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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-12-11 · Heft 48 (11.12.1890) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 48 (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
Seite 620 (sequence 12)
Language
German
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620 Bruder die Befriedigung seines Bedürfnisses. Der Stärkere unterjocht den Schwächeren und macht sich zu seinen! Herrn, und mit Hilfe dieser seiner Untergebenen, die er nach und nach entmenschlicht, gelingt es ihiu auch, noch andere sogar schon Starke zu überwinden, die seiner Macht gegenüber aber doch nicht stark genug find; so macht sich der Starke zum Herrn non ganzen Reichen und Ländern und Niemand kann ihm widerstehen, sein Wille ist dann das einzige Gesetz, nach welchem seine Untergebenen zu handeln haben, und diese Einrichtung der inenschlichen Gesellschaft existirt in einer Welt, welche die beste sein soll! Nein es ist nicht möglich, diese Welt ist nicht die beste. Ist das die Welt, in welcher es möglich ist. dast man einer Mutter ihr Mint) von der Brust wegreiszt, dast grausam verkhierke Menschen herfallen über ein schlvaches Weib, wie sie ineiner Mutter gethan haben, und ihr den Säugling wegreisten von der Brust, wie sie meinem neugeborenen Bruder gethan^ (Fortselmng folgt.) U Lndnü Tod. > Bon I. L ö!v e n b e r g. (s‘-* dämmert im Osten, die Schatten fliehen, Sie Palnlen beben im Morgenwind; Bus goldnen Schwingen die Wolken ziehen, Die Gipfel Hermons rosig erglühen, Und strahlend in schimmernder Pracht beginnt Die Sonne den Sieges-, den Heldenlauf. Der Dag ist da: lvacht aus, wacht aus! Sie sind erwacht. Bom 'Walde, auf stillem Bergespfad Das Heer der Makkabäer zum Kampf gerüstet naht. Ein Heer die Schaar, die kleines Nur wen'ge hundert Mann! Ein Heer, ein mächtig grostes, - es zieht ein Held voran. Sie sind im Dhal, sie rasten. Der Führer prüft die Reih'n, Da recken sich die Häupter, auf glänzt des Tages Schein: Ein Widerstrahl vom Lichte, das seinen Blick erhellt, Envärluend. thatenzündend in alle Herzen fällt. „Dank euch, die ihr geblieben, ich liest euch freie Wahl, Was sich nicht sicher fühlte, die dunkle Nacht uns stahl. Grollt Jenen nicht, die flohen: glaubt mir, sie waren krank: Ihr habt mir fest vertrauet, habt Dank, ihr Brüder, Dank! Ob Dausende zu Hundert uns heut geworden sind Dreu bleibt das Korn dem Boden, die Spreu entführt der Wind. Ist's denn die Zahl, die kämpfet, ist's nur der Arm, das Schwerts Das Herz ist's, meine Brüder, mit Treu' uud Muth bewehrt! Wir siegen, müssen siegen, der Kampf sei noch so Heist! Wir dürfen nimmer weichen, zu herrlich ist der Preis. Was Grostes und was Schönes die Erde je gekannt, Ihr känipft darum: um Freiheit, um Gott und Vaterland! Wohl ist der Tempel unser. Den Tag vergeh ich nicht, Da wir darin entzündet das heil'ge reine Licht. Die Hallen stehen offen, geweiht ist der Altar, Doch heut bringt unserm Gotte das rechte Opfer dar! Seht, wie die Palmen grüsten im lichten Morgeuthau! Hört ihr des Jordans Rauschen durch ferne, duft'ge Au'? ') Aus den eben erschienenen Gedichten (Norden, Fischer, MH), unseres geschabten Mitarbeiters Dr. I. Löwenberg, dessen poetische Sammlung nur bei diesem Anlasse allen Freunden wahrer Dichtung ans das Angelegentlichste empfehlen. D. Red. Und ist's zum letzten Male, so rauscht wie Wellendrang Hinab durch alle Zeiten von eurem Ruhm der Sang! Noch eimnal Dank, ihr Brüder; ihr wisst, wie ich's gemeint. Erhebt die Hand zum Schwure, das Schwert hier, dort der Feind. Und überall Jehovah! Nach Nacht das Morgenrot!)!" Bom Berge hallt es wieder: In Freiheit oder Tod! Ter Abend naht, es dunkeln die Schatten. Blutroth die Sonne im Westen sank; Die froh am Morgen begrüstt sie hatten, Sie ruhen entschluuunert auf Bergesmatten, Doch nur der Tod, kein Feind sie bezwang. Um den Führer geschaart ruht Mann bei Mann. Schlaft still, schlaft still! — die Nacht bricht an. Litterarischc Mittheilungen. — Nt ich ael Sachs, S timme u vo m Iordau und Euphrat. «Frankfurt a. M. 18W, I. Kauffmann.) Eine neue Auflage dieser Liedersammlnng des unvergeßlichen Lieblings der Berliner jüdischen Gemeinde hat der Kanffmann'sche Verlag in Frankfurt a. Main als würdige Ehanukahgabe erscheinen lassen und mit dem wohlgelungenen Bilde des Dichters geschmückt. Wir dürfen es unterlassen, die Verdienste Michael Sachs' um die religiöse Poesie der Juden erst besonders hervorznheben, dürfen es doppelt unterlassen, einem Publikum gegenüber, das den Verewigten znm großen Theil noch in seinem Wirken gesehen nitb seinen Dichterworten selbst gelauscht hat. Daß in heutiger Feit ein umfangreiches Buch, das jüdisch-religiöse Dichtungen znm Inhalt hat, eine dritte Auflage nach dem Tode des Alltors erlebt, ist eilt genügendes Zeichen seines inneren Wertstes. Es ist aber auch zugleich eine sprechende Vertheidiguug unseres jüdischen Publikums gegen den uns ungerecht gemachten Vorwurf der Gleichgiltigkeit und' ein Beweis hierfür, dast das wirklich Gute und Schöne seine Lesergemeinde sich auch hellte zu erobern vermag. Die neue Auflage, deren Herausgeber Herr Felix Sachs, der Sohn des verewigten Rabbiners ist, erscheint in der Gestalt, die Herr Professor Lazarus nach dem Tode des Verfassers der Sammlung gegeben hat. Fortgelassell ist nur die Lazarus'sche Vorrede znm zweiteil Bande. So lvellig wir es einerseits dem Herausgeber verübeln können, daß er die Kritik über die religiösen Anschauilngen seines Vaters, die Lazarus gegeben hatte, sich nicht zil eigen machen wollte denn dem Sohne stünde die Kritik über den Vater allerdings schlecht an, -- so ungern vermissen nur andererseits die gedachte Vorrede. Der Umstand, dast mit der Herausgabe eben ein Mann betraut worden ist, welcher gezwungen war, vom Standpunkte der Kritik auf den der Pietät überzugehen, ist doch ein bedauerlicher. Um so erfrelllicher ist es. daß in Bezug ans das Wert selbst der Lazarus'schen Thäligkeit kein Abbruch geschehen ist, und so hoffen wir, daß die „Stimmen", welche so vielen alldüchtigen Lesern Freude und Erbauung gewährt haben, auch fernerhin zahlreiche fromme Herzen erheben werden. B. ¥ P f l i ch t e n ei il es B a r m i z w a. Eine Handreiche für den israelitischen Kvnfirmailden von Leopold Katz, Lehrer in Rakibor. Verlag der Kunst- und Buchhandlung von Engen Siennich. 27 Seriell. Das vorliegende Büchlein dürfte geeignet erscheinen, eine Lücke in dem Vorbereitnngsunkerricht zur Konfirmation auszufüllen. In gemeinverställdlicher. faßlicher Form stellt der Verfasser die Vorschriften über die Gebetriemen, das Lesen der Thora und anderer religiöser Pflichteil zusammen, das Buch bringt die Segenssprüche zur Haftara rilit deutscher Uebersetzuilg und bespricht im Allgemeinen die Bedeutung des Barmizwa-Tages. Wir wünschen der trefflich ausgestatteten kleinen Schrift die Verbreitung, die sie verdient. fi. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwih in Berlin-

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