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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-19 · Heft 8 (19.2.1892) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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- 86 lebte, so hatte er der sächsischen Kammer darüber ganz andere und sehr interessante Aufschlüsse geben können, die manches sächsische Gemiith eher zur Liebe als zum Haß gegen „das Judenthum als solches" geführt und jede Unklarheit in diesen sehr wichtigen Fragen verscheucht haben würden. Im Königreich Sachsen wohnen nach der letzten Volkszählung (>5K‘> Israeliten, und zwar hauptsächlich in Leipzig. Dresden und Chemnitz. Dieselben sind achtungswerthe, friedliche Staatsbürger. Wucher, Bankerott und ähnliche Dinge wurden von ihnen selten oder nie berichtet. Und doch herrscht gerade in Sachsen in gewissen Kreisen eine starke Animosität gegen die Inden. Das ist eine Thatsache, die uns eigentlich stolz machen könnte. Man haßt die Juden im Grunde nur da, wo man sie nicht kennt. Von den gewerbsmäßigen Hetzern der Antisemitenpartei ist dabei natürlich abgesehen. Aber auch dieser Haß wird schwinden, wenn man sich die Mühe geben wird, das „Judenthum als solches, das vorwurfsfreie Judenthum" besser kennen zu lernen, und wenn mau endlich einmal aufhören wird, dieses von dem höchsten sittlichen Prinzip getragene Religionsbekenntniß für Allswüchse und Schädel! des inodernell Gesellschaftslebens verantwortlich 31t machen, die mit demselben nicht nur nicht das Geringste gemein haben, sondern die dasselbe sogar mit größerer Entschiedenheit verurtheilt als alle seine Tochterreligionen. 9 Mahnungen. Von Rechtsanwalt Emil Lehmann. I. Im Laufe weniger Monate haben entsetzliche Tinge sich begeben, die einem Delltschen, jüdischen Bekenntnisses, die Schamröthe auf die Wangen treiben. Oeffentliche Gerichtsverhandlungen, Konkurs-Eröffnungen haben Tillge enthüllt, die so recht Wasser auf die Mühle der Antisemiten sind und von diesen weidlich ausgebeutet werden. Von ihnen mit vollen! Unrecht und mit der Herzlosigkeit, die nun einmal das Merkmal des Antisemitenthums ist. Sie trotzen der Lehre vom Splitter und Balken. In ihren Augen sind die schauderhaftesten Verbrechen des Dienstbotenmörderpaares, der lnörderischen Zuhälter, des Raubmörders Wetzel, verschwindende Kleinigkeiten gegenüber denn, was Inden verübt. Hat doch sogar die verbrecherische Thal Wetzels antisemitischen Beifall gefunden, weil sie einen Juden traf! Wenn Zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe — das ist jesuitisch-jüdischer Antisenütensatz. Aber alles das, die ruchlose Ungerechtigkeit der Judenfeinde, darf uns ehrliche Juden nicht verhindern und nicht abhalten, den Thatsachen offen ins Angesicht zu sehen, und dein Unrecht, der schnöden Mißachtung und Verhöhnung des Judenthums, begangen durch Juden — allerdings durch Auch-Juden, durch Noch-Juden, nicht durch wirkliche, des jüdischen Denkens und Fuhlens klarbewußte Juden — dem entsetzlichen Cliillnl .Haschern offen entgegenzntreten. Ta ist ein Kouunerzienrath, hochangesehen, mit Ehrenämtern überhäuft — der sich als Schwindler und Betrüger entlarvt. Da ist eine Frau, von der Gesellschaft und von bevorzugten Freunden als Schönheit hochgefeiert, in den Kreisen der feineren Welt gerngesehen — die zrnn Entsetzlichen das Entsetzlichste, zum Ehebruch den Versuch des Gattenmordes nach Art der Klytämnestra fügt. Da ist ein Anwalt, der durch sein Auftreten in öffentlicher Gerichts-Verhandlung das Ansehen seines Standes — und seiner Religions- , genossenschaft schwer schädigt. In den letzten vierzehn Tagen hatten wir in Dresden den zweifelhaften Genuß, einen Hochstapler vor Gericht zu sehen, der in Wien, Paris und London in Verbindung stand mit der internationalen Gaunerwelt, die, 311111 Theil ami Juden, der großen Diebstähle von Werthpapieren in aller Herreu Ländern bezichtigt sind. Das sind fürwahr niederschlagende Erfahrungen. Wir wisset' es ja, das sind alles Juden dem Namen nach, aber keine Inden iu Wahrheit und Wirklichkeit. Noch ein Fall, ebenso traurig und bedauerlich. Der Sohr eines jüdischen Hauses, wissenschaftlich erzogen und gebildet, tritzum Ehristenthum und ins Lager der Antisemiten über, wird zum Ankläger und Feinde seines Vaterhauses und unterliegt der Ent mündigung oder doch den Zweifeln an seiner Zurechnungsfähigkeit Dazu kommen zahlreiche, sonst in jüdischen Kreisen selten, je unerhört gewesene Fälle des Selbstmordes, ehelicher Zerwürfnisse von Ehescheidungen. Da hilft kein Vertuschen, das muß laut und offen bekannt und anerkannt werden. Hier liegen wunde Stellen offen, deren Schuld nicht das Judenthum, nicht die Religion in ihren sittengesetzlicher Vorschriften trägt — wohl aber wir Juden. Haben wir allseitig die Pflicht erfüllt, die uns als Kindern bc* neunzehnten Jahrhunderts obliegt? Haben wir stets und überall dafür gesorgt, daß die herrlichen, edelsten Sittengesetze unserer Religion auch Eingang finden in die Herzen unserer Kinder und Glaubensgenossen? Mit dem Warten und Fasten, mit der Beobachtung altherge brachter Bräuche ist's nicht abgethan. Damit wird nicht viel ge bessert. „Beschneidet Eure Herzen" — ruft der Prophet, (S* giebt Religionsschulen und Religionslehrer, in denen wird — genau so wie auf christlichem Gebiet — der Ton gelegt auf das Auswendig lernen von Bibelsprüchen, von biblischen Erzählungen, auf lieber setznng aus dem Hebräischen, auf hebräische Grammatik, auf alh jüdische, persische, syrische Geschichte. Was ist damit für das Kinderherz gewonnen? Es giebt Häuser, in denen erfährt das Kind das ganze Jahr kein das Herz erfrischendes Wort. Hier ist nur von Geschäft und Gewinn die Rede, dort nur von Tand und Aeußerlich keit, Vergnügungen und Genüssen, da sucht man in den Kindern von Jugend auf den Ehrgeiz zu wecken; sie müssen lernen und lernen, man sorgt — wie man sich so ausdrückt — für die Ausbildung des Verstandes. Aber das Gemüth? Es geht leer aus. Es geht leer aus für die Kleinen, leer für die Großen. Der Gottesdienst wird gemieden — darüber ist man ja hinaus. Entweder verleugnet man überhaupt den Juden, oder man fühlt sich unbefriedigt im Gotteshaus. Und — Hand aufs Herz — befriedigt der Gottesdienst iu unverständlicher Sprache, mit veralteten, dem gebildeten Sinn fremden Formen das Gemüth? Können wir von allen Besuchern und Be sucherinnen des Gotteshauses sagen, daß sie mit Andacht und Inbrunst dort verweilen? Sprechen nicht vielfach Erfahrungen dagegen? Fürwahr, die traurigen Erlebnisse allerjüngster Zeit sind ernst. Mahner. Es ist nun einmal so: Die Juden sind solidarisch ver antwortlich für einander. In den Augen ihrer Feinde, aber aucl vor einem höheren sittlichen, geschichtlichen Standpunkt. Sorgen wir dafür, daß in den Religionsschulen der Haupttor gelegt werde auf das Sittliche, daß die Synagogen wahre Erbauungs statten werden und bleiben für das Herz, daß in der Erziehung gewirkt werde auf das Gemüth. Denn das ganze Judenthun; beruht auf dem Gebet und Gebot: „Ein reines Herz verschaff mir, 0 Gott!" T. € 1 nserer Q! -rzen 3< c?r Genie i.t) höre, leine Ka Materielle ü Ilhorn u fließt, nterhalt \x13en ji -aß sie e Miten m Bas ma Risere erreichen eagsleist ästung : nd das 'cs vor äre nur werden, leindem vunktion R wen: er Enti ,-ethan \ oiite Be In obliche < essen B * toter u erhel eren B m den id)e Fo gestellten mtersag nistisch Als geichnet -der Gr Birkunc Pflicht ( ondern utwede; k'edjiutn Minier i Besse h Dü Rind ai ns Au berantre Mc kühner i der Pre oor dei

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