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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-29 · Heft 5 (29.1.1892) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 5 (29.1.1892)
Date
1892-01-29
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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ilicftc, mir meint er ihr »och etwas zu sagen habe; sie beugte sich zu ihm, um zu höre», aber sein Atem stockte, das Herz hatte zu schlagen nufgchört, er war todt! Entsetzt stand Eva vorder Leiche und betrachtete das grauenvoll verzerrte Antlitz. Eva war durch die unerwartet eingetretene Veränderung der Situation in hohem Grade überrascht. Auf diesen Ausgang hatte sie nicht gerechnet. Das Räthsel ihre» Ursprungs sah sie mit einem Male gelöst, und denjenigen, der ihr durch seinen schändlichen Betrug ihr Leben vergiftet, todt vor sieh liegen. Eva wandte sieh ab von dem Bilde. Ter Tod des alten Betrügers erschien ihr wie Erlösung, und dieses Ereigniß trat bei ihr so mächtig in den Vordergrund, das; sie die letzte Enthüllung ans seinem Munde ganz darüber vergas;. Jürstentochter! Was wollte der» heißen gegenüber einem Leben von fortdauernden Seelengualen, gegenüber der Verbindung mit einer Gesellschaft, in welcher sich das immer bessere Selbst Evas fortdauernd gegen da», was sie um sich sah, empörte. Ihre errungene Freiheit war ihr mehr werth als die letzte Enthüllung des Todten, mehr werth als das Bewußtsein, ans fürstlichem Blute zu stammen. Eva war tief ergriffen. Sie sank in die Knie und betete. Allmälig wurde sie ruhig, ihre Fassung kehrte wieder. Was musste sie thun? Die Pistole musste sie verbergen, sagte ihr der Perstand, wenn sie durch die Waffe keinen Verdacht auf sich laden wollte. Wohin? Ihr Blick siel ans Franks Schreibpult. Dorthin! sagte ihr die Stimme. Frank führte immer Waffen in seinem Zimmer. Es war nicht auffällig, wenn man eine geladene Pistole in seinem Schreibtische fand. Eva fand dort ihr Tanfzeugniß in einem schwarzen, mit Silber beschlagenen .Kästchen ans Ebenholz. Erstaunt blickte sie ans da» Blatt. Frank hatte die Wahrheit gesprochen. Sie tvar tvirklich die Tochter einer mächtigen Fürstin. Aber wie war es möglich, das; sie in die Hände des Inden gerieth, der bei ihr Vaterstelle vertrat? Eine weitere Urkunde gab ihr hierüber Anfschlns;. Ihre Blatter übernahm durch dieselbe die Verpflichtung, Frank Lebowicz, so lange er die Pflege der Tochter übernehmen würde, eine jährliche Subvention von Li>,ouu Dukaten anszahlen zu lassen. Briefe, die Eva in dem Kästchen fand, zeigten, das; Frank den ihm anvertrauten Schutz des Kindes soviel als möglich ansgebeutet und große Summen bezogen hatte. Eva war entsetzt. Sie, eine Fürstentochter, sah mit einem Male, wie sie während ihre» ganzen Lebens betrogen war. Doch der Augenblick war zu Reflexionen nicht angethan. Ein Blick ans die Leiche des falschen Messias erinnerte sie an den ganzen Ernst der Situation. Sie steckte das Kästchen ein und verließ, einen Blick des Abscheus der Leiche Franks zuwerfend, das Gemach. Sie öffnete den Vorsaal. Auf dem Flur fand sie Niemand. Tie stieg hinab zu dem Wächter. „Eilt geschwind zu dein Arzte," rief sie zwei derselben zu, „der Herr ist schwer ertrankt." Zwei anderen befahl sie, Josepha in Freiheit zu setzen und diese zu ihr zu führen. Josepha wurde gebracht. „Ich gebe Dir die Freiheit," sprach Eva. „Ziehe hin und sei glücklich, armes Kind! Ich werde Befehl geben, das; man Dir Dein mitgebrachtes Vermögen wieder auszahlt, damit alles lieble, was Dir zngefügt wurde, wieder gut gemacht werde!" „Tausend Dank," erwiederte Josepha schluchzend. „Nie hätte ich diese Wendung meines Schicksals erhofft." „Sie tvar nur möglich durch Gottes Fügung," sprach Eva. 5 s Sie hatte kaum ausgesprochen, als in dem oberen Stocke de» Schlosses sich laute Klagegesänge vernehmen ließet;. Gläubige kamen die Treppen herabgeeilt mit dem lauten Rufe: „Der Prophet ist todt!" Viele machten Wiederbelebungsversuche, allein der herbei-! gerufene Arzt konstatirte, daß der Tod durch Schlagflnß erfolgt sei.! Tie Gläubigen waren durch diese Mittheilnng im hohen Grade ver- > wirrt. Sic Alle hatten an die Unsterblichkeit Franks wie an ein Dogma geglaubt. Mit einem Male wurde dieser Glaube in einer allen sichtbaren Weife widerlegt. : Am meisten tvaren die Haupthelfershelfer Franks bei seinem j plötzlich eingetretenen Tode in Verlegenheit. Aber Salomon Schor wusste Rath: „Der Messias ist bei Gott. Wer Jacob gedient hat, der sei seines Dienste» entlasse», wer aber 'unserem Gotte dient, der I bleibe bei mir." j Und die Gläubigen huldigten Salomon Schor und sie sahen in ihm den Nachfolger des Alessias. Sie bereiteten die Beerdigung Franks vor, und melancholische, dumpfe Todtengesänge tönten durch die Hallen des Schlosses.! Eva, tief ergriffen von den Enthüllungen, die ihr die letzten Stunden gebracht, zog sich in ihre Gemächer zurück. Sie dachte schmerzvoll zurück an die letzten innerhalb der Gemeinde der Heiligen verbrachten Lebensjahre. Sie musste sich losreißen au» den Fesseln, in welchen sie schmachtete, und das Wiedersehen des Geliebten, -das Bewusstsein, mit ihm innerhalb der Mauern ein und derselben Stadt zu weilen, verlieh ihr hierzu neuen Mnth. * Benn alten Frankl. (Zum :i. Februar 1892.) Ei gelten verehrt werthei als sein sonderihn ab mehr c Verehr welche er körst noch sc „Greis tiger v Bonz) erst in und sc sich ü seltene ungesu Figur' ans sc fühle Kläng tllld - die n Grolle ans dc Blinke bleibt Von B e r n h n r b 2 t c r u. saßt e Wien, im Januar. Eine ireue Zeit fluthet mit strahlendein Lichte heran lind in ihren flamnienden Wogen begrüßt sie jählings das Vergangene, das bisher Tageivesene. Gedanken, die noch Nieniaitd gedacht, Niemand geahnt, znckeit gleich elektrischen Strömen durch die Welt. Das Machtwort des Menschen ertönt gleich dem Donner im Gebirge, gleich dem Sturze riesenhafter Lawinen, und ihm beugen sich die Felsen, ihm weichen die Meere. Seine Trabanten, der Dampf und die Elektrizität, sprengen die Berge und erschließen die verborgensten Winkel der Erde, und ans Flügeln von Krystall schtvingt sich sein Blick zn Sternenhöhen aiif. Himmeltroßende Thürme schießen wie Pilze hervor, schier endlose Brückeii schlingen sich tvie Strohgeflechte über Rieseiiflüsse und Meerengen, und gewaltige Bauten aus Eisen erstehen schnell und leicht wie Kartenhäuser, und gleich Spielbällen aus Gummi schwingen sich ihre Kuppeln über die Wolken . . . Und diese neue Zeit bringt eine neue Litteratur. I»; Sturmschritt permanenter Revolution sind wir vom Klassizismus zum Materialismus gerast. Das Alte, das für Ewigkeiten festgetvurzelt schien, sinkt plötzlich. Begraben wird der Singsang früherer Tage tmd aus seinem Grabe pflanzt man die Blumen der Zukunfts- Dichtung. Aber wenn auch das Alte dem Neuen mit Recht weichen muß, so ist es doch ungerecht und falsch, das Vergangene des Neuen wegen zu vergessen oder gar zu verachten. Ohne Altes giebt es nichts Neues, und mir wer das Alte würdigt, kann auch das Neue schätzen und versiehe». Voll Achtung und Anerkennung müssen wir Derer gedenken, welche der gegenwärtigen uiid kommenden Litteratur vorgearbeitet, und besonders Jener, welche Gutes gewollt und Ersprießliches geleistet haben. Bilde; findet so tue: $ Fe Sohn Leben in; Jc da e; Schick Prag die S und indes; Wide: itm Kindl erfüll! gessen tvenn Tischl was i ist ve eilte z zu be Salzt daun weilt!

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