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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Freunde, Dr. Pogrebinsky Nmneus der Balnevlogischen Gesellschaft, Rechtsanwalt Morglllies im Namen des Palästina-Vereins, Dr. Zenkowsky im Aufträge des städtischen Findelhauses, Dr. Schaposchnikow sprach in begeisterter Weise im Namen des Judenthnms. Hierauf hoben seine Kollegen den reich bekränzten Sarg und trugen denselben ans Händen bis zum Friedhofe. Dort angelangt, sprachen noch der Dajan Stouscht und der Rechtsanwalt Belkowsky; Ersterer nn Namen der Palästina-Gesellschaft: Letzterer charatterisirte deul Tahingeschiedenen als den Schöpfer der neuen Nichtluig unter den Juden in Rußland, denen eine glänzende Zukunft gehört. — Wir betrauern in den Dahingeschiedenen einen wahrhaft edlen Menschen und einen jüdischen Patrioten seltener Art! — Wenn wir einen Blick auf die Verluste in unserer Gemeinde, die wir in der kurzen Spanne Zeit des letzten Jahres erlitten haben, werfen, so beschleicht es uns mit tiefer Wehmuth, wahrzunehmen, daß nur ein kleines Häuflein charakterfester Menschen zurückgeblieben ist! Tahin ist der treffliche gelehrte Tr. Nathan Bernstein, weiland Dozent an der hiesigen Neurussischen Universität, der würdige Nachkomme des berühmten Rabbi Akiba Eger: der wackere, edle und ideale Rechtsanwalt Abraham Ochs, und nun ist uns der hochgeachtete, bescheidene Denker itnb Mensch Tr. Pinsker entrissen! — Ja, die Reihe der trefflichen Männer in Israel hat sich in letzter Zeit stark gelichtet: die Lücken sind unausfüllbar! Der Hintritt des trefflichen Dr. Pinsker, des wackern Kämpfers für Israels Ehre, hat in uns traurige Gedanken erweckt. Möge ihnl die Erde leicht sein und möge die jüngere Generation in seinen Fußstapfen wandeln! Türkei.! i <1. .Konstantinopel, 18. Dezember. iAach der Expedition von circa! 700 Faunlien nach Argentinien sind hier zusammen mit den und) in beu! letzten 0 Wochen hier angelangten russisch-jüdischen Flüchtlingen gegen 800 Familien vorhanden, die den weiteren Dispositionen des von Baron Hirsch hier eingesetzten Komitees entgegensehen. Die meisten unter den noch in Rustland heimathberechtigten freiwilligen Auswanderern werden nun mit Rückreisespesen versehen und über Odessa in ihre Heimath zurückbefördert, Andere, die sich hier durch Ausübung eines Handwerkes oder durch Kleinhandel forthelfeu wollen — es sind derer jetzt 150 Familien — haben eine einmalige Unterstützung erhalten, die sich nachher Kopfzahl aus -io bis loo Mk. pro Familie beläuft. Ungefähr 250 Familien, die körperlich eine gewisse Elite bilden, sind für Nordamerika bestimmt worden, wohin sie schon in den nächsten Tagen abgehen werden. Eine Hanptschwierigkeit bildet bis jetzt die Unterbringung von Hoo Familien, die zum allergrößten Theil ans türkischen Unterthnnen uub insgesammt aus Ausländern bestehend, nicht inehr nach Rußland zurückkehren dürfen, aber auch andererseits aus vielfachen Gründen für eine Unterbringung in einer überseeischen Kolonie nicht geeignet sind. Dank der wahrhaft reichlichen Fürsorge des Sultans, der seinem Volke ohne Unterschied des Glaubens in jeder Nothlage aushilft, ist nun auch für diese letzte Kategorie, insofern es sich um türkische Unterthanen handelt, Hilfe in 'Aussicht. Auf ein diesbezügliches Gesuch ist vorgestern die ständige Kommission für Unterbringung der Mnhadjire nnuhamedanische Flüchtlinge) angewiesen worden, auch die ji'ldischen Unterthanen als ihre Schutzbefohlenen zu betrachten, denselben Land anznbieten und sie mit den nöthigen Ackerbangeräthen k. nusznstatten. Wie ich auf Erkundigungen an betreffender Stelle weiter erfahren habe, dürften sie, soweit noch daselbst Land zu vergeben ist, in der Nähe von Brussa, oder aber in der Umgegend von Smyrna angesiedelt werden. Freilich wird es dann immerhin noch Sache des Baron Hirsch oder eines andern Hilfskomitees sein, die unten Ansiedler noch mit manchem zu versehen, das bei der primitiven Ausstattung von Seiten des Ntnhadjir Komitees ihnen wohl noch fehlen dürste. O Von Nah und Fern. Der Verein zur Unterstützung der ackerbautreibenden Inden in Palästina und Syrien „Esra" veranstaltete am Sonntag den 27. Tezbr. tut großen Saale des Architektenhanses, Wilhelmstraße, eine Ehanukahseier. — Ter Landrichter Eichelbaum und Dr. Gumhin ner sind zu Landgerichtsrätheu, Amtsrichter Bamberger zum Amtsgerichtsrath befördert worden. — Den Aerzten Dr. Josef Breslauer in Ratibor und Gustav Böhm zu Langenschwalbach wurde der Charakter als Sanitätsrath verliehen. — In der „Staatsbürgers." finden wir die nachstehende, etwas geheimnißvoll klingende Anzeige: „Deutsche Gesellschaft zur Verbreitung des Antisemitismus im Osten des Vaterlandes. Unseren Vertrauensmännern zur Nachricht, daß wir unsere Arbeit mit dem Januar 1802 beginnen. Zuschriften sind an den provisorischen Geschäftsführer Nt. v. Nassau, Berlin N., Brunnenstraße 90, III., zu richten. Mitglieder werden keine mehr ausgenommen." — Der Verein zur Förderung des Gartenbau- und Handfertigkeitsunterrichts in der jüdischen Volksschule zu Hannover hat seinen vierten Jahresbericht erscheinen lassen, welcher erfreuliche Resultate aufweist. — In Frankfurt a. M. fand am 28. Dezbr. unter zahlreicher Betheiligung geladener Gäste die Einweihung des neuen Schulg e b ä u d e s der „Israelitischen Volksschule" statt. — Die „Flensb. Nachr." schreiben aus Hamburg: Mit einer seltenen Dreistigkeit ist von einem „Komitee von Freunden" des Hofpredigers a. D. Adolf Stöcker ein Cirkular an Hamburger liberale Pastoren und Gegner Stöckers gesandt worden mit der Bitte, durch eine Kollekte die Mittel zusammenzubringen, um in Berlin einen Predigtsaal für Stöcker zum Kostenpreise voll 100,000 M. zu erbauen. Eiller der Prediger sandte das Cirkular mit dem Belnerken zurück: „Eill Schürer des Rassenhasses kann kein Apostel der Barmherzigkeit sein!" — In München ist nach langem, schmerzensreichem Leiden Frau Louise von Hirsch-Gereuth, eine Schwester des Baron Max von Hirsch, verschieden. — Ihr Adelsjubiläum beging am 19. Dezember die Wiener Familie von Werk he imstein. Am 19. Dezember 1791 wurde nämlich der Wiener Bürger Josef Wertheimstein in Wiirdigung der Verdienste, die er sich um das öffentliche Wohl erworben, vom Kaiser Leopold II. ill den Adelstand erhoben und ihm das Recht verliehen, sich in Hinkunft Edler von Wertheimstein zu nellnen. Der damals Ausgezeichnete war der Urgroßvater der jetzt lebenden Stammhalter der Familie. Der Kaiser von Oesterreich hat dem Komitee, welches zur Erbauung einer polnisch-jüdischen Synagoge in Wien eine Lotterie veranstaltet, als ersten Hauptgewinn ein silbernes, reich verziertes Kaffee-Service gespendet. — Wie die „Oesterr. Wochenschau" wissen will, hat Herr von Hammerstein, der Redakteur der „Kreuzzeitung", genleinsaln mit Herrn A hl war dt den Wiener Antisemiten seinen Besuch abgestattet. — In den Korrespondenzen des Marquis von Morrös sind Briefe von österreichischen Antisemiten gefunden worden. — Während der letzten Feiertage gingen in den Pariser Synagogen 128,000 Fr. für wohlthätige Zwecke ein — Die „Gazzetta di Venezia" veröffentlicht die erste Liste der eingegangenen Spenden für unbeschäftigte Arme uub macht dazu die Bemerkung, daß die meisten Spender Israeliten sind und die größten Spenden von Israeliten herrühren. Unter den eingelaufenen 2755 Lire sind 2100 Lire von Israeliten g.spendet worden. — In Mailand hat Herr P. N. Loria 100,000 Lire gewidmet, um diejenigen zu fördern, welche sich durch eigene 'Arbeit emporhelfen wollen, derselbe hat auch vor einigen Jahren der israelitischen Allianz in Paris 100,000 Lire geschenkt. — In Turin wurde ein Preis von 400 Lire für einen italienischen Roman ausgeschrieben, den Professor August Foa in Parma erhalten hat. — Herr Jona Otto len g hi in Aqui hat 200,000 Lire zur Errichtung eines Armenasyls gespendet. Das dortige Kinderasyl (ein katholisches) wird größtentheils durch die Munificenz dieses Philantropen erhalten. — Am 14. November fand in Tetuan die Grundsteinlegung eines großen Gebäudes statt, welches das Central-Komitee der Alliance dort errichten liest, um die beiden Alliance - schulen unterzubringen. Die Feier war eine sehr imposante. Die Herren Haim Benchimol und Isaak Nahon, Präsident und Vicepräsident der Hunta zu Tanger, und Herr Ribi, früherer Direktor an der Schicke zu Tetuan, jetzt Direktor an der Schule 31t Tanger, hatten sich eingefunden, um an dem Feste theilzunehmen. Außerdem waren zugegen: die europäischen Konsularagenten, die Notablln der Gemeinde, die Lehrerschaft und die Zöglinge der Schulen. Druck und Verlag von Rudolf Mo Ne in Berlin. Verantwortlich für dle Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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