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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-12-25 · Heft 50 (25.12.1890) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 50 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 wird auch in diesem Winter einen Eyclus von Vorträgen aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft veranstalten, und zwar vom 22. d. M. ab an jedem Montag, Abends 8 Uhr in Castells Hotel, (Burgstr. 16). Es werden vortragen: Am 22. Dezember: Prof. Dr. L. Stein aus Zürich: „Der Ghetto-Philosoph Salomo Maimvn"; am 5. Januar 1891: Dr. G. Karpel es: „Die Juden in Afrika",' am 32. Januar: Dr. I. Hirsch aus Hamburg: „Hellenismus und Judenthum"; am 19. Januar: Dr. A. Berliner: Etasar Kalir. der synagogale Dichter. Billets ä 3 M. für den ganzen Cyclus sind bei dem Vorsitzenden Herrn L. Stein (Kronprinzen-Uf.r 19) wie bei Herrn Peltesvhn -Cassel's Hotel) und bei Herrn Stern (Börsen-Cafö) zu haben. Berlin. 21. Dezember. 8i?eeisti nega — diesem Wahlspruch bleiben die Antisemiten alleweil getreu. Wir haben in der vorigen Nummer der Entrüstung über den von den antisemitischen Blättern kolportirten Schmähartikel gegen Kaiser Friedrich öffentlichen Ausdruck gegeben. Jetzt behauptet die „Staatsbürgerztg.": daß inan von Antisemitenblättern spreche, sei eine Lüge; „es handelt sich offenbar um einige partikularistische Blätter, die von den Judenblättern je nach Bedarf zu antisemitischen Blättern gestempelt werden". Dem gegenüber tonstatirt das „B. T.", daß das Pamphlet u. A. in der „Antisemitischen Korrespondenz", in dem antisemitischen „Leipziger Tagesanzeiger" und in dem „Bürger- und Bauernfreund" in Floosheim abgedruckt ist. Das sind aber nicht partikularistische Blätter, sondern antisemitische Liebermann v. Sounenberg'scher Richtung, d. h. derjenigen Richtung, welche sich mit ihrer Königstreue gar nicht laut genug brüsten kann. * Aus Westpreußen. 18. Dezember. Vor mehreren Monaten habe ich an dieser Stelle zur Bildung eines Vereins jüdischer Lehrer W e st Preußens Anregung geben wollen. Etwas Wesentliches ist zur Verwirklichung des Wunsches nach einer derartigen Vereinigung bis jetzt nicht geschehen. Mittlerweile haben sich aber die Posener Kol leg eit zusammengethan und einen Verein für Posen und die Nachbarprovinzen gegründet. Ich neige nun zu der Artsicht, daß unser Jntereste es erheischt, uns den Posener Kollegerr anzuschließen rind so das begonnene Werk zu unterstützen. Sonderinteressen wird man uns westpreüßischeit Lehrern nicht zum Vorwurf machen können, da wir alle — ich glaube ohne Ausnahme — Mitglieder des „Allgem. Deutschen Lehrervereins" sind. Am 25. d. hält der Posener Verein eine General- Versammlu! g in Posen ab. Ich möchte einen Besuch derselbeu den Kollegen unserer Provinz empfehlen. Nur dadurch können wir Stellung zu dem Verein nehmen. E. Flauter. Hamburg, 14. Dezember 1890. Die hiesige Bue Briß- Loge veranstaltete in diesem Jahre wieder ein öffentliches Chanuka- Kin der fest unter wachsender Theilnahme der jüdischen Bevölkerung. Die eigentliche Beschenkung armer Kinder findet hier nicht, wie oft beliebt wird, öffentlich statt, sie wird vor dem Feste erledigt. Die Eltern erhalten ans ihre Meldung um Unterstützung, natürlich nach eingehenden Recherchen über ihre Bedürftigkeit, einen Coupon, für den sie in den dazu bestimmten Geschäften die betreffenden Kleidungsgegenstäude für ihre Kinder nach Maß erhalten. Um die Angelegenheit ganz diskret an gestalten, erfährt der betreffende Kauflnann nicht einmal die Namen der Kinder, da ihm die Nummer des Coupons zur Kontrole genügt. Die unterstützten Kinder werden alsdann zum Kinderfeste geladen; hier sind sie selbstverständlich unter andere Kinder gemischt, deren Angehörige eine Karte gelöst haben; der Unterschied von arm und reich fällt hier weg. Im ersten Jahre wurden, wie uns ein Eomitömitglied mitgetheilt hat. 74 Kinder, im vorigen Jahr 196, diesmal 263 unterstützt. Die Ausgaben für diese letzte Beschenkung belaufen sich auf ca. 4000 Mark. Das Kinderfest wurde von 460 Kindern besucht. :i: Breslau, 18. Dezember. Bei den diesmaligen Wahlen der Repräsentanten, welche am 7. d. M. stattgefunden haben, sind nicht von weniger als 1460 Wählern — das sind über 40 Prozent aller Wahlberechtigten - Stimmen abgegeben worden. Es wurden gewählt: zu Repräsentanten die Herren l. Justizrath Freund, 2. Rentier B. Wöllstein, 3. Kaufmann Theodor Oschinsky, 4. Kaufmann Ludwig Wollenberg, 3. Bankdirektor Moritz Lyon, 6. Dr. med. Reich, 7. Kaufmann Louis Cohn. Zu Stellvertretern die Herren 1. Rechtsanwalt Ockendorf, 2. Oberlehrer Dr. Badt, 3. Kaufmann David Mugdan, 4. Kaufmann Siegfried Haber, 5. Banquier Samuel Freund, 6. Kaufmann Hermann Hamburger, 7. Kaufmann Louis Hamburger, 8. Kaufmann Moritz Baruch, 9. Fabrikbesitzer Adolph Schwerin, 10. Banquier Earl Chrombach. CA) Memel, 23. Dezember. Herr Rabbiner Dr. Rülf versendet eine gedruckte „Entgegnung", der wir Folgendes entnehmen: „Unter der Ueberschrift: „Ein unzeitgemäßer Aufruf" veröffentlicht das Centralkomitee der Pariser Alliance Israelite in ihren Monatsberichten eine Mißfalleus-Aeußerung tu Bezug auf den Ausruf zu Gunsten der Russischen Glaubensgenossen von Seiten des ständigen Hilfskomitees zu Memel. Wir habet: hieraus zu erwiedern: Das hiesige Komitee hat gethan, was es thun mußte, wenn es sich nicht selbst den Vorwurf der Hartherzigkeit, der Unbrüderlichkeit, ja Uttmenschlichkeit machet: wollte. Schreiber dieses hat sich von jeher als der entschiedenste Gegner der Auswandertmg der Juden aus Rußland öffentlich bekannt uns ausgesprochen; er betrachtet diese Auswanderung als eitt Unglück für den russischen Staat, eit: Unglück für die Auswatt derer, ein Unglück für die Glaubensgettossen der gatizett Welt. Alleitt bei der BehaMlungsweise der Juden in Rußland wäre feine Macht der Welt im Stande gewesen, den Auswanderungsstrom ztl hemmett. Seil dem Jahre 1882 sind etwa 200,000 Glaubensgenossen ausgewandert, darunter tonen etwa 50,060 verheiratete Männer, welche zum grüßtet: Theil Faueu titib Kinder zurückließen, um sie erst später, wenn sie ein Untetonuue;i gefunden, Nachkommen zu lassen. Das ist einem Theile auch gelingen, eitlen: sehr großen Theile aber auch tticht. Das Elend dieser „zurückgelassenen" Frauen ist geradezu entsetzlich. In keinen: Theile de' Welk giebt es so viele Wittwet: und Waisen, wie in den jüdischen Stätten Westrußlands. Die Männer unterlieg n allzufrüh dem Elende und de Überanstrengung vot: Kindesbeinen an. Das Elend dieier Wittwet uttd Waisen ist latlge nicht so groß, als das Elend dieser „Zurikgelassenen". Wu viele bereits dem Hunger und dem Elend erleget: ich, — wer kant:'s wissen? Ein Kind siecht nach dem andern hin undzuletzt erliegt auch die Mutter den Sorgen und Quäle». Und nun dnke mau an diese elenden, zerlumpten, hohläugigen Kinder nnb diese mmieuhaften, kraftlosen, hinsiechendeu Mütter, wie sie uns selbst tzr am Orte täglich vor Augen treten, — und nun denke man sich fr von allen Seiten uns zukommenden Hilferufe: „Erbarmt Euch uuster, unserer Frauen nnb Kinder!" und dann erst urtheilt, ob wir Reck hatten, beit Aufruf zu erlassen oder nicht. Bon einer Hebe fluthuu von Hilfesuchenden und Massenanswanderung nach den Greifen wi im Jahre 1881—82 kann absolut keine Rede sein; die russischen Glamnsgeuosseu finb von unserem Vorhaben verständigt, kennen unser P:gramm ganz genau und wisset!, wie weit wir gehen können nnb dürst. Kp. 3amtev, 14. Dezember. Gestern Aben fand im Saale des Hotels Eldorado hier die diesjährige Chan ui-Feier der hiesigen vierklassigei: Religionsschule statt. Auf Anregun des Herrn Rabbiners Dr. Wreschner wurde wieder ein Theaterstück, näiich das S. Blmnenausche Schauspiel: „Aben Esra" mit wesentlichen bänderungen und Einlagen zu Gunsten einer Schüleraufführung am Clnuka aufgeführt. Eingeleitet wurde die Feier mit einer Gesangsintrodkiou und einer längeren Ansprache des Rabbiners. Nach der Aufführunbes Stückes kamen circa 70 Gegenstände zur Verloosung. Hieran reif)" sich gemüthliche Spiele mit den Kindern, die von Herrn Lehrer Koeel hier geleitet wurdet!. -SS Pr.-Stargard, 18. Dezember. A 10. b. Mt., Morgens, stbied plötzlich einer unserer geachtetsten Muer, der Fabrikbesitzer Isaak' Gold färb, Ritter des König!. Kronevdens, aus unserer Mitte. Der Verewigte stand seit ca. 35 Jahren au er Spitze der Gemeindeverwaltung und hat mit unermüdlichem Eis und selbstverleugnender Opferwilligkeit die Interessen des Judenthur nach jeder Richtung hin gefördert. Er war auch viele Jahre in der dtrschen Verwaltung als Mitglied des Magistrats thätig und wurdaor 1 7* Jahren bei Gelegenheit der Feier des 50jährigen Bestehender von ihn: begründeten Fabrik zum Ehrenbürger der Stadt .rnaun Ein im Wohlthun ohne Unterschied der Kot:fession unermüdlicher, er Mensch von lauterstem Charakter, ehrenfester Gesinnung, echter 5zensgüte nnb wahrhafter Religiosität ist mit ihm dahrngegangen. (ne größte Freude war es, der Wittwet: sich anzunehmen, für Waisen terlich zu sorgen und Noth zu lindern, wo immer sie sich zeigte. HerEabbiner Dr. Braun gab am Beerdigutigstage, am 14., in tiefergreisten Worten der allgemeinen Trauer Ausdruck an der Bahre, im Heuchnd in der Synagoge Abends, bei der von der Gemeinde veranstaltetet: auerfeierlichleil, an der sich Jtlden und Christen it: großer Anzahl b'iligten. Es giebt hier wohl Niemanden und in den beiden Provinzen e st- und Ostpreußen, ja noch weit darüber hitlaus, der des Verewigt Heimgang nicht schmerzlich betrauert, und sichern die von ihm geffsenen edlen Werke ihm ein datterttdes, unvergängliches und segenvolAndenken:

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