Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1892)
- Date
- 1892-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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üs 3eii erühnller auf den n Wer!« h pcsicl erfreuten rrze Zeij lhe seiner 56. Jahrgang. Nr. 3. Allgemeine Berlin» 15. Januar 1892. eilung des Audenthums. nerzien Ä)iV n'ndel. t bereite jnasiogen :ne Hoch Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Nabtktner 21*. Ludwig Philippson-Bonn. Verlags-Expedition: Berlin, Lerusalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse.- Berlag der „Allgem. Zeitung des Zudenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/19 zu richteu. Verlag von Nndolf Mosse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Nedacteur: Gustav Karpeles. „Po solle/?ache vor die Polen Dezember e 1) r c; \\ vertag edürflliss lagoge in eig hielt e ist lieh keil r d e r ll li ^'öln Hai tll spräche. - teilen chne einei n Grade ollte, ab obeit dem äthe de gsamvali .tgehabter taüibcval er Seit. ^eiligstem.' ng". Ch t hat, is Vertrete/ rzeichnerll ismns. - dt hat zu sruhe, ein nnde dar. uns sind, sammtheil cn; umi )as Gebet ihrer "Ab ieheu C»)e l. Woher von der — Da hat alle'' 'eiwiltiger .gegeben er rhrath i verwende l "Angnsre auie, eine ranstallet, n. Leitartikelr Ein Buch — eine That. — Das russischeHitislverk. Von Tr. H. Janlus. Zur Bekämpfung desAntisemitivinus. Bon Tr. Heinrich Meyer Cohn. — Aus dem Reichstag. — Wissenschaft und Kittcratnrr Wilhelm Traugott Krug. Von Dr. M. Kayserl tilg. — Das jüdische Völkerrecht. Von Dr. jur. I. Biberfeld. — Ludlvig Philippson. Voll Pros. Dr. Martin Philipp so n. — Feuilleton: Eine Blume. Von Elise Orzeszko. (Forts.) — Der heilige Herr. Roman von Ferdinand Dieffenbach. lForts.) — Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. Gollnb, Leipzig, Hamburg. Fürth. Marburg Niebeim. Essen. Köln. Wieil. Zug. Petersburg, Riga. — Bon Nav und Zdern. — Sprechsaal. — Miseetten. — Bei der Redaktion einaeganaene Bücher. — Briefkasten. Ern Buch eine That. ' Berlin, 18. Januar. > Es sind »»n gerade sechzig Jahre her, daß Leopold Zunz seine! „Gottesdienstlichen Vorträge" hat erscheinen lassen. Das Buch! ist in voriger Woche in zweiter Auflage (bei I. Kanfsmann in! Frankfurt a. M.) erschienen. Das ist ein Ereigniß, welches wohl an j leitender Stelle besprochen zu werden verdient. . Es gab eine Zeit, wo »uiti — wie heute in Rußland — auch; anderwärts von Regierungswegen die Juden in ihrem Bildungstrieb hennnen wollte. Man erließ ein Verbot deutscher Predigten in den Synagogen. Damals schrieb Znnz sein Werk, um nachzuweisen, daß die Predigt nicht etwas dein Jndenthnni Fremdes, keine Nachahmung des christlichen Kultus, sondern daß sie mit dem Enlwickelnngsgang des jüdischen Geisteslebens seit mehr als zweitausend Jahren eng verknüpft sei. Das Werk hatte also eine eminent politische Bedeninng. lieber seine litterarische brauchen wir an dieser Stelle wohl lein Wort zu verlieren. Jeder weiß, daß dieses Buch grundlegend für die jüdische Wissenschaft geworden, daß es, wie Heine richtig bemerkte, damals „zrr den Merkwürdigkeiten höherer Kritik" gerechnet wurde. Aber es ist charakteristisch, daß dieses Werk noch bis henke nichts von seiner ursprünglichen Bedeutung eingebüßt hat. Ainu darf das mit freudiger Gennglhunng konstatire», auch selbst wenn sich i» dieses Gefühl der Genugthnung die Wehmnth mischt, daß ans den großen Aufschwung, den die jüdische Litteratnr in Deutschland in der Mitte dieses Jahrhunderts genommen, gegen Ende desselben ein so kläglicher | Niedergang gefolgt ist. Aber an dieser Stelle interessirt uns vor Allem die politische Bedeutung der „Gottesdienstlichen Vorträge". Und da wird denn unsere Wehmnlh zu einem Gefühl tiefen Schmerzes, wenn mir »ns eingestehen müssen, daß fast jedes Wort, welches Zunz vor sechzig Jahren in seiner berühmten Vorrede geschrieben, auch heute noch nach mehr als einem halben Jahrhundert aktuelle Bedeutung und volle Geltung hat. Zunz glaubte, das; die Erkenntnis; der Geschichte der Führer zu künstigen Umwandlungen in Religio» und Politik sein! werde. Er hatte sich darin getäuscht und vielleicht rührte daher seine entschiedene Ablehnung, eine zweite verbesserte Auflage seines großen Werkes selbst z» veranstalten. „Es ist endlich Zen, daß den Inden in Europa, insonderheit in Deutschland, Recht und Freiheit statt der Rechte und der Freiheiten gewährt iverde!" So sing Znnz seine Vorrede an. Und dann sagte er weitern „Wir haben kein Begehren nach den geizig zngemesseiien Rechte», die eine gleiche 'Anzahl von Unrecht auswiegt; wir finden lein Behage» an dein mitleidig Zngestandenen, »ns ekelt das erschlichene Privilegium an. Ties vor Schani sollte der crröthe», den die Gunst durch einen Adelsbrief über seine Brüder im Glauben erhöbe, während das Gesetz mit brandmarkender Ausschließung ihn; seine Stelle unter den geringsten seiner Brüder im Baterlnnde zuweist. Nrir in gesetzmäßiger Anerkennung können wir Befriedigung, in unwiderruflicher Gleichstellung das Ende nnsercs Schmerzes finden. In der Freiheit aber, die der Hand die Fessel abniinmt, um sie der Zunge nnzulege», in einer Toleranz, welcher unser Verfall, nicht aber unser Fortschritt bchagt, in dem Staatsbürgerthr»», das Schutz ohne Ehre, Lasten ohne Aussichten bietet, vermisse ich Liebe und Gerechtigkeit, und in dem Körper des Staatsverbandes können so schädliche Elemente nur böse Krankheiten erzeugen: Nachtheil dein Einzelnen und dem Ganzen". Gilt nicht jedes einzelne Wort in diesen Sätzen auch noch für den heutigen Tag und unsere modernen Verhältnisses Ist cs uns nicht, als spräche hier ein Vertreter unserer Interessen gegen die antisemitischen Angreifer? lind ist es nicht auch heute noch traurige Wahrheit, daß „mit der bürgerlichen Hintansetzung der Inden die Vernachlässigung jüdischer Wissenschaft im Zusammenhänge steht^" Als Leopold Znnz jene freimüthigcn Worte vor sechzig Jahren schrieb, wurde die Vorrede zu den „Gottesdienstlichen Vorträgen" konfiszirt. Heute darf »um wenigstens seine Klagen und Bedenken frei und ungehindert anssprechen. Und auch das ist schon ein großer Fortschritt. So wolle» mir denn die Hoffnung nicht anfgebcn, daß von der zweiten bis zur dritten Anfluge dieses grundlegenden Wertes kein io langer Zeitraum vergehen werde, wie von der ersten bis zur zweiten — und daß derjenige, der berufen sein wird, diese dritte Auflage heranszngcbcn, in der glücklichen Lage sein möge, zu konstatiren, daß alle Hoffnungen und Erwartungen ans den Sieg des Rechts und der Freiheit, die Leopold Znnz einst ausgesprochen, längst in Erfüllung gegangen und seine Klage» über das Unrecht gegen die Juden »nd gegen die jüdische Wissenschaft im Besonder» glücklicher Weise inzwischen gegenstandslos geworden seien! d