Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-15 · Heft 3 (15.1.1892) · p. Seite 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227935--48533-3269173
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

26 Das Russische Hitsswerk. Von Dr. H. Jaulus. Ai» Schlüsse meines ersten Artikels über obige Angelegenheit, habe ich weitere Vorschläge in Aussicht gestellt, wie die nöthigcn Geldmittel zur Bestreitung der laufenden Ausgaben des deutschen Zentral-Komitee's für das Russische Hilfswerk zu beschaffen wären. Es steht wohl zu erwarten, daß der vom Zentral-Komitee in Berlin jüngst erlassene Ausruf, den die verschiedenen Provinzial- Komitces ihrerseits in ihren resp. Kreisen weiter verbreiten iverde», nicht ohne Wirkung bleiben wird. Dennoch darf man sich keinen sanguinischen Hoffnungen hingeben und meinen, daß die nothwendigen Spenden cingehen werden, falls es beim Erlaß des Aufrufes sein Bewenden haben sollte. Jeder in der Organisation eines Hilfswerks Erfahrene weiß, daß öffentliche Aufrufe zu Geldspenden in der Regel nur schwache Erfolge erzielen, wen» dieselben nicht zugleich mit anderen kräftigen Anregungen und Agitationen verbunden werden. Ein in den Zeitungen erlassener Aufruf vermag nur besonders hochherzige und freigebige Menschen zur Leistung einer Spende zu bewegen, die ineisten Leser dagegen werden von demselben doch nicht so tief berührt, um sich zu einer schon die Bequemlichkeit störenden Einsendung von Gaben veranlaßt zu fühlen. Im vorliegenden Falle tritt iioch der Umstand hinzu, daß aus denjenige» Kreisen, wo für das Schicksal der Verfolgten in Rußland warmes Mitgefühl vorhanden war, bereits im verflossenen Souimer ansehnliche Gaben geflossen sind und der Eingang neuer nennenswerther Beitrüge »ach so kurzer Frist kaum anzuuehmen ist. Diejenigen aber, welche im Sommer, als die Nachrichten von den russischen Judenverfolgungen noch frisch waren und alle Welt mit Schrecken erfüllten »nd zum Mitleid anregte», dennoch zu Geldspende» für das Russische Hilfswerk sich nicht veranlaßt fühlten, werden jetzt, wo gewiffermaßen der erste Schreck vorüber ist und das hilfsbereite Interesse sür die Verfolgten in Rußland naturgemäß immerhin etwas nachgelassen hat, infolge des Aufrufes allein schwerlich zu beträchtlichen Opfern für das Russische Hilfswerk sich geneigt zeigen. Läßt sich demnach dem Aufruf allein der wünschenslverthe Erfolg kaum prognostiziren, so ist cs nothwendig, daß neben demselben noch zu anderen Mittel» gegriffen werde, die eine» sicherer» und größeren Erfolg versprechen. Es crbeischt dies nicht allein das Interesse der Sache, sondern auch die Rücksicht auf die hervorragenden christlichen Mitbürger, welche de» Ausruf mitunterzeichneten »nd denen gegenüber es ein peinliches Gefühl in uns Hervorrufen würde, wenn der Aufruf und der mit demselben in Bewegung gesetzte Apparat nur schwache Wirkung erzielen sollte. Soweit mir bekannt ist, giebt es in Deutschland eine große Anzahl von jüdischen Gemeinden, in welchen bisher wenig oder nichts zum russischen Hilfswerk beigesteuert ist. Es kann das weder an deren Unvermögen noch an mangelndem Interesse liegen, sondern größtentheils daran, daß in den betreffenden Gemeinden diejenige Organisation fehlte, mittelst welcher die einzelnen Mitglieder zu Beiträgen hätten herangezogen werden können. Es sind in denselben nicht immer die Männer vorhanden, die Energie, Lust und Ansehen genug besitze», um die Sache in die Hand zu nehmen »nd mit Erfolg zu betreiben. Solchen Gemeinden müßte die Anregung von außen kommen. Schriftliche Aufforderungen mittelst Zirkulare oder Briefe würden allerdings diesen Zweck nicht oder ungenügend erreichen. Vielmehr ist es geboten, daß von Seiten des Zentral- Komitees oder der Provinzial-Komitees nach den verschiedenen Gemeinden, die sichbsher gegenüber dem Russischen Hilfswerk indifferent zeigten. Missionare entsandt werden, welche daselbst durch ihre persönliche Intervention die Angelegenheit in Fluß zu bringen, Versammlungen zu veranstalten, Ansprachen zu halten, Komitees zu bilden, kurz je nach den lokalen Verhältnissen das Erforderliche zu veranlassen hätten. Am besten würden sich die Rabbiner dazu eignen, unter denen wohl die meisten sich gern und mit Eifer der Aufgabe unterziehen würden, in den Gemeinden, wo sie Einfluß zu besitzen glauben, zu Gunsten des Russischen Hilfswerks ihre Kräfte zur Verfügung zu stellen, falls sie von kompetenter Stelle aus den Auftrag dazu erhalten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein derartiges Vorgehen ganz andere Ergebnisse haben würde, als ein Aufruf. Sicherlich lassen sich noch auf andere Weise namhafte Beitrüge erzielen selbst in denjenigen Gemeinden, die sich bereits am Russischen Hilfswerk betheiligt haben; wie etwa durch Bildung von Vereinen, deren Mitglieder sich zu einem festen jährlichen Beitrag verpflichten. Angesichts der andauernden Kalamität in Rußland würden unsere deutschen Glaubensgenossen, ähnlich wie sie für die „Alliance Jsraölite" einen jährlichen Beitrag liefern, den Vereinen zur Förderung des Russischen Hilfswerks ihre Unterstützung nicht verweigern. Wenn die „Alliance Jsraslite" meines Wissens in Deutschland allein über 20,000 Mitglieder zählt, so ist nicht abzusehen, warum die Russischen Hilssvereine nicht ebenso viel und noch mehr Mitglieder gewinnen sollten. Welche beträchtliche Summen aber aus diesen Beitrügen zur Bestreitung der laufenden Ausgaben für das Russische Hilfswerk zusammengebracht tverden könnten — selbst wenn der Normalbeitrag nur zu 5 Mark jährlich angenommen wird — ist leicht zu berechnen. Es ist daher die Möglichkeit, ja Wahrscheinlichkeit vorhanden, die nothwendigen Mittel für das Russische Hilfswerk zu beschaffen, wenn es den an der Spitze desselben stehenden Männern gelingt, es zweckmäßig zu organisiren und das Interesse dafür in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Deutschlands fortwährend wach zu erhalten. U Zur Bekämpfung des Antisemitismus. Von Dr. Heinrich Meyer Cohn. Sehr geehrter Herr Redakteur! Unter der Aufschrift „Ein Rath" bringt Ihre Nummer vom l. Januar 1892 Vorschläge, wie sich Juden gegenüber antisemitischen Versammlungen verhalten sollen. Der Verfasser fordert unter Anderem eine neue Art Handbuch, in dem die landläufigen Vorwürfe der antisemitischen Wanderprediger eine kurze und sachgemäße Widerlegung erfahren. Ein derartiges Handbuch liegt aber, wenn auch noch nicht vollendet, in den drei ersten Lieferungen des A n t isem i te n - S p i e g e l s vor. (Verlag von A. W. Kafemann, Danzig.) Einige der wichtigsten Materien, Talmud, Wucher, Antheil an Verbrechen, sind darin schon behandelt. Es ist uns Juden ein Vorwurf daraus zu mache», daß wir nicht selbst eine derartige Zusammenstellung unternommen, dieselbe vielmehr von christlicher Seite ausging. Dieser Vorwurf richtet sich besonders gegen die jüdischen Zeitungen. Seit dem 1. November hat der Spiegel durch die wöchentlich erscheinenden Mittheilungen aus dem Verein zu r Abwehr des Antisemitismus eine Ergänzung erfahren. (Nr. 4057a des Poflzeitungskatalogs.) Dieselben enthalten ebenfalls geschlossene Artikel über bestimmte Gegenstände, zum Beispiel die Rassenfrage; über einen statistischen Artikel des Blattes berichtet ja auch Ihre Nummer vom l. Januar auf dem Umschläge. Die Kosten, sowohl der Mittheilungen — 2 Mark jährlich — als des Antisemiten - Spiegels — 20 Pf. für die Lieferung — sind so gering, daß die Anschaffung Jedermann ermöglicht ist. 2(h nicht, lei des „Ro sollen, d Ausspru Fehler l Fragen werthen Antisemi Juden s zu thun. Aus andere kl Zuschrift lichen F des erfo Es den 2lnt gegen d Zur In achten ' M. Br Rabbine Als die Akte christlich! Vor AI Krebssch der eige Machen auf Nr. auf ni ert' Zeit. 2 zweifello Handlm in träft „Mittf semiti- Im Debatte sprach t Bedeut» stattete, Fürst B mentale unterstin Als Fü konservc blasen l uubeque mußte e öffentlic ständige damals, 0! mancher iverde».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.