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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-15 · Heft 3 (15.1.1892) · p. Seite 31

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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Biberfeld in Berlin.! wie wirkt sie in der Geschichte des Volkes Israels Kein Land er- (Schluß.)! scheint vielleicht mehr geeignet, seine Bewohner zu Eroberungen Schon Ranke bemerkt, daß die Völkertafel des ersten Buches anzureizen, als Palästina; bildet es doch das natürliche Band zwischen Mosis') die erste sei, welche alle Menschen von einem einzigen Europa, Asien und Afrika, so daß cs gewissermaßen das Centrum Stamnrvater ableitet, und welche für das eigene Volk weder! der ganzen antiken Welt war, eine Völkerbrücke, welche den, der ans göttliche Abstammung, noch auch einen besonderen Akt der Schöpfung! ihr stand, schon unwillkürlich zu kriegerischen Unternehmungen geneigt in Anspruch nimmt. Wohl rühmte sich der gläubige Israelit mit stimmen mußte. Aber allen diesen Verlockungen ist das Volk Israel der ihm am Sinai gewordenen Offenbarung, wohl rühmte sich das niemals zum Opfer gefallen, niemals hat es den Wunsch gehegt, Volk, daß Gott es „auserwühlt von allen Völkern und erhoben über j erobernd aufzutreten und sich aus seiner beschränkten politischen alle Nationen", aber nicht zur Herrschaft über andere, nicht zur! Machtsphäre zu einem Großstaate emporzuschwingen. Das Land Entfaltung schrankenloser Macht glaribte es sich ausersehen, cs erbickte seinen Beruf darin, Träger der reinen Gotteserkenntniß lind damit einer weit und mächtig wirkenden Idee zu sein! Es ist bereits davon die Rede gewesen, welcher Art das Ideal der antiken Völker war, was einem Cyrus, einem Alexander, was dein römischen Volke als letztes Ziel vorschwebte; fragen wir dagegen, welchen Zustand das israelitische Volk als den seines höchsten Glückes herbeisehnte, so werden wir auf seine Messias - Hoffnungen hingewiesen. — Der Messias ist den Jriden zu allen Zeiten der Inbegriff alles Wünschensnnd Erstrebenswerthen gewesen. An sein Erscheinen aber knüpfte das jüdische Volk niemals die Erwartung auf große politische Macht, auf ein Weltreich, dem alle Nationen des Erdballes dienen sollten — sein Zukunftsideal hat mit Krieg und Unterjochung nichts zu thnn; das Reich des Messias, wie es in Worten höchster Begeisterung ei» Jesaias sich ausmalt, soll den ewigen Völkcrfrieden, das ewige Völkerglück bringen! „Und am Ende der Tage wird es sein, da wird hochragen der Berg des Gottestempels über alle Berge, und höher wird er sein denn alle Hügel, und zu ihm strömen werden alle Völker. Und zahlreiche Nationen werden hinwallen und sprechen: „Auf! laßt uns ziehen hinauf zum Berge des Herrn, zu dem Tempel des Gottes Jacobs, er zeige uns seine Wege, er führe uns seine Pfade, denn von Zion geht die Lehre aus und das Wort des Herrn von Jerusalem." „Und er wird richten unter den Völkern und viele Nationen zurechtweisen, und sie werden ihre Schwerter zu Pflüge» und ihre Lanzen zu Rebenmessern machen, nicht fürder tvird ein Volk das Schwert tragen gegen ein anderes Volk, und nie mehr werden sie den Krieg lernen."-) Und dieses hohe Glück steten Friedens soll nicht beschränkt bleiben auf die Angehörigen des Volkes Israels: wer immer sein Herz mit dem wahren Glauben erfüllt hat, der Ausländer, ja selbst der Verschnittene — sie alle sollen zu des Tempels Pforten wallen, denn dieser selbst „soll sein eine Stätte des Gebetes für alle Völker"/') Und dieser erhabene Messiasgedanke, den zu entfalten und für den zu leben sich das jüdische Volk für auserkoren erachtete, er soll verwirklicht sein, wenn „wahre Erkenntniß die ganze Erde erfüllen wird, gleich wie das Wasser den Meeresgrund bedecket." fl Wie so ganz anders tritt uns hier der Gedanke der Auserwähltheit entgegen, die Auserwähltheit im Geiste und in der Erkenntiriß der Wahrheit! Und hierin liegt der große, der prinzipielle Gegensatz, der das jüdische Volk von der ganzen übrigenalten Welt trennte; er prägt sich am deutlichsten aus in der Thatsache, das; jener Traum von einem ewigen Frieden zuerst den Geist eines jüdischen Sehers umspielte; jene Sehnsucht, die zu alten Zeiten die edelsten und reinsten Gemüther erfüllt — im jüdischen Volke ist sie zuerst wach geworden! i) 1. Buch Mos. Kap. IN. fl Jes. Kap. 2, V. 2 ff. 8) ibid. Kap. 56, V. 67. fl ibid. Kap. 11, V. 9, Kanaan, von dein es glaubte, daß es ihm von der Vorsehung zum Wohnsitze angewiesen, genügte ihm; hier fühlte es sich innerhalb einer natürlichen Grenzen, über die hinaus in kriegerischen Unternehmungen vorzudringen weder seiner Bestimmung, noch seiner Neigung zu entsprechen schien. Wohl nahm man unter dem König David einen Anlauf zu Eroberungskriegen, wohl versuchte man sich unter Salomo auf dem Felde der Kolonialpolitik, aber immer blieb es bei den ersten Anfängen, und mit dem Herrscher selbst sank auch die von ihm inaugurirte Richtung auf Ausbreitung der politischen Macht ins Grab. Auch die spätere Zeit konnte hieran nichts ändern; die Kümpfe der Diadochen konnten das Volk nicht hineinzieheu in ihren Strudel, und auch als Römer und Parther im heißen, Jahrhunderte überdauernden Kampfe um die Weltherrschaft rangen, empfand das jüdische Volk, damals schon seiner Freiheit und der selbstständigen, staatlichen Existenz beraubt, kein anderes Verlangen, als fern und unbehelligt von des Krieges Wirren und Wogen sich selbst zu leben. Wohl ist es muthig und unermüdlich, wie kein anderes Volk in der Geschichte, eingetrete» für seine politische Unabhängigkeit, ivohl ivehrte es sich mit der Kraft der höchsten Verzweiflung gegen die andringenden Eroberungsgeliiste des Morgen- und des Abendlandes, aber seine Tapferkeit bewährte es stets nur in der Vertheidignng, nie ist es zu eigentlichen Angriffskriegen übergegangen. Den übrigen Staaten der alten Welt galt ein friedlicher Verkehr mit dem Auslande für das Anormale, die Regel war ein feindseliges Verhalten ihm gegenüber; das jüdische Volk seinerseits verhielt sich gegen andere Völker grundsätzlich gleichgiltig. Allerdings führte es einen Vernichtungskampf gegen diejenigen Völkerschaften, tvelche vor ihm in Palästina ansässig gewesen, aber dieses Berhältniß bildete, wie der weitere Verlauf der Darstellung ergeben wird, einen ganz singulären Ausnahmefall; im Allgenreinen aber respektirte man die übrigen Staaten als solche und trug keinerlei Begehr darnach, sie in ihrem Besitzstände zu schmälern oder gar dem eigenen Staatsorganismus einzuverleiben. Ja, so fern lag der Gedanke an ein jüdisches Weltreich, daß man vielmehr gewissen Staaten, dem der Römer und der Parther, einen einigen Bestand prophezeite und sie in der Legende noch am jüngsten Tage als die größten und vornehmsten Reiche auftreten läßt, fl fl Thalmud Babylon, Traktat Abodö h zar-l fol. 2 b. Ueberdies war ein thatenlnstiger König, dein etwa die Grenzen feines Landes zu eng wurden, oder den sonst seine Ruhmsucht zu Eroberungskriegen drängte, in derartigen Unternehmungen durch die innere Staatsverfassuug erheblich beschränkt, indem er — was hier nur vorübergehend berührt sein mag — Angriffskriege, soweit sie sich nicht gegen die oben erwähnten Völkerschaften, welche vor der Invasion der Israeliten Palästina bewohnten, oder gegen die Amalekiter richteten, nicht ohne Zustimmung des Syuedrions unternehmen konnte. Indem ein näheres Eingehen ans diese Verfassungsfrage einer Darstellung des jüdischen Staatsrechts Vorbehalten wird, sei hier nur ans den Thalmud in Mischnah Traktat So tu Kap. VIII, § 7, sowie auf den Kommentar des Rabbi Obadjah di Bartenora z» dieser Stelle und auf Maimonides, lad hachsakah,

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