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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-12 · Heft 7 (12.2.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 7 (12.2.1892)
Date
1892-02-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 idie Wagen sind „durchgehend" gebaut) tritt ein eisiger Zugwiud hillein — j man nlusi sich einen sotchell Wagen, nachdem er einige Stunden ullter-! wegs gewesen, nnsehen, um eine Ahnung Zu bekonrmeu von dem, was llamenttieh Frauen und Binder bei einer solchen Külte auszustehen haben; Ulan filldet llicht llur die Fenster, sondern auch die Wände, die Obertage, ja sogar die Lehnen der Bänke mit einer 2—5 Zoll dicken Eis- und Schneekruste^ bedeckt. Ter Andrallg zur Abreise war so groß, das; eine Stunde vor Abgang des Zuges bereis 350 Billets für Erwachsene vom Hilfskonütee vertheilt waren; die Zahl der mit eigenem Reisegeld Fahrenden läßt sich gar nicht konstatiren. Ter 7 Uhr-Zug erwies sich zu schwach, um alle Passagiere auszunehmen, und der Rest, darunter allein 50 Personen, die Freibillets hatten, mllßte Zurückbleiben, um mit dem gemischten Zuge, der erst um 11 Uhr Nachts und nur bis Smolensk geht, wegtransportirt Zu werden. In Smolensk werden dieselben 22 Stunden bis zur Weiterbeförderung nach Polen warten wüsscn. Seitens der Polizei wird auf nichts Rücksicht genoinlnen. Wie manche Mutter weinte und flehte, rllan ulöge sie doch mit ihren, an Keuchhusten oder Influenza leidenden Bindern in Moskau bleiben lassen, bis die Krankheit vorüber und wärmeres Wetter eingetreten: alle wurden abschlägig beschieden und mußten sich mit Gefahr für das Leben ihrer Kinder der Macht des Gesetzes, d. h. der Knute fügen. Die schrecklichen Szenen wiederholten sich am Tage darauf in gleicher Weise, wenn auch die Zahl der Reisenden eine etwas kleinere war. Das Thermometer stieg in der Stadt im Laufe des Tages nicht über 20 o u. und erreichte gegen Albend wiederum die Tiefe von 2812° K. Die Proteste unter dem Publikum über die Härte der Polizei wurden immer lauter, und zuletzt sah sich der Polizeimeister veranlaßt — angeblich auf Anordnung des Großfürsten Sergius — die weitere 'Austreibung bis ziun 15. Februar d. I. zu verschieben. Aber diese Verordnung erfolgte erst heute Morgen, nachdem bereits im Laufe Zweier Tage, gerade bei der stärksten Kälte, die Maffeuauswanderuug vor sich gegangen war. Ties erinnert an die Zeitelt des polnischen 'Aufstandes, wo die Begnadigung der Zum Tode verurtheilten polnischen Edetleilte immer gerade in dem Moment einzutreffen pflegte, wo die Hiltriehtung bereits vollzogen war. Nichts scheint jedoch merkwürdiger Weise mehr Einfluß zu haben auf unsere oberste Verwaltung, als die Furcht vor der öffentlichen Meinung Eltropas. Uon Ualt und Fern. Am 1. Februar feierte ein in unserer Stadt bekanntes und geachtetes Ehepaar, Herr E. Bial ultd seine Gattin, Rosenthalerstr. 10, das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar, dessen Sohn, der Besitzer eines der größten Vergnügungslokale Newyorks, eigens zu diesem Feste ans Amerika herübergekommen ist, erfreut sich einer außerordentlichen körperlichen und geistigen Frische. — Der in den weitesten Kreisen der Berliner Bevölkerung unermüdlich thätige Arzt Tr. Heinrich Rosenthal ist in noch rüstigem Mannesalter durch den Tod seinem Beruf entrissen worden. Jahrzehnte lang hat der Dahingeschiedene neben seiner aufreibenden Praxis die allgemeine medizinische „Eentral- Zeitung", das älteste medizinische publizistische Organ Berlins, mit rastloser Umsicht geleitet. Unvergessen bleibt das Verdienst Rosenthals, welches er sich durch die Begründung der „Eentralhilfskasse für die 'Aerzte Deutschlands" erworben. Seiner unverdrossenen Hingabe an die gute Sach: ist das Zustandekommen und das Gedeihen dieser Schöpfung zu danken. — Gegen den Rektor 'Ah l wardt steht vor der zweiten Strafkammer des Berliner Landgerichts t. am 10., 17. und 18. d. M. die Verhandlung des Strafverfahrens wegen Beleidigilug und Verleumdung des Berliner Magistrats, der unter demselben arbeitenden Behörden, sowie einer ganzen Reihe Privatpersonen tmd Beamten statt. — Herr Rabbiner Dr. Olitzki, bisher in Eöthen, ist zum Rabbiner in 'Allenstein gewählt worden. — Der Erzbischof von Posen, Herr von Stab lew s ki, hat am 4. Februar den Rabbiner der Synagogengcmeinde Posen Herrn Dr. Feilehenfeld in längerer 'Audienz empfangen. — 'Am 28. Februar er. beging in der Wollsteiner jüdischen Gemeinde der Verein für Krankenpflege und Leichenbestattnng die Feier seines 150jährigen Bestehens. Begründet im Jahre 1742, hat derselbe stets segensreich gewirkt. .Hierall schloß sich ein Festdiner und Ball. — Die diain an teile Hochzeit feierten am 2. d. M. in Ratibor die S. Gedaljersehen Eheleute, der Jubilar zählt 05 Jahre, die Jubilarin 90 Jahre, unter Theilnahme aller Verwandten. Die Synagoge wen bis auf den letzten Platz von Theilnehmern aller Konfessionen gefüllt Die Einsegnung des Paares vollzog der Rabbiner Dr. Blumenthal mit einer ergreifenden Rede. Von der Gemeinde ist dem Paar ein Ehrengeschenk und eben ein solches von den anderen jüdischen Vereinen überreicht worden. — Herr Lieentiat Grübner, der unermüdlich Schriftführer des „Vereins zur Abwehr des 'Alltisemitisimrs", hielt am 3. d. M. in Halle vor etwa 2000 Personen einen Vortrag über den Antisemitismus. Tie in großer Zahl anwesenden Antisemiten, mein Studenten und jilnge Kaufleute, versuchten Anfangs zu störell. Nachdem ein Antisemit durch die Polizei an die Luft gesetzt war, verhielten sich seine Gesinnungsgenossen ruhig. — In Nordstetten, dem Geburtsorte Berthold Auerbachs, hat Schulinspektor Pfarrer Ginter anläßlich seines jüngst begangenen 25jährigen Pfarrer-Jubiläums auch die ist. Gemeinde mit dem Geschenke von Mk. 100 bedacht, welche nunmehr seitens des isr. Kirchenvorsteheramts unter Hinzufügung der gleichen Summe zu einer „Pfarrer Ginter-Stiftung", deren Erträgnisse alljährlich am Jubelgedenktage an Ortsarme vertheilt werden, verwendet werden sollen. — In Sachen des Disziplinar-Verfahrens gegen der. Landrichter Dr. Lieb mann war das Disziplinargericht am Sonn abend im Sitzungssaal des Oberlandesgerichtes in Frankfurt a. Mair Ulster Vorsitz des Oberlandesgerichtspräsidenten Tr. Hägens zusammen getreten. Es handelt sich um die eidlich beschworene Aussage des Land richters Tr. Liebmann, daß in einer Jalluarnacht 1890 die nächtliche Ruhe durch drei hin- und herfahrende Lokomotiven der Lokal bahn gestört worden sei. Das Urtheil gillg dahin, daß der Angeklagte von aller inateriellen Verschuldung freigesprocheu wllrde llnd eine Warnung wegen Formüberschreituug erhielt. — In Worms wurde in diesem Jahr dem Rabbinate sowohl vom Bezirks komlnando als auch von dem Bataillons-Chef die Bitte unterbreitet, au Kaisers Gebllrtstag einen Gottesdienst abzuhalten und zwar zu bcrfelber Zeit, wo solcher in der evang. xmd kath. Kirche stattfinden werde. Selbstverständlich wurde dem Wunsche beider Behörden aufs Bereitwilligste entsprochen. Sümmtliche jüdische Soldaten wurden zu diesem Gottes dienst kommandirt. — Der „Lahrer Allgemeine Anzeiger" ist von den Antisemiten angetanst worden. — Herr Rabbiner E. Picard in Rand egg hat am 81. Januar unter allgemeiner Theilnahme seinen 70. Geburtstag gefeiert. — In der „ Oe st erreicht sch -Jsrae litis che n Union" hielt am 23. Januar Herr Tr. 'Alfred Stern einen Vortrag über die Neu-Konstituirung der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. — In Karlsbad ist am 6. ds. Mts. der königlich preußische Geheime Sanitätsrath Med. Dr. Isidor Gans im 88. Lebensjahre gestorben. Fast durch ein halbes Säkulum übte Dr. Gans in dem berühmten Badeorte die ärztliche Praxis aus und zählte in den früheren Jahrzehnten zu den lu'Ucbteften und beschäftigtsten Aerzten. Seine Klientel rekrutirte sich insbesondere aus Norddeutschland, England und Frankreich. — Nach den Mittheilungen des eidgenössischen statistischen Büreaus berechnet sich die Bevölkerung der Schweiz Mitte 1891 auf 2,965,305 Seelen, darunter 858 6 a n säs s i g e I srae l i te n. Von denselben kommen auf die Kantone Zürich 1410, Bern 1247, Baselstadt 1078, Aargau 1004, Neuenburg 774, Genf 723, St. Galten 575, Luzern 215, Baselland 105, Solothurn 154, Freiburg 127, Thurgau 01, Graubünden 43, Schaffhausen und Appenzell A. Rh. je 20, Zug 28, Glarus 15, Tessin 15, Uri und Wallis je 5, Schwyz 2, Ob- und Nidwalden und Appenzell I. Rh. haben feine israelitischen Einwohner. — In Folge des am 27. Dezember erfolgten Todes der Miß Maria Lev in wird demnächst ein von ihren: 1881 verstorbenen Bruder, Herrn Ephraim Levin festgesetztes Legat im Betrage von 20,000 Lst. zu Gunsten der Londoner Synagogen zur Vertheilung gelaugen. — Ter Großrabbiuer von Bulgarien, Herr Dr. Tankowitz, welcher durch Errichtung eines Konsistoriums die 'Autonomie der Gemeinden aufheben wollte, wurde aus Veranlassung der Repräsentanten der isr. Gemeinden von der Regierung seines Amtes enthoben. — Wie das zionistische Blatt „Selbstemanzipation" zu melden weiß, soll die Frie d mann'sch e Expedition nach Midjom vollständig gescheitert sein. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin. Diese Abomi Posto unter 1 Ned 3 Von A Tie In Littera 'Forts.) — Eine D Hambu Von 8 Aolizer Z morb t'cmbto mm B interess mif, o befrieb' I' amtlich iubenft gor ni aus b Regier! seltsam desselbe .Weiniu vorigen unb bi beseitig M M Riß sik?er sä auf sei ein seh hier ei gut wi uöthige Äesprei geht, n nt betä das Ir wohl n

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