Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1892)
- Date
- 1892-01-22
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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m,«,™«. tu. *. pfj; ..'Ä *»“»“' Weitage zur „Attgemsinen Zeitung öes JuLentburns". >argestell z'ubelgrei isch", \v\ sser selb' Apolog-; ja nicht Tragöd ächtvotlei ffttm, nt chrer de lg seine wirklich ätnng di crt er an erstreute erkungen 1. Theil i Abfalle te feine:« cfasser in 'spältigen Seifte der >vie zwei igelltliche nlaß der ist. Mi ms jeder und jede zurückzu Verfasser als dem Verdacht, sich in dämmt, >en Per o x 5 e i t' beschicht' ia verO<. vorkom > fretnd; „gehe,! g öfter wir die tue rechi lud ohu tn i d t. Korrespondenzen und Nachrichten. Nentschland. S Berlin, 18. Januar. Bei dem gestern stattgehabten Krönungsud Ordensfeste wurden auch eine Anzahl israelitische Burger durch Verleihung von Orden ausgezeichnet. Es erhielten: Hr. Dr. Lessing, Professor und Direktor der Sammlung des königlichen Kunstgewerbeiseums, sowie Hr. Dr. Löwenherz, Direktor bei der phnsikalischhnischen Reichsanstalt, den Rothen Adler dritter Klasse mit der Schleife: ner die Herren Amtsgerichtsrath Lilienthal in Königsberg, Regieilgsrath Dr. Paul Meyer in Cöln, Regierungsrath Dr. Pieck iit DlUona und Sanitätsrath Dr. Samter in Posen den Rothen Adleri.en vierter Klasse. Zu dem Krönungs- und Ordensfeste hatte auch v emeritirte Lehrer der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde, Herr 1 tmann, als Inhaber des Hausordens von Hohenzollern, eine uladung erhalten und derselben Folge geleistet. — Berlin, 18. Januar. Die antisemitischen Blätter der verschiedenen uaneen, die verschämten und die schamlosen, geben sich den 'Anschein, ob sie eine erneute Untersuchung wegen des Knabenmordes in unten einzig ans Gerechtigkeitsgefühl verlangten, damit dieser Mord cht ungesühnt bleibe. Merkwürdigerweise wissen sie schon ganz genau, f; der Schlächter Buschoff, welcher auf Betreiben des Kriminalinmissars Wolfs als des Mordes verdächtig in Haft genommen war id nachmals aus der Haft entlassen wurde, weil der auf ihn gelenkte rdacht sich nicht bestätigte, doch der Schuldige sei. Sie behaupten aber ner, daß die Juden, zum mindesten die in Lauten, in einer gewissen olidarität mit dem angeblichen Mörder stünden, indem sie dessen Richtnuld überlaut versicherten und sogar bis zu Drohungen gegen diejenigen h verstiegen, welche an die Schuld des Buschoff glauben wollten. In esem Punkte nun sind die antisemitischen Organe von einer nachweishen Unehrlichkeit. Sie verschweigen nämlich, was sie recht gut wissen, m der Kriminalkommisfarius Wolff aus Berlin zur Untersuchung der U'lagelegenheit nach Lauten entsandt worden ist auf Antrag der jüdiijeu Gemeinde zn Lantetl, die sich auch bereit erklärte, die Kosten eser Entsendung zu tragen. Die jüdische Gemeinde hat also nicht os eine Untersuchung der Angelegenheit nicht geschellt, sondern sie hat, as an ihr war, gethan, eine solche genaue Untersuchung herbeizuführen, ie mag dabei voll der Annahme ausgegangen sein, daß die genauste ntersuchung nichts gegen ein Mitglied der jüdischen Gemeinde zu Lauten geben würde, und ganz gewiß hat sie bewiesen, daß ihr Interesse fein ideres war, als die Ermittelung des Schuldigen. Wenn jetzt eine aberalige Untersuchung stattfindet ulld der Herr Justizminister durch einen ath über die Angelegenheit sich Bericht erstatten läßt, so wollen wir ir wünschen, daß das, was hierbei ermittelt wird, erfreulich ist und daß ichts davon verschwiegen wird. ^Berlin, 18. Januar. „Die Schmach des Jahrhunderts" nnt sich eine neue Halbmonatsschrift, herausgegeben von Karl Schneidt, reu erstes Heft jetzt vorliegt. Tie Zeitschrift ist lediglich der Bekämpfung s Antisemitismus gewidmet und schlägt 31t diesem Zwecke vielfach den chten Ton an. „Das ist die Art, mit Heren umzugehen." Scharf und ch sachlich, mit Geschick und Witz geschrieben, wird das Blatt in benr odernen Kulturkämpfe uns ein willkommener Bundesgenosse sein, und ir wollen hoffen, daß ihm die Gunst desjenigen Theils des Publikums, r welchen es in die Schranken tritt, nicht fehlen werde. Mögen die llden in diesern Punkte von den Gegnern lernen, welche in der Unterützuug der Blätter, die ihre Sache vertreten, mtermüdlich sind. * Berlin, 20. Januar. Eine'Anklage wegen Beleidigung durch die resse wurde gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts 1. gen den Redakteur der „Freis. Ztg.", Emil Walter, verhandelt. Der ommaudeur des 81. Infanterie-Regiments zn 'Altona hatte ben Strafltrag gestellt. 'Am 7. April vorigen Jahres erschien in der „Freis. lg." eine Mittheilung dahin, daß sich tu Hatnlmrger Blättern eine 'Anzeige des dortigen antisemitischen Vereins befunden habe, worin zum Besuche einer Versammlung eingeladen wurde, in der antisemitische Ansprachen gehalten und Musikgenüsse von der Kapelle des 81. Infanterie-Regiments dargereicht werden würden. Die „Freis. Ztg." knüpfte hieran die Bemerkung: „Während an andern Orten es den Militärkapellen verweigert wird, in politischen Versammlungen zu konzertiren, scheint in Hamburg die Jndenhetze mit Militännusik begleitet zu werden." Wie sich herausgestellt hat, ist weder in jener Versammlung von der genannten Kapelle kouzertirt, noch die Erlaubnis; dazu vom Regimenlskommandcur eingeholt worden. Der 'Angeschuldigte berief sich darauf, daß er jedenfalls im guten Glauben gehandelt habe. Der Gerichtshof verurtheilte denselben zu einer Geldstrafe von 100 Mark. Militärkapellen dürfen also bei antisemitischen Festen nicht spielen! h Charlottenburg, 1«. Januar. Am 4. d. Mts. starb, kaum 40 Jahre alt, nach 7 monatlichem schweren Leiden, unser langjähriges Vorstandsmitglied, Herr Isidor Berg. Eng mit dem Entwickelungsgange unserer Religionsgemeinde verknüpft, war er aufs Eifrigste bemüht, eineu würdigen Gottesdienst in einem eigenen Gotteshause herzustellen, und mit eisernem Fleiß und Anspannung aller Kräfte trieb er vor 2 Jahren die Bauleute an, den im 'Anguß 188') begonnen Syuagogenbau in kaum 8 Monaten Bauzeit fertig zu stellen, daß die Einweihung des Gotteshauses schon am 8t). März 1800 erfolgeil konnte. — Seinen Kollegen im Vorstande erleichterte er das 'Amt durch nie rastende 'Arbeit: vereinigte er doch in sich die verschiedensten mühevollsten Ehrenämter, als Synagogen | Vorsteher, Kassenrendaut, Schulvorstand und nebenbei noch Vorbeter au 1 den hohen Festtagen, wo Jeder seinem schönen Bortrage mit 'Andacht j lauschte. Die große Betheiligung an der Bestattungsfeier, welche Herr! Dr. Rosenzweig in der Begräbnißhalle am 7., und unser .Kultusbeamter 1 Herr Hamburger am l0. d. Bä bei der in der Synagoge veranstalteten Ge- | dächtuißfeier so erhebend zu gestalten wußten, zeugt von der Liebe und Dichtung, die der Verewigte unter seinen Mitbürgern aller .Konfessionen! genoß. Ehre seinem Andenken! | Guben, 17. Januar. Am 8. ds. Mts. verstarb zu Meran der - Rentier Earl Callmau Leon aus Guben llnd wurde am to. nach | seinem Wunsche in Frankfurt a. O. zur ewigen Ruhe bestallet. Derselbe 1 spendete schon vor einigen Jahren der Frankfurter Gemeinde die Summe | von 80,000 M. zur Erbauung eines Waisenhauses und, wie mau hört, soll er noch eine namhafte Summe zu demselben Zwecke bestimmt haben. Die Gemeinde Guben verliert au ihm eines ihrer reichsten, besten und I angesehensten Mitglieder. An seinem Grabe sprachen die Herren Rabbiner! Dr. Löwenmeier, Frankfurt a. O., und Prediger Sachs von hier ergrei-; sende Worte. Ans der Provinz Posen im Jan. In 'Ar. 8 der „Pr.Lehrer-Ztg". vom 7. d. Mts. finden wir aus einem Städtchen Westfalens folgenden i Fall verzeichnet: „Die jüdische Gemeinde 'A unterhält eine P r i v a t - ' schule, in der sich 12 bis 10 Kinder befinden: sie steht unter 'Aufsicht! des evangelischen Lokalschuliuspektors Pfarrers Th. und des Kreisschulinspektors. Zum großen Schaden für die Kinder der Schule ist der! stetige Wechsel der Lehrer, der bedingt wird durch das kärgliche Gehalt | und durch die äußerst schlechte Wohnung. Ein Beispiel, wie die jüdische! (Gemeinde die Erzieher ihrer Jugend behandelt, möge im Folgenden ge-! geben werden. Der jetzige Stellcniuhnber, Kollege R., mußte diesen ' Sommer seine erste luilitärische Nebuug von zehn Woehen leisten: der! Schulvorstand beschloß, ihm während dieser Zeit kein Oiehalt auszuzahleu, von dem (Grundsätze ausgehend: Wer nicht arbeitet, hat auch keinen 'Anspruch auf Lohn. Die Köuigl. Regierung zu 'Arnsberg scheint 1 jedoch anderer Meinung gewesen zn sein: denn als sich Kollege R. beschwerdcführend au sie wandte, hat sie den Schulvorstand gezwungen,! das Gehalt für die Zeit des Dienens voll ansznbezahlen; aber was ist die Folge davon gewesen? Der Vorstand kündigt einem so tüchtigen Lehrer, der nur seine Pflicht thut." Es bedarf hierzu wohl keines weiteren Kommentars. Diese in einem niehljüdisehen Blatte erzählte Thalsache spricht wohl genügend für sieh selbst. Leider stehen aber derartige Fälle