Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1892)
- Date
- 1892-01-29
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Da eine hypothekarische Beleihung durch eine Bodenkreditbank nnr im? Betrage von o1 L> Millionen Mark möglich mar, so hatte Gersdorsf zur j Herbeischaffung der übrigen Gelder die Mitwirkung des Abrahamsohn , in "Anspruch genommen. Diesem ist es denn auch gelungen, dem Grafen! Gersdorsf sogar 2 Millionen zu verschaffen tuted) Manipulationen, welche j es möglich machten, die Wälder in den Forsten der gekauften Herrschaften für den „freien Hieb" verfügbar zu machen. Wir haben also hier gewinnsüchtige Spekulationsgeschäfte vor uns, welche ohne jede reelle Unter-! läge sich aufbauen auf einer projektirten Waldverwüstung. Rechtsanwalt! Tr. Friedmaun führte in dem Gerichtstermin noch aus, das; Graf Gers-, i dorff gar nicht in der Lage sei, nach Berlin zu kommen, weil ihn hier! verschiedene offene Ordres zur Ableistung des Offenbarrmgseides erj warteten. Es sei ferner gerichtlich festgestellt worden, daß Herr v. Gastedt, - an welche;; der Gras die Giiter um (>>/., Millioner; rveiter ab gab oder! wie man es nennt, „verschob", von einen; vorher instruirten Kutscher z des Grafen v. Gersdorsf vor dem Ankäufe der Herrschaft so durch die- - selbe gefahren worden sei, das; er in den Glauben versetzt werden mußte, - als ob er weite Strecken durch dichten Wald fahre, während thatsüchtich nur dieselbe Strecke durchfahren wurde. Die Zeugen seien zur Sielte,; welche die Operationen des Grafen v. Gersdorff und seines Bevollmächtigten Herrn Seeger int Einzelnen bekunden würden." Wir wollen uns die Schlußfolgerungen, die das liberale Blatt an obigen Bericht knüpft, nicht gu eigen machen, wollen ebensowenig für den jüdischen Agenten, den Helfershelfer des Herrn Grasen eirrtreteu; wohl aber möchten nur gewisse kreise darauf aufmerksam machen, das; sie in einem Glashause sitzen, also nicht mit Steinen werfen sollen. - Berlin, 25. Januar. Unter dem Titel „Ein Fahr in; E entrinn der deutsch-sozialen Partei" hat Herr Hermann Lncko, ehemals ein Borkämpfer der Dentschsozinlen, nunmehr ein Schriftchen veröffentlicht, in welchem er einige interessante Enthüllungen über das Treiben seiner einstigen Parteigenossen zum Besten giebt. "Am meisten wird Theodor Fritsch mitgenonnnen. Er wird als „politischer Komödiant" urrd als „Geschöftsantisenut" geschildert, es wird von ihn; behauptet, das; er seine Leute noch schlechter bezahle als die Juden: er wird eines eklatanten Bertrauensbrnches geziehen :e. "Auch sonst fehlt es nicht an allerlei Enthüllungen, welche grelle Streiflichter auf das Gebühren der an der Spitze der antisemitischen Bewegung stehender; Personen werfen. Für diejenigen, welche, wie wir, Gelegenheit haben, sich mit dem Treiben dieser Leute unausgesetzt zu beschäftigen, enthalten diese Enthüllungen nichts Ueberraschendes. Weder wundert uns das, was uns von beu bezahlten Hetzern erzählt wird, noch daß ein ehemaligen "Antisemit der Herausgeber dieser Schrift ist. Vielmehr vermnthen wir, das; diese Schrift in ihrer "Art nicht einzig! bleiben wird. Ein Spätzlein hat gepfiffen, das; zur Zeit noch aridere ehemalige „Häuptlinge" au „Euthüllungerr" arbeiten. Ob's aber dem Antisemitismus "Abbruch thun wird, daß seine Führer an den Pranger gestellt werdend Wir glauberr es kaum. Denn nach Allem, was wir erlebt haben müssen wir urrs sagen, das; Schlimmeres, als was von der Mehrzahl dieser Leute bereits offenkundig ist, kaum noch vorgebracht > werden kann. Ein Ende wird der "Antisemitismus erst dann nehmen, j wenn — feine Geldgeber bankerott geworden sind oder die Luft am weiterer; Zahler; verloren haben. L Königsberg i. Pr., 21. Januar. Die jüdische Bevötkerrrrrg vor; Körrigsberg i. Pr. betrrrg r;ach der Volkszählung vorn 1. Dezember j 1880 5082, dagegen; nach der Zählung vom 1. Dezerrrber 1800 4008,; diejenige vor; Danzig arn 1. Dezerrrber 1 stso 27:)(>, dagegegen isoo 2555. j Die jüdische Bevölkerung vor; Ostpreußen überhaupt lsso 18218, dagegen; j 18!in 14411; diejenige vor; Weslpreußer; 1880 20547, dagegen; lHiM) i 21750. — Da andere Ursachen, wie Epidernier;, Verzrig nach anderen Provinzen; hierbei nicht mitgervirkt haben, so ist die Abnahme um nahezu 20 Prozent lediglich eine Folge der seit de;;; Jahre 1885 stattgefurwener; "Ausweisungen nicht natriralisirter russisch-polnischer Glarrbensger;osser;. zi Schwer;, 22. Januar. Hier hat sich ein Verein „Ressource" gebildet, welcher die Geselligkeit nnb die "Annäherung der jüdischer; Familien an eirrander bezweckt. "Als Kuriosum sei erwähnt, das; ein angesehener christlicher .Kaufmann sich zun; Beitritt anmeldete; derselbe wurde einstirnmig als Mitglied ausgenommen. — Der;; Herrn S. E. Hirsch, welcher als Vorsitzender des Vorstandes der Ehewra-Kadischa sich nach vielen Richtungen hir; um dieselbe verdient gemacht hat, wurde zu feiner silberner; Hochzeit eine schör;e "Adresse überreicht. Fürth, 20. Januar. In seltener Frische des Geistes und Rüstigkeit des Körpers begeht heute der Nestor der hiesigen Aerzte, Herr Tr. Moritz Weichsel bann;, das 00. Geburtsfest. Am 20. Januar 1802 in Pretzfeld geboren, übt er seit 5. Februar 1820 die ärztliche Praxis hier aus. Er zählt heute r;och zrt den von der Stadt ernannter; Armenärzten Den vielen Glückwünschen für sein Wohlergehen schließen wir den unsrigerr an. * Eisenach, 20. Januar. "Arn 17. d. M. hat hier die erste Generalversarrmrlung des Thüringer Anti sein itenb und es unter Vorsitz des "Abgeordneter; Werner getagt. Es hatten sich eine Anzahl Delegirte (wie solche „Delegirte" gemacht werden, darüber belehrt uns die neuste Lucko'sche "Broschüre. Red.) eingefnnden, denen Herr I. Gottesleben eine Uebersicht über Dhätigkeit und Kassenverhältnisse des Bundes gab. Den Hauptverhandlungsgegenstand bildete eine lange Rede des Herrn Neuhoff, in welcher er die Fürsorge für das liebe Vieh r;r;d für die antisemitische Presse seinen Genossen empfahl. Es wurde auch sofort beschlossen, in Tiefenort einen „jndeufreien" Viehmarkt abzuhalten und die „Deutsche Wacht", das „"Antisemitische Volksblatt", den „Reichsherold", den „Thüringer Laudboteu" und die „Staatsbürger-Zeitung" zu unterstützen. "An Dr. Bö ekel wurde natürlich ein Glückwunschtelegramm abgesarrdt. Zum Schluß wurde wie irnmer „Deutschland, Deutschland über "Alles" gesungen. Köln, 25 Januar. Soeben ist hier der Aufruf für die russischen Juden erschienen, der in warmherzigen Worten zur Hilfe aust fordert. Außer der; hervorragendster; Israeliten nnb Rabbinern haben denselben folgende angesehene Nichtjuder; unterzeichnet; Oberbürgermeister W. Becker, Mitglied des Herrenhauses, SUUu. Tr. Becker, Rektor des Realgymnasiums, Türen. Hermann v. Beckerath, Stadtverordneter und Harrdelsrichter, Erefeld. Alexander Bendir, Dürer;. Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Binz, Bonn. Justizrath E. Bloeru, Düsseldorf. Tr. Brandenberg, Stadtschul-Jrrspektor, Köln. Justizrath Eourth, Stadtverordneter, Düsseldorf. Justizrath Tr. Eich, Stadtverordneter, Bonn. Professor Dr. Erkelenz, Direktor der städtischer; höherer; Töchterschule, Köln. I. M. Fariua, Kaufmann ur;d Stadtverordneter, Köln. Geh. Ober- Regierungsrath und Universitäts-Kurator Gandtner, Bonn. Wilhelm Gobbers, Sladtverordrreter, Erefeld. Korrrrrrerzierrralh E. de Greifst Beigeordneter und Mitglied der Haudelskarrrmer, Erefeld. Moritz de Greifs, Stadtverordr;eler und Handelsrichter, Erefeld. Haurm, Oberstaatsanwalt, Köln. Ehrift. Jos. Heirnbach, Fabrikbesitzer, Türen. Mathias Herz, Karlfruann, Erefeld. Eberhard Hoesch, Fabrikbesitzer, Düren. Kommerzierrrath Eduard Hoesch, Fabrikbesitzer, Düren, ftmio merzienralh Eruil Hoesch, Fabrikbesitzer ur;d 1. Kreis-Deprckirter, Türen. Geh. Korrrrrrerzierrralh Leopold Hoesch, Fabrikbesitzer, Düren. Geheimer Justizrath Professor Dr. Hüfser, Bonn. Professor Dr. Jäger, Direktor des Königl. Friedrich - W i l hc lu;s - G v;r;ua siurns, k'oin. Sanitätsrath Dr. B. Johnen, Düren. Geh. Regiernngsralh Professor Dr. Jürgen Bona Meyer, "Bon;;, ballen, Kreis-Schulinspektor, Türen. Tr. Kamphauserr, Professor der evang. Theologie, Bonn. Geh. Ober-Regieruugsrath .Kleirr, Laudes-Direktor der Rheinprovinz, Düsseldorf. Klein, Landgerichts- Präsident, Bonn, kaxi Königs, Präsident der Handelskauuner, Erefeld Oberbürgermeister Köper, Mitglied des Herrenhauses, Erefeld. Geh. Kommerzieurath Eugen Langen, Stadtverordneter, Köln. Hans Leider;, Kgl. Niedert. Konsul, Kölr;. Geh. Sauitätsrath Tr. E. Leut, Stadtverordneter, Köln. Oberbürgermeister Lindeinann,Düsseldorf. Dr. Matthias,Direktor des Realgymnasiums u. Gymnasiums, Düsseldorf. Mecker, Direktor der Rhein. Provinz.-Blinden-Anstalt, Düren. Franz Merkens, Rentner, Köln. Strafanstalts-Pfarrer Mcvius, Köln. Müller, Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Türen. Geheimrath Professor Dr. Neuhäuser, Bonn. Geheimer Regierungsrath Dr. Allsten, Mitglied des Herrenhauses, Bonn. Friedr. Oehiue, Kaufruaurr urtd Nlltglied der Handelskammer, Siöht. Freiherr Eduard v. Oppenheim, Oesterreich-Ungarischer General-Eonsul, Köln. Joseph Pauli, Gutsbesitzer urrd Stadtverordrietcr, Köln. Geh. Kommerzienrath Pfeiffer, Borsitzeuder der Handelskammer, Düsseldorf. Kgl. Baurath H. Pflaume, Sladtverordrreter, Köln. Banyuier "A. v. Randow, Stadtoerordr;eter und Mitglied der Haudelskarumer, Erefeld. R. Reisenberg, Stadtverordneter, »'Wld. ^eheirurath Rennen, Präsident der kgl. r