Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1892)
- Date
- 1892-01-29
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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57 Unglück Glaube n Tone greifend, kleinen, n kann, lche sie t, eine > lehrte achtung t erfaßt he mir, as will in der Fieber. Oft ist i guten > dafür reignet, c Seite löcherte reignet, icn ged mich >i, daß ich mit Rabbi, fürchte uldigen 'athlos. e arme Diinen, Seele t fehle. ' große ß auch deinem foUit.) hnliche Schar, wischte durch »erden, lemach ihrung n um „Warum hat man Dich eingcsperrt?" fragte sic das Mädchen. Josepha erzählte Alles. „Unglückliches Kind," sprach Eva. Sinnend blickte sie vor sich hin. „Also man hat Dich getäuscht?" fragte sie. „Ja," antwortete Josepha fest und bestimmt. „Wie lange bist Du bereits hier?" fragte Eva. „Drei Wochen," antwortete Josepha. „Könntest Du Deinem Geliebten, wenn Du ihn Wiedersehen würdest, noch offen ins Auge sehen?" „Ja," antwortete Josepha. „Du schwörst cs mir?" „Ich schwöre." „Gut, Du sollst frei sein, verharre ruhig hier, bis ich komme um Dir Deine Freiheit zu verkünden." „Tausend Dank," sprach Josepha. „Gott vergelte Ihnen Alles, was Sie an mir thun." Eva ging auf ihr Zimmer, ordnete dort Verschiedenes und blieb eine Weile allein. Sie dachte nach über die Wandlung, welche sich mit ihr vollzogen. Sie war noch tief ergriffen von der Zusammenkunft mit Stanislaus Lubomirski und wußte aus eigener Erfahrung zu gut, wie der religiöse Betrüger bei ihr einen Augenblick des Zweifels benutzte, um sie in seine Netze zu locken. Es war ihr, wie wenn sie das, was sie an ihrem eigenen einstigen Geliebten verschuldet, wieder gut machen könnte, wenn sie Josepha den Ihrigen zurückgab. Cs war ihr, als ob sie selbst sich noch losreißen könnte aus den Fesseln, in welche sie geschmiedet war. Vor Allem aber wollte sie ihre Stellung klären, sie wollte endlich wissen, wer sie war und an wen sie im Leben ein Recht hätte. Sie war enschloffen, mit Festigkeit und Energie aufzutreten und, wenn nicht anders, von Frank ein Geständniß zu erzwingen. Sie verbarg in ihrem Zimmer rasch etwas unter ihrem Gewand und ging nach den Gemächern, welche Frank in dem mittleren Geschoß des Schlosses bewohnte. Sie fand dort einige Wächter im Vorzimmer, welche ehrfurchtsvoll die Waffen präsentirten. „Ihr begebt Euch mit Euren Kriegern nach dem Eingangsthor des Schlosses und lasset Niemand zur Treppe hinauf. Dort bleibt Ihr, bis ich Euch weitere Befehle ertheile." Die Wächter waren gewohnt, Eva blindlings zu gehorchen. Sie begaben sich sofort hinab und versperrten alle Zugänge zu den oberen Theilen des Palastes. Eva verschloß die Thür des Vorsaales. Sie war nun mit Frank allein. Sie schritt hindurch und betrat sein Gemach. „Willkommen sei mir, Emuna," sprach er. Eva verbeugte sich und Frank breitete segnend die Arme ans. Mit vornehmer, stolzer Ruhe ließ ihn Eva geschehen. „Laffe Dich nieder auf ein Polster und sage mir, was Dein Begehr ist," sprach Frank. „Ich komme, Euch zu bitten, Josepha in Freiheit zu setzen." „Das kann nicht sein," erwiederte Frank, „sie hat unsere Gesetze gebrochen." „Sie lebte treu in ihrem alten Glauben," sprach Eva. „Sie hat gefunden, daß unser Thun der Religion widerspricht, und ich möchte zu dem Andern, was mein Gewissen belastet, nicht die Sünde auf mich laden, dieses arme Geschöpf um sein Lebensglück betrogen zu haben." „Wie, das sprichst^Du?" sprach Frank. „Ja, das spreche ich," antwortete Eva. „Du hast mich schändlich betrogen, gleichwie Du hundert andere arme Geschöpfe betrogen hast. Einen unglückseligen Augenblick, wo ich mich hilflos und verlassen fühlte, hast Du Schändlicher benutzt, um mich in Deine Netze zu locken. Einmal wieder in Deinen Händen, denen mich mfroem Menschen auf kurze Zeit entrissen hatten, war ich dem Gaukelspiel, das Du treibst, verfallen. Was hilft es mir, daß Du in Deinem Tempel mich zur Priesterin machtest; weis; ich dock), daß dieses Priesterthum selbst nur schändlicher Betrug ist." „Wie. Eva, Emuna," rief Frank, „welcher böse Geist ist in Dich gefahren?" „Laßt das Gaukelspiel," sprach Eva, „ich will's nicht mehr hören. Ich habe lange reiflich überlegt, ich habe einen endgiltigen Entschluß gefaßt, von heute an ist unser Pakt zerrissen." „Wie, Eva, das willst Du mir thun, Deinem Pfleger und Ernährer?" sprach Frank. „Ja, ich thue es," erwiederte Eva ruhig. „Wenn Du willst," sagte Frank, „so kann ich's nicht hindern, Du bist frei und Herrin Deines Schicksals." „Wohlan," sprach Eva, „doch bevor ich gebe, löse Du mir das Rüthsel meiner Geburt, dessen Hüter Du bist." „Ich darf Dir's nicht sagen," erwiederte Frank. „Du weißt, daß ein furchtbarer Eid mich bindet." „Ich war auf die Antwort gefaßt," sprach Eva. „Ich rathe Euch, sagt mir gutwillig, was Ihr wißt. Du, der Du tausend Meineide ans Dir lasten hast, Du schützest einen Eid vor, wenn es sich darum handelt, ein Geheiinniß zu lösen, von dem das Glück und die Seligkeit der Menschen abhängt." Ich habe Deiner Mutter den Eid geschworen," antwortete Frank, „nie werde ich ihn brechen, ich muß das Geheimnis; hüten!" „Schwörst Du nicht laut vor den Deinigen, Du seist der Messias, und weißt Du nicht selbst, das; es Lüge ist?" rief Eva erzürnt. „Es ist wahr, bei Gott, es ist wahr, was ich schwäre!" rief Frank. „Weg von mir oder Gottes Zorn erreicht Dich!" Frank nahm eine drohende Haltung an und suchte mit den Augen im Zimmer nach einer Waffe. „Nicht von der Stelle!" rief Eva. Eva zog ein Pistol unter ihrem Gewand hervor und hielt es ihm vor die Stirn. „Ein Wort und Du bist des Todes, Niemand ist nahe, der Dir Hilfe zu bringen vermag. Du bist in meiner Gewalt. Nenne mir den Namen meiner Mutter und ich schenke Dir Dein erbärmliches Leben. Nennst Du mir ihn nicht, so will ich der Welt zeigen, welche Lüge Du geschmiedet hast, als Du die Behauptung von Deiner Unsterblichkeit ersannst." Frank selbst hatte völlig die Haltung verändert. Eva erschien ihm wie ein Engel des Gerichts. Er fühlte keine Kraft, ihrem mächtigen Arm zu widerstehen, der ihn mit eiserner Wucht festhielt; es überlief ihn heiß und kalt. Er wollte sprechen, allein die Zunge stockte ihm, er verdrehte die Augen und wandte sie angstvoll znm Himmel. „Sag/ Betriiger," schrie Eva, „bist Du unsterblich?" und drückte ihm die Pistole auf die Stirn. „Nein, nein," lispelte Frank, „hilf mir, Eva, hilf mir, ich fühle mich so schwach." Frank sang bewustlos zusammen. Eva sprang dem Ohnmächtigen bei, um ihn aufzurichten, und half ihm, so gut sie konnte. Sie brachte ihm ein Glas Wasser. Er schluckte etwas davon hinab und bewegte die Lippen. „Du bist die Tochter der Kaiserin Ka—tha—rina!" flüsterte er. „Gott sei mir Sünder gnädig! Schema Jisroel!" rief Frank mit einer letzten Kraftanstrengung. Eva sah, wie Frank die Augen weit aufriß und auf sie hin-