Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
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gab eilte Zeit, tuo itt übel angebrachter Humanität oder ans nnverstandenem Bildnngstriebe junge Leute in das Sttidinin gleichsam hineingedrängt und die gelehrten Facher mit Elementen überfüllt wurden, die weder diesen Fachern noch dem Judenthnm zur Ehre gereichten, noch artch ist dem Betroffenen selbst dadurch eine wahre Förderung zu Theil geworden. Nun, da bereits dieses ließet erkannt ist, hat auch schon die Besserung Platz gegriffen. Neben den älteren Stiftungen und Vereinen, die bezwcckeit, begabten und bedürftigen Kindern den Besuch höherer Lehranstalten, sowie den gehörig vorbereiteten jungen Leuten die gelehrten Studien zu ermöglichen, geht in neuerer Zeit das Bestreben dahin, Knaben und Mädchen mehr dem praktischen Leben znznführen rmd ihiren die Büttel zur Vorbereitung für dasselbe zu gewähren. Das; also die Kinder ihren natürlichen Anlagen und Fähigkeiten gemäß ausgebildet werden, das; dem Genie die Bahn zu seiner Geltendmachung freigemacht, das Talent, nach tvelcher Richtung hin es sich auch kund gebe, gefördert werde, das gereicht dem Einzelnen und auch der gesamtnten Judenheit zum wahret; Nutzen. Was itt Bezug auf das eigentliche Studinm durch den bekannten Stndienbefördernngsverein geschieht, bleibe, als allgemein bekannt vorausgesetzt, hier nnerörtert. Ich möchte vielmehr die Anfmerksamkeit der geneigten Leser ans das andere Gebiet lenken, auf welchem vieles geschieht, aber noch viel mehr geschehen, noch nachhaltiger gewirkt werden inuß. Bereits in; Jahre 181o wurde hier in Berlin eine „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Inden im preußischen Staate" gegründet. Nachdem revidirten Statut vom 15. Juni 1882 hat dieser Verein den Zweck, junge Leute jüdischen Glaubens behufs Erlernung eines Handwerkes oder technischen Gewerbes zu unterstützen, sie bei tüchtigen Meistern in die Lehre zu bringet;, während der Lehrzeit mit atigemessener Kleidung zu versehet; und ihnen außerdem zur Erlangung eittes zweckentjprecheitden Fachunterrichtes behilflich zu sein. Die in die Pflege des Vereins aufgenonnnenen Kimben sind nicht nur verpflichtet, die Fach- und allgemeinen Fortbildungsschulen regelmäßig zu besuche», worüber die strengste Kontrole geführt >vird, sondert; es ist auf Kosten des Vereins eine Religionsfortbildungsschule eingerichtet, deren Besuch für die in Vereinspflege stehenden Handwerkslehrlinge obligatorisch ist,;n;d in welcher dieselbet; an; Sotmtag Nachnüttag in zwei übergeordnetei; Klassen im Hebräischen und in der biblischen Geschichte unterrichtet werdet;. Seit ihren; Bestehen hat diese Gesellschaft gar reichet; Segen gestiftet. Viele große Meister, die itt ihrem Fache später Hervorragendes geleistet haben, siird erst durch diese Gesellschaft dem Handwerk zugeführt worden. Manche glänzenden Namei;, die der hiesigen Gemeinde zur Zierde gereichten und noch gereichen, gehören Münnern an, die als Kinder armer Ellern, ohne die Anregung dieses Bereites als Schacherer oder Handwerkspsnscher in Armuth und Elend zu Grunde gegangen wären. Ein Beispiel für viele. Im ersten Drittel dieses Jahrhunderis wairderte 'aus der Provinz Posen ein Knabe als Talmudjünger (Bachur) hier ein, der dann ans Veranlassung gen. Gesellschaft das Schlosserhandtverk erlernte;n;d als Kunstschlosser und Erfinder sich einen Namen bis weit über die Grenzen Dentschlairds hinaus gemacht hat. Aber ganz seinen; Titel hat der Verein bisher aber nicht entsprechen können. Soviel er für Verbreitung der Handwerke gethan, so iveitig verntochte er für die Zuwendung zu»; Ackerbau zu thun. Ter.Grnnd liegt ausschließlich darin, das; er, weil seine Mittel nicht weiter reichten, trotz der Beifügung „im preußische!; Staate" seine Thütigkeit zumeist ans Berlin erstreckt hat, itnb der Nachwuchs der großstädtischen Bevölkerung sich weder zum Ackerbau eignet, noch hierfür Neigung hat. Die Mitglieder de? Vorstandes, Inspektoren und Pfleger fasset; ihre Aufgabe sehr ernst ans nt;d be¬ 61 kümmern sich um jeden einzelne» der Lehrlinge aufs Eiugehendstc Da bei manchen der Knabe» die erziehliche Thütigkeit der Vereins vrgane durch mißliche Verhältnisse des Elternhauses illusorisch gemacht wurde, haben einige Mitglieder des Vorstandes es nnternotninen, ein „israelitisches Lehrlingsheim" zu gründen, in welchem solche! Kimben geeignete körperliche und geistige Pflege zu Theil wird, bereit hnnsliche Verhältnisse ihnen dieselbe nicht bieten können. Dieses jungt Institut, das anfangs des lausenden Winterjahres eröffnet wurde kann wegen seiner geringen Mittel vorläufig nur einer beschränktet', Zahl von jüdischen Handwerkslehrlingen Aufnahme gewähren. .Hie> bietet sich wohlwollendei; Menschenfreunden eine günstige Gelegenheit zu sehr wohl angebrachter und fruchtbringender Wohlthätigkeit. Solchen jüdischen Knaben, welche Elementar- und Mittelschulen besucht und in denselben durch Fleiß und Fähigkeit sich ausgezeichnet haben, den Besuch von höheren wissenschaftlichen, technische» oder gewerblichen Anstalten zu ermöglichen rmd zu erleichtern, dient die Julius Neumanusche Schülerstiftung. Dieselbe ist am 25. Dezember 1885 voir Fra» Julie Nenmattn geb. Raihenan zntn ehrenden Andenken an ihren dahingeschiedenet; Gatten Julius Inda Neumann gestiftet. Sie unterstützt mit Vorliebe solche junge Leute, die sich den höheren technischen Bernsen znwenden. Tie Zusammensetzung des KnratvrinmS bürgt dafür, daß sie iir echt jüdischem Geiste geleitet wird. Die Stiftung ist nach £ 9 der Stiftnngs-llrknnde der Aufsicht des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde unterstellt und wird von diesem den Behörden gegenüber vertreten. Auch die Weiterbildung des weiblichen Geschlechts darf, unseren heutigen Erwerbsverhältnissen entsprechend, nicht außer Acht gelassen werden. Mehr noch als ans die Bermehrnng des Wissens muß hier ans eine sachgemäße Erziehung unser Augenmerk, gerichtet werde». Bor Allem sind es solche Mädchen, welche der Obhut eines Elternhauses entbehren, für die wir sorgend, behütend, leitend und bewachend eiirtreten müssen. Es sind dies, die ans der Waisenpflege entlassenen Zöglinge. Diese kann sich, wenn sie auch über das gesetzlich gebotene Mas; hinausgeht, natnrgemäß nur bis zu einem gewissen Alter erstrecken. Ans dem Waisenhanse oder der sonstigen Waisenpflege entlassen, stehen dann gerade in dem Alter, da sie des elterlichen Schutzes mehr bedürfen als früher, die Mädchet; schütz- und führerlos da. Ein Anfang, diesem Uebelstande abzuhelfen, ist durch die seit Jahresfrist wirkende Nannh- und In lins-Bö Hut-Stiftung gemacht. Diese Stistung hat zum Zwecke, den aus der Waisenpflege entlassenen Mädchen jüdischen Glaubens in einem unter der Leitung einer tüchtigen Hausmutter und Erzieherin stehenden Heim Aufnahme zu gewähre». Die Mädchen können sich den verschiedensten Bernsen widmen, je nach Anlage und Neigung, bilden aber in dem Stifte eine Familie unter bewährter und fürsorgender Leitung. Freilich für solche Mädchen, die, ohne in Waisenpflege gewesen zu sein, doch des Elternhauses entbehret; müssen, die detr Gefahren der Großstadt, den Versuchungen des Lebens schutzlos gegenüberstehen, ist hiermit in keiner Weise gesorgt. lind auch das Elternhaus kann eine Lücke, die sich in den Schichten der Bevölkerung, wo jedes halbwegs herangewachsene Familienmitglied Mitarbeiten und für die Bestreitung des Haushaltes mitsorgen muß, besonders fühlbar »rächt, nicht ansfüllen. Es ist dies nämlich bei Mädchen die Zeit von der Absolvirnng der Schule bis zur Ergreifung einer Erwerbsthätigkeit. Ter Knabe, der nach zurückgelegtem vierzehnte» Lebensjahre die Schule verläßt, kann sofort in die Lehre gehen. DaS Mädchen;st in diesem Alter körperlich noch nicht so weit entwickelt, das; es in den Dienst gegeben werden oder sonst einen der dem weiblichen Geschlechte osfenstehenden Berufe ergreifen kann. Hier tritt das im Jahre 1890 begründete jüdische Mädchenstift helfend ein. In demselben werden arme jüdische Mädchen hanswirthschaftlich nisgel aalten s All tnüßig c Die her Dem W Glaubet Bemitte Herzens erkennet Jugend zu tüchi das; sie sprüche sicher n werde» Dt iebcttt : Indent zutretet Diese 5 freinng erfolgt tritlser Versieh denken' gedacht terliche scheidet Händen Prüftu Einmn V stehend Regier Nicht» Gen; ei vrthod eigenet einznr anfzul Knltin die tr nissen Recht; allein jährig gewäl ein d; scheint sonder Verla