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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-29 · Heft 5 (29.1.1892) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 5 (29.1.1892)
Date
1892-01-29
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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Tage mit Wehr und Waffen erscheinenden, Sturm und Erdbeben zu Hilfe nehmenden Göttern sieht der Engel, der allein in stiller Nacht sein Werk wahrhaft großartig einfach aus. Ter römische Astrolog Firmicus Maternas lehrte zu einer Zeit, als es mit der römischen Herrlichkeit schon ziemlich traurig aussah, daß das Schicksal des römischen Kaisers nicht von den Bahnen der Gestirne abhänge; „da er der Herr der ganzen Welt ist, wird sein Schicksal nur durch das Urtheil des höchsten Gottes bestimmt". Tie Verfasser des Talmud beanspruchten eine solche Exemtion von siderischen Einflüssen für das ganze Volk Israel und suchten sie durch Bibelstellen zu begründen?) „Das Volk wird besonoers wohnen und nicht unter die Völker gerechnet werden", läßt die Bibel durch Bileam den Juden prophezeien, und ebenso suchten sich die Römer von jeder Vermischung mit anderer! Völkern, welche sie als untergeordnete Wesen betrachteten, reinzuhalten. „Selbst der Italiker, selbst der Lateiner galt dein ausschließlichen Römerthum nicht für ebenbürtig," bemerkt Friedländer?) Zwischen Römern und Fremden konnte keine rechtsgiltige Ehe geschlossen werden, denn der vornehmste Frenrde war dem Rönrer nicht ebenbürtig, selbst die Verbindung mit einer ausländischen Prinzessin galt dem echten Römer für eine Mesalliance. Ebenso war den Juden durch die rnosaische Gesetzgebung die Ehe mit Fremden verboten, wenn auch das Verbot nur erlassen rvurde, uni der Verleitung zum Götzendienste vorzubeugen. Es scheint aber nicht beachtet worden zu fein, und nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exile waren die gemischten Ehen so häufig geworden, daß Esra das Verbot wieder einschärfen mußte unb diese Ehen für ungilttg erklärte. In der späteren Zeit scheinen sich die Juden streng an das Verbot gehalten zu haben, und einige heidnische Fürsten, rvelche Prinzessinnen aus dem Hause des Herodes heiratheten, nrußten 31111t Judenthum übertreten?) Trat aber ein Heide zum Judenthum über, so wurde-die Ehe dadurch'TrichtTrufgelöst. So erzählt Josephus (Jüd. Krieg II. 20), daß, als die Heiden in Damaskus die Juden überfallen wollten, sie den Plan vor ihren Frauen geheimhalten mußten, da diese fast alle die jüdische Religion angenommen hatten. Ebenso war Timotheus, der Begleiter des Apostels Paulus, der Sohn eines heidnischen Griechen und einer jüdischen Frau, deren Mutter auch jüdischen Glaubens war. In dieser religiösen Propaganda finden wir auch die Lösung! des Widerspruchs zwischen dem Absonderungssireben der Juden und ihren weltumfassenden Aspirationen. Wenn sie aus der ganzen Welt ein Reich mit einem Herrscher — einen Hirt und eine Heerde — machen wollten, so verstanden sie darunter ganz etwas Anderes als die Römer. Für dieses so eminent praktische, ideearme Volk be-! deutete die Weltherrschaft etwas blos Materielles. Landerlerobern, - Beute nach Hause schleppen, die Besiegten zu Sklaven machen und j für sich arbeiten'.lassen/den unterworfenen Völkern' Tribut abnehmen, 1 sie durch^Statthalter 'und Steuerpächter aussaugeu lassen, um den! römischen Pöbel zu füttern, ihm? blutige^^ entsetzliche Thier- und; Menschenkämpfe zur Kurzweil vorzuführen, das war der Hauptzweck! ihrer Weltherrschaft.'? Jhrngrößter und populärster Dichter lehrte sie! ja die Künste und Wissenschaften verachten:; „Andere gießen vielleicht gerundeter athmender Erze! Dder entziehen, ich glauw es, beseeltere Bildung'dem Marmor; - y) Talmud, Sabbaty 156, Gelübde 32a. -j Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms, :>. A. 1. 2. 322. "•) Josephus Arch. XX, 7, 1—3. Besser kämpft vor dem Richter ihr Wort und die Bahnen de- Hinunels Zeichnet genauer ihr Stab, und verkündiget Sternen den Aufgang. Tll, 0 Römer, beherrsche des Erdreichs Völker mit Obmacht."0 Siegen, Herrschen und Genießen war das Ideal des Römern Das Ideal des antiken Juden ist vielleicht am vonständigsten in bcm Gebete des Königs Salorno bei der Einweihung des ersten Tempelenthalten, und in diesem kommen die schönen Verse vor: „Wenn auch ein Fremder, der nicht deines Volkes Israel ist fonunt aus fernem Lande rlm deines Namens willen. .. und kommt daß er bete vor diesem Hause, so wollest du hören im Himmel, im Sitz deiner Wohnung, und thue Alles, darum der Fremde dich an ruft, auf daß alle Völker auf Erden deinen Namen erkennen, daß fit auch dich fürchten wie dein Volk Israel und daß sie inne werden, wie dies Haus nach deinem Namen genannt sei, das ich gebauet habe." In diesem Gebete wird um Errettung des Volkes aus der Gefangenschaft bei fremden Völkern gebeten, aber kein Wort von Rache, von Bestrafung dieser Völker kommt hier vor. Aehnliche Prophezeiungen von der Vereinigung aller Völker im Dienste des einzigen Gottes kommen in den prophetischen Büchern des alten Testamentes wiederholt vor, aber hie und jda schon mit einem Hinweise auf die Bestrafung Jener, welche das Volk Gottes..verfolgt haben, während diesem eine bevorzugte Stellung als „Priester des Herrn" und „Diener Gottes" versprochen wird; denn „ans Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des Herrn ihk- Jemsalem". An diesen Hoffnungen und an diesem Glauben hielten die Juden fest in den Zeiten der ärgsten Noth und Bedrückung, und je mehr sie von Fremden zu leiden hatten, je schwerer die Tyranneider Römer aus ihnen lastete, desto eifriger suchten sie Trost in diesen Zukunftshoffnnngen, lvie ja auch ein großer Theil dieser Prophezeiungen in den Zeiten der größten Noth entstand. Veit solchen Hoffnungen trösteten sich die Juden, als sie an den Weiden Babylons weinend saßen, als Pompejus Jerusalem erstürmte, als Titu^ den Tempel anzünden ließ, und wir finden sie auch in den Schriften, an denen das junge Christenthum schon mehr Antheil hatte als das alte Judenthum. Ter Talmud begnügt sich, mit wenigen Worten die ungeheure Größe des „künftigen Jerusalems" anzndenten,-) während die Offenbarung Johannes mit den glänzendsten Farben und der größten Ausführlichkeit das „neue Jerusalem" schildert. < Schluß so lat. ■' * _ FEUILLETON Eine Blume. Von Elise Orzeszko. < Fortsetzung.» Ehaimchcn stand vor ihr unbeweglich und blickte ihr mit etwas ängstlichen, wunderbaren Blicken in die Auge», seine Lippen zitterten, als wvllten sie sich znm Weinen verziehen. Kein Wunder. Er verstand nicht dies Sprache, mit der sie ihn anredete, und ivohl znm ersten Male hörte er deren Klange. Alls ihrem Gesicht, ans ihrer Stimme und der Bewegung ihrer Hand, die sammetweich und zärtlich in feinen Haaren spielte, erkannte er, daß die schöne Frau ihm wohlwollte, aber was sie frng, was sie von ihm wünschte, verstand er nicht, Tie Inhaberin deS Bouquets errietst dies. „Er versteht mich ) Aeueis, VI, 84V, „ach Bost. -) Traktat Baba Bahra 7',.

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