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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-12-11 · Heft 48 (11.12.1890) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 48 (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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iöerli», II. iDejmlici' 1890. 54. 3al)rgang. Mt. 48. JUJtUtf Weikage zur „Aktgemeinen Zeitung des ZuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 55 Berlin, 7. Dezenlber. Das fünfzigjährige Jubiläum des Herrn Musikdirektors Lewandowski wird erst am 27. Dezember (nicht am 18., wie irrthümlicki berichtet worden), gefeiert werden. Am 27. Vormittags werden die Adressen, Ehrengeschenke u. s. w. überreicht, während Abends im Saale der „Gesellschaft der Freunde" ein Fest zu Ehren des Jubilars statlfindet. Anmeldungen ftu diesem Feste nehmen die Mitglieder des Comite's entgegen. * Berlin, 8. Dezember. In den Kreisen der angesehenen Bürgerschaft Berlins ohne Ansehung des politischen und religiösen Bekenntnisses ist die 53iXbunö eines Ausschusses im Werden, welcher sich.zur Aufgabe stellen will, der Kaiserin Augusta in Berlin ein Denkmal zu errichten. Am 7. Januar n. I., als am Tage der Wiederkehr des Todestages der verewigten Fürstin, wird voraussichtlich ein Ausruf der Oeffeutlichkeit übergeben werden, welcher die Bestimmung des Denkmals, die Bedeutung der edlen Fürstin für Volk und Vaterland auseinandersetzt, auch zur Spendung von Geldbeiträgen anfsordert. Wir find überzeugt, daß die hierdurch gegebene Anregung überall! Anklang finden wird, und daß wir schon in wenigen Jahren ein schönes; zum Herzen sprechendes Denkmal iu unserer Stadt werden erstehen; sehen zum Gedächtnis) der hohen Frau, deren Wahlspruch lautete:; Edel fei der Mensch, hilfreich und gut. * Berlin, (>. Dezember. Eine beachtenswerthe Kundgebung; gegen die Konfes si on al ität der Volksschule hat der Berliner! Lehrervereiu in feiner gestrigen Sitzung erlassen. Bei des > neuen Schulgesetzentwurfs faßte derselbe unterAnderem folgende Beschlüsse: > „Der Forderung der Verfassung, daß bei Einrichtung der Schulen; die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen sind, ist durch! die Einrichtung von konfessionellem Religionsunterrichte bis zu einer , Minderheit von 17 Kindern herab in vollem Umfange entsprochen. Die Einriehtnng k0nfessi0ueIl getrennter V0lkssch 11 len entspricht n i ch t den allgemeinen Interessen unseres Bildinlgs- und Unterrichtswesens. Vom fchnltechnischen ^tanbpnnfte ist zll fordern, daß bnvd) die Ein- , richtung voll Kvnfessionsschnlen kein Kind in eine welliger gegliederte; Anstalt verwiesen wird, als die Ortsverhältnisse gestatten. Deswegen! ist den Eltern nnb deren Vertretern das Recht zu wahren, für ihre 1 Kinder die Aufnahme in die am meisten gegliederte Volksschule des Ortes zu forden." Bravo! * Berlin, 8. Dezember. Die von uns in voriger Nummer als Gerücht gebrachte Mittheilnng, daß Herr voll B leichröde r der Geber der vom Kultusminister öffentlich erwähnten Spende von einer Million Mark sei, hat sich bewahrheitet. Die „Nvrdd. Allg. Ztg." bringt darüber folgendes Nähere: „Das Grundstück, welches Herr v. Bleichröder ztini Bail eines Krankenhauses gespendet hat, in dein das Kochsche Heilverfahrelt angewendet werden soll, liegt, wie wir erfahren, in Groß- Lichte rfelde, etwa fünf Minuten von dem dortigen Bahnhof der Potsdamer Bahn entfernt. Das etwa 27 Morgen große Terrain, das bisher zu tandwirthschaftlichen Zwecken benutzt wurde, wird von der Träte-, Ring-, Potsdamer-, Karlstraße umschlossen nnb grenzt an ein an der Bahnhofstraße gelegenes Grundstück der Prinzessin Croy. Die Bauten für das Krankenhaus, deren Kosten durch einen Theil der von Herrn von Bleicbröder ebenfalls gespendeten Million Mark bestritten werden, während der übrige Theil für die Verpflegung der armen Kranken bestimmt ist, sollen so rasch als möglich in Allgriff genommen werden. Um aber auch bis zu dem Zeitpunkt ihrer Fertigstellung die Wohlthaten der Stiftung mittellofeu Krallten zu Theil werdeil zu lassen, hat Herr v. Bleichröder mit Professor Koch unb den demselben nahestehenden Aerzten das Abkommen getroffen, daß bis dahin auf seine Kosten dreißig Kranke in einem hiesigen Institute ilach bem Koch'schen Verfahren behandelt werden sollen. Herr v. Bleichröder hat seine hochherzige Stiftung dem Andenken seiner Eltern gewidmet." □ Berlin, 8. Dezember. Die Angelegenheit des Herrn Dr- William Levy hat die Blätter aller Parteiell und Richtnligell über Gebühr in Athen: gehalten unb ist - wie dies bei dem Charakter gewisser Blätter llicht anders zu erwarten war — zu allerhand offenen nnb versteckten Allgriffen ans die Juden benutzt worden. Der Umstand, daß drei Berliner Aerzte für die Behandlung nach der Koch'schen Methode angeblich übertriebene Hollorarforderungen verlangt habell, gab den antisemitischell Blättern von der Kölnischen bis zu den kleinsten Zeitungell in ihrem befaunten Gerechtigkeitssinn die Parole, auf der einen der Drei, der Jude ist, weidlich losznschtagen. Bemerkt sei lloch, daß itadi den umlaufenden Berichten der Jude die hohen Honorare unv gefordert, die beiden Ehristell dagegen lvirklich empfangen haben sottteli. Ter Lärm war so groß, daß es erst eilles Auftretens des Kultus- Ministers bedllrfte, der die allgegriffenen Aerzte öffentlich im Landtage in Schlitz nahm. lieber Dr. Levy hat außerdem iloch der Ehrenrath der Aerzte zu Gericht gesesseli unb sein Verhalteil für „rein lind makellos" erklärt. Nicht weniger merkwürdig als die antisemitischell haben sich in dieser Affaire einige jüdische Fachblätter benommen, welche llicht eilig geilllg ben unbequemen „Glaubellsgenossen" von ihren Rockschößen abzuschütteln vermochteil. So ließ sich eines dieser Blätter im Westen Deutschlands schleunigst alls Bertill berichteli, Tr. Levy sei will Jude; ein zweites, weiter östlich erscheiilelldes Blatt nahm diese Nachricht auf und erzählte, daß allch Levy's Etterll schon als Nichtjnden geboren seien, und ein im äußersten Osten herauskonnnelldes Blatt dehnte das Ehristenthllin Levy's sogar bis auf dessen Großeltern alls. - Wir wollen unseren Lesern bem gegenüber mittheilcn, daß Dr. Willialn Levy Jude ist, llild daß nur nach alledem, was wir über den Charakter lllld das Gebahren dieses Mannes erfahren haben, ans ihn stolz zu fein berechtigt sind. * Berlin, 0. Dezember. Von maßgebender Stelle geht nils ein War ll ll ilgsr ll f gegell die voll b e 111 Nt e me l e r C 0 ln i t 7 v e r - an stattete Samilllnlig zu GlUlsten einer transmarinen Allsiedellrng der russischeil Jllden zu. Trotz nuferer Sympathieen für die Veranstalter dieser Samnllllng lllld trotz aller Ailerkellnllllg der edleil Ntotive, von wetchell sie geleitet werden, föuneu lvir llicht umhin, die wohlbegründete Warnung zlir Kellntniß nuferer Leser zu bringen. Dieselbe lalltet: „Ich ersehe aus verschiedellen israelitischen Zeitungen, daß ein in Memel bestehendes Evmitö einen Aufruf erlasseil hat, um russische Inden nach den überseeischell Ländern answandern zu lassen. Das Comit«'- spricht von Millionen Juden, die seine Hilfe aurufen. Ich erlaube mir, Ihnen hiermit mitzutheilen, daß die Frage der Anslvallderlillg russischer Jlldeil noch vor Klirzenl der Gegellstalld einer gen allen Prüfung gewe'en ist, und daß sehr triftige Gründe gezeigt haben, daß es sehr gefährlich sei ll würde, rllsslsche Jlldeil zur Auswaudern ll g ilach Amerika zll ermuthigen. Gegellwärtig ist die Zahl der rllssischell Jildell, die alls eigeller Jllitiative ilach beit Vereinigten Staateil gehen, scholl recht beträchtlich, fast 27000 jährlich, und ullsere aiueritauiid)eu Glaubensgenossen befinden sich infolge dieser Eiulvaildernllg i 11 einer sehr schwierigen Lage, die ihllen zu lebhaften Klageil Anlaß giebt. Andererseits kann die Veröffentlichnng einer Subskription bei den rlissischen Jlldeil Hoffnungen erregeil, die llicht verwirklicht werdeil unb dadurch, wie es allch im Jahre 1881 82 geschehen ist, eine Anhüilfnng voll Flüchtlingen zlir Folge habell, die besonders beit deutschen Israeliten die größten Schwierigkeiten bereiten würde. Personen oder Comitös, die nicht mit ben schwierigen Verhältnissen vertraut sind, können, trotz ihres gewiß guten Willens und llngeachtet ihrer ausgezeichneten Absichten, viel mehr Unheil als Gutes stiften, indem sie einer nnüberlegten Regung von Mitleid folgen. Ich ersuche Sie also, Herr Redacteur, Ihre Leser vor den großen Schwierigkeiten, die das Projekt des Memeler Comitö's bietet, ernstlich zu warnen." Wir geben diesen Zeilen um so eher Raum, als wir unseren Lesern die beruhigende Mittheiluug machen können, daß die Sorge für eine Unterbringung der nnglücklichell Glanbensbrüder unausgesetzt Gegenstand der Fürsorge maßgebellder Kreise ist, und daß Maßnahmen in Vorbereitung sind, welche geeignet erscheinen, die überaus schwierige Frage in befriedigender Weise zu 1 Öfen.

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