Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1892)
- Date
- 1892-01-22
- Page
- Seite 46 (sequence 10)
- Language
- German
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46 Hallen die Wlclf'eifcu und der Glanz des Lebens jeden Reiz für (;u verloren, denn sein Verstand war ganz absorbirt von den Stilb en über Glauben und Weisheit. Doch die leichtfertigen, mehr well ach gesinnten Kollegen Enochs jagten schnell nach der Erscheinung, oie ihre Verwunderung erregte. Sie liefen schaarenweise, ga^.,.- Pirend, Staubwolken aufwirbelud, mit furchtbarem Armen, und namentlich konnte Chaimchen gar nicht die Augen abwenden von dem riesigen, wunderherrlichen Bouquet. Bisher sah er nur auf alten Kleidern eingeprägte Blumen oder solche, die längst verdorrt, mit erloschenen Farben, alte durchlöcherte Strohhüte zierten Niemals sah er lebendige, duftige, in voller Farbenpracht glanzende Blumen, woran sich der frische Silberthau noch wie Perlen spiegelte Er zitterte ganz vor unaussprechlicher Bewunderung und hatte sogar Mendelchen vergessen, welcher ihn nicht einholen formte und auf einem I Zaune, heftig weinend, sitzen blieb. Ehainrchcrr lief der Dame stets! voraus, und ihr oft den Weg vertretend, streckte er mit feurigen, flehentlichen Blicken die Händchen den Blumen entgegen. Rasch wandte er sich voll Schüchternheit zurück, um ebenso rasch wieder vorwärts zu drangen und ihr mit gleichen Gestikulationen den Weg zu versperren. Sie achtete anfangs weder auf das Kind, noch auf seine halb schüchternen, halb kecken Bewegungen; als aber Ehaimcherr ihr Kleid anfaßte und sie leicht an sich zog, blieb sie verwundert! stehen, mit einem Lächeln auf das Kind blickend. Sie neigte sich zu j ihm, mit ihren Fingern seinen Arm berührend, und ihre dunkelblauen, sanftglänzenden Augen begegneten den, gleich schwarzen Diamanten funkelnden Blicken des Kindes. Eine feurige Röthe überlief sein Gesichtchen, den geöffneten kleinen Mund umspielte ein ent zücktes Lächeln. j Heber ihn gebeugt, srug sie: „Was willst Du, Kleinert"! Chaimchen berührte schüchtern mit der Spitze seines kleinen > Fingers ihre Blumen. Sie lachte silberhell und weichinüthig, und! ihre Hand ruhte auf dem dichten Lockenhaar des Knaben. j „Wenn Du schön bittest," sprach sie, „vielleicht gebe ich Dir ein! Blümchen aus meinem Bouquet." (Schluß folgt.) U Der heilige Herr. Historischer Roman von Ferdinand Dieffenbach.! (Fortsetzung.) j Zweiundzwanzigstes Kapitel. I D e r p o l n i s ch e M a g n a t.! An jenen Vorfall mit der jungen Jüdin reihte sich bald darauf! ein neuer geheimnißvoller Vorgang. Josepha weilte noch in der „Rose" unter dem Schutze der menschenfreundlichen Wirthin, als eines Tages ein polnischer Edelmann in Offenbach auftauchte, der, hoch gewachsen, wettergebrüunt und von kriegerischer Haltung, als eili echtes Bild männlicher Kraft erschien. Bewundernd sah das Volk auf die Kriegergestalt. Offenbar war es ein versprengter Flüchtling, denn das Königreich Polen rang mit km Tode, und j mancher tapfere Pole hatte bereits, unwillig über die Zerklüftung j seines Vaterlands, über den Haß unb die Jntriguen der Parteien, i das Schwert bei Seite geworfen und ein neues Vaterland gesucht.! Ter Polenflüchtling, der durch die Straßen Offenbachs wunderte, j war — Graf Stanislaus Lubomirski. Sein Ziel war Frankreich,; wo er dem von der Revolution bedrängten Könige seine Dienste an-; bieten wollte. i In Frankfurt a. M. wurde durch die Nachricht von der! schwankenden Haltung Ludwigs XVf. seiner Wanderung ein Ziele; gesetzt. Unschlüssig verweilte er dort, als er durch das GesprA einiger Bürger von dem Polenhof in Offenbach erfuhr. Halb Don der Neugierde, halb von dem Bedürfnisse nach ben Verkehr mit Landsleuten getrieben, reiste er nach Offenbach. Genau; o Nachrichten über die polnische Hofhaltung fehlten ihm. JnFrankfm hatte er nicht einmal den Namen des „Polenfürsten" vernomm i, In Offeubach hört er, daß derselbe inkognito lebe und sich SScnoi v. Frank nennen lasse. Sonderbar! Es däuchte ihm, als wenn c> den Rainen schon irgendwo gehört hätte, und doch kam ihm dersew fremd vor. Wenigstens wußte er sich auf den Träger dieses Nannrn nicht mehr zu erinnern. Sein Weg führte ihn durch die Tomstraße. Hier erregte ein, prachtvolle Karosse seine Aufmerksamkeit. Ter Wagen kam i!n entgegen, und unwillkürlich richteten sich seine Blicke nach demsellmi Eine Dame saß allein im Fond. Sie war hoch von Gestal und von vornehmer Haltung. Die Dame wurde seiner ansichtig. Sie betrachtete ihn eint Weile. In ihren Zügen mischte sich der Ausdruck des Befremden- und der Ueberraschung, dann verbarg sie ihr Gesicht mit dem Taschentuch. „O, Gott, Eva!" rief Stanislaus. Er stand eine Weile unschlüssig, was er thun sollte, allein null ehe er zu einen! Schlüsse kenn, war der Wagen seinen Blicken entschwunden. Es war Eva, seine einstige Geliebte, unb daß sie es war, bm ging zweifellos aus ihrem eigenen Benehmen hervor. Wie war ni hierher gekommen? Was war mit ihr vorgegangen seit jenem unseligen Verschwinden aus bent Hause seiner Mutter? Lauge hau, ihn die Nachricht von dem Verschwinden seiner Geliebten zum um glücklichsten der Menschen gemacht. Er hatte den Tod in k Schlacht gesucht und nicht gefunden, er war umhergeirrt in da Welt, suchte Abenteuer und Gefahren a-uf und hoffte so das Andentn' an die Geliebte zu verwischen. Auf seinen Irrfahrten berührte a Offenbach; unerwartet tauchte die Gestalt seiner jugendlichen Träuirn hier leibhaft vor ihm auf. Aber gerade in dieser Umgebung mad tc ihn die Erscheinung Evas nicht glücklich. Er fühlte, daß irgend eir. unheimliches Etwas zwischen ihn und sie getreten war. Ihr Benehmen verriebt) es ihm, daß sie ihm nicht mehr gehöre. Stanislaus erkundigte sich nach den Verhältnissen der Dcnw und nach ihrem Aufenthalt. Das Fräulein von Frank wohne i'.i Schlosse, sagte man ihm. Stanislaus ließ sich den Weg nach dein Schlosse zeigen und überlegte unterdessen, wie er Eva gegenübertreten sollte. War auch das damalige Verhalten Evas vielleicht;n entschuldigen, so befand sie sich seit jener Flucht dennoch schon scii Langen! in einer Umgebung, in welcher ihr Charakter unmöglich rem und fleckenlos geblieben sein konnte. Er mußte Gewißheit haben, denn noch schwebte Evas reine; Bild so, wie er sie einst kannte, vor seiner Seele. Diese Gedantn gingen in seinem Kopfe hinüber und herüber, bis er endlich kr dem Schlosse stand. Seltsam berührte ihn der Anblick des ahm Schlosses, vor welchen! die Angehörigen der Gemeinde Jacob FraiB in ihren bunten Trachten hin und her gingen. Leibwächter hielten vor dem Thore und in den Korridors Wacht. Ein Diener fragle den! polnischen Magnaten nach seinen! Begehr, und nach einige« Worten stand er vor Eva. Stanislaus Lubomirski suchte eine Zeit lang vergeblich nach Worten. Er war tief ergriffen. Noch war Eva jene herrliche, vornehme Erscheinung, wenn sie auch kräftiger geworden war und iino Züge nicht mehr jene eigenthümliche Reinheit zeigten, welche ibr Hedem einen so unbeschreiblichen Zauber verlieh. Aber dennoch cm \l)icn ihm Ausruf: malige G Eva „Evc Eva dauerte e „Ant „Nei „Sn glücklich? „Nei ,,Um „Sü mich, ich ragen!" „So Jause flr iethst, m Wundem llmgebun Rur schw m den 6 war ich c reuen ili neßest ini „3 fl, prachst v Eva „Eva -er Dir 1 .Ich ie Barn .An mein Du .Ja. „Abn wer den Betrüger .Da aber Dir .Ja. schuldet oerlockte, „Wi .Ja Aönig ze Später e rhabenei iowie der welche er wenn wi' Testainen Schurke, nung bei ans feine ves Köni richteten .En