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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-08 · Heft 2 (8.1.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 2 (8.1.1892)
Date
1892-01-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 - — x dem be das lgt fei, ndlung c. Baer >el und lZeistes- , sowie ugung, lde der chloß", lerstem, ntragt, ilg eine Ireuzbilligte chmung len mit Er hat s Anti- :n, und ind. de des ter Becofcffor lautet: igung Bezug csammschlecht sagen, ie eine ich die . G. B. »n wir, nderem zu sein Stempel d. M--!iegbz. fanden, egrüßte te zum rdnung -Neu- )de im pfender ach der Arbeit Mission Schrift ch einer chaltene nit der bhaften elgard timal- »n einer nd ben Zrüfung Lid) den u Versoll der «rdnung ahmen: ). Der Bauerwurde deutschvraelitischen Gemeindebunde ausgesprochen, der dem jungen Verein einen Zuschuß zu den Kosten der Versammlung bewilligte. * Oppeln, 28. Dezember. Am 26. Dezember 1891 waren 50 Jahre verflossen, seitdem die hiesigeSynagoge e in g e wei h t wurde. Der Vorstand hatte von einer größeren Feier mit Rücksicht auf die Wahrscheinlichkeit eines in nicht allzulanger Zeit in Angriff zu nehmenden Neubaues Abstand genommen und nur für den Vorabend des eigentl.chen Festtages einen Festgottesdienst festgesetzt, der im Anschluß an den um 3l/g Nachmittags stattsindenben Liachmittagsgottesdienst abgehalten! «urde. Die Synagoge war reich geschmückt. Ein aus Mitgliedern der Dcinetnbe zusammengesetzter Chor leitete die eigentliche Feier mit dem viebe: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses" ein. Darauf i ielt der allgemein hochverehrte Rabbiner Dr. W iener die Festpredigt. Nachdem er auf die Entstehungsgeschichte der Synagoge. eingegangen '.oar, hob der greise Festredner die allgemeine Bedeutung eines Gottesauses hervor: „Einem Berge sei dasselbe vergleichbar, auf dem eine eine frische Luft wehe, wo man sich aller Sorgen und Mühen des Daseins enthoben, wo man sich seinem Gotte näher fühle, als drunten in Thalc. Heute, wo Neider und Feinde sich in Angriffen gegen Anhänger einer bestimmten Konfession gefallen, sei das Gotteshaus der .'lnwalt der ungerecht Angefeindeteu. Wer seinem Herrn diene, der imne mit Ruhe den Anfeindungen entgegensetzen: denn indem wir Alle inen Gott verehren, sind wir gefeit gegen alle niederen 'Angriffe, rüese Angriffe gehen aber nicht nur von unseren Feinden aus, auch innerhalb der Gemeinde hätten gar manches Mal Zwistigkeiten befanden, wenn nur der geringste Reformgedanke angeregt wurde. Diese Zeiten sind wohl vorüber, aber er, der Redner, könnte doch nicht ruhen, uv Einigkeit zu mahnen, wenn auch einmal Differenzen nicht zu vermeiden wären. Wo junges Laub grünen und den Baum schmücken soll, oa müssen erst die alten, verdorrten Blätter abfalleu. Bei aller Pietät gegen das Altehrwürdige, Althergebrachte, solle man sich doch ja theiliveisen Reformen nicht verschließen." Mit den herzlichsten Wünschen für vie Zukunft der Synagoge schloß der Redner die Predigt und knüpfte CHxrcm eine kurze Seelenfeier für diejenigen, die sich s. Z. um den Ban verdient gemacht haben, sowie für die vier verstorbenen Könige, unter Venen die Synagoge gestanden hatte. Noch ein Gebet für den Kaiser, Die .Kaiserin, das Kaiserliche Haus, für die Behörden des Staates und der Stadt, für die Vorsteher und Repräsentanten der Gemeinde, sowie für diejenigen, welche sich mit das Wohl der Gemeinde verdient machen, sandte der Redtter zu Gott empor. Dann machte die Hymne: „Preis und Anbetung unserem Herrn" den Beschluß der eigentlichen Festfeier, die trotz ihrer Einfachheit den tiefsten Eindruck auf alte Anwesenden nicht verfehlte. + Breslau, 3. Jan. Auf dem hiesigen jüd.-theol. Seminar lastete im letzten Jahre schwer des Schicksals Hand. Noch war der Schmerz über das Hinscheiden Joels nicht verwunden, als der plötzliche Tod des Prof. Graetz ihn im erhöhten Maße erregte, und ttoch hat der Frühling den Grabhügel des Letztern nicht mit des Rasens Grün geschmückt, und schon hat die ehrwürdige Anstalt wieder einen ihrer Lehrer zur ewigen Ruh gebettet. Mit dem am 17. d. M. erfolgten Ableben I)r. Benedict Z u ck e r m an ns schied aus der Anstalt der letzte aus der Reihe der Gründer der Anstalt: Zacharias Frankel, Jacob Bernays, M. Joel, H. Graetz und B. .Zuckermann. Di-. Zuckermann erfreute sich der Liebe und Zuneigung seiner Schüler, denen er ein treuer Freund und Förderer war, der Freundschaft seiner Kollegen, welche er sich durch sein anspruchsloses, aufrichtiges Wesen erwarb. Sie alle empfinden nun seinen Tod aufs Schmerzlichste, und dieses um so mehr, als nach des Verstorbenen Wunsch seine Bestattung nach alter schlichter Weise erfolgte, ttnd Niemand an seinem Grabe sprechen sollte. Am 20. d. wurde der prunklose Sarg in die Seminarsynagoge gebracht, wo der Gesangverein jüd. Theologen die üblichen Trauergesänge (Pf. 16 und 91) in ergreifender Weise vortrug. Hierauf setzte sich der inposante Leichenzug, zu dem viele Schüler aus weiter Ferne herbeigeeilt waren, in Bewegung. Attf dem Friedhofe sprach Herr Rabb. Dr. R osenthal das Trauergebei. — Mich auch in diesem Berichte nach dem Wunsche des Verstorbenen richtend, will ich blos Einzelnes aus dessen Leben berichten. Als Sohn einer hiesigen frommen Familie genoß der Verewigte schott in der frühesten Jugend talmudischen Unterricht und setzte das Talmudstudium auch während seiner Universitätszeit hier und in Berlin fort, wo er den mathematisch-naturwissenschaftlichen Studien oblag. Bei der Begründung des jüd.-theologischen Seminars als Lehrer an dasselbe berufen, widmete er sich der Erforschung jenes Zweiges der jüdischen Wissenschaft, die bis dahin von den jüdischen Gelehrten vernachlässigt worden war. Dem „Mathematischen im Talmud" wandte er sein Augenmerk zu, und sind seine Werke auf diesem Gebiete maßgebend geworden. Die Ergebnisse dieser Forschung sind in folgenden Schriften niedergelegt: Sabbatheyklus und Jubeljahr, 1857. Das jüdische Maßsystem und seine Beziehungen zum griechischen und römischen, 1867. lieber talmudische Münzen und Gewichte 1862. Das Mathematische im Talmud, 1878. Materialiensammlung zur Entwickelung der altjüdischett Zeitrechnung im Talmud, 1882. Die astronomischen Grundlagen der tabellarischen Beigaben zu den jüdischen Kalendern, 1890. Außer durch seine schriftstellerische Thätigkeit war der Verstorbene noch in anderer Weise zur Förderung der Wissenschaft thätig. Als Bibliothekar der Seminarbibliothek brachte er diese dahin, daß sie jetzt wohl den ersten Platz unter den hebräischen Bibliotheken des Kontinents einnimmt. Dabei sah er aber die 'Aufgabe eines Bibliothekars nicht blos darin, die Bücherräume zu füllen, sondern noch mehr die aufgesammelten Werke einer ausgedehnten Benutzung zuzuführen. In der freundlichsten, zuvorkommendsten Weise gewährte er diese, ungeachtet der großen Blühe, die ihm selbst dabei erwuchs. So verlor in ihm die jüdische Wissenschaft einen ihrer eifrigsten Förderer, und sein Andenken wird bei alten Freunden derselben unb insbesondere bei den Schillern der hiesigen Anstalt in stetem ehrenvollen Angedenken bleiben. X Aus Rheinhessen, 3. Januar. Wie alljährlich um diese Zeit wurde auch diese Woche die Borstaudssitzung des Vereilis „Achawa" abgehalten. Das Interesse für diesen so segensreich wirkenden Verein, der sich über ganz Deutschland erstreckt, ist wohl in viele Kreise gedrungen, und zwar mit Recht, denn er Hilst einem längst gefühlten Bedürfnis; ab: israelitische Lehrer, die dienstunfähig oder krank geworden, sowie Lehrer-Wittwen und -Waisen zu unterstützen und dadurch deren Loos erträglicher ztt machen. Nach den mündlich gegebenen Mittheilungen des Vorsitzenden und Kassirers ist die Zahl der aktiven Mitglieder auf 321 mtd die der Ehrenmitglieder auf 830 angewachsen. Der eiserne Fond besteht ans ca. 185,000 Mk.: an Jahrespensionen konnten ca. 12,000 Mk. vertheilt werden. An kranke Lehrer wurden im Laufe des Jahres 1875 Mk. aus dem Reservefond abgegeben. Der bald erscheinende gedruckte Rechenschaftsbericht wird Genaueres darlegen. Was sollte aus so vielen Lehrerfamilien werden, wenn nicht die „"Achawa" kräftig Angriffe? Und trotzdem müssen wir immer wieder beklagen, daß so viele mit Glücksgütern gesegnete Glaubensgenossen dem Verein fern bleiben. Ist es doch für diese nur ein kleines Opfer, die Mitgliedschaft durch einen jährlichen Beitrag von 6 Mk. zu erwerben! Und gerade jetzt bei den stets wachsenden Ansprüchen wäre der Beitritt neuer Ehrenmitglieder dringend erwünscht. Frankfurt a. M. macht unter allen Städten Deutschlands eine rühmliche "Ausnahme: Während hier über 100 Ehrenmitglieder dem Verein angehören tmd außerdem viele Geschenke und Legate aus dieser Stadt dem Verein zuftießen, finden sich in Mainz nur 52, in Mannheim 24, München 44, Augsburg 37, Worms 15, Karlsruhe 1, Tarmstadt 13 und in Berlin 12. Wäre es nicht heiligste Pflicht, Denjenigen beizustehen, denen das höchste .Kleinod der Eltern anvertraut ist, den deutschen jüdischen Lehrern, die in ihrer größten Mehrheit weder vom Staat noch von den Gemeinden Pensionen erhalten; sollte man ihnen nicht ihren Lebensabend erträglich machen und den bei ihren Hinterbliebenen leider oft einkehrenden Nothstand zu mildern suchend Möchten doch diese Worte Eingang finden in den Herzen aller Wohl!Hüter, an denen Israel niemals arm gewesen! * Frankfurt a. M., 28. Dez. Herr Rabb. S. Süstind aus Wiesbaden feierte jüngst hier seinen 80. Geburtstag. Ter Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, sowie auch der des „Synagogen-Gesangvereins" entsandten je 3 Mitglieder, welche dem Jubilar die Ehrengeschenke Namens der Gemeinde resp. der Vereins-Mitglieder überreichten. Herr Vorsteher S. Heß hielt eine Ansprache, welche einen tiefen Eindruck sowohl auf den Jubilar, als auch auf alle "Anwesenden ausübte. Er hob u. A. hervor, nachdem er seine Glückwünsche ausgesprochen hatte, daß sich die israelitische Kultusgemeinde, wenngleich der Jubilar nicht mehr m ihrer Mitte stehe und wirke, noch auf's Innigste mit ihm verbunden fühlte. Sein 40jähriges Wirken könne man nur vergleichen mit einer 40jährigen, glücklich durchlebten Ehegemeinschaft, in der man gemeinsam Leid und Freud getragen; ein Gut l-rne inan dann erst recht schätzen.

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