Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1892)
- Date
- 1892-01-15
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
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28 Landbezirken «Cljo! bet den Antisemiten), wo bisher keine solche künstliche Aufregung in Szene gesetzt war, können Sie jetzt noch Anhänger finden, bis sich das auch dort ändern wird. «Beifall links.) Abg. Stöcker: Tie nationalliberalen und freikonservativen Stimmeit in Berlin sind höchst unbedeutend. Das, was geschehen ist, habett wir atts eigener Kraft erreicht. Für die Vorgänge 1887 bin ich nicht verantwortlich. Ich habe mich von der Agitation zurückgezogen, um beit Beweis zu liefern, daß nichts erreicht wird, wenn die Berliner Bewegnng nicht in der alten Bahn bleibt. Wir haben aber etwas erreicht, was in den Berliner Verhältttissen viel schwerer zu erreichen war, daß die Kirchenwahlen int positiven Sinne ausgefallen sind. Das beweist, daß wir tticht am Ende find, sondern erst am Anfang. (Beifall rechtst Wenn Herr Richter den Antisernitismus aus niedrigen Motiven erklärt, so wttttdert mich das nichr, ist aber nicht richtig. Als unser Volk atts bcm großen Kampfe um seilte Einigkeit zurückgekehrt war, wurde es darauf aufmerksam, daß es eilte schimpfliche Fremdherrschaft in seiner eigenen Mitte zu tragen habe. Ter Antisemitismus ist darum aus dem großen, natiottalen, christlichen Gefühl hervorgegangen. (Zustimmung rechts, Lachen links.) Abg. Pickenbach <Antis.i: Tie Wähler antisemitischer Vertreter siltd von Herrn Richter in scharfer Weise beleidigt worden. Gerade die Wähler, die utich gewählt haben, hatten 4 Wochen vorher einen freisinnigen Kandidaten gewällt: als dieser, weil der Wahlkreis für sicher galt, das Mandat in einem attderen annahm, haben wir Antisemiten die Stimmen der Massen auf uns vereinigt. Frühere Wühler der freisinnigelt Partei sind zlt ttns übergegangen. Abg. Singer «Soz.i: Ter Ausspruch des Herrn Stöcker von der schimpflichen Fremdherrschaft nöthigt mich, das Wort zu ergreifen. Es gehört ein Mantt wie Herr Stöcker dazu, dessen Behauptungen seit längerer Feit betVmnl sind, und dessen Art uub Weise aufzutreten man auch kettltt, ullt zu diesem 'Ausspruch zu kommen. Herr Stöcker hat durchaus Ultrecht, wenn er uteint, daß der Antisemitismus ibealcit Ursachen entspringt. Wäre das der Falt, so könnte nicht soviel Rohheit ultd Gemeinheit inlterhalb der arttisemitischen Partei sich geltend machen. «Sehr wahr! links.) Ter Antisernitismus hat eine andere Ursache, den eilt Kollege im österreichischett Reichstage ganz richtig mit dem Wort gezeichnet hat: „Ter 'Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerls", iHeiterkeit links., Der 'Antisemitismus ist aus der Unzufriedenheit mit den sozialen Zuständen hervorgegangen. Die Leute sind auf dem Wege zum Sozialismus zunächst bei dem Antisemitismus stehen geblieben. Tr. Böckel selbst ist vor nicht langer Feit, wohl als er noch Ideale hatte, Mitglied unserer Partei gewesen. «Hört! hört! bei bett Sozialdemokraten. — Zurufe bei den 'Antisemiten: Unwahr! Lüge!) Präsident: Ich höre Zwischenrufe, welche parlamentarisch vollkommen unzulässig sind.) Abg. Singer «fortsahrend): Hätte ich ahlten können, daß sich eine altlisemitische Debatte heute entwickeln würde, so würde ich eine Photographie des Abg. Dr. Böckel vorzeigen, die er unter der Ueberschrift: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" einem Mann zugeschickt hatte, der hellte noch treu seitter Ueberzeugung innerhalb der sozialdemokratischen Partei steht. Tie Leute, die mit beit wirthschaftlichen Verhältnissen berechtigter Weise unzufrieden sind, haben vorläufig Station bei dem Antisemitismus gemacht, erfreut darüber, daß das Judenthum von Herrn Stöcker zutn Prügelknaben gemacht ist. Wenn diese Station überwunden ist, wird Herr Stöcker eines schönen Tages einsehen, daß auch seine glühendsten Reden gegen die Juden ihm nichts genutzt habett. Ich stehe dieser Judenfrage außerordentlich kühl gegenüber; ich bedaure nur die Zeit, die der Reichstag mit der Erörterung dieser Frage sich gefallen lassen muß. «Sehr richtig! links.) Ich kann in der Benrtheilung der antisemitischen Partei meinen jüdischen Mitbürgern nur den Rath geben, die Agitation mit einem Worte Feuerbachs zu bezeichnen: Von der Tuntmheit gehaßt zu werden, ist ehrenvoll, von der Gemeinheit: beneidenswerth. «Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Stöcker: Herr Singer thut, als ob ich das Wort Antisemitislltus in die Debatte geworfelt habe. Herr Richter hat angefangett. Nur um seine Unrichtigkeiten richtig zu stellen, bin ich darauf eingegangen. Wenn Herr Singer mit Vorliebe das Wort „Gemeiltheit" gebraucht, so möchte ich ihm ralhett, das Wort lieber auf seinen früheren Kompagnon Rosenthal anznwenden Ta gehört das hin, nicht aber auf die antisemitische Bewegung. (Beifall rechts.) Die Berliner Bewegung giltg aus der Nothwendigkeit hervor, gegen eine versumpfte, religiöse, unbeschreiblich schlechte Presse Front zu machen. Als zum ersten Male die Generalsynode in Berlin im Herrenhause ihre Sitzungen abgehalten hatte, da hatte ein jüdisches Blatt die Frechheit, zu schreiben, das Herrenhaus müsse desinfizirt werden. «Hörtt Hört! rechts!) Hat eine Minorität wirklich das Recht, dem Volke so etwas zu bieten? Herr Singer kann seinen Mitbürgern einen besseren Rath geben: sich bescheiden zurückzuhalten, wie es sich gebührt. (Beifall rechts.) Abg. Singer: Ich bin nicht in der Lage, von Herrn Stöcker irgend einen Rath anzunehmen. Er hat mit direkter Beziehung auf utich auf einen Prozeß abgespielt, in welchem eine Musterung meines ehemaligen Kompagnons Rosenthal festgestellt ist. Ich habe den Rath des Herrn Stöcker in Bezug darauf schon früher befolgt und habe über nteine Meinung in Betreff der Aeußerung nicht den geringsten Zweifel gelassen. Mein Urtheil darüber hat ungefähr ebenso gelautet, wie das seine. « Hört! hört! bei den Soz.) Auf der andern Seite meine ich, daß Herr Stöcker entsprechend dem Spruche: „Wer im Gtashause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen", am allerwenigsten Ursache hat, Le.tte für etwas verantwortlich zu machen, für das sie keine Verantwortung tragen. Wenn ich Herrn Stöcker mit gleicher Münze zahlen wollte, würde ich ihm den Rath geben, sich auf das zu berufen, was über einige seiner Fraktionsgenossen, über Dr. Böckel und Pickeltbach gerichtlich sestgestellt ist. «Zurufe bei den Sozialdemoktraten: Fahrlässiger Meineid!) Wenn Herr Stöcker überhaupt von gerichtlich festgestellten Thatsachen redet, so liegen in seiner Vergangenheit so viele Dinge, daß er am allerwenigsten berufen ist. Jemandem in dieser Weise Vorstellungen zu machen. «Lebhafte Zustimmung links.) Wenn Sie (nach rechts) sachlich nicht entgegentretelt köntten, komnten Sie mit persönlichen Dingen. Wenn gegen einen Mann, wie ich es bin, dessen Leben wie ein anfgeschlagenes Buch vor Aller Augen liegt, nichts zu sagen ist, so soll er für Aeußerungen Anderer verantwortlich gemacht werden. Aber jeder Versuch, Mißtrauen zwischen nur und meiner Partei zu säen, durch solche Dinge innerhalb der Arbeiterklassen die Meinung zu verbreiten, als ob ich nicht aus vollster Ueberzeugung uitb ehrlichstem Willen die Ziele der Sozialdemokratie vertrete, als ob ich sie int Interesse irgend einer andern Macht beeinflussen wollte, werden ein schimpfliches Ende erreichen. Sie werden scheitern an der glücklicherweise in lueiner Partei vorhandenen Intelligenz. «Beifall links.) Hierauf wird die Debatte geschlossen. Persönlich bemerkt Abg. Stöcker: Herr Singer muß ganz verwirrt sein, weim er Herrn Dr. Böckel als meinen Parteigenossen bezeichnet. Wenn er in allen politischett Dingen so klar ist wie hierbei, so kann ich seiner ^Agitation nur Glück wünschen. Abg. Pickenbach bestreitet, daß über ihn irgend etwas gerichtlich festgestellt sei. Abg. Singer giebt zu, Herrn Tr. Böckel irrthümlich als Parteigenossen von Herrn Stöcker bezeichnet zu haben, er habe „Gesinnungsgenossen" sagen wollen. 'Abg. Richter bestreitet, das Wort „Antisemitismus" in die Debatte hineingebracht zu haben. Herr Stöcker habe auf eine beiläufige Bemerkung bei der dritten Berathung der Handelsverträge geantwortet, weil er es nicht abwarteit konnte, die antisemitische Debatte herbeizuführen. * Will)Am Traugott Krug. Ein Blatt dankbarer Erinnerung. Von Tr. M. Kayserling. Am 12. Januar waren es fünfzig Jahre, daß ein Mann non hinnen geschieden, der als einer der eifrigsten Verfechter der Gleichstellung der Inden es verdient, das; wir ihm ein Wort der Erinnerung widmen: es ist dies der Leipziger Professor Krug. Anfangs zum Studium der Theologie bestimmt, wandte er sich in Jena und Göttingen der Philosophie zu und habilitirte sich bald in Wittenberg, >vo er Borlesnngcn eneyklopädisch-philosophischen Inhalts hi die Per und erh trat er Meyer, der Fa> von Fr, dizinifch Meyer wiff enfd Aufenth difche F zufolge, sie zu h gemacht Se ihm ei, Wissens, und „B und sei Borlänf hat Kn als ein Mensche hat da, Nachfol, 1809 sei Leipzig Kri Kanone kleidete Freiwill sogar n für ihre griff nn zum er« Juden chen „ Staate litischer widerle, Juden darum heilen menschli Menge unverst, wie diel noch im gleiche 3 ivenn £ in kath Mensch darin d Gott w man scl ') S «Krieg). 2) «