, der innner mehr Terrain gewinnende religiöse Jndifserentismus, die unserem unübertrefflichen Prediger Dr. Jellinek nothwendig gewordene Schonung bilden ernste Mahnrufe, nicht länger mit der Anstellung eines dritten Predigers zu zögern. Je rascher an diese Anstellung gegangen wird, desto zuverlässiger gewinnen wir die Gewährleistung dafür, daß die unschätzbare Kraft unseres ersten Predigers uns noch lange erhalten bleiben kann. Welcher Geivinn für die Gemeinde, menn durch entsprechende Schonung es Dr. Jellinek wieder ermöglicht würde, sie, wenn auch blos an den Feiertagen, durch seine Herz und Geist gefangennehmende Kanzelberedtsamkeit zu erfreuen! Diese Erkenntniß war es offenbar, welche bereits vor mehreren Jahren die damalige Gemeindevertretung den Gedanken fassen ließ, die Zahl der Prediger zu vermehren; welche Motive die Ausführung dieser Absicht hinderten, ist bis jetzt unaufgeklärt; ein Verdienst um die Gerneinde haben sich sicher diejenigen nicht erworben, welche hinter denKoulissen an der Hintertreibung der Ausführung sich betheiligten. Wenn auch nicht in unmittelbarem, so doch in mittelbaren! Zusammenhänge damit steht die Frage des Baues eines neuen Gotteshauses. Nicht heute, nicht gestern, vielmehr lange Jahre schon wird dieselbe ventilirt, ohne bis heute eine Erledigung gefunden zu haben. Immer wird ihr die Geldfrage als Querbalken in den Weg gelegt, daß sie nicht vorwärts kommt. Kann aber von einer Sorge um Geld füglich die Rede sein, wenn die Finanzlage der Gemeinde, nach so vielen Anzeichen zu schlietzen, eine günstige ist? lieber die Art dcrBeschasfung können wohl differirende Ansichten bestehen, aber über die Möglichkeit der Beschaffung selbst kann unter sothanen Verhältnissen kein Zweifel obwalten. Der Vorstand zählt genug Finanzmänu' r in seiner Mitte, denen es nicht schwer fallen kann, das zur Erbauung eines neuen Ten!pels nothwendige Kapital aufznbringen. Selbst aus der Mitte der Gemeinde — abgesehen von den Plutokraten - wird sich Opferwilligkeit genug finden, um einen Theil zu den erforderlichen Geldmitteln aufzubringen. Es sind bereits in dieser Richtung beachtenswertste Kundgebungen erfolgt. Wenn auch die diesfalls zum Ausdruck gekonnnene Stimmung herabgemindert wurde durch die schwer verständliche Opposition gegen die eventuelle Einführung einer Orgel, so kann doch angenommen werden, daß, wenn der Ernst der Tempelbaufrage herantreten wird, keiner zurückbleiben kann, in der Bethütigung seiner Bereitwilligkeit, auch sein Scherflein zum gottgefälligen Werke beizutragen, lieber die Orgelfrage ein anderes Mal. d Are Juden in den Balkan ländern. Von Dr. R. Vierer in Sofia. Das ängstliche Beibebalten des spangolischen Jargons hat leider nicht verfehlt, den jüdischen Ehawkter in einer unliebsinnen Weise zu beeinflussen. Es will uns schier dünken, daß die spangolischen Juden mit jener Sprache auch die damals (vor 400 Jahren) herrschende politische Anschauung von der Superiorität der spanischen Nation auf sich übertragen hatten und auf diese Weise als die Auserwühlteu des auserwählten Volkes zu gelten sich anstrengen. Weshalb wurde der so gar uichts sagende Name „Spangole" zmu Gegensatz von „Aschke-

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