Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1892)
- Date
- 1892-02-12
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Graf von Caprivi empfangen. Sott man sich da verwundern, wenn die öffentliche Meinung Aufklärung verlangte lieber den Fall Wiedmann ist von jener Seite (nach lints» wenig gesprochen worden, ich werde bei der dritten Lesung darauf znrückkommeu lAbg. Aickert: Tann werde ich Ihnen antworten!» Leider hat sich der Justizminister auch über di» Irage der Znncchme der Juden im Jnftizdienst nicht ausgesprochen. Ter 'Abgeordnete Mnnckel meinte, ein Nebermas; darin sei nicht vorhanden. Stellen Sie doch ein: mal eine Statistik darüber aus, dann werden Sie schon sehen, ob dem so ist. Man sagt, die konservative Partei solle doch das antisemitische Programm annehmen-, das werden nur freilich nicht thun, aber zu der Frage der Zulassung der Juden zu den höchsten Justizamtern werden wir Stellung nehmen, nicht antisemitisch, aber so, wie es das Wohl des Vaterlandes verlangt. (Beifall rechts.» Geh. Rath Vier Haus: Ich muß nochmals tonstatiren, daß die Besichtigung des Thatortes in .kanten gleich am Tage nach dem Morde stattgefunden hat. «Hört, hört! links.» Damals hatte mcm noch keinen Verdacht auf öcn Schächter Busch off, erst nach einigelt Tagen lenkte sich der Verdacht auf ihn, erst am 4. Juli fand deshalb eine Haussuchung bei Bnschosf statt, und wenn Herr Stöcker deshalb sagt, die Besichtigilng des Thatortes habe erst am 4. Juli stattgefundelt, so kalin sich dies nur auf die Haussttchnng beziehen. «Hört, hört! links. » Abg. Crem er (Teltow»: Was den Mord in bauten betrifft, so protestire ich gegen den 'Ausdruck Sehandlitteratur. Tie Litteratnr aller Zeiten spricht von Ritualmorden. Ich habe meinerseits das Vertrauen zur Justizverwaltung, daß sie in diese Sa«che Klarheit bringelt wird, das liegt and) im Interesse der Juden. Abg. Fritzen >(5tr.) konstatirt, dast er nur die Hoffnung ausgesprochen habe, daß das Material in der Tantener Mordsache nunlnehr genügeltd sei, um Klarheit hineinzubrinpen. U Oswald BsLrr. Von Dr. mcb. W. ■'oauclbnrfl -;)iio bc Janeiro. '»Im 4. Februar, dem Tage meiner Ankunft in Hanibnrg und gelegentlich der Zeitungslektüre, mit der ich mich zur schnellen SDrieittmiiui über die wichtigsten Weltereignisse während der mehrwöchentlichen Seereise gleich in den ersten Stunden des Aufenthaltes am Festlande befasste, wurde mein Blick gebannt durch den Nachruf. den der gcschäftSführende Ausschuß des Dentschen Ceutral- Komitees für die russischen Inden seinem i» Brasilien verstorbenen Delegirten, Herrn Oswald Boxer widmete. Oswald Boxer tobt! mit dem ich am Bortage meiner Abreise von Rio de Janeiro noch gesprochen, der sich zur Zeit einer strotzenden Gesundheit erfreute! Freilich der Feind, der ihn bezwang, war jene endeinische Seuche, das gelbe Fieber, das höhnend aller erträumten Menschcnkrast seine Opfer gerade mit Vorliebe aus den Reihen der Kräftigsten hinterlistig überfüllt! Tic Worte des Nachrufes, in welche der Ausschuß seinen Schmerz kleidete, sind keine jener üblichen Phrasen, die man einem Verstorbenen widmet; es sind Worte, die nur schwach die ausgezeichneten Eigenschaften des Tobten andeuten. Meine Bekanntschaft mit Herrn Boxer datirt vom ersten Tage, wo derselbe seinen Fuß ans brasilianischen Boden setzte; cs sind nunmehr circa r> Monate. Erst kurze Zeit danach erhielt ich Kenntnis; von seiner Mission. Der llmstand, daß ich als ausübender Arzt nicht nur mit den körperlich Nvthleidendcn der Glaubensgenossen, sondern auch mit den sonstigen Lebenslagen t,efer bekannt werde, brachte uns einander näher. So wohnte er auch der Generalversammlung der in Rio de Janeiro bestehenden jüdischen Genossenschaft bei, die erst in zweiter Linie die Pflege religiöser Gebräuche, in erster die Unterstützung unglücklicher Glaubensgenossen sich zur Aufgabe stellt, und er beeiuslusste mich zur Annahme des nur mit Beschwerlichkeiten verbundenen Ehrenamtes eines Präsidenten. Wenn ich dann auch nid)! des Weiteren von de» Einzelheiten seiner klntcrnehmungen durch ihn! Kenntnis; bekam, wenn der Verstorbene seine Geschäfte vielmehr mi:! der sachgemäßen Diskretion behandelte, so erschloß er mir doch in j großen Zügen die von ihm eingeschlagenen Wege. I Mit Fleiß und Gründlichkeit bearbeitete Boxer das groß, l Material der Kolonisation, besonders für Brasilien, im Astgemeinen , erforschte die mit der Einwanderung der versckiiedensten Nationen! gemack)ten Erfahrungen, ercerpirte aste möglichen in der Litterati»! der Deutsche», Franzosen, Engländer, Portugiesen, Brasilianer rc j niedergelegten theoretischen und praktisckien Vorsdstäge; sein steter Begleiter war seine Skriptureninappe. Alle diese Studien hatten! natürlich nur das eine Ziel, wie sich das Bewährte für die russischjüdische Immigration vcrwcrthen ließe. Imponirend war die klare Ausfassung, die der Verstorbene besaß Alst Schnelligkeit und Richtigkeit fand er aus dem chaotischen Gewirr der seine Interessensphäre beruhenden Angelegenheit den Kernpunkt heraus; förmlich als wenn er von der Natur zu der ihm gewordenen Aufgabe pradestinirt wäre. Die Wenigsten der in geordneten europäischen Staatsverhültnisse» lebenden Leser dieser Zeilen werden sich eine richtige Vorstellung machen tonnen, was es bedeutet, in Brasilien den Sachen auf de» Grund zu gehe». Da giebt es keine amtlichen Informationen, und wenn man solche dock) erhält, so sind auch diese einer Kritik zu unterziehen; Gesetz und Recht sind nur bedingungsweise die Stützen gesellschaftlicher Ordnung, die bekannten politischen Wirren in Brasilien sind grade keine fördernde Garantie für große Unternehmungen Was in Europa zuriicktritt, besitzt in Brasilien die Oberhand: die Pflege einflußreicher Persönlichkeiten. Soweit ich dies aus der direketn Anschauung und von meinem bedeutungslosen Beobachtungspuiikte beurtheilen kann, hatte Boxer glücklich sich in gute Wege hineingearbeitet. Anfangs mußte Boxer Personen.und Verhältnisse aufsuchen; nachdein'es aber doch bekannt geworden, welche Interessen er reprüsentirt, wurde er von Anerbietungen aller Art überschwemmt; ruhig verarbeitete er Alles, gerecht und weise die Sache untersuchend. Nicht nur seine Intelligenz, auch seinen Körper niußte er in den Dienst seiner Bestrebungen stellen; seine Rührigkeit war gradezn überraschend. Bald hatte er nnbegucuie Seefahrten zu unternehmen, bald mußte er sich auf deir staubigen Wegen und unter dem Einfluß tropischer Sonne von der nicht mit europäischen Verhältnissen zu vergleichenden Eisenbahn durchschütteln lassen, bald sich auf tagelange Reisen mittelst Maülthier begeben. Alle diese Arbeiten leistete Boxer gern und freudig. Sein höheres Ziel war die Schöpfung einer Kolonie, die als solche gleichwertig den sich geschäftlich lohnenden und daher in ihrer Existenz siä)eren Gründungen unserer kolonisationslnstigcn Zeit zur Seite stellen konnte und die zugleich die Pflege und Erhaltung des jüdischen Lebens ermöglicht. Arnien Unglücklichen wollte er nicht ein Asyl, er wollte ihnen ein sicheres Heim mit Glaubensfreiheit suchen. Rein ideal war sein Streben; auch nie habe ich je ein Wort von ihm gehört, daß ein anderes Motiv vermuthen ließ. Und wäre ihm persönlich doch ein Nutzen entstanden, so wäre solches nur ein wohlverdienter Lohn langer, dornenvollster Arbeit. In der kurzen Zeit seines brasilianischen Aufenthaltes hat Boxer! unendlich viele Privatbeziehungen zu Familien, Vereinen und Privat-! Personen angeknnpft. Dies ermöglichten ihm seine Liebenswürdigkeit,! seine Bescheidenheit, seine vielseitige Bildung. Ick) weiß, daß gleich mir, viele seiner brasilianischen Bekannten in vollster Aufrichtigkeit! seinen Heiingang bedauern, und wir vereinen uns in der Trauer mit! seinen gewiß unendlich betrübten deutschen Freunden. A> Ecutral jüdische W er dach nilbewl der in ist, er bedroh, hatte l beit, d, »ahm ans. vor, iv Batcrl. mit L> inan i Anden uianch dieses ZU I große, politis gar n Z nach j jüdisck Mein, Reiche Zeit,» widm l wir!» unser, die Z sein, den £ diese wenn komu sie u vcrla Schu liken. in hl die I weisu depw da is schieb Alle, Schi, Klass