Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-15 · Heft 3 (15.1.1892) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227935--48542-3269182
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

35 Hainichen ide Haar igen mi! > finden, stiden in llmählic!, und die gimpclls jenen nattuna, Lebenshnungen en, dein gewiff Mensche »schulen. Vißt ihr. Lehrer: Blicke' zug ver-;r Groß- Sonimer en, auc!> weiche: eist ein: bedeck!. wimchen. mit den runzligen t gelben f hohem itternden teinartbec erordenlianchma! lebt dort > sie cu'-- tens, we eufzt sic rs Mehr der, sein igen, er- Welten! ö Jakob: r Menst!« : Tochter. aus den Inter de» Ächtig - -! Gulden ich bin ich selb!!? Ah —; sich fliii ftan will ich ihr die blinkenden Knöpfe annähen und ihr nur diese Seite vorzeigen, die löcherige Seite jedoch verdecken, und vielleicht giebt sie mir drei polnische Gulden — hält' ich einen Gulden noch Verdienst. Ach, das ivär ein Glück für mich." Indem sie von dem riesigen Verdienst eines ganzen polnischen Guldens träumt und an die blinkenden Knöpfe denkt, mit welchen sie morgen das Kammermädchen blenden will, wird dem Großiniitterchen wohl nm's Herz; sie lächelt und fühlt sich schlafbefangen. Die von den spitzen Steinen wundgeriebenen Flitze schmerzen und sehnen sich nach dem Bette, das mit einer schmalen, zusammengedrückten Federdecke — noch von der Aussteuer stammend — bedeckt ist. Aufstehend, fühlt sie jedoch unter ihren Füßen einen Körper liegen; sie nimmt zitternd die Lampe und beugt sich damit zur Erde. Das ist Chaiinchen! der früher plaudernd auf ihrem Knie satz und fröhlich der Arbeit seiner Großmutter zuschaute, die für ihn einen prächtigen Anzug zusammenstiickelte, daun zu ihren Füßen schläfrig niederglitt und jetzt in seinen abgerissenen Kleidern zusammengekauert, in seinen Händchen einen halbverzehrten Kipfel haltend, fest eingeschlafen ist. Die schmalen, zugedrückten Lippen erweitern sich z» einem Lächeln, und die Lampe zurückstellend, nimmt sie ihren Enkel in die Arme, die vom Schlaf gerötheten Backen mit Küssen überschüttend. „Du kleiner Schläfer! Beinahe wäre ich über Dich gefallen." Bei den letzen Worten lacht sie fast heftig, mit kichernden, heiseren Stoßtönen. — „Großmaina," ruft das Kind erwachend, den noch unverzehrten Kipfel in den Mund steckend. — „Nun," antwortet sie, ihn unter das Federbett schiebend. — „Großmama, wo ist das Zehngroschenstück, das mir der Herr heute gab?" Diese Frage macht auf Chaita einen sehr trüben Eindruck. — „Ich habe es," ruft sie, „zum Fenster hinausgeworfen. Du hast es erbettelt! Und sagte ich es nicht, daß Du nicht betteln sollst. Wirst Du auch das zweite Mal nicht hören, dann werde ich Dich mit der Ruthe schlagen!" Chaiinchen hört nicht mehr die Drohungen und Vorwürfe der Großmutter, er schläft schon tief, den einen Arin mit dein schmutzigen, zerrissenen Hemdlatze am Kopfe haltend. Die dunklen Augenbrauen warfen einen langen Schatten auf seine rosigen Wangen, und der kleine Mund lächelt, süß träumend. Chaita murinelt noch eine Weile ärgerlich, dann zieht sie das von ihrem Enkel erbettelte Zehngroschenstück hervor, betrachtet es von allen Seiten, gleichsam prüfend, ob es richtig sei, dasselbe nicht wegzuwerfen; dann seufzt sie schwer, schüttelt mit dem Kopfe, und sich entkleidend unb unter die Federdecke schlüpfend, murrt sie: „Nu — was ist zu machen — das Elend!" — Großinutter und Enkel — sie spielen oft mitsammen recht heiter, und dies recht, wenn Chaita spät Abends, den Korb voll eingekaufter und am Misthaufen gesammelter Fetzen, milde heimkehrt. Ihre Wohnung befindet sich im tiefsten Centrum jenes Labyrinthes, welches die kleinen, schmalen Güßlein und engen, niederen Gebäude des jüdischen Viertels der Stadt Ongrod bilden. Sie besteht aus einem so niedrigen Zimmerchen, das Chaita die geschwärzten Plafondbalken leicht mit der Hand berührt, und ist so schmal, das der große, lehmige zerfallende Ofen die größere Hälfte einnimmt. (Fortsetzung folgt.) d Ber heilige Herr. Historischer Roman von Ferdinand Dieffenbach. (Fortletzung.) Die Gäste waren aufs Höchste gespannt und warteten ruhig auf die Erzählung der Wirthin. Diese wandte sich zunächst an Gretchen. „Gretchen," sprach sie, „sieh einmal oben nach, ich werde Dich hernach rufen." „Das Mädchen kann nicht Alle» hören," fügte sie hinzu, „eS taugt nichts, wenn sic sich zuviel den Kopf über die Polen zerbricht." Gretchen ging. „Meine Herren," sprach die Wirthin, „in dem Schloß geschehen Dinge, die Gott unb das Gesetz verboten haben." „Laßt hören!" riefen die Gäste wie aus einem Munde. Die Wirthin begann. „Ich hatte Gretchen heute zu meiner Schwester geschickt, um ihr einiges für ihre Haushaltung zu besorgen. Als das Mädchen wieder nach Hause zurückkehrte, kam eine junge Polin schüchtern auf sie zu. Ich habe nun mein Gretchen schon längst gewarnt, mit den Polen zu verkehren. Es ist fremdes Volk, man weiß von Keinem, wie es bei ihm zu Hause steht, und die ganze Gesellschaft führt ein so sonderbares, abenteuerliches Dasein, daß ich alle Ursache zum Mißtrauen habe." „Ja, da haben Sie Recht," sprach Bernard. Mir kommen die Umherluugerer alle wie eine große Spitzvubenbande vor." „Laßt sie erst weiter erzählen," sprach Herr Mönch. „Mein Gretchen," fuhr die Wirthin fort, „wäre sicher vorübergegangen, aber die junge Polin sah sie so treuherzig an und schien so schüchtern und erschreckt, daß inein Gretchen sofort die Empfindung hatte, sie habe hier ein hilfebedürftiges Mädchen vor sich." „Was wünschen Sie, mein Fräulein?" fragte Gretchen. „Kann ich Ihnen mit etwas dienen?" „Ach, liebes, gutes Fräulein," erwiederte die Polin, „erbarmen Sie sich meiner. Wenn Sie sich einen Gotteslohn verdienen wollen, nehmen Sie mich mit nach Hause und verbergen Sie mich bei sich." Die Polin sprach das so geängstigt, daß Gretchen ihr die Bitte nicht abschlagen mochte. Rasch eilte sie mit ihr nach Hanse und unter unscrm Schutz befindet sich jetzt das Mädchen." „So hatte» die Galgengesichter, die vorhin hier waren, doch recht gewittert?" fragte Andrö. „Ganz gewiß," antwortete die Wirthin, „die Kerle haben allerivärts ihre Horcher und Späher umherlungern, und es ist dem Einzelnen, wie es scheint, verboten, mit den Bürgern von Offenbach zu verkehren. Heute, nachdem die Polin, die ganz abgehetzt und ausgehungert war, sich wieder ausgeruht und erholt hatte, habe ich sie ausgefcagt über die Veranlassung, welche sie zur Flucht getrieben hatte. Sie nwllte mir Anfangs gar nichts erzählen, dann schickte ich Gretchen fort, und als wir allein waren, habe ich ihr ruhig und freundschaftlich zugeredet. Ich habe ihr gesagt, daß es sich nicht allein um sie handle, es handle sich um das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen. Sie müsse persönliche Rücksichten schwinden lassen und müsse offen reden. Ich verspräche ihr die strengste Verschwiegenheit, und mir, einer Frau gegenüber, könne sie doch offen sein. Sie sähe es doch, daß man es gut mit ihr meine. Nachdem ich alle mir zu Gebote stehende Beredtsamkeit aufgeboten hatte, faßte sie sich endlich ein Herz und erzählte mir. „Ich heiße Joseph« Scrzumieczki." „Sapperment," sprach die Wirtin, „ich kann den Namen nicht aussprechen. Jedesmal, wenn ich's versuche, ist mir'», als wenn mir ein Zahn dabei ausgehen müßte. Josepha erzählte mir, daß sie aus Lemberg und die Tochter reicher, jüdischer Eltern sei. „Wie ich hierher gekommen, werden Sie schwer begreifen, da Sie keine Jüdin sind und für die Ideen, die unser Volk bewegen, schwerlich Verständniß besitzen. Ich will versuchen, Ihnen deutlich zu machen, um was es sich handelt. In Folge der inneren Unruhen und der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.