Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1892)
- Date
- 1892-01-29
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 des gc- « mein Wirkens . Die > in der lin vcrort noch gt war. Mein »uhörermm der den sich n seiner Zundeslche, die nschläge Aufsicht deutsche Staats- Kosten r heritc er seine die er Natur 'ür die Erfolg in dem ihe voir ligions- Gebiete stell die te Aufdringen icht in Wandliicktcin de dein ung zu so auch t. ing zl>; dann r Zeit ibnches, abbath, itigung inderen lrbeiten ediglich Aber sich die cch jene : mit te Mitvntaim. Red. Männern gleicher oder doch verwandter Richtung, mit Geiger, Lazarus, Adler, Löw, Lehmann und Anderen bald Anregungen empfing, bald solche ertheilte. Insbesondere gab feile Zeit ineinem Vater den Impuls zu der umfassenden Arbeit über die Ipeiseverbote, die bisher nur bruchstückweise zur Veröffentlichung gelangt ist. Tauchten andere Fragen auf, die an den aufgeklärten Theologen appellirten — stets war er bereit, freimüthig zu denselben Stellung zu nehmen. Das »vährend der jüngsten Jahre aktueller gewordene Thema der Feuerbestattung ist von ihm eingehend in dem Sinne behandelt worden, daß sich aus der jüdischen Lehre kein Bedenken dagegen ableiten läßt. Als das Hauptziel seines Kampfes betrachtet mein Vater aber die Emanzipation des Judenthums vom Talmud. Er fordert sie aus inneren und äußeren Gründen. Wer. die Entstehung und den Inhalt des Talmud unbefangen betrachte, könne denselben nicht für geeignet ansehen, als Autorität und zumal als Autorität für alle Zeiten zu gelten. Der Inhalt des Talmud scheint meinein Vater nicht höher zu stehen, als etwa der einer „Zeitung", in der lieben den ernstesten Ausführungen den nichtigsten Notizen Raum gegeben ist, oder er nennt ihn ein Buch, „in oem von dem Erhabenen zum Lächerlichen oft nicht eininal ein Schritt ist." Durch die Erlösung aus den Banden des Talmud soll dem Jlldeilthum die Entloickelungsfähigkeit gegeben werden, die ihm seiner Natlir nach iunewohnt. Es sollen aber auch deu Feinden des Judenthums die Waffen genommen werden, die sie immer von Neuem aus dem Inhalt des Talmud herholen. Wenn wir erklären, daß wir uns von dem Talmud emanzipirt haben, brauchen wir nicht erst zu unserer Rechtfertigung diese und jene Aeußcrnng desselben zu interpretiren und zu beschönigen. Dieser Standpunkt solle ohne Einschränkung ausgesprochen werden; die Resolution der Berliner Rabbinerversammlung aris der Mitte der achtziger Jahre hält mein Vater für bei weitem nicht genug entschieden. Die Vertretung seiner Richtung in der Hauptsache, wie im Einzelnen gab ihm außer zu eigenen Monographieen zu einer umfaugreichen Thätigkeit in der periodischen Literatur und naturgeinüß vor Allem, lveun auch nicht ausschließlich, in jüdischen Zeitschriften Anlaß. Die „Zeitung des Judenthums" zählt meinen Vater ebenfalls zu ihren Mitarbeitern. Aber selbst in Zeitschriften der entgegengesetzten Richtung sind Beitrüge aus seiner Feder zu finden; denn er scheut sich nicht, die Gegner seiner Ueberzeugung in ihrem eigenen Lager arif,zusuchen und zu bekämpfen. Die Ehrerbietung aber, mit der ihm daselbst begegnet wird, ehrt gleichermaßen beide Theile. Eine Zeitlang freilich standen seine Gegner geradezu in einem feindseligen Verhältniß zu ihm, und mit den andern Vertretern der Reform war auch er heftigen Verfolgungen ausgesetzt. Aber wie in seiner eigenen Gemeinde die vorübergehend in zwei Parteien gespaltenen Mitglieder sich wieder um meinen Vater vereinigt haben, so wird ihm auch darüber hinaus sowohl von den Genossen, als auch von den Gegnern seiner Ueberzeugung gegenwärtig ein hohes Maß von Verehrung zu Theil. Das hat die moralische Autorität seiner Persönlichkeit vermocht. Ist auch von den Einen sein Standpunkt an sich angefochteu, von Andern sein Eifer als Uebereifer geziehen worden, so erkennen sic alle doch heute an, daß gerade unserer Zeit als Gegengewicht gegen das Hinneigen zum Opportunismus Männer noth thun, welche ihrer Ueberzeugung unentwegt folgen. Bestünde in der Förderung dieser Erkenntniß der einzige Erfolg seines Lebens, so würde mein Vater, glauben, nicht vergebens gekämpft Zu haben. Tie Worte pi# &C2C >6h darf er darum anders alsmit der düsteren Verzweiflung und dem trostlosen Pessimismus Hiobs auf sich anwenden. Und ist auch das Leben meines Vaters von schweren Schicksalsschlägen heimgesucht worden, so ward ihm doch das seltene Glück zu Theil, sich in so hohem Greisenalter jugendliche Frische erhalten zu haben, das wohlthuende und erhebende Bewußtsein, ringsum sich von Liebe und Verehrung umgeben zu sehen. Möchte dieser Lebensabend noch lange währen! Das ist der heiße Wunsch unserer Familie, in den — des bin ich sicher — die Gemeinde meines Vaters, seine Schüler und der weite Kreis seiner Freunde und Verehrer lebhaft einstimmen?) ¥ Römer und Juden. Bo» Dr. Marens Landau. In dieser Talmudstelle werden freilich auch die Perser nicht viel glimpflicher behandelt als die Römer, aber der Hauptzorn gilt doch dem Volke, welches „den ersten Rang unter allen Völkern einnimnit," dem vierten Thiere Daniels, das „alle Länder fressen, zertreten und zermalmen wird." Aehnlich heißt es im vierten Esra-Buche von dem durch den Adler pcrsonifizirten Rom. „Du bist das Thier, welches von den vier Thieren übrig ist, welche ich in meiner Welt hatte herrschen lassen. Du hast das Land mit Recht gerichtet, denn du hast die Friedfertigen bedrängt, die Ruhigen verletzt, die Treuen gehaßt, die Abgefallenen geliebt, die Burgen Jener, die Frucht brachten, so wie die Mauern derer, welche dich nicht verletzten, zerstört. Deine Schändlichkeit ist aufgestiegen zu dein Höchsten und dein Uebermuth zum Allmächtigen. Daher sollst du, Adler, zu Grunde gehen, du und deine fürchterlichen Schwingen, deine verruchten Köpfe und deine abscheulichen Krallen und dein ganzer Körper, auf daß die Erde erquickt und befreit werde von deiner Gewaltthätigkeit." „lind ich ivill unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein, und sic sollen mein Volk sein. Daß auch die Heiden sollen erfahren, daß ich der Herr bin. der Israel heilig machet, wenn mein Heiligthum ewiglich unter ihnen sein wird." Herum ckommos nannten sich die einen, das auserwühlte Volk die andern. Widerstrebten andere Völker der römischen Oberherrschaft, so waren sie Rebellen, gegen die man die Legionen ausschickte; griff ein anderes Volk das jüdische an. ohne von Gott dazu beauftragt zu sein, so schickte der Herr seinen Engel aus, der in einer Nacht 185,00» Mann von den Feinden tödtete?) Freilich schrieben die Aegypter diese Niederlage Senacheribs ihrem eigenen Gotte Ptah — dem Herrn der Ratten und der Mäuse — zu, welcher durch seine Mäuse alles Lederzeug an den Waffen der Assyrer auffressen ließ, so daß diese waffenlos und mit großem Verluste entfliehen mußten.) Auch die Griechen wissen von einem ähnlichen Wunder zu erzählen, wodurch die Gallier von den Heiligthümern von Delphi verscheucht wurden. Nach Pausanias (X 23) waren es die Heroen Hypcrochos, Laodokos und Pyrrhos, deren Schatten dem Heere des Brennus einen panischen Schrecken einjagten. Nach Justin (XXIV 8) kamen Apollo, Minerva und Diana in Person den Griechen zu Hilfe. Die Priester des Apollo-Tempels behaupteten steif und fest, sie hätten die Götter nicht blos gesehen, sondern auch das Schwirren ihrer Pfeile, das Klirren ihr Waffen gehört. Gegenüber diesen am hellen >) Auch wir schließe» uns diesen Wünschen für den verehrten Mann ans vollem Herzen an. *) II Könige XIX 35. 3) Herodot II 141. Tie Red.