Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1892)
- Date
- 1892-02-12
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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81 icheidensten Bäuerin mii dem Hut in der Hund sprach, man nch dann wundern, daß cs Leute giebt, die einer Jüdin gegenüber lwflich sind? Es ist etwas davon in dem schmeichelhaften Bilde aas man uns von Ihnen, meine Damen, entworfen. Und es ist noch etwas ganz Anderes darin, und ich werde im Laufe meines Bortrages darauf zurückkommen. Was aber darin Sicheres ist, das ist dieses, daß Ihnen gegenüber eine glorreiche Tradition eristirt, eine Tradition, die mit Eifer von den nichtjüdischen Schriftstellern (und nur mit diesen will ich mich heute beschäftigen) angenommen worden ist. Ehre der jüdischen Frau!!! Ehre zuerst ihrer Schönheit. In diesem Punkte ist die Ueberinstimmung eine allgemeine, und das Lob wird sogar banal durch sie stete Wiederholung. Bemerken Sie nnr dieses: jedes Mal, wenn man von einer schönen Jüdin spricht, benutzt man die Gelegenheit, am zu sagen, sie wäre keine Ausnahme, da alle jüdische Frauen ihr ähnlich seien. Ich finde in Mary: „Mein Kind, wenn du unsere talieuischen Museen besuchen wirst, wirst du das Bild deiner Schwester les handelt sich hier um die Jüdin im Vatikan) auf vielen Bildern, auf denen Raphael Sauzio seine unsterbliche Jungfrauen gemalt aat, wieder finden. Diese einfache Beobachtung des Künstlers läßt ich nicht nur auf deine Schwester anwendeii, sondern man kann sie ,nit größerem oder geringerem Gliick ans fast alle» Gesichtern der! ungen jüdischen Mädchen finden". Balzac geht noch weiter: „In Frankeich, sagt er, ist es sehr selten, um nicht zu sagen, mnuöglich, die dreißig berühmten Vollkommenheiten, die in den persischen Gedichten beschrieben sind und einer Frau eigen sein müssen, um vollkommen 'chön zu sein, zu finden". Aber diese dreißig berühmten Vollkommenleiten, harmonisch vereinigt, Balzac schildert sie vereint in der einigen Gestalt der Esther, in „Glanz und Elend der Cvurtisanen." ..Seplendeurs et miseres des Courtisaiies“), und er erkärt auch, warum: „Die Mutter der Esther war eine Jüdin." Der Dichter Victor Hugo in seiner ..Sultane ■ t'avorile- 1 >rientale‘‘ (p. .37) stimmt auch in dieses Konzert der Lobsprüche ein Que nrimporte, juive adoree, Un sein d’ebene, un front vermeid Tu n’es point blanche ni cuivroe, Mais il scmble qu’outä doree Avec un rnyon de soleiJ. Sie sehen, die Prosaschriftsteller und Dichter stimmen vollständig "herein, nicht nur darin, daß die jüdische Frau schön, sondern auch, aß diese Schönheit nicht gewöhnlich sei; sie hat etwas Eigenes, eüvas Göttliches; das ist das richtige Wort. Dies faßt auch in „l’unson du Terra il" der Gaseogner Raoul de Blasse kurz zusammen, wenn r, da er eine schöne Jüdin sieht, ansruft: „Das ist gar keine Frau, ms ist eine Göttin." Ich habe Ihnen allerdings gesagt, daß es ein Gascogner ist, der so spricht, und doch, Menschen, die nichts weniger n'ie Gaseogner, sind noch weit verschwenderischer in der Höflichkeit, wenn es sich nur um die Schönheit der jüdischen Frau handelt. — rehen Sie sich die fremdeiOSchriftsteller an, etwa Sacher-Masoch; >e Erscheinung eines jungen jüdischen Mädchens läßt ihn „an die unten eines blendenden Azurblau, die den vom Himmel herunterneigenden Engeln den^Durchgaiig eröffnen", denken. Sie Alle kenne» en Roman von Walter Scott „Jvauhve". Als die Jüdin Rebekka Nein, Tonrnier erscheint, geht durch die Versammlung ein Flüstern er Bewunderung. Ein unfehlbares Zeichen ihrer Schönheit: sie erweckt den Unwillen und die Eifersucht aller anwesenden Frauen. Ich nehme als sicher an, daß diese keine Jüdinnen waren. Das letzte lutat über die Schönheit der jüdischen Frau — ich leihe es von Shakespeare. Aus welchem Stück? Aus demselben, in welchem, wie cs scheint, er die jüdische Rasse an den Schandpfahl stellen wollte: aus de», „Kaufmann von Venedig". Shakespaere sagt uns, daß sein Jude „schwarz wie Pech und Kohle eine Tochter weis; wie Elfenbein habe." Und eine Person aus diesem Stuck geht gar so weil, uns ahnen zu lassen, daß Shylock durch diese Tochter sogar noch ins Paradies kommen könnte. Ach, man hat wohl ein Recht zu sagen, daß die Schönheit auch eine Tugend ist! Warum wäre aber diese Tugend nur das Vorrecht der jüdischen Frau'? Chateaubriand hat diese Frage beantwortet. Er erinner daran, daß die jüdischen Frauen an den Qualen und Demüthigungen aller Art, die mau Christus zugefügt, nicht theilgenommen haben; es gab sogar einzelne, die für den Nazarener einen Blick des Mitleids und ein Wort des Trostes hatten. In Folge dessen wurden die jüdischen Frauen für immer vor dem Fluch bewahrt, der Israel getroffen hat. Es ist ihnen etwas geblieben wie der Rester eines Strahls von Oben. Ich ziehe dieser sonderbaren Erklärung weit mehr die Beobachtung von Heinrich Heine vor. Auch er hat bemerkt, das; die Schönheit der Jüdinnen einen ganz eigenen, rührenden Charakter an sich trage, und er giebt als Grund dafür an: „Das Bewußtsein, das sie haben von dem tiefen Elend, der bitteren Schmach und den Gefahren aller Art, inmitten welcher ihre Angehörigen und Freunde jede», verbreitet über ihre anmnthigen Gesichter den Ausdruck einer leidenden Zärtlichkeit, einer hingehenden Liebcsaugst, der einen ganz besonderen Reiz ausübt." Wie weit auch Chateaubriand und Heine von einander entfernt sind, so stimmen sie doch in diesem Punkt überein, das; bei der jüdischen Frau die physische Schönheit nichts anderes als die moralische Schönheit ist. Darum ist auch die Jüdin als Heldin des Romans eine ganz besonders interessante Erscheinung. Der Schriftsteller wird ihr gerade alle Eigenschaften verleihen, die unserer Rasse so oft abgesprochen wurden: die Aufrichtigkeit, die Uneigennützigkeit, den Edelmuth der Gefühle, den Math, der zu jeden, Opfer fähig ist, und oft verkörpert sie den Begriff des Erhabenen. Giebt cs einen schöneren Charakter als den der Rebekka bei Walter Scott? Ter Autor macht aus ihr fast eine Heilige; er zeigt sie uns ganz der leidenden Menschheit ergeben, die Betrübten tröstend, den Bedürftigen helfend, jüdische wie christliche Kranke ohne Unterschied pflegend. Aber in alledem liegt noch nicht der vorherrschende Zug der Jüdin. Das, was uns an dieser Gestalt von Walter Scott am meisten anzjeht, ist der Heldenmuth. Das junge Mädchen, aus ihrem stillen und an Demüthigungen reichen Leben herausgerissen, wird in eine Kette von gefährlichen Versuchungen und Abenteuern verwickelt, und da erst glänzt die volle Ueberlcgcnheit der jüdischen Frau hervor. Erinnern Sie sich der Szene, in welcher Rebekka in die Hände des fürchterlichen Tempelherrn Bois-Gnilbert gefallen und sie seine beleidigenden Anträge zurückweist; den Tod der Schande vorziehend, ist sie bereit, sich in den Abgrund zu stürzen. Der Tempelherr schwankt einen Augenblick; aber seine Kühnheit, die sonst nie dem Mitleid wich, trat zurück vor der Bewunderung, die ihm der Heldenmuth des jungen Mädchens einflößte. — „Du junge Unbesonnene," sagte er zu ihr, „verlas; diesen gefährlichen Ort; ich schwöre Dir bei Himmel und Erde, das; ich cs nicht versuche» werde, Dich zu beleidige»." Und dann fügte er in eine», respektvoller,, Ton hinzu: „Ich bitte Sie nicht um Verzeihung für die Drohung, mit der ich Sie beleidigt habe, ohne diese hätte ich den Edelsinn, den Stolz Ihres Charakters nicht kennen gelernt, und dadurch haben wir Beide gewonnen. Nur durch den Probirstein kann mau das echte Gold erkennen." Es scheint, daß dies die Anschauung der meisten Schriftsteller ist, die über die Juden geschrieben haben: „Echtes Gold wird klar in, Feuer", und schwierige Verhältnisse lasse» uns die Seelengröße