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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-12-25 · Heft 50 (25.12.1890) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 50 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 25. Dezember 18;*0. 64. Jaliw «t.50. Weilclge gur „Allgemeinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondenzen nnd Nachrichten. Deutschland. X Berlin, 2?>. Dezember. Das Jubilänmsfest des Musi td i rettors Louis Lewavdvwski, welches am 27. d. M. bevorsteht, verspricht durch die Mitwirkung hervorragender Künstler und die Betheiligung weiter Kreise eia glanzvolles zu werden nnd einen neuen Beweis für die Beliebtheit zu geben, deren Lewandowski sich verdientermaßen erfreut. Aus vollem Herzm bringen auch wir dem Meister der Töne an dieser Steile unsere Huldigung dar und verbinden die besten Wünsche für ihn mit dem warmei Dank für das Viele, waS er für das Jndeuthum gethan. Denn ncht nur hat er als treuer Beamter ein halbes Jahrhundert auf seiueü Posten willig ausgeharrt, hat nicht nur als (Ehrenpräsident des Kmtorenvereins mit bester straft für das Wohl des Kultusbeamteustaldes gewirkt, sondern weit allgemeiner ist sein Verdienst. LewandoMti hat es verstanden, durch künstlerische Verbindung der alten shnagogtlen Klänge mit den Anforderungen mod rner Musik dem Gottesdienst eneute und erhöhte Weihe zu geben, und hat durch seine Melodien Tusenden und Abertausenden Lust und Liebe zum Besuch der Gottesäuser unmerklich ins Herz gelegt. Die Gunst des Schicksals hat ihn uf einen Platz gestellt, von welchem aus er jahraus jahrein zahlreiche Inger in die fernsten Gemeinden entsenden durfte, und heute ertönen in Tausenden von Synagogen Lewandowstische Melodien. Was zalreiche Rabbiner und Lehrer durch die Macht ihres Wortes vergebens ersucht haben, in den Gemeinden den Sinn für einen geordneten Kltus zu wecken, ihnen das Bewußtsein der Notpwe 'digkeit einer Un estaltung des althergebrachten Gottesdienstes einzuflößen, Lewaudows hat es mit seinen Kompositionen mühelos erreicht. Und in diesem Sim begrüßen wir den Jubilar heute auch als einen Vorkämpfer für die Norm des Judcnkhnms, als einen Genossen unseres Strebens. Sein Ehrstag ist auch der unsere. Möge es dem würdigen Mann noch lange ver-nnt sein, die Erfolge seines segensreichen Wirkens zu sehen, möge ihm reude zu Theil werden, der so Vielen Freude durch sein Schaffen beitet hat! 3 Berlin, 22. Tember. In ihrer gestrigen Sitzung nahm die Repräseutauten-Brsammlung zunächst einige geschäftliche Mittheilungen entgegen. L Wahl des Rabbiners Dr. Stier ist — wie bereits in unserem Btte gemeldet - von der Regierung bestätigt > worden. Zum Jubiläi des Musikdirektors Lewandowski wird! eine Deputation, bestehn aus den Herren Reichen heim, Landsberger und Sachs, eine Adresse er Gemeindevertretung an den Jubilar überreichen. — Von Herrndeimann Simon ist der Gemeinde eine Stiftung von 17,000 Ma letztwillig zugewendet worden. - Für das Erziehnngshaus in ankow, welches seit dem 1. Oktober d. I. in den Besitz der jüdisch Gemeinde übergegangen ist, wird unter Genehmigung des vom Vffand entworfenen Reglements ein jährlicher Zuschuß von 27,000 March uf drei Jahre bewilligt (näheres hierüber i bringen wir in der uäckn Nummer unseres Blattes). - Auf den Bericht der Armen-Kommiou wird derselben ein Jahresbetrag von 8000 Mark für durchrem de Arme gewährt. — Bezüglich der Zahlung der Prämienbetre für die unter das Invalid ität sversicherungsgesetz faiden Beamten der Gemeinde wird die beantragte Uebernahme der sammten Beträge auf den Gemeindesäckel abgelehnt. Maßgebend für z Votum der Majorität war der Gesichtspunkt, daß das Gesetz die Vicherungspslichtigen znm Sparen anhalten . wolle, und durch Ueberncch der ganzen Prämie diese Absicht des Gesetzes vereitelt werde. — 2Kinderheilstätte im Soolbade Königsdorff-Jastrzemb wurde eig ei trag von jährlich 50 M. bewilligt. In die vorberathende Kommim für die Verwendung der Ephraimschen Stiftung sind die Hm Geheimrath Dr. Marcuse, Stadtrath Borchardt und I. Jsaac gewc worden. — Aus den Berichten sei der Thatsache Erwähnung aetha^aß bei den gottesdienstlichen Veranstaltungen der Gemeinde au jüngsten Feiertagen derjenige in der Philharmonie einen Uebe^ß von 1900 Mark ergeben hat. j Berlin, 22. Dezember. Die Schulgesetz-Kommission hat den § 14 des Entwurfs in folgender Fassung beschlossen: Bei der Einrichtung der Volksschulen sind die konfessionellen Verhätknisse möglichst zu berücksichtigen. 8 14a. Grundsätzlich soll fein Kind, welches einer vom Staate anerkannten Religionsgesellschaft angehört, ohne den Religionsunterricht durch einen Lehrer seines Bekenntnisses bleiben. Zur Theitnahme an einem anderen Religionsunterricht dürfen Kinder nur auf Antrag der Eltern oder deren Stellvertreter zugelassen werden. — Sind Kinder verschiedener Religionsgesellschaften in einer Volksschule vereinigt, so ist möglichst für die Angehörigen eines jeden von ihnen ein besonderer Religionsunterricht einzurichten, wenn nicht ihre Zahl weniger als fünfzehn beträgt. Gehören die betreffenden Kinder weder der evangelischen, noch der katholischen Religionsgesellschaft an, so bedarf es außerdem in der Regel des Antrags seitens der zuständigen Organe der Religionsgesellschaft und des Nachweises eines zur Ertheilnng des Religionsunterrichts befähigten Lehrers. Zu 8 15 hatten die Konservativen beantragt, daß 15 Hausväter einer Gemeinde die Errichtung einer besonderen Volksschule beantragen können. Graf Clairon d'Haussonville zieht im Laufe dieser Debatte diesen Antrag wieder zurück. Abg. Windthorst nimmr denselben wieder auf und präzisirt ihn dahin, daß auf Antrag der Mehrzahl der einer vom Staate auextciuuteil Religivnsgesel l schast angehörenden Hausväter eine besondere Volksschule errichtet werden soll. Abg. Olzem (nat.-lib.j will die Errichtung in diesem Fall von der Zustimmung der Gemeinde abhängig machen, während Wessel und Genossen (freit,) diese Zustimmung bei ländlichen Schulbezirken durch den Kreisnusschnß, bei städtischen durch den Bezirksausschuß ergänzt wissen wollen. Herr Windthorst beantragt weiter, daß vierzig Kinder genügen sollen, um die Nothwendigkeit einer besonderen Schule ihres Bekenntnisses zu begründen. Die Anträge W i u b t h o r st w er d e n beide a b g e l e h n t, die Antrage Olzem-Wessel angenommen, damit der ganze Paragraph. * Berlin, 22. Dezember. Ein traurige Kunde hat uns der Draht aus Russ.-Polen übermittelt: Rabbi Gersvn Heu och aus Radsin \\\\ Gouvernement Lublin ist am 15. d. Mts. aus dem Ln de der Lebenden geschieden. Nur Wenigen in Deutschland dürfte dieser Name bekannt sein, und doch gehörte Rabbi Gersou Henoch zu den Männern, \u denen wir Israeliten mit Stolz, Bewunderung und Verehrung empor blicken. Als Sohn des Wunderrabbi, Rabbi Jacob aus Nzbica, wurde er nach dem Ableben seines Vaters von den Anhängern nnd Verehrern als sein Stellvertreter proklamirt. Allein Rabbi Gersvn Henoch, der zu jener Zeit als Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Radsin snngirte, unterschied sich gar gewaltig von seinem Vater, der sich ausschließlich mit der jüdischen Gcheimlehre (Kabala) beschäftigte nnd von seinen talmudischen Kenntnissen der Welt nichts mittheilte. Der Sohn, Rabbi Gerson Henoch, dagegen lag mit emsigem Fleiß dem Talmndstudium ob, wovon sein in Gemaraform verfaßtes Werk zu „Scraim" und „Taharoth", was zur Zeit Sensation erregte und Veranlassung eines Federstreites zwischen den größten Talmudgelehrten Rußlands war, beredtes Zeugniß ablegte. Der rege nnd strebsame Geist dieses Maunes aber begnügte sich nicht mit dem Talmudstudium allein, und es wird immer ein ungelöstes Räthsel bleiben, wo der Sohn des Wunderrabbi aus Nzbica seine klassische Bildung und ganz besonders seine medizinischen Kenntnisse erworben hat. Seine Verehrer behaupteten zwar: der Engel „Raphael" habe ihn in die Geheimnisse der medizinischen Wissenschaft eingeführt; aber eine Thalsache bleibt es immer, daß sämmtliche Apotheken in Russisch-Polen die von ihm verschriebenen Rezepte ausgefolgt haben, und zwar, wie Eingeweihte wissen wollten, ans Veranlassung der medizinischen Fakultät in Warschau, mit der er einen regen Briefwechsel unterhalten haben sollte. Wie dem aber auch sei, das steht fest, daß der Verblichene zu den hervorragendsten Geistern seiner Partei gehörte, daß sein Ableben auch unsere Seele wchmüthig berührt. Ehrc seinem Angedenken! Albert Katz. * Berlin, 10. Dezember. Der Verein Machsite-T Hora, welcher vor zwei Jahren sich gebildet, um das Talmud-Studinn! unter seinen Mitgliedern zu fördern und hiesige würdige Gelehrte zu unterstützen

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