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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-12-18 · Heft 49 (18.12.1890) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 49 (18.12.1890)
Date
1890-12-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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54. Jahrgang. Wr. 49. flerim, 18. Oesember 1890. Weikccge zurr „Allgemeinen Zeitung des IrröenkHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 12. Dezember. Der Geh. Medizinalrath Dr. Heinrich Jacobson, Universitütsprofessor und leitender Arzt der inneren Abteilung des jüdischen Krankenhauses, ist gestern im Alter von 64 Jahren gestorben. An dem genannten Krankenhause war Professor Jacobson der unmittelbare Nachfolger Traubes. Vor seiner im Jahre 1872 erfolgten Berufung nach Berlin war Jacobson in Königsberg als Kliniker und Universitätslehrer thätig. Er widmete sich vorzugsweise der experimentellen Pathologie, die er unablässig seit der Zeit gepflegt hat, t a sie vornehmlich durch Ludwig Traube und Virchow sich in Deutschland einzubürgern begann. Schon Jacobsons Erstlingswerk, seine Doktorschrift, mit der er 1847 in Halle promovirte, brachte einen Beitrag dazu; sie handelt über den Vagus in seinen Beziehungen zum Herzen. Der Blutkreislauf und das Herz war überhaupt ein Gebiet, das Jacobson mit besonderer Vorliebe Pflegte. Ein anderes medizinisches Hauptstück, das Jacobson wesentlich bereichert hat, ist die Lehre von der Körperwärme, in physiologischer und pathologischer Hinsicht. Von Jacobsons klinischen Forschungen sind diejenigen über Herzgeräusche noch besonders zu nennen. In Berlin ließ es sich Heinrich Jacobson angelegen sein, die hier hintangesehte experimentelle Pathologie zu heben. So öffnete er Studirenden bereitwillig sein Privatlaboratorium, wenn sie es begehrten. Von seinen Schülern sind Christeller, Aronsohn, Sachs, S. Rosenberg u. A. literarisch hervorgetreten. * Berlin, 15. Dezember. Der neugewählte Rabbiner. Herr Dr. Stier aus S t e i n a m a n g e r, nt von der Regierung bestätigt worden und wird sein Amt im Januar 1891 antreten. □ Berlin, 16. Dezember. Wie man uns mittheilt, wird mn 30. und 31. d. M. hier der Ce n t ra l-Auss ch u ß des Rabbiner- Verbandes in Deutschland tagen. Wir freuen uns sehr, diese Mittheilung machell zu können, da wir diese Konferenz über die religiösen Angelegenheiten des deutschen Jndenfhums für sehr wichtig halten und bei der Zusammensetzung des Central-Ausschnsses wohl ein gedeihliches Resultat der Verhandlungen erwarten dürfen. Wir werden natürlich unfern Leiern über den Verlauf der Sitzungen Bericht erstatten. * Berlin, 12. Dezember. Die Mo nta gsv orles ungeu znnl Besten des Stipendienfonds der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums" werden am 2. Februar 1891 im Saale des Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstr. 9. ihren Anfang nehmen. Es werden lesen: am 2. Februar Herr Pros. Dr. Lazarus („Ein vergessener Held"), am 9. Februar Herr Professor Dr. Steinthal („Glaube und Kritik"), am 16. Februar Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig („Das Auge in Bibel und Talmud"), am 23. Februar Herr Dr. Julius Basch („Stürme der Zeit"), am 2. März Herr Dr. Gustav Karpeles („Jüdische Troubadours und Minnesänger"), am 9. März Herr Dr. Heinrich Meyer Cohn („Sozialpolitik des Alten Testaments"). Einlaßkarten zu fünf Mark für den ganzen Cyklus, zu einer Mark für eine Vorlesung sind zu haben bei Herren Gebrüder Friedländer. Unter den Linden 28, und bei den Herren Gebr. Veit & Co.. Hinter der katholischen Kirche 1. 18 Berlin, 12. Dezember. In dem Jüdischen Mädchenstift Oranienburgerstr. 73, welches am 2l. April d. I. mit sechs Zöglingen eröffnet, die hauswirthschastliche Ausbildung unbemittelter jüdischer Mädchen bezweckt (s. Nr. 7 d. „A. Z. d. I." . hat am Montag, 8. d. M.. die Chanukafeier stattgefunden, bei welcher den Zöglingen eine reichliche Bescheernng zu Theil wurde. Von der Theilnahme, welche dem erfreulich sich entwickelnden Stifte entgegengebracht wird, zeigen manche größere Zuwendungen, die dasselbe kürzlich erhalten hat, u. a. ein Geschenk der Frau Kommerzienräthin A. Simon im Betrage von zweitausend Mark. 8 Berlin, 16. Dezember. Die Berathung des Volksschulgesetzentwurfes giebt Gelegenheit, aufs Neue die Frage zu erörtern, ob es sich nicht empfehle, die Umwandlung der zahlreichen in Preußen! von den Synagogengemeinden unterhaltenen privaten Schulen in öffentliche anzurathen. Wenn man vor Jahresfrist vor allzu i sanguinischen Hoffnungen auf diese Genehmigung solcher Anträge durch! die Behörden warnen mußte, da diese Umwandlung eine Mehrbelastung! des Fiskus veranlaßt, so ist augenscheinlich die Strömung im Kultusj Ministerium jetzt eine diesen Anträgen günstige. Es sind bereits mehrere! solcher Umwandlungen genehmigt worden, und es scheint auch der Teni denz des Gesetzentwurfes zu entsprechen, daß solche Anträge wohlj wollend behandelt werden. Die gesetzliche Bestimmung, web'' vorerst ' in den alten preußischen Provinzen noch maßgebend ist (§ 64—67 d. Gesetzes vom 23. Juli 1847, lautet: „Ist in einem Orte oder Schulj bezirke eine an Zahl und Vermögensmitteln hinreichende christliche und; jüdische Bevölkerung vorhanden, um auch für die jüdischen Einwohner i ohne deren Ueberbürdung eine besondere öffentliche Schule aulegen zu! können, so kann, wenn sonst im allgemeinen Schulinteresse Gründe i dazu vorhanden sind, die Absonderung der Juden zu einem eigenen Schulverbande auf den Antrag des Vorstandes der Synagogengemeinde; angeordnet werden. Die Regierung hat in solchem Falle über die be-; absichtigte Schultrennung und den dazu entworfenen Einrichtungsplan : die Kommunalbehörde des Orts und die übrigeil Interessenten mit! ihren Erklärungen und Anträgen zu vernehmen. Ergiebt sich hierbei j ein allseitiges Einverständniß über die Zweckmäßigkeit der Schnlabj trennung und über die Bedingung der Ausführung, so ist die Regierung! befugt, die entsprechenden Festsetzungen und Einrichtungen unmittelbar zu treffen. Im Fall obwaltender Differenzeil bleibt die Entscheidung dem Minister der geistlichen k. Angelegenheiten Vorbehalten. Eine nach §8 64 —66 errichtete jüdische Schule, hat die Eigenschaften und Rechte j einer öffentlichen Schule". Für jede dieser Schulen zahlt nach jetziger gesetzlicher Bestimmung der Staat für den Hauptlehrer 500 M., für jeden weiteren Lehrer 300 M., für die Lehrerill 150 M.. jeder Hilfslehrer oder Hilfslehrerin 100 M. jährlichen Zuschuß.! X Berlin, 14. Dezember. Ein bubenhaster Schmähartilel gegen den hochseligen Kaiser Friedrich macht zur Zeit die Runde durch alle offenen und geheimen Antisemilenblätter Süddeutschlands. Das Pamphlet, angeblich der kvnfiszirten Schrift des famoseil ’ Berliner Rektors Ahlwardt entnommen, bringt handgreifliche Verleumdungen über die wirtschaftlichen Verhältnisse des hochseligen Fürsten, und zwar in so ungezogenem Toile, daß die Wiedergabe auch I nur einzelner Sätze um mit der Ehrfurcht vor dem Throne unvereinbar erscheillt. Aus dem Kreise unserer Leser sind uns zahlreiche Entrüstungs-; schreiben über dieses schamlose Treiben zugegangen; wir können nicht umhin, dieser Entrüstung hiermit öffentlichen Ausdruck zu geben, zugleich : aber auch unsere Verwunderung darüber auszusprechen, daß trotz der Verbreitung, die der Artikel gefunden hat, derselbe dem Auge der Gerechtigkeit bisher entgangen ist. 4t Essen, 11. Dezember. Gestern hatte unsere Gemeillde eine Schulfeier des CH a n ll ka fest es in der Rothenburg abgehalten. Nach einer vortrefflichen Rede des Hauptlehrers a. D. Herrn Blumenselb, der die Bedeutung des Festes in klarer fesselnder Weise behandelte, und nachdem die von dem Kantor Herrn Graf geleiteten Lewandowskischen Gesänge von zarten Kinderstimmen in schönster Weise vorgetragen! wurden, begann das Festspiel „die Chanuka-Wunder", aufgeführt; von Schülern der Oberklasse der jüdischen Volksschule und einigen - Kindern der höheren Schulen, wochenlang vorher von Herrn Graf ein- ' studirt. Tie Aufführung gestaltete sich zu einer glanzvollen. Die Kinder spielten wie Schauspieler hinsichtlich der Aussprache wie der Geberden. Mit jedem Akte steigerte sich der rauschende Beifall der! anwesenden Angehörigen unserer Gemeinde. Der Saal war zum Erdrücken gefüllt. Viele mußten aus Mangel an Platz umkehren. tt Gleiwitz, 14. Dezember. Den ersten Jahresbericht über die Israelitische Kinderheilstätte im Soolbade Königsdorff- . Jastrzemb ist erschienen und weist verhültnißmäßig sehr güunige Ne- , sultate auf. Wir entnehmen dem interessanten Berichte folgende Daten:! „In den luftigen und freundlichen Räumen einer zunächst pachtweise

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