Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1892)
- Date
- 1892-01-22
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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40 Der Einwand, daß so ausgebildete Leute niemals sich mit einem Gehalte von vielleicht 1000 Mark begnügen und daher eine ganze Anzahl von Gemeinden ohne Vorsänger bleiben würden, ist dadurch abzuweisen, daß es eine Leichtigkeit wäre, von der Regierung bezw. von den betreffenden Civilgemeinden Zuschüsse zu erhalte», unisomehr da in der nächste» Zeit wahrscheinlich mehrere kleine Rabbinate vollständig eingehen werden. Jedenfalls aber sind nur auf diese Weise vorgebildete Männer im Stande ,,zu lernen und zu lehren", d. h. sowohl ihr eigenes Wissen zu erweitern und zu vervollkommnen, als anch die ihnen unterstellten Gemeinden zu unterweisen und das leider sehr tief gesunkene Judenthum in unscrm schönen Lande wieder zu Ehren zu bringen. Bie Pathologie der Juden. lieber dieses Thema fand in der „.loademie de medeciue“ zu Paris in der Sitzung vom 1. September 1891 eine sehr interessante Debatte statt, über die wir nach dem offiziellen „Bulletin medical“ hier berichten wollen. In der vorletzten Sitzung hatte Herr Javal bemerkt, daß die Juden einen eigenartigen durch atavistischen Rückschlag bedingten Astigmatismus, d. h. eine abnorme Krümmung ihrer Hornhaut zeigen. Bei dieser Gelegenheit erwähnte Herr Lagneau niit einigen Worten, daß die Juden unter gewissen Umständen eine ganz besondere relativ günstige Pathologie haben und eine hohe Geburtszahl, Erscheinungen, welche Javal der in der jüdischen Rasse zu allen Zeiten wohl gewürdigten Privathygiene zuschrieb. Dagegen hatte Herr Lagneau erklärt, daß die nervösen Krankheiten, wie Epilepsie und insbesondere Geisteskrankheit, viel häufiger in der „israelitischen" Rasse wären, als in den übrigen Rassen der Menschheit. Gelegentlich dieses Meinungsaustausches hat Herr Lanr, welcher ehemals in der Unigegend von Kiew gewohnt hat. der Akademie geschrieben, daß die Juden des südlichen Rußlands, fast alle deutscher Herkunft, eine höchst beklagenswerthe Hygiene hätten. Jndeffen anerkennt er ihre reichliche Vermehrung und ihre geringe Kindersterblichkeit und schreibt dies dem Umstande zu, daß die jüdischen Frauen wenig arbeiten und mit bewundernswerther Sorgfalt ihre Kinder pflegen. Dies gab in der Sitzung vorn 1. September 1891 Herrn Germain See, Professor der Innern Medizin in Paris, Anlaß zu folgender Mittheilung: „Auf die seltsamen und besonders widerspruchsvollen Behauptungen in den beiden letzten Sitzungen, betreffend die Hygiene und in Sonderheit die Krankheiten der Juden, muß ich Folgendes erwiedern. Von unserin Kollegen Herrn Lagneau haben wir die günstigste Behandlung erfahren, besonders in Benrtheilnng der Sitten, der Mäßigkeit und der übrigens oft aufgezwungenen Sparsamkeit der Juden. Das sehr hohe Wachsthnm der Bevölkerung in Folge der sorgfältigsten Kinderpflege seitens der Mütter, welche ihre Kleinen selbst nähren, der Mangel unehelicher Geburten, das sind zwei bedeutsame Thatsachen, welche außer Zweifel stehen und ganz zu Gunsten der Rasse, ihrer Sitte» und Gebräuche sprechen. Noch zwei andere Momente, welche dein hygienischen Lebenswandel der Juden entspringen, seien hier erwähnt, erstens: kein Alkoholismus — beherzigen Sie wohl diese Thatsachc, welche mit dem Reste der Lagneau'sche» Rede int Widerspruche steht; zweitens eine wunderbare Vorahnung der Krankheiten, welche wir jetzt tnikrobische (d. h. durch kleinste Lebewesen erzeugte) nennen. Hat Moses den Tod nach dem Gebrauche von trichinösem Fleische beobachtet? Sicher ist, daß der Talmud die drakonischsten Maßregeln vorschreibt und eine ungemeine Sicherheit gewährt gegen diejenige Krankheit, welche jederzeit das Menschengeschlecht dezimirt hat und es noch jetzt in schrecklicher Verwüstung lichtet, ich meine die Tuberkulose. In dieser Hinsicht sagt einer unserer hervorragendsten Volksivirthe, Herr Anatole Leroy - Beaulien , Mitglied der Akademie, in einer Reihe von Aufsätze», betitelt: „Die Juden und der Antisemitismus" (Revue des deux Mondes, livraisons de fevrier, mai et juillet 1891): „Das Judenthum hat den Glauben in den Dienst der Gesundheitslehre gestellt; es übt Frömmigkeit zu Nutzen seiner Gesundheit. Die peinlichen Vorschriften ihres Gesetzes über das zur menschlichen Nahrung bestimmte Fleisch finden heute »ach zweitausend Jahren eine tvahrhaftige Wiedergeburt. Der letzte Kongreß über die Tuberkulosenfrage hat dem modernen Gesetzgeber angedeutet, was dem israelitischen Opferpriester befohlen war: jedes Thier ist zu vernichten, welches bei der Autopsie Verwachsungen des Brustfells zeigt. Man blies die Lungen der geschlachteten Thicre auf, um ihre Gesundheit festzustellen, bevor man das Fleisch für den Konsum freigab." Wie sollte es geschehen, daß Individuen mit) solcher Vorsicht und Rücksicht in Wahrung ihrer Gesundheit, solcher Klugheit in der Anstvahl reiner Nahrung und in dem Verbot schädlicher Getränke, welche überall ebenso viel Opfer fordern als die Tuberkulose, nun auf einmal in Epilepsie und Wahnsinn verfallen? Herr Lagneau behauptet nach der Statistik des italienischen Irrenarztes Morselli, daß die Epilepsie bei den Juden häufig vorkomme. Aber um welche Epilepsie handelt es sich? Ist es die eines Caesar, Mohammed, Petrarca, Napoleon I. und anderer Celebritäten? Oder gar die der Klientel von Bourneville, welcher stracks zur Idiotie hind zum Kretinismus führt, welche man den Juden eben nicht nachsagt. Frage ich nunmehr nach der Verrücktheit, wie sie Lagneau und Andere bei den Juden in höherem Prozentsatz als^bei den Protestanten und Katholiken annehmen, so ist zunächst festgestcllt, daß Idioten nicht verrückt werden; man muß Intelligenz haben, um sie verlieren zu könne». Giebt inan ferner allgemein zu, daß der Alkoholismus bei den Juden fehlt, und das; mehr als ein Drittel aller Geisteskrankheiten diesem ^Laster^ seinen^ Ursprung verdankt, >vas bleibt dann noch übrig von diesen werthlosen Zahlen einer unbegreiflichen Statistik? Ich komme nun zu den demographischen Lehren jfvon der jüdischen Rasse, wie sie Herr Javal formulirt hat: „Man weiß," sagt er, „daß nirgends in der Bibel die Rede ist von der Unsterblichkeit der Seele. Da ihnen in der andern Welt nichts versprochen ist, so haben sich die Juden immer bemüht, so flange^und so behaglich (confortablement) als möglich in dieser Welt zu leben." Ich will hier keine Vorlesung halten über Religionsphilosophic und biblische Exegese, aber ich habe das Recht, historische Zeugen anznrufen. Der große Jndenhistoriker Josephus, mit mehr Zartgefühl für die Römer als für seine Glaubensgenossen besaitet, schrieb im ersten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung von der Hauptsekte Judäas, de» Pharisäern, welche man nicht verwechseln soll mit ihren falschen Brüdern gleichen Namens: Sie führen ein einfaches Leben ohne Aufwand, erfüllen gewissenhaft ihre Pflichten, ehre» hoch die Greise, leben in Eintracht für das Oleineinwohl und glauben an die Unsterblichkeit derSeele. Josephus vergleicht sie mit den Saddncäern, welche nicht an die mündliche Ueberlieferung glauben, und den Essäern, in Gütergemein-