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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-08 · Heft 2 (8.1.1892) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 2 (8.1.1892)
Date
1892-01-08
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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IG edjit'ibimiiet'idlicii, bic Personen und Ortsnamen, dic Ortho- und Kalligraphie hcrhalten mußte», um mit der rigorosesten Peinlichkeit Alles zu stipulircn, was die Vornahme einer Ehescheidung zn erschweren vermochte. Rabbi Gersvn, die Leuchte der Diaspora, präsidirte einer Synode in Worms <1040—1070), in welcher die erzwungene Ehescheidung selbst von Seiten der Frau untersagt wurde. Rabbi Jjak bcn Mose aus Wien (1240—1270) erklärte den Scheidebrief für nugiltig, selbst wenn nur der obere Strich beim •> fehlte, (pinn nenn Br. 20'». Jsserlein aus Viarburg lgcst. 1470) hat in seinem oben angeführten Werke mehrere Response» und Entscheidungen, welche ähnliche kalligraphische Subtilitätcn und Varianten in den Namensbeschrei' billigen betreffen. Jntcressaut für dic österreichische» nationalen Verhältnisse mag sein, zu erwühueu, daß Jsserlein ailch der böhmischen Namensschreibnng die entsprechende Würdigung augedcihen läßt. Am weitestgehenden sind dic von R. Jacob Halevi aus Worms (gcst. 1427) bei Ehescheidungen getroffenen Verfügungen. Von besonderem Interesse ist cs, von 8k. Jacob Halevi zu erfahren, daß in de» Gemeinden Speicr, Worms, Mainz die Einrichtung bestand, daß zur Vornahme einer Ehescheidung in einer der genannten dic Zustimmung aller drei Gemeilidcn cingeholt iverden mußte. Es geschah dies ans Erschwerungsrücksichten, damit eventuell die Ehescheidung ganz unterbleibe. In der That konstatirt R. Jacob Halev, daß in einem Falle infolge dieser Erschwerung die Scheidung der Eheleute unterblieben ist. (Maharil S. 68 ff.) Diese Erschwerung kam in Wegfall, wenn die Ehescheidung auf Grund eines erhobenen Ehebruches unabweisbar war. (a. a. -C.) Tie minutiöse Genauigkeit dieses Rabbiners bezüglich der Beobachtung der entsprechende» Vorschriften ging so weit, daß er einen Schcidcbrief für »»brauchbar erklärte, weil derselbe auf der Haar- »lid nicht ailf der inneren Seite des Pergaments geschrieben war (ebenda). Itebcrhailpt ist es ein ehrendes Zeugnis; für das ehrliche Streben dieses Rabbiners, dilrch ins Extreme gehende Forderungen das Möglichste zu thnn, um nicht zu trennen, „was Gott vereint hat". Dieser fromme Mann hat nie auch nur einen Pfennig für die Vornahme des Schcidungsaktes für sich in Anspruch genommen; lediglich der Sofcr erhielt einen, der Genicindcdiener einen halben und jeder Zeuge einen Viertelgnlden (ebenda). Dic Veurtheillliig dieses Mannes in Leopold L öw's „Graphische Regnisiten und Erzeugnisse bei den Juden" S. 105 ist keine zutreffende; >ver dic Freude wahrnimmt, welche derselbe darüber empfindet, daß dic Erschwerungen dazu geführt haben, eine Scheidung hiuanznhalteu, kann demselben nur die edelsten Absichten unterlegen. Angesichts der nicht genug zu beklagende» Erscheinung, das; gegenwärtig Ehescheidungen nicht zu den Seltenheiten zählen, ma, es auch für uns an der Zeit sei», dieser Frage näher zn treten. Ist kein Ausdruck stark genug, um diejenigen zu stigmatisiren, welche aus Ehrgeiz, Eitelkeit, Eigennutz, Frivolität oder auch Feigheit leichten Sinus den Glauben ihrer Väter preisgeben, so muß cs die niederschmetterndste Verurtheilung erfahren, »venu an der Sänke des jüdischen Lebens, an der Heiligkeit der Ehe, freventlich gerüttelt wird. Ilrtheile man nur objektiv: es können einzelne Zweige fallen, ohne daß dadurch die Existenz des Baumes selbst gefährdet wird, kann aber der Baum noch ferner sich aufrecht halten, wenn die Axt an den Stamm gelegt wird? Wie Jeder das Seinige, um Abhilfe zu schaffen! Die erste und vornehmste "Aufgabe fallt der Kanzel zu. Von ihr herab kann nicht oft und eindringlich genug von den Segnungen der Ehe, von der Beselignug ansprnchlosen Familienlebens gepredigt werden. Was sind auch rauschende Gewänder, prunkende Gemächer, glitzernde Geschmeide, gesellschaftliche Zerstreuungen gegenüber dem duftenden Hauche ehelichen Glückes, der anlnuthendeii Einfachheit eines stillen Heims, dem Zauber der Unterhaltung am häuslichen Herde! „Nur das eheliche Zusammenleben gewährt Seelenbefriedigung." (Sanhedrin 22a.) Den Rabbinern als den Hanptfunltionüren bei Ehescheidungen liegt es ob, in erster Linie die Versahnngsversuche mit dem vollsten Ernste ihrer Bedeutung wiederholt und abermals gewissenhaft vorzunehmen, und dann die weitestgehende Rigorosität rücksichtlich des Scheidungsaktes selbst walten zu lassen. Ist ja die Möglichkeit vorhanden, daß hiedurch Ucbcrlegnng und Besonnenheit in die Gemüther der Eheleute einkehren und dieselben sich wieder zusammen finden werden. Auch den Gemeindevorständen ist hierin ein wesentlicher Einfluß geboten. Wenn auch hervorragende rabbinische Autoritäten cs in der schärfsten Weise verurtheilten, die Vornahme von Ehescheidungen zu einer Quelle von Einnahmen z» machen, so muß doch den Verhältnissen und Anschauungen der heutigen Zeit 8tcchnnng getragen und für die bei dem Schcidungsatte beschäftigten Funktionäre eine entsprechende Taxe bestimmt werden. Dagegen müßte man cs mit aller Entschiedenheit pcrhorresciren, daß die Vornahme von Ehescheidungen, zum „Grabscheit gemacht werde, um damit zn graben". Welcher Art könnten die Versöhnungsvcrsuche, die (E. H.) vorgeschriebene Hinhaltung der Scheidung sein, wenn ein pekuniäres Interesse hiebei mit im Spiele wäre? Darf etwa Christiani recht behalten, wenn er schreibt: „daß inan dem Rabbi nur dic Hand schmieren darf, um bald zur verlangten Ehescheidung um geringer Ursache willen komme» zn können"? (Paul Christian Kirschner, „Jüdisches Zereuiouiell" S. 101, Auin.i Gin althebräisches Mahl. Bon Tr. Ludwig 5carpeles. Dic Bemerkung, daß Einiges bei unser» reichen Diners an das einfache Mahl unserer Altvordern erinnert, klingt nicht sehr wahrscheinlich; eines haben sie aber trotzdem gemeinsam, was freilich den Gegenstand selbst weniger berührt — cs ist die E i n l a d n n g zum Essen. Die Uebereinstimmung war hier nicht schiver zn finden, denn „einfach" ist bei unseren Diners und Soupers nichts geblieben, als eben die Einladung dazu. Ich möchte fast sagen, daß die Grüße und die Reichhaltigkeit der Tafel zu der Form jener im umgekehrten Verhältnisse steht. Heute wird man zu Tische, wo Austern, Fasanen, Lachsforellen, Gänseleberpastete, „Berge von Eis" und „Bäche von Sekt" ein „einfaches bürgerliches Mittagsessen" ausmachen, als zu „einem Löffel Suppe" geladen. Hierin nun sind wir unbewußt noch, oder vielmehr wieder „alt", denn in der Bibel wurde mau zu einer Mahlzeit eingeladcu,;un mit Jemandem „B ro d zu c ssc n." Nehmen wir einmal die letztere Aufforderung an, obwohl die erstcrc zuversichtlich die verlockendere ist! Caviar als Entree giebt cs nicht. Jene biedern Alten brachten eben zu Tische schon den göttlichen Caviar des natürlichen Appetits mit, sie brauchten keine Reizmittel. Wo dennoch solche angcwendet iverden, scheinen sie mehr im Herkommen zu liegen als im Bedarf. Em solches Mittel war in Salz-

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