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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-08 · Heft 2 (8.1.1892) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 2 (8.1.1892)
Date
1892-01-08
Page
Seite 24 (sequence 12)
Language
German
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•M „Cb sie nicht Ijrtl gesehen eine Htm nnsern Jmuknziinmcrn r sengte lut 'l'olc. „0, »ei»," nntnwetcte die Wirthin, „von Jhrrn Lniidslentru kommt nie Jemand in »nsere Wirthschaft." „So," antwortete der Pole, „ist das auch ganz gewiß?" „Ja," sagte die Wirthin, „es ist ganz gewiß." „Aber man hat mir gesagt," begann der Pole wieder, „die kleine Josepha, die wir suche», sei hier hineingegangcn." „Es ist Niemand hereingcgangen," antwortete die Wirthin. „Sagt Sie die Wahrheit V fragte der Pole. „Wenn Sie mir nicht gtanben," antwortete die Wirthin gereizt, „gehen Sie znr Polizei oder meinetivegen znm Teufel, den Ihr ja heimlich anbetet." „Hören Sie, Fran Wirthin," sagte der Pole, „ich verbitte mir solche llnverschämtheitcn!" „Ihr braucht Ench gar nichts zn verbitten," erwiederte die Wirthin, „nin's kurz zn sagen, mit Bott wie Ihr, habe ich'S nicht gern zn thn». Am liebsten ist niir'S, Ihr geht da hinaus, tvo der Zimmerinann das Loch gelassen hat." Wiithend sprangen die Polen auf, schimpften und fluchten in ihrer Sprache, aber da die Ossenbacher Bürger, sofort als der Zank sich znspitzte, eine drohende Haltung einnahmen, zogen sie es vor. das Feld z» räumen. „Was war denn das für eine Geschichte?" fragte Herr Bcrnard. „Was wollten die Galgcngesichter in der Wirthschast, wo nur anständige Leute verkehren?" „Nur nicht so eilig, Onkel Bernard," sagte die Wirthin. „Ich bin noch ganz außer mir. Ich habe mich so über die Kerle geärgert und bin seit einigen Stunden derart in Aufregung, daß ich am ganzen Leibe zittere." „Nun faßt Ench," sagte Herr Andrö, „da seht Euch zn »ns und trinkt erst selbst einmal einen Schluck von Eurer Arznei." Tie Wirthin trank. Sie erholte sich allmälig, und als sie wieder leichter athmete, begann sie: „Meine Herren," ries sie, „es geht nicht zn mit rechten Dingen, es gehen schreckliche Sache» in unserem alten Schlosse vor." „Wieso?" fragten die drei Bürger. „Ich weis; es nicht," antwortete die Wirthin. „Ich kann mich nicht recht ausdrücken. Mir gehen so viele Tinge im Kopf herum, daß ich darüber ganz verwirrt lverde." „So, nun fassen Sie sich," meinte Onkel Bernard. „Nach und nach wird Ihnen schon Alles cinfallen." kJortsetznng folgt.) d Prolog vor der Tvoicr zum Besten der Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte, deren Wittwen und Waisen in Deutschland. Bon Dr. Bl. Lev in. ^^.allellljah! tönt es aus erregter Seele — Es steht der Sänger vor der heiligen Lade; Hallelujah! dringet es ans voller Kehle, O lobet Gott, den Herrn der Huld und Gnade! Befreit das Herz, das; es kein Eifer quäle. Und gebt anheim ihm eures Lebens Pfade: Ihr werdet niemals all’ die Treu vergelten — Ihr könnt nnr dienen ihn;, dem Herrn der Welten! Das Gotteshaus wird jetzt zur Friedenshütte, Ein Jeder fühlt, das; er das Heit erlange. Es thront der Herr im Volke unter Liedern, Und Segensgrüße hört man nur erwiedern. Und wie der Sänger anspornt die Gemeinde, So mahnt der Lehrer seine Kinderschaaren: Ihr seid die Kämpfer gegen Gottes Feinde, Ter lXnfcl)u!b Hauch besieget die Gefahren, Und froh verkündet ihr als Gottes Freunde, Wie Lieb' und Treu' vor allein Leid bewahren — Cb auch die Himmel Gottes Ruhm erzählen. Kann doch die Seele nur sich Gott vermählen. Aus jugendlicher; Herzen leimen Saaten, Die, mit Geduld gepfleget, trefflich blühen: Mit weiser Sorgfalt, ohne Trug berathen. Sieht nran sie für die Ideale glühen. Es komnrt ein neu Geschlecht zu großen Thaten, Die das Werl der Alten mrrthig vorwärts zieherr. In; Schoos; der Jugend ruhn die neuer; Zeiten, Die Schule will die Zrrkunft vorbereiten. Doch fragt ihr nach dem Loose der Gestalten, Die dem Lehr- und Gotteshaus ihr Leben weihe;;? Ihr rühmt sie wohl, wenn sie des Arntes walten. Wenn ihre Werke segensreich gedeihen. Doch das; die Freudigkeit nicht;nag erkalten. Wenn Freuden flieh';; aus ihren Reihen — Fragt ihr danach, ob nicht des Kummers Bürde Ertödtend niederdrückt auf Amt und Würde? Fragt ihr danach, ob sich die Blicke senken. Wenn sie auf ihre eignen Kleinen schauen? Wenn ihnen, die zu schöner Zukunft lenken. Zu eigner Zukunft schwindet das Vertrauen? Wie sie verstört, wenn sie das Loos bedenken, Das Loos der stillen, rastlos rühr'gen Frauen? Sie wollen Klagen vor der Welt verschließen, Cb auch die Herzen in Wehmuth überfließen. Wer möchte all das Leid, die Sorgen nialen. Wenn des Hauses Hangt der schweren Last erlegen? Tie armen Wittwen in ihren Seelenqualen! Die armen Waisen auf verlassenen Wegen! Die Welt will ihnen nicht n;ehr freundlich strahlen, Unb nach der Hilfe blicken sie verlegen. Sie schreien auf, sie rufen an den Vater, In Angst und Roth den treulichen Berather. Wir haben denn uns hier bereit gefunden Zu schönem Thun, geselligen; Beginnen; "Als Antwort dienen diese. Festesstunden, Die heut uns für die Würdigen gewinnen. Der Tag bezeuge, wie sie uns verbunden. Die biedern Wächter auf der Menschheit Zinnen. Ein Seelenhauch durchwehet diese Kreise, Den Unermüdlichen zum Ruhm und Preise. Denn nicht blos Gaben wollen wir hier spenden — Die uns erfreut, wir wollen sie erfreuen! Mehr gilt, als was entströmt den milden Händen, Wenn wir den Muth der Wackeren erneuen. Wohlan! mit Dank beginnen und;nit Dank beenden! Das sei des Festes Loosung für die Treuen. Das Fest beginnt: was seine Stimmen schallen — Hell sull's in unfern Herzen wiederhallen! So ruft der Sänger in des Volkes Mitte, Begeistert weckt er es zu höher;;; Drange — Da schallt im Ehore jubelnd statt der Bitte Die Huldigung des Herrn im Lobgesange; Druck und Verlag von Rudolf Blosse in Berlin Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwist in Berlin.

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