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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-29 · Heft 5 (29.1.1892) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 5 (29.1.1892)
Date
1892-01-29
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Am 1. Februar vollendet mein Vater, der nunmehr seit vier Dezennien als Rabbiner in Oppeln wirksam ist, sein achtzigstes Lebensjahr. Von Jugend an ist dieses Leben mit Kümpfen ausgesüllt gewesen. Zunächst war der Kampf mit äußeren Schicksalen zu bestehen. Seine frühesten Jugenderinnerungen zeigen meinem Vater das Elternhaus in begüterten Verhältnissen. In dem sonst so dürftigen Posenschen Städtchen, Murowana-Goslin, war freilich, zumal in jenen Zeiten, nicht viel dazu erforderlich. Da kamen für die Juden des Großhcrzogthums Posen ähnliche Heimsuchungen, wie sie sich in unseren Tagen in Rußland wiederholen, Ausnahmegesetze, welche meine Großeltern aus dem Wohlstand rissen, den ihnen der Betrieb einer Tabakfabrik erbracht hatte. Der Großvater starb, und die Erhaltung der zahlreichen Familie wurde die Aufgabe der Großmutter, die — selber eine tüchtige Talmudistin — vor Allem auf die rabbinische Ausbildung ihrer Söhne bedacht war. Aber darum wurden doch andere Zweige des Wissens nicht vernachlässigt. Die Armuth, in die das Elternhaus gerathen war, zwang meinen Vater, das Erlernte rasch zu verwerthen. In frühen Jahren schon wurde er Schullehrer. Aber bald trieb es ihn weiter vorwärts. Um dieses Streben zu befriedigen, mlißte er von dem Katheder des Lehrers wieder zur Schulbank herabsteigen. Tie Jahre, in denen mein Vater das Gymnasium in Neustettin mit ungewöhnlicher Schnelligkeit absolvirte, wurden ein Lichtpunkt seiner Jugendzeit. Mit dem Unterricht, den er in einer angesehenen Familie ertheilte, ward ihm Schutz vor des Lebens Noth und herzliche Theilnahme beschieden. Auch in dem Kreise seiner Lehrer erwarb er sich wohlwollende Freunde. Als vor einigen Jahren der Antisemitismus sich Neustettin zur Stätte für seine wüsteste Orgie erwählt hatte, gab mein Vater in einem Berliner Blatt mit tiefer Wehmuth der Erinnerung an jene besseren Tage Ausdruck, die er dort, der jüdische Schüler im freundschaftlichen Verkehr mit den christlichen Lehrern des Gymnasiums, verlebt hatte. Die Studienzeit brachte wieder schwere Kämpfe. Mein Vater bezog die Universität in der Absicht, sich der Medizin zu widmen. Die Vergeblichkeit seiner Bemühungen, die Stundung der medizinischen Kollegien zu erlangen, versperrte ihm indeß diese Laufbahn und drängte ihn zum Studium der Philosophie. Völlig uiittellos und fast ohne jeden Anhang, sah er sich den härtesten Entbehrungen ausgesetzt, mußte er nicht selten bis zur äußersten Grenze des Erträglichen darben, er, wie so viele andere Studirende jener Zeit, in der das Wohlthun gar so mangelhaft organisirt war. Eines Tages waren die Kräfte meines Vaters von Hunger dermaßen erschöpft, daß er in einer Vorlesung einschlief; das akademische Viertel mit feinem Geräusch ging vorüber, er aber erwachte erst in der nächsten Vorlesung, in der ihn Gegenstand, Lehrer und Zuhörer gleichermaßen befremdeten. Seine Wohnung hatte er bei einem Tischler gefunden; im Winter, >vo die Werkstatt der einzige geheizte Rauin war, arbeitete der Student im Lärm von Hobel und Säge. An diesem Leben voller Entsagungen änderte wenig, daß mein Vater in jener Zeit vorübergehend den nachmaligen Baron Gerson von Bleichrödcr unterrichtete. Ganz und gar entbehrten indeß auch diese Jahre nicht des Sonnenscheins wärmender Theilnahme. Auch für meinen Vater stand das gastliche Haus des liebcreichen und liebenswerthen 'W'^ Oettinger offen, zu dem er späterhin in ein nahes verwandtschaftliches Verhältniß trat. Ich greife eine Reihe von Jahren vor, wenn ich hier erwähne, daß meine Mutter die Tochter des Gr.-Glognucr Dajan Salomon Herrmann ist, dessen Frau eine Schwester des gefeierten Rabbiners von Berlin war?) Nach Absolvirung der Universitätszeit wandte sich mein Vater von Neuem dem Schulfache zu. Die Stätte seines Wirkens suchte er in Posen. Das bedeutete neue Kämpfe. Die Schule, die mein Vater begründete, hatte sich zwar rasch in der ganzen Provinz einen vortrefflichen Ruf erworben. Immerhin vertrugen die damaligen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung dort noch nicht eine Anstalt, die in diesem modernen Stile angelegt war. Noch schwereres war nach anderer Richtung zu bestehen. Mein Vater führte in Posen die deutsche Predigt ein; die kleine Zuhörerschaar, die er für sich zu gewinnen verstand, wurde der Stamm der so kraftvoll gediehenen Brüdergemeinde. Damals aber erhoben sich von zwei Seiten Widersacher. Salomo Eger mit den Zeloten seiner Gemeinde suchten diesen npn zu unterdrücke». Ihre» Bundesgenossen fanden sie in der Regierung, die hinter dem Versuche, die deutsche Predigt unter den Juden einzufiihren, revolutionäre Anschläge witterte. Mein Vater durfte nur noch unter polizeilicher Aufsicht sprechen. Die Propaganda des jüdischen Predigers fiir die deutsche Sprache scheiterte an dem Widerstande der preußischen Staatsbehörde! Nach einer mehrjährige» Thätigkeit in Grünberg und in Kosten wurde mein Vater als Rabbiner nach Oppeln berufen, wo er heute noch mit ungeminderter Rüstigkeit seines Amtes waltet. Aber seine Wirksamkeit ging von jeher über die Pflichten hinaus, die er innerhalb seiner Gemeinde zu üben hatte. Durch seine bisherigen Schicksale eine streitbare Natur geworden, trat er überall in die Bresche, wo es galt, fiir die Emanzipation des Judcnthums zu kämpfen. Nicht ohne Erfolg lehnte er sich gegen die Erniedrigung auf, der das Judcnthum in dem Eide More judai'co nusgesetzt war. In einer ganzen Reihe von Petitionen trat er gegen die Zurücksetzung des jüdischen Religionsunterrichts seitens des Staates ein, und, soweit auf diesem Gebiete überhaupt etwas erreicht worden ist, hat es nicht zum Wenigsten die Thätigkeit meines Vaters zum Ursprung. Alle diese Kämpfe hatten meinen Vater für die schwerste Aufgabe seines Lebens vorbereitet, für den Kampf, den das Durchdringen zu einer neuen religiösen Richtung bedeutet. Weil er nicht in jungen Jahren, in denen die Ueberzeuguugcn der Menschen Wandlungen so viel leichter ausgesetzt sind, sondern erst in vorgeriicktem Alter sich zu den neuen Vorstellungen Hindurchrang, wurde dem Kampfe, den er für sie führte, eine so aufmerksame Beachtung zu Theil, wurde demselben, wie von seinen Gesinnungsgenossen, so auch von seinen Gegnern eine richtunggebende Bedeutung znerkannt. Die erste Gelegenheit für die Reform öffentlich Stellung zu nehmen, bot ihm die Rabbinerversammlung in Cassel dar; dann folgten die Synoden in Leipzig und in Augsburg. Jener Zeit gehören seine Kundgebungen für die Reform des Gebetbuches, für die Einführung der Orgel, für das Fahren am Sabbuth, für die Aufhebung der zweiten Feiertage, für die Beseitigung der Chalizah an, Fragen, die er zum Theil in besonderen Gutachten behandelt hat. Wenn ich sage, daß diese Arbeiten Zeugnis; ablegen von profunder Gelehrsamkeit, so gebe ich lediglich wieder, was berufene Beurtheiler darüber behauptet haben. Aber auch über die hier erwähnten Frage» hinaus erstreckten sich die reformatorischen Bestrebungen meines Vaters, der in dem durch jene Versammlungen eingeleiteten und geförderten Verkehr mit ]) Einer der Söhne Salomon Herrmanns ist das bewährte Mitglied des jüdischen Gemeindcvorstandes von Berlin, Direktor Herrinan». Anm. der Red. Münncr Lazarus empfing ineinem Speisev gelangt Theolog Stellun geworde Sinne Bedenke Ah aber dH sie aus den Ji nicht fii für alle Vater : neben t geben i zum Le lösung wickelm iunewo Ee genonu Talmu' Talmis sertigm beschön spräche! aus de nicht g D zelnen e Thätig tvenn i „Zeitu, Mitark A Beiträ; Gegner zu beke wird, « E feindse Reforu seiner tenen ivird i von tu von V Persöii an sich wordei als Ge noth t T seines Z» hal

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