Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1892)
- Date
- 1892-01-22
- Page
- Seite 48 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- 48 In Sanssouci. Zum 22. Januar. Von I. Loe wettberg in Hamburg. Ter Tritt der Wache nur dröhnt auf dem Stein, Sonst ringsum Schweigen in der stillen Nacht. •Sicht Vrtitt im Schloß auch, dritt die Sorgen höhnend Um einez krankett Königs Lager ziehn, Ter „Sorgenlos" dies Schloß verwegett nannte. Sie zerren ihn auf der Erinn'rung Pfad: Zur wildett .Stttmpfgekümmel stürzt das Roß, Tie Fahne sinkt, verloren Schlacht uttd Ruhm! Er rafft sich auf, er greift mit starker Faust Tem slücht'gen Sieg verwegen in ben 9tacken, Bis er sich wendet und die Stirtt ihm krönt. — Tarnt sieht er sieh irr feiner Freunde Kreis: Ter Geist ist Herrscher, doch der Witz regiert. Und wie dem Wort des Witzigsten er lauscht, Berzerr'rt sich die Gesichter plötzlich grinsertd: Was willst du hier, ein Freunder unter rtns, Ter uns besiegt ttnd zu uns betteln kommt Von unsre? (Geistes Tisch die Sirnmeu haschend? Er fährt empor — verschwunden die Gesichte, Tie hagre Hand greift nach der heißen Stirtt: „Ein Bettlerköttig ttnd allein! allein!" TerKnabe, der an seinem Lager wacht. Starrt auf vom Buch: „Was fehlt Euch, hoher Herr? Soll ich den Arzt im Nebenzimmer wecken?" „Laß ihn, er kattn die Qualen mir tticht tittderu. — Was lieft Tn da"? „Ein gutes Buch, tuein Fürst." „Französisch also?" „Rein, ein deutsches, Herr." „So, übersetzt." „Nein deutsch geschrieben und Gedacht. Eilt wunderbares, hohes Werk, Tas in der Nacht des Wahns ttnd Afterglaubens, Tie nur des Hasses tvitder Brand erhellte. Wird leuchten mit der milden Gluth der nieste Und mit der Wahrheit klarem, heil'gem dickste." „Ein deutsches Buch! Genügsatn Kind, Tn schtvärtnst. Toch da der Schlaf tttich flieht/so lies daraus, Tas wird gewiß ihn bald zttrück mir bringett. Beginn!" -- Und er beginnt, mit Beben erst, Tas Auge unverwandt auf's Buch gerichtet, Toch jedes Wort stählt tnächtig ihm ben Muth, Uttd immer kühner, voller Zuversicht Etttströtnt es siegesfreudig feinem Munde. 9tint zögert er und blickt verstohlen aus; Tes Königs Augen leitchlen ihm entgegen Fm wundersamen Glanz. „Fahr fort, fahr fort!" Ta springt der Knabe auf und liest begeistert: „Bor grauen Fahren lebt ein Mann im Osten —1 Tas klingt wie Seherwie Prophetetttvort: Tes Königs Seele hängt an feinen Lippen Und trinkt die Worte durstig ihm vom Munde. Und als: „So sagte der bescheidene Richter" Wie eilte Offenbarung es verklungen, Ta streckt die Hand er'nach dem Jüngling hin: „Gieb mir das Buch, daß ich es selch ttnd fasse, S chwör mir's, mein Knabe, schwör, war es ein Teutscher, Ter das vollbracht? Noch kattn ich es tticht glaubett. In tvelchem Winkel lebt er demt vergraben. Daß nie feilt Ruhm zu meinem Ohr gedrungen? Fastchzürn ich ihm, daß er von''selbst nicht kam. 9tur kurze Frist ist mir hier noch beschieden, Toch tnuß ich ihn noch sehn, ins Äug' ihnt blicken. Muß noch ein Wort von seinem Munde hörett Uttd ihnt entgegettstannneln: Tank, meitt Bruder! Ein Teutscher uttd ein solches Werk! Ist's möglich? Jst's schon erfüllt, was ich zu träumen wagte? Wo war ich dentt, ich armer, blinder Thor, Taß ich nur ödett Wittterschttee gefehlt. Wo schon der Lenz in lichter Blüthenpracht So siegesleuchtend in die Welt gestrahlt? Nun Hab ben Arzt ich meiner Qual gefunden! Geschwind, mein Knabe, o geschwind, wie heißt er? Wo lebt der edle, göttlich-große Wrnttt? Tes Jünglings Auge steht in heißen Thränen: „Fünf Jahre sind es, Herr, daß er gestorben, "Allein und arm ttnd stolz." „Sein Name?!" „Less ing!" Der Tritt der Wache nur dröhnt auf dent Stein, Sonst ringsum Schweigen in der stillett Nacht. Fittcrarifche Mitth Ölungen. Tr. S. Back: Elischa ben Abuja -Acher, quellenmäßig dargestel!i. Prag 1891. I. B. Brandeis. Tie Schrift ehrt nicht blos den Jubelgreis Tr. Jellinek, den „blühenden Stab im Garten des Midrasch", wa er mit Recht in der Widmung genannt wird, sie ehrt auch den Verfasser selbst. Ihrem Titel hält sie getreulich Wort und ist ihren: Wesen nach eine Apologa j des bekannten Elischa ben Abuja, genannt Acher, dessen Name ja nicht! nur in der jüdisch-talmudischen Litteratur, sondern/durch die Tragöd-c „Utiel Acosta" auch jedem GebildetetQgeläusig ist. In klarer, lichtvoller Sprache hat der Verfasser ntit ebenso viel Geist wie Scharfsinn, m i einent erstaunlichen Aufwand von Fleiß ttnd Wissen den Lehrer de? j berühmten Mischnalehrers R. 9Nöir von jeder Uebertreibung seine) Eharakters nach der Schattenseite hin zu reinigen und ein wirklick historisches Bild herzustellen verstanden. Nachdem in der Einleitung du' Lebenszeit Elischa's auf die Periode 65—140 festgestellt ist, schildert er ctin Grund der durch den ganzen Talmud und die Midraschim ^zerstreuten Aussprüche Elischa's oder der auf ihn sich beziehenden Bemerkungen, deren verschiedene Lesarten er kritisch prüft und sichtet, im 1. Theill „Elischa ben Abuja",die aufstrebende Lichtseite vor seinem Abfälle, und int 2. Theile „Acher", die niedergehende Schattenseite seine) Lebens nach seinem Absalle. Den Abfall selbst^zeigt der Verfasser in zutreffend psychologischer Zeichnung als ein Produkt der zwiespältigen Bildung Achers, als eine Folge des Konflikts zwischen dem Geiste der jüdischen Glaubenslehre und der griechischen Philosophie, die wie zwei feindliche Mächte die Harmonie seiner Seele stören. Die eigentlich) Katastrophe wird nach seiner Meinung dttrch den äußeren Anlaß der hadrianschen Glaubensverfolgung (135—138) gezeitigt und gereift. Mit kritischeut Scharfsinn und Geschick weiß dabei der 'Verfasser 'aus jeder sagetthaftett Schale den geschichtlichen Kern' herauszuschülen und jedr spätere Uebertreibung auf die wirklich geschichtliche Thatsache zurückztl führen. Im Schlußtheil „Elischa-Acher" weist en lich der Verfasser treffend nach, daß Elischa auch während seines Abfalls niemals dem Judenthttm feindlich'gewesen, und reinigt ihtt zugleich vott dem Verdacht, je den Gnostikern gehört zu haben. Sein Schlußurtheil drängt sich in die Worte zusantmen: „Elischa ist ein Mann, der nicht verdammt, sondern beklagt zu werden verdiene!" Wenn der gelehrte Verfasser jedoch Elischa ben Abuja zu den Per I sönlichkeiten des „jüdischen Alterthums" „aus grauer Vorzeit' > rechnen will, so halten wir das mit Rücksicht darauf, daß unsere Geschieht' doch mindestens etwa 1500 vor d. g. Z. beginnt, für — sif. venia ver]><< — eine kleine Uebertreibung, die in einent Geschichtsbilde nicht vorkom men sollte. Mit einigen unserent norddeutschen Ohre etwas fremd klingenden Nedewendungen, wie z. B. „übergehen wir" anstatt „gehen wir über", wollen wir weniger rechten; sie sind auf Rechnung öfter reichischer Provinzialismen zu setzen. Alles in Allein können wir die Schrift jedem Freunde der jüdischen Litteratur und Geschichte nur rechi warm empfehlen. Es wird sie Niemand ohne Befriedigung und ohne Nutzen aus der Hand legen. Colberg. Dr. S. Goldschmidt. Aimt uiio Verlag von ytuüiUf Mono m vertut Bnnittwörtlich für die Redaktion Max VauchwU: in Berlin. Jahr 8 B mb Ord ckrleihuttg lstofessor nnseums, c httischeu enter die iutgsrath 'lstona un noen vier n" emeriti stillt m an Qiladung B Mtmtcm, ist) ob si( kanten e ncht ungej der i imnissar^ mb ttachm st rdacht fi e:ner, da stolidaritä stnnld übet ist) verstiei ' >'sem Pu ' hen Uttel? nt der K htgelegeul Zen Ge eser Et )> os eine ras an il st ie ntag h ttterfud)n stgeben tv rideres tv >' alige Ur akh übe rar wünst nichts da jpa* nennt sich c l reit erste d.s Antist fachten Tl doch sachb -nodernen wir wolle irr welche studen in Eitznug d Be Presse nu ckgen den stiommand an trag g( st. tg." ein