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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-12 · Heft 7 (12.2.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 7 (12.2.1892)
Date
1892-02-12
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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'6- Lahrgang. Nr. 7. 0 «* 12. iFfbritar 1892. betrage gur „Attgemeinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. X Berlin, 10. Februar. Zwischen dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und der Versicherungsgesellschaft „Victoria" ist am 5. d. Mts. ein neuer Vertrag zu Stande gekommen, dessen Dauer ins 11 Jahre bemessen ist. Das Abkommen sichert dem Bmrde für seine großen Humanitären Aufgaben noch reichere Einnahmen, als dies bisher bereits der Fall war. * Berlins. Februar. Dem „Jahresbericht des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" entnehmen wir die folgenden Daten: Die Zahl der Mitglieder beträgt 12,000, und zwar sind dieselben über ganz Deutschland verbreitet. Natürlich ist die Zahl der Mitglieder in dem jenigen Bezirken verhältnißmäßig größer, irr welchen sich eine antisemitische Bewegung schon jetzt gezeigt hat. Durch das Berliner Büreau sind verbreitet: von dem bei A. W. Kafemann in Danzig erschienenen Antisemitenspiegel 3 Lieferungen, und zwar in etwa 50,000 Exemplaren. Außerdem eine Anzahl von Flugblättern in 240,000 Exemplaren, deren Titel in den „Mittheilungen" regelmäßig veröffentlicht wurden. Endlich verschiedene Schriften, u. 5C. 30,000 Exemplare der Schrift „'Ahasver" von einem Pfarrer. Von dem Frankfurter Büreau sind etwa 1^ Millionen Flugblätter verbreitet worden, und zwar besonders als Beilagen durch Zeitungen. Verbreitet wurden ferner die 7 vom Berliner Büreau herausgegebenen und außerdem noch 9 in Frankfurt gedruckte Flugblätter. Tie Pestalozzische Schrift und der „Antisemitenspiegel" sind u. A. an 700 Geistliche versandt. In Versammlungen haben die dem Verein zur Verfügung stehenden Redner nach Kräften gewirkt. Der Schriftführer Lic. Gräbner hat in Delitzsch, Bitterfeld, Tarmstadt, Lörrach, zwei Mal in Berlin, Eisleben, Marburg, Bielefeld, Hausen, Pforzheim, Karlsruhe, Magdeburg, Hildesheim und vor der Reichstagswahl in Kassel an acht Orten des Wahlkreises gesprochen. Tie Versammlungen, in welchen die Redner des Vereins gesprochen haben, waren meistens sehr zahlreich besucht und von günstigem Erfolge begleitet. Die Begründung des! wöchentlich erscheinenden Organs „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus", sowie dessen anerkennenswerthe Leistungen sind an dieser Stelle des Oefteren gewürdigt worden. Tie kurzen Angaben werden genügen, um dem Verein neue Gönner und Mitglieder aus dem Kreise unserer Leser zuzuführen. TT Berlin, 0. Februar. Das drohende Volksschulgesetz scheint bereits zur Anwendung zu kommen, ehe es noch von der: beiden Häusern des Landtags genehmigt ist. Aus Hörde in Westfalen wird uns der folgende eklatante Fall gemeldet. Im Jahre 1877 beschloß der dortige Magistrat, falls die bestehenden Schulsozietäten in ihre ''Auflösung willigten, die Kosten des Volksschulwesens durch Gründung einer paritätischen Schule auf den Kommunaletat zu übernehmen. Die katholische Sozietät lehnte dies ab, die protestantische und die jüdische aceeptirten das Anerbieten und übereigneten ihr Vermögen der .Kommune. Von Seiten der jüdischen Gemeinde wurde der Stadt ein neues Schulhaus (in welchem jetzt die höhere Töchterschule sich befindet) überwiesen Die Kommunalvolksschule zählt zur Zeit 1700 Kinder, darunter ungefähr 30 jüdische. Unter der Lehrerschaft befindet sich auch der Kultusbeamte der Gemeinde, welcher als Elementarlehrer voll beschäftigt ist und den jüdischen Kindern Religionsunterricht ertheilt. Vor einiger Zeit verfügte nun die Behörde, daß die jüdischen Kinder aus der Schule herausgenommen werden und unter der Leitung des erwähnten jüdischen Lehrers zu einer eigenen Schule vereinigt werden sollten. Die Stadtverordneten lehnten indessen die hierzu erforderlichen Kosten mit allen gegen eine Stimme ab. Darauf erschien jüngst der Schulrath Tiska aus Arnsberg in Hörde und gab dem Rektor der Kommunalschule auf, einen Lektionsplan derartig zu entwerfen, daß durch Verminderung der Stundenzahl:c. eine Lehrkraft und ein Klassenzimmer überflüssig werde, damit auf diese Weise Gelegenheit gegeben sei, die Lostrennuug der jüdischen Schüler ohne besonderen Kostenaufwand vorzunehmen. Sowohl die Stadtverordnetenversammlung, wie der Vorstand der Synagogen: Gemeinde Hörde haben die Absicht, mit allen Rechtsmitteln die 'Ausführung dieses Vorhabens zu verhindern. ££2 Berlin, 9. Februar. Die neue „Vereinigung zur Bekämpfung der Rassenhetze" scheint nach dem ersten jugendlichen 'Aufbrausen zu einer ruhigeren Thätigkeit zu gelangen. So haben wir gern vernommen, daß bei der jiingsten Versammlung dieser Vereinigung der Zutritt nur gegen Karten gestattet war. Inzwischen hat die Vereinigung die in der Versammlung am 0. Januar von den Mitgliedern des Vereins gehaltenen Reden durch den Truck veröffentlicht. Wir finden in der kleinen Broschüre 'Ansprachen und 'Ausführungen der Herren Küchenmeister, Dr. Jacobowski, Journalist Blankenburg, Weinberg und Schriftsteller F. Schupp. Reue Gedanken finden wir in bcn Reden nicht, wohl aber zeichneten sich die Blankenburg'schen Ausführungen durch Wärme des Tones und rhetorische Geschicklichkeit aus. Zu bedauern ist, daß die zwischen den einzelnen Reden liegenden Entgegnungen der Antisemiten nicht mitgedruckt sind; dieses Verfahren würde die ganze Schrift interessanter machen und derselben vielleicht ein größeres Käuferpublikum sichern; es würde auch dadurch vielleicht erreicht werden, daß manche der Gegner die Schrift lesen und vielleicht — denn es geschehen noch Wunder! — der Stimme der Vernunft folgen. * Berlin, 8.Februar. Tie vaterlandslose Gesinnung unserer Antisemiten kommt je länger je mehr zum deutlichen Ausdruck. Nachdem erst jüngst der Reichskanzler v. Eaprivi die „Hausirerei" der Herren Urteutonen bei Slovaken, Slovenen und Ruthenen ans Tageslicht gezogen hatte, wird jetzt ein Brief bekannt, den der „Deutsche Antisemitenbund" (gez. Friedrich Witte, erster Vorsitzender, Berlin 8lV. Schönebergerftrafte 10 pt.) an die-rumänische Nati oualkonferenz in Hermanstadt am 17. Januar d. I. abgesandt hat. In diesem Schreiben sprechen die „ktarsehenden deutschen Männer", wie sich die Herren tit gewohnter Bescheidenheit selbst nennen, ihre vollste Sympathie für die „verbündete Nation der Romanen des Karpathenlandes" aus. 22 Berlin, 5. Februar. Am 4. Februar fand unter Vorsitz des Herrn Dr. David Cassel eine von Herrn I. Singer ans Paris einberufene Gelehrtenkonferenz statt, in welcher das Programm der Allg. Eneyclopädie für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums festgestellt wurde. Herr Singer beabsichtigt, dieses Programm schon in nächster Zeit zur Veröffentlichung zu bringen. * Berlin, 9. Februar. Vor einem zahlreichen Publikum hielt gestern Herr Dr M. Lev in in Saale der Gesellschaft der Freunde einen Vortrag, den er „Wanderungen in Jberien" betitelte. In meisterhaften: und fesselnden: freien Vortrage führte der Redner Schilderungen aus seinen Reisen in Spanien vor und wußte die Freuden und Leiden, die der jüdische Stamm einst auf der iberischen Halbinsel erfahren hat, in so geschickter Weise hieran anzuknüpsen, daß den Hörern ein lebensvolles Bild der Geschicke in Spanien von grauer 'Alterszeit bis in die neuesten Tage unmerklich vor Augen geführt wurde. Das Publikum dankte dem Redner durch reicher: Beifall. Berlin, 7. Jan. Die Israelitische V olksküche «Klosterstr. 99) theilt über ihre Entwickelung während der ersten zwei Monate ihres Bestehens, Dezember und Januar, Folgendes mit: Es haben gespeist für 6 Pf. Abendbrod 14,496, für 10 Pf. Mittagbrod 10,103, für 15 Pf. Mittagbrod 31,904, für 25 Pf. Mittagbrod 4447, für 5 Pf. Kaffee und Thee 18,348, für 2 Pf. Brödchen 40,870 Personen. Es wurden an Arme umsonst vertheilt 3087 Portionen. Der größte Theil der Mahlzeiten wurde in dem Lokale der Anstalt Klosterstraße eingenommen, während ein Theil von Familien sich das Essen aus dem Hause holte. Die Hälfte der Besuchenden besteht aus Juden, die Hälfte aus anderen Konfessionen. Die Zahl der Nothleidenden, die umsonst gespeist sein wollen, wächst mit jeden: Tage, es sind dies theils Leute ohne Verdienst oder auf der Durchreise begriffen, theils ganz arme Familien, deren Ernährer krank und

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