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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-12 · Heft 7 (12.2.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 7 (12.2.1892)
Date
1892-02-12
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 nmerhiu tltnngs l freunde uge der nt, bez. ül aber änkliche, rag von Franken- Ferien- — Die 00 Mk. : Höhe Grundusse des reprärmögen t zählt ic Mik- Gustav i v b in lorbene ll-Rath i Recht habeil. bestens nd und ' ihrer der der einige nsreich tützune Kur- Laume .annar cbriel t, war öfteren ) dem Nachch die zeuheit fahren seiner eichene des dt ein durch?, die ), das ühlen, Zilr lieber schenit, die ldete; liann, öulle, )ebbe, itger. rand, Herinrich t F. Aug. (Göppingen, 1. Februar. Gestern feierte Herr Fabrikant ralomon Ottenheimer hier sein 2t)jähriges Jubiläum als Kirchenn n'steher. 'Als Zeichen der 'Anerkeimung für seine ersprießlichen Dienste, mc er als solcher während des Vierteljahrhunderts seine Thätigkeit k.r hiesigen israelitischen Gemeinde erwiesen, wurde dem Jubilar in Dvifcn Wohnung ein silberner Pokal und eine kalligraphisch ausgefertigte 7 ankadresse unter Ansprache des Verfassers derselben, Herrn Rabbiner Herz, u i Beisein der Mitglieder des Kirchenvorsteheramts übergeben. Unter störten des Dankes sprach der Jubilar die Hoffnung aus, in Zukunft irr das Interesse der Gemeinde seine Kraft einsetzen zu kömun. A Aachen-Burtscheid, 1. Februar. Wie schon kurz berichtet, ii.xrb hier nach kurzem .Krankenlager der mn. Rabbiner Herr Dr. David Rothschild im Alter von 75 Jahren. Derselbe hat sich durch seine vlhlreichen litterarischen Arbeiten, namentlich auf dem Gebiete des ,irdischen Kultus auch in weiteren Kreisen vortheilhaft bekannt gemacht, sowie durch die Begründung des Vereins „Achawah" ein bleibendes Verdienst erworben. Gr gehörte der freieren theologischen Richtung an i ild war — obgleich er persönlich sich streng an die Religionsvorschriften ielt — infolgedessen bis in die letzte Zeit hiltein vielfachen Schmähungen i nd Verdächtigungen seitens der unduldsamen Orthodoxie ausgesctzt. eiaeh 42jähriger 'AmtSthätigkeil in 'Aachen und Alzen hatte er sieh vor nigen Monaten hierher zurückgezogen, tlm, da er sich der vollsten körperlichen nnb geistigen Frische noch erfreuen durfte, sich ausschließlich eer schriftstellerischeil Thätigkeit zu widmen. Leider machte der Tod 'einem gesegneten Leben ein plötzliches Ende. Seine zahlreichen Verehrer 'werden ihm ein dankbares 'Andenken bewahren. * Elberfeld, 20. Januar. Ter hiesige antisemitische Verein hat eschlvssen, sich mit folgender Petition an ben Reichstag zu wenden:!. Der Talmud wird von einer offiziell zu diesem Zweck einznberusenden Kommission übersetzt. 2. Tie Uebersetznng des Talmud wird sämmtlicheu {ich lern von Amts wegen zugesaudt. 5. Bei Rechtsprechung über Juden Ard die Kenntnis; der einschlägigen Talunldlehren vorausgesetzt. Gs /um jederzeit Giusichtuahme des Richters in bat Talmud gewünscht werden, und must der Richter diesem Wunsche Folge geben. 1. Nichterücksicht igung des Talmud ist immer Revisionsgrund. 5. .Kenntnis; der Wundlehren des Tatmud wird bei beiden jtlristischen Staatsprüfungen erlangt. — Das ist ja niehr, als selbst der fanatischste Ehassidimrebbe erlangen könnte. Alsheim, im Jan. In hiesigem Orte wurde dieser Tage ein u alle Bewohner gerichteter Aufruf erlassen, welcher bezweckt, milde Raben für die armen verfolgten russischen Juden zu sammeln. Ist s schon bezeichnend für die hier herrschende menschenfreundliche Geaimuu], das; der Aufruf zu dieser Sammlung von den Herren Bürgermeister und Beigeordneten, den Herren Geistlichen beider christlichen tonfesstonen in Gemeinschaft mit dem Vorstand der israet. Religions- Gemeinde erlassen rvnrde, so ist es um so erfreulicher, als unsere hiesigen Nitbürger fast alle sich an detn Liebeswerk betheiligten u;td eine im '.Verhältnis; zu der Grüfte unseres Ortes erkleckliche Summe für den gemunken Zweck zusmnmengebracht wurde. Möchte solches Beispiel dkach- .hmung finden! Oesterreich-Ungarn. ).l. Prag, Februar. Am 2K. Januar fand hier unter selten r öfter Bet Heiligung das Leichenbegängnis; des nach längerem Krankeutger im 72. Lebensjahre verstorbenen Banauiers Herrn David Bloch alt. Ter Verstorbene erfreute sich infolge seiner liebenswürdigen Imgangsformen und seines eminenten Wohltyätigkeitstriebes großer Apnpathien und eines weitausgebreiteteu Freundes- und Bekanntenkreises, dementsprechend war auch die 'Antheilnahme an dem Traucrsall und die tzetheiligung an der Leichenfeier eine ebenso imposante, als für die .unterbliebenen trostreiche. Dämmt liehe Rabbinen Prags mit dem Oberabbiner Tr. Ghrenfeld au der Spitze, Deputationen nahezu alter hiesigen nw vieler auswärtiger Vereine, die den Dahingeschiedenen zu ihrem stets 'Uferbereiten Mitgliede zählten, viele hervorragende Persönlichkeiten u. s. w. alben dem B.'rstorbcnen das letzte Geleit. 'Am Grabe würdigte der Rabbiner der Tempelgemeinde Herr Dr. Gelb haus die Verdienste des Verblichenen auf industriellem unb humanitärem Gebiete. 'Aach ihm sprach noch der Rabbiner der Jlmgbuuzlauer Gemeinde Herr Dr. Grünwald unb der Obmann des „Kreuzervereins" Herr Siegntund Mauthner, worauf der Leichnam zur ewigen Ruhe bestattet wurde. — Der hiesige praktische Arzt ttub emer. Dozent an der Prager Universität, Herr M. U. T. Jakob Schütz, rvnrde von Sr. Majestät für seine hervorragenden Leistilngerl auf deut Gebiete der Wissenschaft und aus dem der Humanität durch die Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. Herr Dr. Schütz feierte erst jüngst sein 50jähriges Doktorjubilänm und war damals aus diesem Anlässe Gegenstand der herzlichsten und aufrichtigsten Ovationen. Großbritannien. A London, 7. Februar. Vom Siegelbewahrer des Prinzen von Wales ist dem Landrabbiner Tr. 'Adler das nachfolgende Schreiben zngegangen: „Schloß Windsor, den 21. Jan. IH02. 3c. Kgl. Hoheit der Prinz von Wales beauftragt mich. Ihnen dal Empfang Ihres Schreibens vom 20. d. M. an Se. Hoheit zu bestätigen, welches das in der großen Synagoge ziun Gedächtnis; des Herzogs von Glareuee gesprochene Gebet althält. Das hohe Fürstalpaar ist auf's Aeußerste gerührt von den Ehrenbezeugungen, welche bei den gottesdienstlichen Veranstaltungen zum Gedächtnis; des jungen Prinzen, sowohl von Ihnen als von Ihrer Gemeinde erwiesen worden sind. I. I. H. H. bitten Sie, Höchstihren tiefgefühltesten Dank für die Anordnung und Ausübung dieses Gottesdienstes altgegenzunehmen. Bei der tiefen Trauer über den Verlust ihres Sohnes wurde doch der drückende Schmerz I. I. H. H. durch die große lmd allgemeine Sympathie, welche der Tod Ihres lieben Killdes bei allen Stämmen und Konfessionen der gebildeten Welt erweckt, nicht wenig erleichtert. Glauben Sie es, das; keine Sympathie sich lebhafter, sich aufrichtiger gezeigt hat als die, welche von der jüdischen 'Nation ansging. Ihr ergebenster n\" Rußland. Moskau, 2s. Januar. Der 20. Jaltuar wird in der Ge sch chte der Juden in Rußland einer jener Gedenktage sein, die durch ihre schrecklichen Ereignisse einerseits herzliches Mitleid mit dein traurigen Geschick tausender tmschuldiger, arbeitsamer, ihres Glanbats wegen verfolgter Familiat erregen, andererseits beu 'Abschell Hervorrufen über die 'Art und Weise, mit welcher diese Verfolgungen durch die russische Polizei, voll den höchstgestellten Veamten bis znm Gorodowoj, zur 'Aitsführlmg gebracht werden. Es wird wohl noch in Erinnerung sein, das; ltach Erlas; des kaiserlichen Ukases in der Osterzeit vorigen Jahres alle Juden, sowohl Handwerker, wie Kaufleute und 'Angestellte — mit Ausnahme der kleinen 'Anzahl der Kaufleute erster Gilde und der mit Diplom einer Universität Absolvirten — Moskau binnen kürzester Frist zll verlassen haben. Mit dem Moment, wo das kaiserliche Wort gesprochen war, begann die Polizei, unter direkter Leitung des Großfürsten Sergius, des General-Gouverneurs von Moskau, die Verfolgung unb Austreibung der Inden, systematisch, aber mit desto unbeugsamerer Strenge. Es wurden drei Termille festgesetzt, an welchen die Juden ohne jeglichen weiteren 'Aufschub Moskau verlassen sollten, und zwar für den größeren ilieisl ärmererl Theil der 20. Jaltuar, für den kleineren, bevorzugteren Theil der Jubelt, d. h. für die, welche int Staube gewesen sind, rechtzeitig die Beamten mit größeren Geldsummen weich zll machen, der 20. April oder der 20. Juli re., je nach der Höhe der Bestechung. Der letztgenannte Tag ist als allerletzter Termin festgesteltt, an welchem Moskau voll den Jllden — mit 'Ausnahme der oben erwähnten kleinen Zahl — geräumt sein muß. Ich begab mich absichtlich vorgestern gegen 'Abend nach dem ain pnde der Stadt liegenden Brester Bahnhof, um nochmals mit anzuseheu, was Vorgehen würde. Doch das, was ich sah, spottet aller Beschreibung^ Es war herzzerreißelld, das Weinen der Kinder unb Mütter zll vernehmen, die mit Gewalt aus den Wohuullgen herausgeschleppt unb gezwungen wurden, eine Reise ills Ungewisse zu unternehmen und diese Reise anzutreten bei einer Kälte von siebenundzwanzig Grad R<aunlur, wie sie vorgestern 'Abend in Moskau herrschte! Mich schaudert es, darall zu denken, daß diese unglücklichen Familielt vorige Nacht in den Waggons 0. Klaffe der Breuer Bahn gereist, wo wir Nachts in der Stadt eine Kälte von 05*' 0., in der Umgegend Moskaus von :><s" H. — sage und Ichreibe achtllnddreißig Grad »\« aumur! zll konstatiren haltat. Dazu kommt, daß die Wagen 0. Klaffe der Brester Bahn äußerst mangelhaft silld, oft sind sie gar nicht geheizt; mit jedem Aufmachen einer Thür

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