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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-15 · Heft 3 (15.1.1892) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 ii, Beritees zu :liche zu r dazu ifec der lfluß zu Kräfte ms den ein derals ein Beiträge äffischen g v o n Beitrag tußland für die Vereinen g nicht Deutschzusehen, H mehr der aus ür das ft wenn oird — irschein- Hilfschenden lnteresse is fortlMS. r vom litifchen ndbuch, )anderiit derin den Herlag aterien, sandelt, r nicht e vielsich beber hat n aus änzung n ent- >e, zum Llattes schlage. — als sind so An Material, auch au genügend vorbereitetem, fehlt es somit nicht, leider aber an genügendem Eifer. Ich bin ganz der Meinung des „Rathgebers", daß nur diejenigen in Versammlungen auftreten sollen, die fähig sind, zu reden; aber wie ich einst in der Schule als Ausspruch des Sokrates lernte: „Sachkenntniß macht beredt", der Fehler liegt darin, daß so wenig Juden sich über die einschlägigen Fragen zu unterrichten suchen. Bevor sie nicht in ihrer eigenen werthen Persönlichkeit Ungelegenheit haben, finden sie, daß es keinen Antisemitismus giebt, oder daß er todt sei, oder daß die hessischen Juden selbst schuld seien, oder einen ähnlichen triftigen Grund, nichts zu thun. Außer der Rede in öffentlichen Versammlungen giebt es noch andere Mittel, den Antisemiten entgegenzutreten, wie sachlich gehaltene Zuschriften an die lokale Presse, Belehrung und Gespräche mit christlichen Freunden, Agitation re., wobei natürlich ans die Wahrung des erforderlichen Taktes Werth zu legen ist. Es ist namentlich Sache der Rabbiner und jüdischen Lehrer, den Antisemiten überall in der Presse entgegenzutreten, wo Angriffe gegen den Talmud oder andere Religionsschriften gerichtet werden. Zur Information ans diesem Gebiete seien „Akten und Gutachten desPrvzessesRohling contra Bloch" empfohlen. (Wien, M. Breitensteins Verlagsbuchhandlung.! Eigentlich sollte jeder Rabbiner und Lehrer dieses Buch besitzen. Also schafft Euch den „Antisemiten-Spicgel", die „Mittheilungen", die Akten „Rohling contra Bloch" au. Verbreitet diese Schriften in christlichen Kreisen, schreibt und sprecht, wenn Ihr dazu befähigt seid. Vor Allem unterrichtet Euch iiber Juden und Judenthum; der große Krebsschaden ist und bleibt die Unkenntnis; des eigenen Wesens und der eigenen Geschichte. Auch Sie, Herr Redakteur, können viel Helsen. Machen Sie allwöchentlich durch Angabe des Inhalts und Hinweis auf Nr. 4057a des Postzeitungskaialogs auf die „Mittheilungen" aufmerksam. Eriuneui Sie sich des Autisemiten-Spicgels von Zeit zu Zeit. Wenn Sie dies in ergiebigerem Maße thun, würde der zweifellos eifrige „Rath"geber nicht mehr den Ruf nach einem Handbuch zu erheben »öthig haben, das schon existirte oder mindestens in kräftigem Werden ist, in dem „Antisemiten-Spiegel" und den „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" *) zusammengeuommen. U Aus dem Reichstag. Berlin, 1:4. Januar. Im deutscherr Reichstag gab es gestern wieder eine interessante Debatte über den Antisemitismus, die folgenden Verlauf hatte. Zuerst sprach der Abg. Richter: Herr Stöcker begann erst dann eine große Bedeiltuilg zu gewinnen, als Fürst Bismarck dem Antisemitismus gestattete, sich an seine Rockschöße zu hängen. (Sehr richtig! links.) Wenn Fürst Bismarck nicht gewollt hätte und die Landräthe Ulld gouvernementalen Elemente im Kreise Siegen die Wahl des Herrn Stöcker nicht unterstützt hätten, wäre er überhaupt nicht in den Reichstag gelangt- Als Fürst Bismarck beit Gedanken, mittelst des Antisemitismus eine konservative Partei in Berlin zu bilden, aufgeben mußte und zurück blasen ließ, als der Kartellgedanke aufkam und Herr Stöcker dem Kartell unbequem war, da wurde Stöcker zuerst zur Hälfte fallen gelassen. Er mußte einen Pakt eingehen, durch welchen er sich verpflichtete, auf jede öffentliche Thätigkeit zu verzichten. Er mußte das, weil er nicht selbstständige Kraft genug hatte, zu widerstehen. Der „neue Luther" zeigte damals, daß er auch anders konnte. (Große Heiterkeit links. Unruhe ft Bureau Magdeburger Straße 1:4. Vielleicht nimmt auch mancher Ihrer Leser bei dieser Gelegenheit Veranlassung, Mitglied zu werden. rechts.) Es wird Herrn Stöcker nicht gelingen, wieder emporzukommen, indem er sich jetzt an die Rockschöße des Fürsten Bismarck zu hängen sucht, denn die Uhr ist abgelaufen. (Beifall links.) Abg. Stöcker: Was Herr Richter eben gesagt hat, ist ebenso unrichtig wie das vorher. Ich kann Beweise dafür geben, daß Fürst Bismarck nicht die antisemitischen Elemente an sich hat herankommen lassen. Wenn Herr Richter im Volksversammlungsstil gegen meine Person sich wendet und mich den „neuen Luther" nennt, so meine ich, ich habe durch Einreichung meiner Demission gezeigt, daß ich weiß, meine Ueberzeugung zu ehren. Als ich eine kurze Zeit in der That mich dazu verstand, in Berlin von der Agitation zurückzutreten, geschah es lediglich, um die Probe zu geben, daß die Kartellpolitik falsch sei, daß sie nicht zum Ziele führe. Diesen Beweis habe ich geführt, darauf habe ich mein Amt für meine Ueberzeugung aufgegeben. (Beifall rechts.) Abg. Richter: Ich habe mich nicht gegen die Wühler des Herrn Stöcker in der Gesammtheit gewendet. Ich weiß sehr wohl, daß Herr- Stöcker unter seinen Wählern erheblichen Anhang besitzt. Dieser Anhang ist aber in keiner Weise ausreichend, um ihn zur Wahl zu bringen. Was die Stellung des Fürsten Bismarck angeht, unseres abwesenden .Kollegen, so habe ich seiner Zeit dem Fürsten Bismarck gegenüber dasselbe dargelegt, was ich Herrn Stöcker gesagt habe. Er trägt die Hauptschuld au der antisemitischen Agitation; wenn er auch nachher gesehen hat, daß er damit seine Zwecke nicht erreicht und zurückzupfeifeu suchte, so ist doch Alles, was in der Folge nachträglich zum Vorschein gekommen ist, auf seine wohlwollende Neutralität zurückzuführen, die er bei Auftauchen dieser Bewegung aus politischen Rücksichten beobachtete. (Beifall links). Abg. Stöcker: Ich bin vollkommen davon überzeugt, daß meine Person nicht wichtig genug war, um das Kartell zu beeinflussen, für die Berliner Bewegung aber hat sie doch eine gewisse Bedeutung, was Herr Richter daraus ersehen kann, daß wir bei den Wahlen 84 und 87 in Berlin stärker waren als der Fortschritt selbst. «Hört! hört! rechts.) Ich erkläre es von 'Neuem als eine absolute Ungerechtigkeit, daß Fürst Bismarck irgendwelche Schuld an der antisemitischen 'Agitation trägt. Es ist so verkehrt wie nur irgend etwas, den Schein hervorzurufen, als ob wir nur auf Kommando von außen her gehandelt hätten. Wenn Herr Richter klugen hat, zu sehen, die er gegenüber der Börse allerdings nicht hat, so muß ihm klar sein, daß heute eine antisemitische Strömung durch das Volk geht, die ständig im Wachsen begriffen ist und die noch in dieser Session entschiedenen Ausdruck finden wird. Herr- Richter wird erkennen, daß diese Bewegung tief aus dem Herzen unseres Volkes quillt. Weil Herr Richter aber vom Herzeu des Volkes nichts weiß, weiß er auch davon nichts. «Beifall rechts.) Abg. Richter: Herr Stöcker zieht sich auf die Berliner Bewegung zurück. In den von ihm zitirten Zahlen 1884 und 1887 stecken nichts weniger wie Stöckeranhänger und Antisemiten. Da stecken die nationalliberalen und freikonservativen Elemente, überhaupt Alles, was nicht in Berlin freisinnig oder sozialdemokratisch war, die damals durch den Fürsten Bismarck dazu bestimmt wurden, dem Gedanken des Kartells sich anzuschließen. Was es mit der Stöckerschen Bewegung auf sich hat in dem Augenblick, wo ihr die Hand der Regierung entzogen wird, beweist der Ausfall der letzten Stadtverordnetenwahlen. Die Bürgerpartei hat alle Mandate verloren, die in Frage standen, und nur die Ueberlegung ist übrig geblieben, ob die letzten, die ein Mandat haben, nicht besser daran thäten, freiwillig hinauszugehen. (Heiterkeit links.) Dabei muß man wissen, daß das Gros der Wähler in Berlin, die Schutzmänner, die unteren Beamten der Eisenbahn- und Postverwaltung noch nicht wissen, daß sie jetzt frei wählen dürfen, daß sie aus alter Bismürckischer Gewohnheit für die Gesinnungsgenossen des Herrn Stöcker stimmen. (Sehr richtig! links.) Wenn Herr Stöcker meint, daß der Antisemitismus jetzt im Wachsen begriffen sei, so will ich ihm sagen, was ich darüber denke. Nachdem man gesehen hat, daß die agrarische Bewegung nicht mehr von oben unterstützt wird, ist es die letzte Hoffnung der unabhängigen und selbstständigen Konservativen, sich auf die Judenhetze zu werfen. Weil sie glauben, sich damit über Wasser halten zu können, deshalb suchen sie in jeder Weise dieselbe künstlich hervorzuzerren. Dort, wo das Stück schon einmal gespielt hat, in Berlin, wo man die Herren zur Genüge kennen gelernt hat, wo die Ausführung nicht mehr den Reiz der Neuheit hat, da zieht das Stück nicht mehr. Nur in den unschuldigen

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