Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1892)
- Date
- 1892-01-08
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
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ItHiffiT gelanchics Brod, c§ war dies dir Borkost. Jeder tauchte sein Stückchen Brod in das vor ihm stehende Gefast mit Wasser und sprach darüber den vorgeschriebenc» Segensspruch. Ich sagte schon, daß dies nicht blos Gourmandise war, denn der Hauptgrund dafür ist eigentlich darin zu suchen, dgst das Brod unserer Staunnväter hart war, so hart, dast es nur gebrochen und nicht geschnitten wurde; so sagt der Prophet" Jesaias (K. 58, 7st, „Brich dein Hungrigen dein Brod". In diesem Falle diente das SHwjlsser also zur Ausweichung desselben. Immerhin spielte cs auch sonst eine große Rolle; so diente es zum heilbringenden Bade für Neugeborene. Manchmal wurde cs auch als Dessert (Berachvt 40) angcwendet. Mit dem Brode haben wir auch schon einen Hanptbcstandtheil der hebräischen Mahlzeit genannt. W mußte als solches genossen werden, weshalb sich auch der Segenssprnch ans das Brod selbst bezieht. Man durfte nichts dazuthnn, wir' würden e-s heute ein „sehr unbclegtcs Brödchen" nennen. Auch als Backwerk war es nicht zulässig, überhaupt galt (nach S. Spitzer „Das Mahl bei den Hebräern", Preßberg 1877, p. 17) bei jeder Speise, die mit Brod genossen wurde, jene nur als Zuthat zu diesem. Es sollte außerdem an das „Brod der Wüste", an das Manna erinnern. Wie sehr diese Einfachheit gegen die Schwelgerei-Her römischen Gastmahle absticht, beweist der Umstand, daß die Römer sich des Brvdes nur als Mittel bedienten, nm damit die Speisen selbst anfznnehnicn und zum Munde zu führen; wenn die Stücke ihren Zweck erreicht hatten, wurden sie einfach unter den Tisch geworfen, während es bei den Hebräern ausdrücklich verboten war, auch nur Brodkrnmcn zu Boden fallen zu lassen, weil das von Berachtung des Segen Gottes zeuge. (Erubin 04.) Den zweiten und Hauptthcil des Menus bilden, da die Schildkrötensuppe wcgfüllt, Fleischspeisen. Vornehmlich in Form von Ziegen-, Lamm- und Kalbsbraten, dabei galt der letztere schon als besondere Delikateste. Merkwürdigerweise genossen sie nur sehr selten Rindfleisch. Weder Brat-, noch Backhuhn, keinen Gänsebraten, kein Rebhuhn und keine Tauben wies das Bien» der alten Juden auf. Dast das Geflügel nur ausnahmsweise als Gericht in Betracht kam, können ivir schon aus dem Umstand ersehen, dast den Juden in der Wüste Wachteln geboten werden, als sie ihre Speisekarte zu monoton fanden. Zugleich werden wir bei demselben Anlässe mit dem Gemüse, welches nach ihrem Geschmack war, bekannt gemacht, denn cs heißt: (4. B. M. 11, 5) „Wir gedenken der Fische, die wir in Acgtzpten umsonst asten und der Kürbis, Melonen, Lauchs (Schnittlauch?), Zwiebeln und Knoblauch". Damit ist die vegetabilische Kost der Hebräer noch nicht erschöpft. Ta ich schon früher (in Rr. 20 der A. Z. d. I. 1891) gelegentlich der Besprechung der in der Bibel erwähnten Pflanzen die in dieser Richtung nutzbaren gekennzeichnet habe, kann ich mich hier auf die Fleischspeisen beschränken. Tie geringe Abwechslung, welche die Fleischkarte der damaligen Zeit bietet, lvird bedingt durch die Speisegesetze, und selbst hier dann noch durch das tveit ausgedehnte Verbot: „Koche kein Zicklein in der Milch seiner Mutter." wonach also auch die Zubereitung jeglichen Fleisches mit Butter ausgeschlossen war. Krebse sind nach den Speisegesetzen verboten, waren auch wahrscheinlich gar nicht vertreten, hingegen werden wohl verschiedene Fische zubcreitct worden sein. Im See Gcnezarcth leben heute 40 verschiedene Fischarten. Auch über das Alter des zu schlachtenden Thieres durfte man sich nicht hinwegsetzen. Während wir sorgsam darauf achten, dast der Kalbsbraten nicht zu alt sei, mußte man in biblischer Zeit auf das Gcgentheil bedacht sein! Wenn das Rindfleisch an und für sich schon seltener auf die Tafel kam, sy gab es Beefsteak überhaupt niemals, aber auch kein Kalbssteak, denn dagegen spricht das Verbot, das Fleisch in seinem Blute zu kochen, „denn das Blut ist das Leben". Da? englische Frühstück war überhaupt ausgeschlossen, da der Morgeniinbis; meist aus Brod bestand. * Bedauernd mag der Gourmand von heule auf jene magern Tafeln zurücksehen, denn, liorribile diclu, es gab auch keine Gänseleberpastete! Ich sagte schon, dast Geflügel überhaupt wenig genossen wurde, und da es auch verboten war, irgend welche Krankheitserjchciuungen in den Dienst des lockeren Gaumens ,zn ziehen, hätte man auch keine Gänse oder Enten mästen können, tvodnrch sich bekanntlich erst der krankhafte Zustand der Lcbervergröstcrung zu (Künsten unserer Feinschmecker von heute eiustcllt. Wenn es noch einen drittel: Gang gab, wahrscheinlich war das erst in nachbiblischcr Zeit der Fall, so bestand er nicht in Torte», nicht einmal in Omeletten, sondern in Oliven, die in Salz eingelegt waren, in Rettig und Lattich (Salat). Hierin waren unsere Urahnen wiederum sehr praktisch, weil diese Dinge die Verdauung befördern. Jedenfalls gehört ein solcher Nachtisch schon zu einer reichbesetzten Tafel; so heißt cs von Rabbi Jchuda, der ein nach damaligen Begriffen großes Menu liebte: „Rettig m:d Lattich durften da nie fehlen, wie es bei der Tafel des Antoninns Pins der Fall gewesen sein soll." (Moed Katan 11, nach Spitzer I. c.) Später ist zum Dessert auch Honig und ein daraus bereiteter Lebkuchen gekommen, dies war jedoch dem Einflüsse römischer Feinschmeckerei znzuschreiben. Die Geschenke, welche die schöne Abigail dem König David macht, geben uns ein Bild des gesammte» Inventars einer Delikatessenhandlung von damals und damit zugleich ein Summarium aller kulinarischen Gcnüsse jener Zeit; cs sind das Brod, Wein, Roggen, Gerste, Bichl, Bohnen, Linse», Erbsen, Rosine» und Feigeuhouig, Butter und Ocl, dann Schafe, Ochsen und fette Kälber (k. und 11. Sam.). Ter damalige Wein >var nicht einmal „beinahe Sekt", trotzdem „erfreute er das Herz der Menschen", offenbar war dieses bei unser» Stammvätern leichter zu bewerkstelligen als bei ihren Epigonen. Der Wein durfte nur nach Maßgabe des Durstes genossen werden. Als Beweis, wie wenig das Kneipen zn den Leidenschaften der Hebräer gehörte, mag dienen, dast der Wein an und für sich schon als ein Nahrungsmittel betrachtet wurde, er ersetzt oft die Stelle des Fleisches, so dast das ganze Menu aus Brod und Wein bestand, klebrigcns war der Wein durchaus nicht das gelvöhnliche Getränt, sondern es bildete einen Bcstandtheil des Festmahles oder des Mahles zu Ehren eines Gastes. Sonst hielten sich unsere Alten auch au das Wort PiudarS: „das Wasser ist das beste" der Getränte. Gewöhnlich lvurde beim Mahle außer Wasser noch Milch kredenzt. A:>f die Weise war es möglich, bei so einfachen Mitteln dennoch über Rieseninnskcln zu verfüge», >vie wir das bei Simson scheu. Jedenfalls eine beredte Propaganda für unsere Mästigkeitsvcrcine! Mahlzeiten mit den geschilderten drei (Köngen und Wein waren Fest- und Gastmählcr. Tie zur ersten Gattung gehörenden Mahlzeiten an den gebotenen Festtagen hatten jede ihr eigenes Gepräge, bedingt durch die Art des Festes; so lvird sich das des Laubhüttenfestcs von demjenigen des Wochcnfcstcs »nterschiedcu haben. Und wie eigenartig ist nicht das Abendmahl des Passafestes, freilich ist dies zum Thcil auch Sicgesfest — das erste Siegesfest des jüdischen Volkes — und auch bei diesem finden wir im Wesentlichen jene drei Gänge vertreten, Brod, in Form des ungesäuerteu, Fleisch vom Lamm und bittere Kräuter. Ein anderes Siegesfest feiern die Israeliten, nachdem sic den Jordan unter der Führung Josuas überschritten, bei Gilgal. Bei Sissera wurde das Mahl durch den Siegesgejang Teborahs gewürzt. Bei Silo ging es auch hoch her, denn sonst Hütten die Jünglinge . us dem Stamme Benjainiu nicht Gelegenheit gehabt, dabei den Raub der Jungfrauen in Szene zll setzen, in welch gcwaltthütiger Werbung die Römer ihnen ebenbürtig zur Seile stehen.