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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-12-11 · Heft 48 (11.12.1890) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 48 (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
Seite 610 (sequence 2)
Language
German
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Gl 0 die Mchte hindurch trieb er Englisch und hnlnanistische Studien. Gr kam dann als Lehrer nach Birmingham, spater als Direktor der Hebrew Association School nach Manchester. Eine Reihe von jetzt hervorragenden englischen Juden verdanken ihm ihre Erziehung, so z. B. der australische Justizminister Sir Julian Salomon. Dann wurde er Sekretär des verstorbenen Oberrabbiners Tr. Adler; zugleich unterrichtete er auch dessen Söhne. David Asher nahm einen sehr thätigen Antheil mi allen jüdischen Tagesfragen. Bon London ging er, nachdem er sich durch emsiges Studium hinreichend vorbereitet hatte, nach Berlin und studirte dort Philosophie und Philologie. II. a. hörte er Ranke. Böeth. Trendelenburg, Bopp, Heyse. Auch jüdische Theologie und hebräische Sprachstudien trieb er nebenbei. 1852 promovirte er zum Doktor der Philosophie. Auf Empfehlung des Professor Herrig kam Asher nunmehr nach Leipzig als Lehrer des Englischen an der öffentlichen Handelsschule, eine Stelle, die er sieben Jahre einnahm. In Leipzig, welches fortan sein Heim bleiben sollte, entfaltete er eine rege Thätigkeit in Litteralur, englischer Philologie und Philosophie. In seinem 1855 erschienenen „Offenen Sendschreiben" erklärte er sich zum ersten Male und als Zweiter in Deutschland überhaupt t'Frauenstädk war der Erste) zu einer Zeit, wo dessen Philosophie noch so gilt lvie unbekannt wau als entschiedener Anhänger Arthur Schopenhauer's. Schopenhauer blieb mit ihm von da au in stetigem Brieslvechse! (derselbe ist im Druck erschienen). Er ernannte Asher zu seinem „aktiven Apostel" und schrieb ihm gelegentlich eines Artikels in Brendels „Anregungen für Kunst, Leben und Wissenschaft".' Bor allen Dingen null ich Ihnen noch nachträglich die Versicherung geben, daß, so Biele auch schon über meine Philosophie geschrieben haben, noch Keiner das eigentliche Grundverdienst derselben so deutlich und bestimmt hervorgehoben hat, lvie Tie." Mehrere eigene Schriften dienten zur Allsbreitung der Schopenhauerschen Ansichten.- doch wahrte er sich stets auch seine selbstständigen philosophischen Anschauungen. Besonders fruchtbar war des Verstorbenen Thätigkeit ans philologischem Gebiete. Fast alle größeren englischen Wörterbücher, Synonymikell, Lehrbücher unb dgl. wurden ihm in den letzten Jahrzehnten zur letzten Durchsicht und Nachbesserung unterbreitet, und mehrfach, allerdings nicht immer, wurde seiner Mitlvirkung als das eines ersten Kenners der englischen modernen Sprache gedacht. Tie Berliner Akademie für das Studium der neueren Sprachen ernannte ihn 1861 zunl Mitgliede. Im Jahre 180b stellte Asher ans dem Philologenkongreß zu Leipzig den Antrag, der einstimmig angenonnllen wurde, daß die Bundesregierungen aufgefordert würden, Lehrstühle für die modernen Sprachen zu errichten. — Acht Jahre lang war er Examinator für die Kandidaten des höheren Schulamts an der Universität. Er war der erste Lehrer für Englisch in Leipzig; die Kinder des Leipziger Patriziats, höhere Offiziere, ja selbst Fürsten, wie z. B. der Erbgroßherzog von Oldenburg, genossen seinen Unterricht. Außerdem war Asher vereidigter Dolmetscher für Englisch, Hebräisch und Jüdisch-Deutsch an den königlichen Gerichten. Als Kritiker war er von einer seltenen Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit-, so daß z. B. ein entschieden antisemitischer Schriststeller, dem er noch dazu seinen Antisemitismus vorwarf, über die Kritik seiner Litteraturgeschichte bemerkte, man sähe, daß sie von einem Manne stamme, der sein Fach von Grund aus beherrsche. Auch für das Gemeinwohl entwickelte David Asher eine rührige Thätigkeit. Ter Kaufmännische Verein zu Leipzig, augenblicklich der größte der Stadt, verdankt ihm, der solche Einrichtungen in England kennen und schätzen gelernt halte, ihm allein, lvie es aktenmäßig! niedergelegt ist, seine Begründung. Die antisemitische Strömung hat leider verhindert, daß diese That auch ihre äußere Anerkennung fand. Ten Schriftstellerverband hat Asher int Verein mit dem verstorbenen Professor Wuttke neu organisiren helfen. Er war auch einer der Mitbegründer der für die kaufmännische Welt so überaus wichtigen Börsenhalle, einem fast einzig dastehenden Leseinstitut. David Asher hinterläßt das, was ihm am theuersten war, einen makellosen Namen. Das Prinzip des „non ölet“ des Gewinnes fand in ihm einen rücksichtslosen Gegner, und deshalb schmerzte ihn die antisemitische Agitation, deren Vorwürfe an seinem reinen Ehrenschilde abprallten, mehr als sich beschreiben läßt. Seine letzter! Lebensjahre wurden dadurch auf's Tiefste verbittert. Zum Schluß geben wir noch eine Uebersicht der litterarischen Schöpfungen des Verstorbenen. Asher hat folgende Werke geschrieben: Outlines of the Jewisli Religion. London. — Selichol Willi a new Englisli translation. London. — Büdinger's ,Way of Faith‘ or the abridges Bible transladet froni the 5. German edition. London. — Englands Dichter und Prosaisten. Neuzeit. Ein Handbuch. Berlin, 1853. — On the otudy of modern Language. Mit einer Vorrede des nachmaligen Erzbischofs French. , Ein Essay. London, 1859. — Offenes Sendschreiben an Arthur j Schopenhauer. 1855. — Arthur Schopenhauer als Interpret des! Goethe'schen Faust. Leipzig, 1851). — Der religiöse Glaube. Eine 1 psychologische Studie. Leipzig, 1860. Arthur Schopenhauer.! Neues von ihm und über ihn. Berlin, 1871. — Das End- I ergebniß der Schopenhauer'schen Philosophie. Leipzig, 1885. — Die! Fehler der Deutschen im mündlichen Gebrauch der englischen Sprache. | 8 Hefte. 5. Auflage. Dresden. — Die wichtigsten Regeln der eng- : lischen Syntax. Braunschweig, 1878. — Unterhaltungslektüre für! die Jugend mit erklärenden Anmerkungen und vollständigem Vokabuj larium. 2 Bände. - lieber den Unterricht in den neueren Sprachen, j Berlin, 1881. — Die Grundzüge der Verfassung Englands. Zwei , Vorträge. Leipzig, 1802. — lieber die Kunst zu lesen. Ein Vor! trag. Leipzig, 1858. — Buckle's Essays. Uebersetzung. Leipzig, 1867.! - History of the Development, of the Human Raee In j Lazarus Geiger. Eine Uebersetzung. London, 1880. — Das Natur ' gesetz in der Geisteswelt. Von Henry Drummond. Aus dem Eng; lischen nach der 17. Auflage. Leipzig, 1880. Außerdem war er Mitarbeiter und Korrespondent vieler deutscher und englischer Zeitungen. Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" . verliert in ihm einen ihrer ältesten, treuesten Freunde und Mit arbeitet'. Das Andenken Ashers wird in unseren Kreisen stets ii Ehren bleiben als das eines wackeren Streiters für Hununrität mit Jndenthum. Möge ihm die Erde leicht sein! d Egidy'p „Ernste Gedanken" in ikrcr Anwendbarkeit auf das Jndenthum der Gegenwart. Bon Dr. I. H o r v w i tz, Gymnasialoberlehrer. Glicht wegen der Neuheit des in ihr Vorgetragenen erwartete! der Verfasser der oben genannten kleinen Schrift, nach seinem eigenen! Ausspruch, eine tiefer greifende Wirkung von derselben, sondern wegen „der Unmittelbarkeit der Form", in der oft Gedachtes und auch schon oft Ausgesprochenes muthig und unerschrocken Ernstdenkenden und! für die bleibenden Interessen der Religion sich Begeisternden dargeboten wird. Diese Erwartung des Verfassers scheint eingetroffen, wenn nicht gar übertroffen zu sein. Die ungemein rasche Berviel-

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