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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 welchem er als Mensch gegen Gott, als Vater gegen den Sohn steht, nicht unter, aber es gehen ihm die Augen auf, und in der rückhaltlosen Anerkennung der durch ihn und dennoch gegen ihn herbeigeführten Wendung entfaltet sich seine Persönlichkeit in ihrer ganzen sittlichen Erhabenheit, in der Vollbringung der größten Heldenhat, der Selbstüberwindung. Nur einen Augenblick wallt es in ihm auf, und er fragt, wer es gewesen sei, den er gesegnet, aber ohne die Antwort abzuwarten — denn er übersieht den ganzen Vorgang — entscheidet er sich kurz: „Er wird auch gesegnet bleiben". Damit hat Jsak das göttliche Recht, lvie das Recht des Sohnes anerkannt und sein Unrecht gesühnt. Die Bibel aber, welche, wie gesagt, nicht nrtheilt, sondern blos schildert, hat uns diesen Vorgang aus der Urzeit aufbewahrt, um uns zum Nachdenken anzuregen über die Grenzen, welche dem Menschen Gott gegenüber und den Eltern ihren Kindern gegenüber gezogen sind, Grenzen, welche selbst die Besten und Edelsten zu überschreiten Gefahr laufen, — wenn sie blind sind. Wir SprachverLerber. Bon Heinrich Simon. Wie es der Jude im einzelnen anfängt, um die deutsche Sprache zu verderben, darüber predigt W u st mann gar erbaulich folgendermaßen (S. 19): „Wo zwei Redensarten mit einander vermengt werden können, da vermengt er sie, er ist ja der geborne Wippchen; aber auch wo zwei Konstruktionen verwirrt, ja zwei einfache Wörter verwechselt werden können, verwirrt und verwechselt er sie. Ist er doch viel zu eitel, als daß er nicht mit Vorliebe gerade zu solchen Bildern, Wendungen und Wörtern griffe, mit denen er — am wenigsten umzugehen weiß. Er erzählt nicht blos kaltlächend, daß irgend einem das Laudstreichen zur zweiten Gewohnheit geworden sei, er schreibt auch: Die Frage wirft sich (!) auf oder: damit (!) wollen wir kein Aufhebens machen, spricht von einem Dichter, der n a ch (!) dem Lorbeer des Tragikers heischt^) (statt geizt), braucht v v r a nschreiten, wo er f o r t schreiten meint u. s. w. Zwischen Wörtern wie sichtlich und sichtbar lernt er nie unterscheiden (er schreibt: mit sichtbarer (!) Freude), noch weniger lernt er jemals nachfühlen, was h e i m l i ch und h e i in i s ch bedeutet (er fühlte sich in seiner Umgebung nicht heimli ch — schreibt er). Für s i l b e r n e Hochzeit zu sagen Silberhochzeit — darauf kann zum erstenmale nur ein Jude verfallen sein. Aber auch gegen die elementarsten Regeln der Grammatik verstößt er, er schreibt: warnen gegen lstatt vor) etwas, erklären als (statt für) etwas, und er vor allen ist es, der, wo er als Fremder den reichen Wortschatz unsrer Sprache nicht beherrscht, sofort mit überflüssigen, falschen und häßlichen Neubildungen bei der Hand ist, die ihm der Deutsche dann i gedankenlos nachbraucht. Ein großer Theil unsers heutigen Sprachj unraths geht ausschließlich auf das Judendentsch der Berliner und der! Wiener Tagespresse zurück." Das Merkwürdigste an dieser Zusammenstellung ist der klmstaud, daß auch nicht einmal der Versuch gemacht wird, zu beweisen, die Urheber der vorgeführten Sprachdummheiten seien Juden gewesen. Den einzigen Anhalt giebt die schon früher angeführte Bemerkung! Wustmanns, daß ein großer Theil der Zeitungen von Juden ge-! schrieben werde. Auf welche Weise nun Wustmann einem Zeitungs-; 31 Wohl nur ein Druckfehler. Ji» Manuskript des angeblichen Juden hieß es verniuthlich hascht. artikel ansieht, daß gerade er jüdischen Ursprungs sei, das ist sein Geheimniß. Doch nein, er hat ja ein allgemeines Merkmal: Der Jude ist der geborene Wippchen — nur schade, daß hierfür wieder der Beweis fehlt. Zweifellos ist die Vermengung zweier Redensarten ein Fehler, der besonders denr Zeitungsschreiber in der Eile häufig passirt. Es trifft sich aber komisch, daß derjenige Schriftsteller, der unfern Blick gerade auf diesen Unfug gelenkt und uns den Sinn dafür in wirksamster Weise geschärft hat, daß eben der Erfinder der köstlichen Figur des Wippchen selber ein Jude ist, dessen Sprachgefühl doch wohl besonders lebhaften Anstoß an jener Verwirrung genommen haben muß. Wie aber, wenn es in Deutschland schon Wippchen gegeben hätte, als an jüdische Zeitungsschreiber noch gar nicht zu denken war? Kann man sich reineren Wippchenstil denken, als den Ausdruck der Zeiger schlägt? So muß aber vor zweihundert Jahren im engeren Vaterlande Wustmanns gesprochen worden sein, denn ein Schriftsteller jener Zeit, und kein Geringerer als Leibniz. empfiehlt den M e i ß n e r n, sich beim Schreiben dieses Provinzialismus zu enthalten'). Hat wirklich ein Jude geschrieben: mit sichtbarer Freude? Er fühlte sich nicht h e i m l i ch? Es ist nicht bewiesen, Doch Wustmann sagt, daß es ein Jude war, Und Wustmann — muß es ja wissen. Aber woher weiß er nun gleich, daß der Jude n i c nachfühlen wird, wie sich heimlich von h e i in i s ch, sichtbar von sichtlich unterscheide? Der Zufall will, daß ich die Willkürlichkeit solcher Verallgemeinerungen an zwei Erlebnissen der letzten Tage schlagend zeigen kann. Im Gespräch mit einem unzweifelhaft christlich-germanischen Doktor der Philosophie kam die Rede auf das von Ed. v. Hartmann gelegentlich gebrauchte Wort m ä n n i s ch. Mein Bekannter erklärte es für überflüssig, da wir doch schon das Wort männlich Hütten. Nicht ohne Mühe begriff er — ob er es „nachfühlte", blieb zweifelhaft — wie sich männlich und männisch, weiblich und weibisch unterscheiden. Und was sichtbar und sichtlich betrifft — kann derselbe Unterschied klarer hervortreten, als an den Wörtern schmerzhaft und schmerzlich? Man sollte hier eine Verwechselung wirklich für unmöglich halten. Dennoch hat vor kurzem die Intendanz des Schweriner Hoftheaters einem Sänger seine Entlassung „mit s ch m erzhaft e st e m Bedauern" betvilligt '-)• Ich überlaste es Herrn Dr. Wustmann, aus den beiden angeführten Beispielen die Folgerung zu ziehen, daß die christlichen Doktoren der Philosophie oder die Hoftheater-Jntendanzen oder auch die Mecklenburger jedes Sprachgefühls ermangeln und „ewig" ennangeln werden. Hübsch ist der Beweis für die jüdische Herkunft des Wortes Silberhochzeit. „Darauf kann zum erstenmale nur ein Jude verfallen sein." Wer's nun nicht einsieht, dem ist nicht zu helfen. Zwar S. 198 werden dafür, wie für die ganz ähnliche Umbildung des eisernen Kreuzes in ein Eisenkreuz, nicht mehr die Juden verantwortlich gemacht, sondern die neuerungssüchtigen Narren im allgemeinen. Doch, wie dem auch sei, schön ist das Wort nicht, darin giebt auch mein bescheidenes semitisches Sprachgefühl Wustmann recht. Nur scheint mir seine Begründung (S. 199) nicht schlagend. „Fühlt man gar nicht," — sagt er —, „daß bei der silbernen und der goldnen Hochzeit das silbern und golden nur ein schönes Gleichniß ist, wie beim silbernen und goldnen Zeitalter? und daß dieses Gleichniß durch Silber Hochzeit sofort zerstört und die Vorstellung in plumper Weise auf das Silber gelenkt wird, das das i) Unvorgreifliche Gedanken, betreffend die Ausübung und Verbesserung der deutschen Sprache (Hrsg. v. H. Lindneri. Dessau 1881. S. 48. -) Vergl. Voss, geitg. 1881, Nr. 566.

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