Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- Seite 68 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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■Ü75-= Rothschild, erschienen umreit. ES ist dies um so bcmerkcnswerther, als die beiden O.berrabbincr Tr. Hermann Adler und Tr. M. Ga st er (letzterer ist Oberrabbiner der spanischen und Portugiesischen Juden in London) unbegreiflicher Weise der Einladung der Reform-Gemeinde nicht Folge geleistet haben. Sic zeigten dadurch, daß sie die Abzweigung von den orthodoxen Gemeinden noch immer nicht verzeihen können, wenngleich es sich int Laufe der 50 Jahre deutlich erwiesen hat, daß die Reform-Gemeinde bahnbrechend gewirkt und fest an dem Glauben des Jndenthums gehalten und dafür gewirkt hat. Die Anwesenheit der Vorsteher der orthodoxen Gemeinden bei der Feier hat dagegen gezeigt, daß die Gegensätze ausgeglichen sind, und sicher bald ganz verschwinden werden. Nicht wenig haben dazu beigetragen die Rabbiner der Reform-Gemeinde, Professor David W. Marks und Reverend A. Loewy, welche sich des größten Ansehens und allgemeiner Beliebtheit in London erfreuen. Ein seltenes Glück und eine besondere Freude ist es, daß sie, die im Jahre 1842 als Prediger der kleinen uerigegründeten Gemeinde berufen wurden, jetzt nach 50 Jahren noch in voller geistiger Frische ihres Amtes walten können und ihre Gemeinde stets wachsen und größer werden sehen. Tie Reform- Gemeinde ist heute von großer Bedeutung für die Juden Londons, denn es gehören ihr viele der angesehensten und reichsten englischen jüdischen Familien an, lind das berühmte Parlamentsmitglied Sir Julian Goldsmid ist der Präsident der Gemeinde. Die Geschichte der Begründung derselben bietet viele interessante Momente, und es ist fast unbegreiflich, daß noch vor 50 Jahren ein solcher Fanatismus in Glanbenssachen geübt wurde. Zur Erklärung muß vorausgeschickt werden, daß die englische Reform-Gemeinde nicht etwa der Berliner jüdischen Reform-Gemeinde gleicht, sondern viel mehr unserer großen Berliner Jüdischen Gemeinde. Der Gottesdienst findet am Sonnabend — nicht am Sonntag — statt, die Gebete werden bedeckten Hauptes verrichtet, und bei der Begründung der Reform-Gemeinde handelte es sich nur darum, folgende wesentliche Abänderungen gegen den Gottesdienst in den orthodoxen Gemeinde» einzuführen. 1. Tie Gebete sollen abgekürzt werden, so daß der Gottesdienst an den Sonnabenden und an den Feiertagen (mit Ausnahme des Versöhnungstages) nicht länger als 2'h Stunden in Anspruch nimmt. Der Anfang soll nicht früher als 9'/; tlhr Morgens im Sommer- und 10 Uhr im Winter stattfinden. 2. Die Gemeinde hat sich vor Beginn des Gottesdienstes zu versammeln und muß im Gotteshause bis zum Schlüsse der Andacht bleiben. 3. Nur diejenigen Feiertage iverden festlich begangen, welche in der heiligen Schrift geboten sind, und nur ein Tag derselben wird gefeiert. 4. Chorgesang und Orgelbegleitung sollen beim Gottesdienst eingeführt werden. 5. Die Vorlesung aus der Thora erfolgt in englischer Sprache und bei jedem Gottesdienst wird eine Predigt gehalten. Ü. Knaben und Mädchen erhalten Religionsunterricht und werde» nach vollendetem dreizehnten Lebensjahre konfirmirt. Als die Gründer der Reform-Gemeinde im Jahre 1841 von diesen beabsichtigten Abänderungen dem Vorstand der orthodoxen Gemeinde Mittheilung machte», entstand eine gewaltige Erregung in ben jüdischen Kreisen Londons. Die Vorsteher traten sofort.'zusammen, und unter dem Vorsitz von Sir Moses Montefiore wurde von ihnen beschlossen, daß Seitens des Oberrabbiners Herschel der Bann über die „britischen Juden", wie sich die Anhänger der Reform-Gemeinde nannten, ausgesprochen werden sollte. Dieser Bann wurde 8 Tage l vor Eröffnung ihrer Synagoge in allen Gemeinden Englands verj öffentlichst und er enthält die ausdrückliche Bestimmung, „daß diese! Abtrünnigen keine Gemeinschaft mit den Israeliten haben, und daß I es eine Sünde sei, ihr neues Gebetbuch zum Zwecke des Gebetes zu benutzen." Es tvnrde ihnen nicht gestattet, ihre Tobten auf dem Kirch- Hof der orthodoxen Gemeinde zu begraben, und es wurde ihnen ver-; weigerst dieHeirathsurkunden zu sanktioniren. Sir Moses Montesiore erklärte in einem Briefe vom 2. Februar 1842 ausdrücklich,; daß er das Bethaus der Reform-Gemeinde nicht als eine Synagogc , betrachten könne. Dies Alles aber hinderte die Reform-Gemeinde und ihre zahlreichen Anhänger nicht, das Ziel, lvelchcs sie sich gesteckt hatten, weiter zu verfolgen. Sie haben alle die Hindernisse, welche ihnen : in den Weg gelegt wurden, nach und nach beseitigt, rmd haben sich i die Anerkennung zu verschaffen gewußt, daß sie nicht abtrünnig sind : dein Glauben der Väter, sondern daß sie nur den Gottesdienst den Aiisprüchen der Zeit entsprechend umgestalten ivollen. Sie haben dadurch Viele, die sich nicht mehr mit dem Ritus in den orthodoxen Synagogen befreundeten und sich deshalb Dem Judenthum entfremdet hatten, der Gemeinschaft der Israeliten erhalte». Es wuchs daher die Zahl ihrer Anhänger von Jahr zu Jahr, und bald reichte ihre erste Synagoge in der Burton Street nicht mehr ans. Im Jahre 184!» erbaute die Genreinde ihre zweite Synagoge in der Margaret Street, aber auch diese genügte irach 20 Jahren nicht mehr, so daß sie eine schöne neue Synagoge in der Upper Berkeley Street errichteten, welche am 22. September 1870 eingeiveiht ivurde — aber heute schon ivieder zil klein ist. Außerdem wurden Reform-Gemeinden nach denselben Grnndsätzen wie in London, in Manchester und in Bradford errichtet, welche ebenfalls viele Anhänger gefunden habe». Bei dem feierlichen Gottesdienst am 27. Januar er. wurden nach Gesang des 121. Psalmes die Thorarollen sechsnial unter Chorgesang in der Syiiagoge herumgetragen, und hierauf hielt Professor Marks die sehr versöhnlich gehaltene treffliche Festpredigt. Nach einem Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre sagte er zum Schluß: „Jetzt, nach fünfzig Jahren können wir täglich unsere Brüder alle fragen, ob das geistige Judenthum durch unser Thun gehindert oder ob es nicht eher gefördert worden ist? Hat sich die Prophezeiung unterer starren, aber ohne Zweifel ehrenwerthen Gegner erfüllt, daß wir de» Unglauben einführen werden? Haben wir die heiligen Vorschriften der Mosaischen Lehre verletzt, oder haben ivir die Säule», auf die sich die Offenbarung stützt, zunr Wanken gebracht? Vor Gott inid Israel erkläre ich, daß unsere frommen Gründer einen großen Dienst der Gemeinde dadurch geleistet haben, daß sie Licht in die Syiiagoge hineinließen, »nd dadiirch wurde sie nichr geheiligt im Innern und mehr geachtet nach Außen. Das Judenthum hat nichts zu fürchten von der Annahme von Aeußerlichkeiten, welche die Zeit gebietet, denn cs stützt sich auf einen besseren und festeren Grund als auf hergebrachte Formen. Eine Religion, welche wunderbarer Weise die Nationalität überlebt hat, welche mehr als vierzehn Jahrhundert geächtet und dem ärgsten Fanatismus, den fürchterlichsten Verfolgungen, wie solche nicht zum zweiten Mal in der Geschichte vorgekonnnen — ausgesetzt war und dennoch ilnverletzt geblieben ist, kann nicht dadurch gefährdet werden, daß die Formen den Forderungen der Zeit entsprechend gestaltet. Schon oft haben die Formen gewechselt, das Judenthum ist stets dasselbe geblieben. Seine wesentliche Macht liegt in der erhabenen Vorschrift: „zu lieben Gott mit Herz unb Sinn, und seinen Nächsten wie sich selbst." — Ein tief empfundenes Gebet sowie Gesang schloß die erhebende Feier, die dazu beitragen wird, die Reform-Gemeinde mit den anderen viemeind letzten <s uneder gl Neb lüdischen gemeiner Orlösunc gedichtete „Re Erde die echt wii «eilig ui legnen i Sünder Uni werden ind da sreuen i Neil glückliche nlvrrha saminen und An „D ialem ei Welt > laben."' Ar, alle St alle He! Sc loren, d verholte wird R Rom fä Au faltige ' De zähe Fe den M> zichungi krupulö log der füglich ihre R nahmen des ver Di 0 ' wm gi stellen. s) 3) *)