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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-15 · Heft 3 (15.1.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 rituell bereitetes Essen geliefert wird. Die Verwaltung der genannten Anstalt muß doch eine ganz absonderliche Meinung von der jüdischen Religion haben, wenn sie meint, daß der religiösen Erziehung der jüdischen Korrigenden durch Lieferung von koscherem Essen an den hohen Feiertagen Genüge gethan sei. Dies erinnert an die Ansicht der preußischen Regierung im Anfänge dieses Jahrhunderts, daß die einzige Aufgabe der Rabbiner die sei, die Schächter in den Funktionen des Koscherschlachtens zu beaufsichtigen. * Berliu, 12. Januar. In ihrer gestrigen Abendausgabe bringt die „Kreuzzeitung" einen Artikel „zur Frage des rituellen Mord", welcher Gift und Galle gegen die preußischen Justizbehörden speit. Die Haftentlassung des in kanten angeschuldigten jüdischen Schlächters Buschhoff paßt dem Antisemitenblatte natürlich nicht in seinen Kram. Es verlangt daher, daß die Behörden das Ergebnis; der bezüglichen Untersuchung möglichst bald veröffentlichen, und erhebt inzwischen aufs Neue die Anschuldigung, daß der von den Gerichten freigegebene B. einen Knabe:; „zu jüdisch-rituellen Zwecken ermordet" habe. Ter Artikel schließt mit den Worten: „Die näheren Umstände der Thal inKorfu decken sich fast vollständig mit denen in .Unten. In Griechenland kam es zu einer gerichtlichen Verhandlung des Falles nicht, weil, wie ein der griechischen Negierung nahestehender Abgeordneter in einem an uns gerichteten Schreiben unmnwunden eingestand, der Prozeß mit einer Verurtheilung der des Mordes augeklagten Juden hätte endigen müssen. Dieser Ausgang aber hätte im ganzen Orient Judenverfolgungen der schlinnnsten 'Art hervorgerufen, j Das wußte das internationale Judenthum, und deshalb bot es alle! Mittel auf, um die griechische Regierung zur Einstellung des gerichtlichen Verfahrens zunöthigen: und da zur Zeit die griechischen Staatsfinanzen von dem Wohlwollen der europäischen Börsenplätze abhängig sind, so erreichte die Nöthigung unschwer ihren Zweck. — Steht nun aber das deutsche Reich ans der gleichen Stufe der Abhängigkeit von dem Großjudenthum, wie das kleine und schwache Griechenland?"-Die „Kreuzzeitung" scheint sowohl über die Vorgänge in Korfu als in Tanten sehr genau unterrichtet zu sein, augenscheinlich genauer, als die mit der Untersuchung der 'Angelegenheit betrauten Justizbehörden. Daher behauptet sie, daß die näheren Umstände der That sich fast vollständig mit denen in Korfu decken: vielleicht hat sie hierin nicht ganz Unrecht. Wenn sie indessen anninnnt, daß die Mittel, mit denen sie und ihre Helfershelfer in der Korfuer Affaire bei dem griechischen Pöbel und anderswo Stimmung zu machen suchte, auch in Deutschland verfangen, so irrt sie sich. Auch das Ende des Prozesses dürfte in Deutschland ein anderes sein als in Griechenland. Dort begnügte man sich, die unschuldigen Opfer der internationalen Hetzverbrüderung nach erfolgter Feststellung ihrer Unschuld freizulassen, in Deutschland wird — des; sind wir überzeugt —, die Behörde nicht ruhen, bis die wahren Schuldigen entdeckt sind. Wenn das geschehen ist, aber erst dann, werden auch wir auf die Veröffentlichung des gesannnten Untersuchungsmaterials dringe:;, j wie jetzt die „Kreuzzeitung". ' 8 Berlin, 9. Januar. In der Unterhaltungs-Beilage des Berliner Lokal-Anzeigers von; 9. Januar 1892 befindet sich in der Rubrik „Aus Wissenschaft und Leben" unter der Ueberschrift „Die Transfusion des Blutes" die gelegentliche Bemerkung: „Ja sogar in neuerer Zeit kommt es in Schlesien vor, daß dort jüdische Brautpaare bei der Hochzeit Blut aus ihren Fingern vermischen." Bei dem Unheil, welches durch solche Behauptungen angerichtet werden kann, zumal sich unsere Gegner das Zeugniß eines sonst nicht antisemitischen Blattes gewiß nicht entgehen lassen werden, scheint es uns inunerhin nothweudig zu konstatiren, daß die ganze Mittheilung vollständig erfunden und „aus den Fingern gesogen" ist — aber aus denen des Verfassers.! * Berlin, 9. Januar. Unsere Warnungen bezüglich der Küchen z meister'fchen Gegenhetze sind leider ohne Erfolg geblieben, und so j haben wir denn zu verzeichnen, daß die am 9. Januar wiederholte Ver- . samullung, die nunmehr von der ueubegründeten „Vereinigung zur Be- , kämpfung der Rassenhetze" ausging, in eine wüste Schlägerei ausartete.! Zu dieser Versammlung, welche in: Feuerstein'scher; Wirthshanse, Alte! Jakobstraße 75, stattfand, waren die Antisemiten unter Führung des! Kaufmanns Bodeck, des Vorsitzenden des „Antisemitischen Volksvereius" j Haupt und der Vorstandsmitglieder des antisemitischen „Deutschen Vereiuszur Hebung des Mittelstandes" in beträchtlicher Anzahl erschienen, biU! deten aber den etwa 199 Theilnehmern der Versannnlung gegenüber eine , Minderheit. Als Referent sprach Dr. Jakobowsky über „Der Juden Antheil am Verbrechen." Schon im ersten Beginn des Vortrags wurden die Antisemiten mit den „Bekämpfern der Rassenhetze" handgemein und es gelang nur sehr schwer, die Ordnung wiederherzustellen. Dann nahmen bis 1 Uhr Nachts die Erörterungen über den Vortrag einen ziemlich ruhigen Verlauf. Die Feindseligkeit zwischen beiden Parteien kam schließlich wieder zum offenen Ausbruch, als ein junger Mann beantragte, bein; Polizeipräsidium dcchin vorstellig zu werden, „es möchte die aufreizenden Versannnlungsankündigungen an den Anschlagsäulen untersagen, da diese geeignet seien, den öffentlichen Frieden zu stören", und ein Anderer bemerkte, „der Antisemitismus blühe nur da, wo die Kultur noch nicht hingedrungen fei, wie z. B. im Wahlkreise Böckels." Die Antisemiten beantworteten diese Bemerkung mit einem Hoch auf Böckel. Dies war das Signal zu einer allgemeinen Schlägerei, die erst durch das energische Eingreifen der Polizei beendet wurde. Die Antisemiten verließen hierauf das Lokal. * Berlin, 19. Januar. Die Ursachen der Revolution in Brasilien, welche mit dem Sturz der letzten Monarchie in 'Amerika endete, lagen für gewöhnliche Sterbliche seit Langem klar zu Tage. Nicht so für die „Kreuz- Ztg.", welche in ihrem Verfolgungswahn den dunklen Drang in sich spürte, die Juden für den Sturz Dom Pedros verantwortlich zu umchen. Nach den Anschauungen der „Kreuz-Ztg." muß an Alle:::, was Herrn von Harnmersteiu mißfällt, ein Jude die Schuld tragen. So hat denn das Blatt jetzt entdeckt, daß Niemand anders als die „Alliance Israelite Universelle“ den Sturz der letzten Monarchie Amerikas veranlaßt habe; sie erhoffte davon eine Rückwirkung auf Portugal und Spanien und somit auf die ganze romanische Welt; sie hoffte, nach dem Sturz der Monarchie in Brasilien vortheilhaftere Geldgeschäfte machen zu können, und in dieser Hoffnung hat sie sich nicht getäuscht, denn jetzt ist der Londoner Rothschild auch schon im Begriff, eine große brasilianische 'Anleihe zu vermitteln. Man u:us; der „Kreuz-Ztg." für die phänomenale Entdeckung aufrichtig dankbar sei::. Sie hat die Darstellung der brasilianischer: Revolution um ein werthvolles Bild bereichert und darin eine für Herrn v. Hannuersteiu fühlbare Lücke ausgefüllt. 22 Berlin, 5. Januar. Aus zahlreichen deutschen Gemeinden gehen uns Berichte über die Veranstaltung von Chanukafeierlichkeiten zu. Da alle diese Festveranstaltungen naturgemäß ein gleichartiges Programm aufweisen: Prolog, Festrede, Anzünden von Lichtern, Bescheerung Festmahl und gemeinsaine Lieder, so dürfen wir wohl von der Wiedergabe der einzelnen Berichte 'Abstand nehmen, und wollen lediglich unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß die religiösen Feste der gedachten Art eine stets weitere Verbreitung finden. Nur der Schilderung des „Kinderfestes", welches die Henry-Jones-Loge in Hamburg gefeiert hat, glaubten wir wohl die Aufnah:ne nicht versagen zu sollen, weil diese Veranstaltung durch die Reichhaltigkeit des Gebotenen als Muster zu dienen geeignet ist. F (tzollub i. W. Pr. 11. Jan. Nachdem die zweite Stelle an der hiesigen jüdischen Stadtschule eineinviertel Jahr vakant gewesen war, ist sie jetzt durch Herrn Lehrer Goldberg aus Borgholz in Westfalen besetzt worden. Unsere Schule wird gegenwärtig von 54 Kindern besucht. Durch Bücherzuwendungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund in Berlin hat die Schule eine reichhaltige Bibliothek, die von Alt und Jung mit gleichem Eifer benutzt wird. Leipzig, 7. Januar. Die 2. Auflage der Broschüre „Eine jüdischdeutsche G esandtsch aft" von C. Paasch ist neuerdings auf Verlangen der Berliner Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden Diesem 'Anträge der Berliner Behörden Folge zu geben, hatte man sich ursprünglich geweigert, weil angeblich in der neuen Auflage alle Stellen, welche unter Anklage gestellt waren, beseitigt sein sollten. Dies ist aber nicht der Fall; die Staatsanwaltschaft wird vielmehr auch einige weitere Stellen, die in der 2. Auflage nicht in Wegfall gekornmen sind, als Grundlage für ihre 'Anklage benutzen. 2L Hamburg, 3. Januar. Tie hiesige He::ry-Jones-Loge U. O. B. B. hielt gestern in den Räumen des herrlichen „Konzert- Gartens", in denen z. B. Hans von Bülow seine Konzerte veranstaltet, das vierte Kinderfest ab. Der letzte Tag Ehanuka war hierfür absichtlich gewählt worden. An fünf langen Tischen saßen wenigstens 500 Kinder aus den besseren Kreisen sowohl, :vie aus den Kreisen, die nicht in der Lage sind, ihren Kindern besondere Freudengenüsse am Ehanuka zu bieten, beisanunen. Herr Prediger Dr. Leimdörfer wies in einer kurzen, aber schr gehab oeutung dl Redner su feste" feier Jeier des mit seiner i:i seiner , Binder; dc Reundliche nicht am : .Rattathia gedrückten! Assen wu Gesangsm liehen Kin lutirten K einem „M n'des Mät l-einen Fe lagen des l ei dieser <in Gesche Rächern, t rie Kinde: mimen zu Rpiel vero eingerichtet * Jyii eschätzten immigen i ''hrenbü;. 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