Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227938--48591-3269234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
69 lb§ iK'l'- ).’> diese mb daß ietes zu > Kirchle» ver- Monterücklich, >uagogc zahlhatten, e ihnen ien sich ig sind st den haben »baren rembet her die •e erste : 184!) Street, ie eine htelen, e schon bsätzen ebenmvbeit Choress »r Nach chlnß: lrüdcr iiibert leinng , das; Borinlen, Gott roßen l die jeiligt thnin eiten, unb iclche vierchter- Gegei den For- -cine Gott ende 'mm »kmeiiibeti Londons wicber zr> oereiucn, denn bald werbe» auch die letzten Schranken, welche sie trennen, fallen, unb bann werben sic i.üeder gemeinsam wirken zuin Heile bes Jndcnthums. Römer und Juden. Voll Tr. Marens Landau. Neben biesen materiellen Herrlichkeiten finben wir aber auch in »wischen Schriften die Ausmalung der ethischen Erhebung, der allzcmeineu Seligkeit unb bes ewigen Gottesfriebens in ber Zeit ber Erlösung. So heißt es in ben zur Zeit ber Invasion bes Pompejus -ebichieten „Psalmen Salomos": „Reinigen wirb Jehovah Jerusalem, baß von ben Enden der Erde die Völker kommen, um seine Herrlichkeit zrt sehen. Kein Unecht wirb in jenen Tagen unter ihnen herrschen, denn Alle sind sie «eilig unb ihr König ist ber Messias. Er wirb bas Volk Gottes iegnen mit Weisheit unb Güte, die Fürsten zurechtweisen unb die Zünder entfernen durch die Macht seines Wortes." Unb im Buche Tobias (XIV 8. 9): „Und auch die Heiden werden ihre Götzen verlasse» und werden gen Jerusalem kommen mtb da wohnen. Und alle Heiden und Könige werben sich in ihr iretien unb anbeten den Gott Israels." Nach dem Midrasch Rabba (zu Exodus XII 2) werden in jener glücklichen Zukunft alle zerstörten Städte, selbst Sodom und Gomorrha wieder aufgebant werden. „Kuh und Bär werden zusammen weiden, es tvird kein Weinen und Jammern, kein Seufzen und Angstgeschrei mehr geben' sondern es werden Alle sich freuen." „Der Tod wird verschwinden und lebendiges Wasser in Jerusalem entspringen, das alle Krankheiten heilt. Und die Völker der Welt werden kommen und sich an der Herrlichkeit Israels laben."') Auch im dritten Sibyllinischen Buche werden die Juden „für alle Sterbliche Führer zum rechten Wege genannt, an deren Heil alle Heiden einst freiwillig theilznnehmen ivünschen werden." So hielt auch Rom, lange nachdem es die Weltherrschaft verloren, den Gedanken an sie fest, und noch im 8. Jahrhundert wiederholte man die Prophezeiung: „So lange das Kolosseum steht, wird Rom stehen, wenn das Kolosseum fällt, fällt Rom, mtb wenn Rom füllt, geht die Welt zu Grunde."ch Auch in den Aeußerlichkeiten des Kultus finden wir mannigfaltige Aehnlichkeiten zwischen Römern und Juden. Der strenge Formalismus des römischen Gottesdienstes, das zähe Festhalten an traditionellen Gebräuchen hatte Vieles, das an den Mosaismus erinnerte. Der Flamen dialis war in vielen Beziehungen dem jüdischen Hohepriester gleich. Beiden war dieselbe krupulöse Reinlichkeit und Heiligkeit vorgeschrieben.") „Ter Katalog der Verpflichtungen und Vorrechte des Jupiter-Priesters könnte füglich im Talmud stehen", meint Mommsen.ß) Wie die Juden ihre Reinigungsceremonien mit der Asche der rothen Kuh Vornahmen, so wurde das römische Volk an den Palilien mit der Asche oes verbrannten Kalbes, der Boshcmla, gereinigt. Die römischen Vorschriften über die Heilighaltung der heidni- Vi Alle diese Prophezeiungen und Trostverkündigungen sind übrigens z>un größten Theil Ausdeutungen und Amplifikationen von Bibelüelle». -) Du Gauge Glossarium s. v. Ooliseum. 3) Anlus Gellins X, 15. 9 „Römische Geschichte" I, 877. schen Festtage, die Unterscheidung zwischen Ärbeiteit, ivelchc an Festtagen verrichtet tverden, und solchen, welche liidjt verrichtet werben dürfen erinnern an die jüdischen Vorschriften. Es klingt fast wie i in Satz aus ber Gemara, wenn es bei Makrobins heißt: „Virgilius lehrt, daß es erlaubt ist, die blökende Heerde in den heilenden Fluß zu tauchen." Er sagt heilenden, daraus schließen wir, daß es nur erlaubt ist, ein krankes Schaf zu baden, aber nicht um seine Wolle zu waschen. 9 An eine Entstehung oder an gemeinsamen Ursprung dieser Gebräuche ist wohl nicht zu denken, und sind sie auf jene, beiden Völkern gemeinsamen Elemente des Nationalcharakters zurückzuführen, denen zufolge in der Religion mehr Gewicht auf die Werke als auf den Glauben gelegt tvurde. Betrachten wir die positiven Religionen vom rein menschlichen Standpunkte, so finden wir, daß sie alle nur aus drei Elementen — Metaphysik, Ethik und Kultus —zusammengesetzt sind. Die Quantität dieser Elemente und, wenn der technische Ausdruck hier erlaubt ist, ihr Aggregations-Zustand bedingen die Verschiedenheit der Religionen. In der jüdischen und römischen war das Element des Kliltlis gleich stark, das metaphysische gleich schwach vertreten. Letzteres aber in der jüdischen monotheistischen Religion von viel erhabenerer, reinerer Beschaffenheit als in der heidnischen. Die Ethik bildete bei den Juden einen sehr großen, bei den Römern nur einen kleinen Theil der Religion. (Fortsetzung folgt.) FEUILLETON Gine Blume. Von Elise Orzeszko. i Schluß.) Der Rabbi hörte mit großer Aufmerksamkeit die zitternde Rede Chaita's, dann dachte er ein wenig nach und sprach: „Sei ruhig, Deines Enkels tvill ich inich annehmen, eine Sanunlung veranlassen und ihn zur Talmud-Thora senden und ihn auch selbst unterrichten." Das Antlitz Chaita's, welches früher den Ausdruck höchsten Schmerzes und Flehens halte, erglänzte in unsäglicher Dankbarkeit und Freude. Doch plötzlich begann sie laut und fast krampfhaft zu >veinen. „Warum weinst Du?" frug der Rabbi. „O, Rabbi, verzeihe Du meine Thräncn, es sind dumme Thräneu, aber sie warfen sich mir aus dem Herzen in das Auge, und ich kann sie nicht zurückhalten. Wenn Du mein Chaimcheu ins Haus nimmst, werde ich von meinem Kinde scheiden müssen, Es ist Niemand aus dieser Welt bei mir, als nur er allein, ich und er lebten bisher wie die zwei Tropfen Wasser, welche der Wind wirft auf den Sand, und die immer aufeinander schauen und einer dem anderen leben hilft. Wenn Tu, Rabbi, mein Chaimchen in Dein Haus nehmen wirst, werde ich ohne ihn bleiben, wie das Auge bleibt ohne de» Augapfel, wie ein Körper ohne Seele. Sein Mündchen wird mich nicht anlacheu. Wenn ich des Morgens erwache und wenn ich Abends nach Hause kehre, werden meinen Hals seine Hündchen nicht umschließen. Seine Füßchen werden nicht laufen und springen i» meinem Zimmer, und in finsterer Nacht wird Niemand z» mir rufen: „Großmutter, nimm F ölaerobuis Saturnalia lila I cap. Ebenda sind auch verschiedene Meinungen angeführt, ob man einen in eine Grnbe gefallenen Ochsen am Festtage herausziehen und ein schadhaft gewordenes Dach ausbessern dürfe. Kenner des Talmnd werben leicht die Parallelstem» herausfinden können. Vergl. auch Evang. Matth. Xll. 11 Lneas XIV <>.