Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1892)
- Date
- 1892-02-12
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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82 einer Jüdin erkennen. Der Jüdin harren alle (Gefahren und in tyoliU' dessen hat sie die Gelegenheit, Triumphe zu feiern. Das ist das gegebene Thema. Biel mehr nach als die Gestalten des Corneille ist die Jüdin geeignet, Bewunderung zu erwecken. Nehmen Sie den Roman der Madame Ratazzi: ,.!m belle juive“. Der Roman führt uns zurück in die Epoche der Belagerung Jerusalems durch Titus. Rebekka (wenn es unter Ihnen, meine Damen, manche giebt. die Rebekka heißen, was ich nicht weiß, so will ich Ihnen sagen, das; dieser Name der beliebteste bei den Romanschriftstellern ist und auch der, der am häufigsten bei ihnen darkommt) wird vom römischen Offizier Gallus geliebt, und um seinen Verfolgungen zu entgehen, ist sie entschlossen, sich don einem hohen Thurm heruuterzustürzeu. „Wage noch einen Schritt und ich tobte mich," ruft sie aus. Wir Haben soeben die Szene im „Jvauhoe" gelesen. Auch Gallus, der kühne Krieger, wird von dem Heldenmuts) der Jüdin besiegt und er schwört ihr von dieser Zeit an große Verehrung und aufrichtige Zuneigung. Wenn die Heldin der Madame Ratazzi nicht im Muth hinter der des englischen Romanciers zurücksteht, so ist sie ihr doch an Patriotismus überlegen. Während ihr Vater, ihr Oheim und andere Glaubensgenossen davon sprechen, den Krieg zu beenden und den Römern sich 311 unterwerfen, dringt Rebekka in das belagerte Jerusalem ein, legt Feiler in den Tempel, um das Vordringen des Feindes zn hemmen und den Widerstand zu verlängern. Mit andern Frauen gekettet zum Tode geführt, wird sie auf Befehl des Gallus befreit. Aber dieses Eintreten dient nur dazu, die Seelengröße dieser Jüdin zn zeigen. Sie ruft aus: „Ich werde von hier nicht gehen, bevor das Morden nid)! aufgehört hat. Meine Genossinnen sind nicht mehr schuldig als ich, und wenn sie Verbrecherinnen sind, so bin ich es auch!" Um über diesen heldenmüthigen Eigensinn zn triumphiren, giebt der römische Offizier den Befehl, alle jüdischen Frauen zu befreien. Wie Sie sehen, sind wir weit entfernt von dem Juden auf der Bühne. Den Juden werden alle Scheußlichkeiten zugeschrieben! Ihnen, meine Damen, nur glanzvolle Thaten! Ach, Ihr hattet Glück, Ihr jüdischen Frauen, die Ihr in Euren Häusern lebend, viel weniger in Beziehung zll den Christen kamt, besonders in geschäftliche Beziehung, und so leichter entgehen konntet dein schändenden Brandmal des Wuchers und dem Haß, der den Wucherer verfolgt! In Euren Häusern lebend habt Ihr nicht wie wir Andern das Schauspiel unserer öffentlichen Temüthigung gegeben, das Schauspiel lächerlicher Plackereien, die wir ertragen haben unb die ganz dazu geeignet waren, unsere Würde herabzusetzen! — Das ist es. was schwer auf den; Inden lastete zn jener Zeit, da der Roman lind das Theater sich seiner bemächtigten, um aus ihm die traurige Gestalt zu schaffen, die Sie kennen. Aber was scheert uns das! Wir haben viel, was uns trösten kann und erfreuen, wenn wir sehen, wie die dramatischen Dichter mit den Romanschriftstellern darin übereinstimmen, die Jüdin schön und heldenhaft darzustellen. Ich werde nicht zu Ihnen von der Oper „Die Jüdin" sprechen, wenn auch das Libretto von Scribe mir manchen schönen Charakterzug darbieten würde. Ich halte mich viel lieber an die Gestalt, welche Casimir Telavigne im „Don Juan d'Antriche" auf die Bühne gebracht hat. an die schölle Florinde de Sandoval, die keine andere als die Jüdin Sara ist Mld welcher der König von Spanien Philipp Jf. soeben alle seine Schätze und sein Seepter zu Füßen legen wollte! Gestehen Sie, daß dieses Anerbieten verlockend und daß auch für die bescheidenste und uneigennützigste Frau Grund genug wäre, um der Versuchung zn erliegen. Die Jüdin weist dies Anerbieten zurück, und inn den Verfolgungen ihres fürstlichell Anbeters zu elitgehen, will sie sich nicht von einem hohen Thurm Herabstürzen (luan hat nicht immer dieses Mittel in Bereitschaft. aber sie fürchtet nicht, bent allerchristlichsten König, den Beschützer dcr Inquisition, zu gestehen, daß sie eine Jüdin sei. „Könntest Du firn Dein Heit in dieser wie in jener Welt," ruft Philipp II. aus, „Dem Tugend bis zur Lüge treiben?" Dieses Geständlliß genügt, um tm Jüdin zn verderben, deren Religion er nicht kannte. Nichtsdest, weniger bietet er ihr an, sie zu retten, unter der Bediugullg, dm Don Inan d'Nutriche, sein Rival, der Sara heiratheil will, sich i.i ein Kloster zurückziehe und Mönch werde. Der tapfere Don Juan, der künftige Sieger von Lepanto, i t zu diesem Opfer bereit. Ist das nicht schon ruhmvoll für ein? Jüdin, eine solche Zuneigung zu erwecken? Aber es ist noch viel ruhiu würdiger, sie zurückznweisen und sich selbst opfern zu wollen. Timuthige Sara erwiedert dem Don Inan: „Lassen Sie mich mem Schicksal ertragen; ich brauche nur wenig Muth. um zu sterben, um Sie müssen soviel haben, um als Sklave zu leben!" Dann ist zwischen den beiden Liebenden ein edler Wettkampf des Großmnths, den m die Einmischung Karls V. ein Ende inacht. — Casimir Delavigu hat feine Gelegenheit versäumt, um seine Jüdin sympathisch 11m interessant zu machen. Er stattet sie zwar nicht mit großen Thaten. aber mit schöllen Gedanken aus. Es ist dieselbe, welche von Philipp II. über die Inquisition befragt, zur Antwort giebt: „Em junges Mädchen hat kein Urtheil in diesen gewichtigen Dingenabe: wenn ich es wagen dürfte, ein solches zu haben, so würde im Ihnen sageii, wären Jene ailch schuldig, so ist es, tucim die Unglücl liehen sterbeil, die Pflicht der Priester sie zu segneil, nnb die de Fraueil. sie zn beklagen." Ich wundere mich nicht, solche Worte nnb Gefühle ans der Munde einer jüdischen Frau zli hören, nnb ich nehme die Gelegenhei! wahr, uin darall zll eriuuern, daß abermals einer jüdischell Frau einer der klassischsteii Proteste gegen die Inquisition in den Muu gelegt wurde. Montesgllieil erzählt, daß eine junge siebzehnjährige Jüdin, di in Lissabon verbrannt wurde, die wundcrvolleil Worte, die man in 13. Kapitel des 25. Buches im „Esprit des lois“ lesen kann, ge schrieben habe. Ich kehre zuin Theater zurück. Jll der Eiilleitilng zu tu „Kemme de Claude'* erklärt Alexander Dumas, daß der ,.Cid' ein Musterwerk vom dralnatischen Gesichtspunkte aus betrachtet, im moralischen Sinne niedrig stehe. Chimene darf ben Rodrigo nick heiratheil. Es giebt Verhältnisse, wo die Frall es verstehen mus sich zll opfern und aus Liebe zur Tiigeild denl Glück zll entsage! Unb um die These durch ein Beispiel zu erhärteil, schafft der Dichte die Gestalt der Rebekka in der „Femme de Claude“. Ich prüf das Stück nicht nur vom jüdischell Gesichtspunkte, ivenil ich sage daß die Gestalt der Rebekka besoilders illteressant ist, wenil mom fiel zurückversetzt in die Zeit des Vorworts zu diesein Drama, das 187 anfgeführt wurde. Aler. Dumas erklärt, daß er damit einen Alarm ruf beabsichtigt habe; llach ben schweren Prüfungen, die wir 187-1 erlitten haben, will er uns darall erinnern, daß „Gott, das Vatel la.ild, die Arbeit, die Ehe, die Liebe, die Frau, das Kind, Alleerilst sei." Ist es ilicht schmeichelhaft, daß in einem Drama, dem so Hot- Ziele gesteckt sind, eine der Gestalteil, die man uns als Vorbilder aufstellt, ein junges jüdisches Mädchen ist? Claude, ein Mail» vrrn edlenl Herzell unb großem Geist, eine jener schönen Seelen, die mm dem Ideal suchen, liebt die Jüdill Rebekka: er wird voll ihr wieder geliebt. Aber pi seinem Unglück ist Claude mit einer Frau ver heirathet, die sich feiner sehr unwürdig gezeigt hat, nnb dieses uu heilvolle scheidet selbst w ihrer I oerweild unsere l und übt Flügelfc Unenbfi Gemein kann, ei schiedsw Banden und gei das mc uns in W Jungfo Claude' taild zu Sie wb die and für die stellen, Welche Es hat die Ciü llnb w< zeigt, d im Alb diejeuig tragene leugnet Jüdill, hereing retten , mit seii Jnstinb die er Riemal D die Au nleinde derselbt Treibei Kritik, in Off Allfme iilerkt i ein an kleinen b