Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1892)
- Date
- 1892-01-08
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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5C, Jahrgang, ttr. 2. ^XX *' l892# Aeitage zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsl>,lnud. □ Berlin, 4. Jcuutav. In der gestrigen Sitzung der Repräsentanten-Versanlmlung theilte der Vorsitzende, Herr Justizrath Mato wer, mit, das; der Vorstand die Schenkungen der Herren Nelke und Kochetzki int Betrage von 10,000 Mark für die Altersversicherungsanstatt, sowie die Schenkung des Herrn Julius Bleichröder im Betrage von 15,000 Mark für den gleichen Zweck angenommen habe. Auf Grund des Referats des Herrn Frankel wird eine Nachforderung von 254s Mark für Pslasternngsarbeiten auf dem Friedhöfe in Weißensee angenonnnen. Für den Charlottenburger Religionsverein wurden 6500 Mark bewilligt, lieber die Frage der Erweiterung des jüdische;; Krankenhauses referirte Herr Geh. Sanitütsrath Boas, Nach den 'Ansichten der Kommission sollen von dem Grundstück Oranienburgerstraße 61 75 Quadratruthen zum Bau eines Operationssaales und einer Baracke abgetreten werden; ein zweiter Antrag verlangt von; Vorstande die 'Abtretung von 125 Quadratrutheu zum Bat; von 2 neuen Baracken. Der neue Operationssaal sei unbedingt nothweudig, da in dem jetzigen nach modernen hygienischen Grundsätzen nicht operirt werden könne, so daß Ansteckungsgefahren vorlägen. Hervorragende Autoritäten, wie Herr Professor Guttstadt und Herr Baurath Blankenstein, haben ihr Urtheil dahin abgegeben, daß der Bau eines neuen Krankenhauses mit 300 Betten, mit Einschluß der Kosten des Areals 2,260,000 Mark betragen würde. Ta die Gemeinde diese Last nicht tragen könne, sei die Kommission auf Grund des Gutachtens des Herrn Baumeisters Höniger zu der Ueberzcugung gelangt, daß 70 Quadratruthen ans dem nachbarlichen Terrain in der Oranienburgerstraße ausreichen würden zum Bau eines Operationssaales und einer Baracke mit 24 Betten. — Namens der Kommission giebt Herr Louis Sachs, zugleich als Vorstandsmitglied des Krankenhauses, eine detaillirte Schilderung der eingeengten Verhältnisse des Krankenhauses, in dem es außer dem Mangel an Betten auch an Räumlichkeiten für die Unterbringung der Wärter und des Küchenpersonals fehle. In der Poliklinik werden jährlich 6000 Patienten ohne Unterschied der Konfession behandelt, allein in absehbarer Zeit werde sich auch für das Siechenhaus, in dem sich jetzt die Poliklinik befindet, die Nothwendigkeit ergeben, diese Räumlichkeiten zurückzuver'angen. Herr Justizrath Meyer tritt den Ausführungen des Vorredners entgegen, der dem Vorstände der Gemeinde eine gewisse Engherzigkeit gegenüber der Krankenhausverwaltuug vorgeworfeu habe. Das Areal in der Oranienburgerstraße 30 werde für die Mädchenschule gebraucht, welche aus ihren jetzigen elenden Räumlichkeiten hinaus müsse. Tie Gemeinde erfülle ihre Verpflichtungen gegenüber den; Kraukenhause vollständig, zu den; Fa hreszu schuß im Vorjahre von 60,000 Mark sei in diesem Fahre noch ein Zuschuß von 6000 Mark gekommen. Durch Gemeindebeschlus; sollte eine Marimalzahl für die Aufnahme der Kranken in das jüdische Krankenhaus festgesetzt werde;;. Herr Isaak hebt demgegenüber hervor, wie schwer es sei, 'Angehörigen, die einen Schwerkranken in das Krankenhaus bringen wollen, düse Bitte abzuschlagen. Ein Wohlthäter < Kommerzienrat!) Simon) habe i 00,000 Mark zun; Bau von Baracken gestiftet. Bezüglich des Operationssaales sei eine 'Aenderung dringend nothwendig, da der Chefarzt der chirurgischen Station erklärt habe, er müßte sonst der; Operationssaal schließen, da er die Verantwortung nicht übernehmen könne. Herr Sanitätsrath Wiesenthal plaidirt für die Aufhebung der Extrazimmer und die Beseitigung des Scharlachzimmers, wodurch genügender Rann; geschafft werden könne. Ein gewiß ko;npetentes Mitglied der Krankenhausverwaltung, Herr Ni. S. Meyer, habe eine Maximalzahl von 155 Betten für ausreichend erachtet. — Die weitere Berathung über die Krankenhausfrage wird, da sich noch mehrere Redner zun; Worte gemeldet haben, auf nächsten Sonntag, Vormittag 11 Uhr, vertagt. * Berlin, 3. Fanuar. Die Annoncen-Erpedition von Rudolf Mosse feierte mit dem Beginn des neuen Fahres das Fest ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens. 'Am!. Januar 1607 war es gewesen, daß Herr Rudolf Mosse mit den denkbar kleinsten Mitteln ausgerüstet, den Grundstein zu einem Hause legte, daß sich in überraschend schneller Weise, dank der kaufmännischen Einsicht und der Energie ihres Leiters, zu einen; Welthause und zu einem achtunggebietenden Faktor für Handel;;nd Gewerbe entwickeln sollte. Die erste Begrüßung der Jubilare fand in; Geschäfts hause Jerusalemerstraße 4s— 40 statt. Entzückende Blumenspenden gingen bereits in früher Morgenstunde ein, unter diesen zeichneten sich durch besonders vollendetes Arrangement diejenigen aus, welche nebst liebenswürdigen Zuschriften Geheimrath Pindter, der Chefredakteur der „^Norddeutschen'ANgemeineu Zeitung", Herr I. Loewe, Chef der Kommanditgesellschaft Ludwig Loewe u. Cie., die National bank für Deutschland :c. gesandt hatten. Stoßweise liefen auch die Gratulations-Schreiben und Glückwunsch-Telegrarmne ein, und zu den ersteren zählten diejenigen des Oberbürgermeisters Dr. v. Forckenbeck, des Vorstehers des kaiserlichen Postzeitungsamles, Postdirektor D idde n, W o l ff' s Telegraphen-Büreau, der Stadträthe Friedet und Eberty, der Abgeordneten 'Albert Traeger, Baumbach, Professor Dr. Rudolf v. Gneist, Rickert, Hinze, Pachnicke, Dr. Witte, Holtzmann, sowie zahlreiche andere Notabel;; aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens, wie von Geheimrath Reuleaux, Professor Lazarus und Anderen. Fast alle hiesigen und zahlreiche auswärtige und ausländische Zeitungen, ohne Unterschied des Parteistandpunktes, sandten Zeichen der Theitnahme. Biele Vereine gedachten des Fubeltages, und zahlreich waren die Glückwünsche aus den Kreisen der Berliner Stadtverordneten, von Verlagsbuchhändlern und großen Geschäftshäusern rc., die seit Jahren in inniger Verbindung mit den; Hause Rudolf Mosse stehen. 'Als die Herren Rudolf und Emil Mosse die Komploirräume betraten, begrüßten Sänger des Domchors sie mit der Motette „Grüß' Dich Gott", der älteste Geschäftsführer, Herr S. Eloesser, ergriff das Wort, und indem er Naruens der Gefchöftsvorstände eine kunstvolle Votivtasel überreichte, beglückwünschte er in tiefempfundener Rede den älteren der beiden Chefs. Wiederum ertönte feierlicher Gesang des Sängerchors. 'Als die letzten 'Akkorde verklungen waren, ergriffen die Vertreter der hiesigen Beamten des Hauses Mosse, die Herren Carl Eckert und Paul Rüdiger, das Wort, um den Glückwünschen ihrer Kollegen'Ausdruck zu verleihen. Sie überreichten eine künstlerisch ausgestattete Adresse, welche auch zur Verlesung gelangte. Eine nicht ininder schön ausgestattete Adresse überreichte den Jubilare;; Herr Neustadt, Vorsteher des Filialgefchäfts in Stuttgart, namens der auswärtigen Beamten des Hauses. Endlich überbrachte Herr Waldemar Nt eper als Ehrengabe der sämmtlichen Geschäftsführer eine Geschichte des Hauses R udolf M o sse, ein typographisches Meisterstück der eigenen Buchdruckerei. Die glänzend ausgestattete, von Otto Kaungieher und Fritz Engel redigirte Festschrift schildert in Wort und Bild die Entwickelungsgeschichte der Annoncenexpedition und giebt zugleuh einen kurzen Abriß von der Entwickelung des Annoncen- und Zeitungswesens. Die Jubilare dankten tiefbewegt und gaben ihrer Freude über die zahlreichen Beweise treuer Anhänglichkeit in schlichten, zu Herzen gehenden Worten Ausdruck. Ein Schlußgesang beendete die erhebende Feier. Der zweite T heil der Festfeier fand im Privat hause des Herrn Rudolf Mosse, Leipziger Platz 15 statt. Hier hatten sich die Redakteure und Mitarbeiter der in; Verlage von Rudolf Mosse erscheinenden Blätter, sowie Verwandte und Freunde des Hauses gegen 12 Uhr versammelt. 'Als Wortführer überreichte Dr. 'Arthur Levysohu mit warmen, huinorgewürzten Worten die Festgabe der Redaktionen. Dieselbe bestand in einer von L. Manzet sinnreich und lebendig entworfenen Figur eines Druckers, der an der Presse steht und die soeben vollendete Zeitung betrachtet. Bald darauf erschien unter Vortritt des Geheimr. V i r ch o w, dem sich u. A. die Herren 'Aeltesten der Kaufmannschaft Geheimrath Frentzel, Stadtrath Koch Hann und der dirigireude Arzt der Anstalt, Doktor