Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 47 (4.12.1890)
- Date
- 1890-12-04
- Page
- Seite 608 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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leinen Platz finden. Ebenso überflüssig für die Zwecke dieses Buches > ist die Erzählung vom Thurmbau zu Babel, zumal oer Verfasser zwei! Seiten später nicht einmal den herrlichen Worteil Abrahams au den König von Sodom einen Platz ciiträumcit taiui, sondern sich mit kurze««« Referat begnügt: „Abraham gab ihm sein Eigenthnm wieder." Es würde zil weit führen, wenn ich alles Ueberflüssige einerseits und alles Weggelassene andererseits hier anführen wollte. Es genüge, um die Auswahl des Stoffes zu kennzeichnen, das; weder der Segen Isaaks, noch eine der Segnungen Jakobs oder Moses, noch außer dem Liede vom rotheil; Meere irgend ein poeti sch es Stück ans der b i b l i s ch e n G e s ch i ch t e «wie z. B. Tanklied Ehanna's, Bogenlied n\) angeführt ist. auch nicht eine geschichtliche Prophetenrede, dafür aber ausführlich die Unterredung Bileams mit seinem Esel (wo ist hier Gelegenheit zli moralischen Erörterungen ft, alle Worte der Here non Endor. die Erzählung vom Schibolet Iephtas. von Tavids Volkszählung, letztere bis in die geringste Einzelheit. Selbst der Aufenthalt Simsous tu Gaza uuvb erzählt; von den Wundern Elisas wird and) nicht eins ausgelassen, wobei jedoch die einzige ethisch zu verwendende Stelle 2. Könige <.», 21 22 bis zur Unkenntlichkeit verändert ist: /Anstatt sie gl tobten, schickte er die Feinde auf des Propheten Rath wieder )u ihrem Herrn zurück." Sollte sich nicht in einer Schule mit beschränkter Unterrichtszeit etlvas über Iesajahs Wirksamkeit sagen lassen, ebenso über Micha, Amos und Hosea? Ersterer wird in zwei oder drei Mat drei Zeilen abgefertigt, der andern Namen geschieht nicht einmal Erwähnung, dafür aber wird Ionah desto ausführlicher behandelt, nicht etwa blas die ethische Partie des Buches, sondern aud) die Erzählung vom Fische u. i. w. Das; der Verfasser statt der unübertrefflichen biblischen Darstellung seine eigene ' gegeben. ift «vohl die schwächste Seite an dem Büchlein. Aast überall ist die biblische Sprech- und Ansdrncksweise vermieden, besonders seheint . Verfasser die indirekte Rede zn bevorzugen, auch wo die in der heiligen Schrift beliebte direkte Rede nicht mehr "Kaum einnähme. Dadurch wird j die Erzählung oft schleppend lind langweilig. Z. B.: „Sie fragten j ihn. wo sein Weib Sarah sei." — „Er (ütj solle die Fremdlinge heraiisgeben, damit sie sie kennen lernten. „Er «Knecht Ado's) betete z«l dem Gotte seines Herrn ««m Glück für «cittcn Auftrag." „Als Laban Jakob vorwarf, das; er w heimtieh davongegangen sei" x. ^Er i'JJtoiei ivollte den Uebetthäter zur 'Rede stellen." Wie ganz anders wirkt vorzüglich auf Rinder hier die direkte Rede. Besonders tritt dies hervor in folgender Stelle: „Jethro freute sieh über die wunder bare Rettung . . . und verehrte die göttliche Fügung." Bl an vergleiche die betreffende Stelle im Bibelterte. Anstatt die Worte des murrenden Volkes wiederzngeben. berichtet Verf.: ..Und weinend wünschten sie. in der Wüste oder in Aegypten gestorbei« zu sein, anstatt das; sie selber dtlrch die Hand dieser Feinde fielen und ihre Weiber und Rinder ihnen . zur Bemte werden" x. (Wie schleppend!) Ebenso wird die Botschaft Moses an Edom iiibireft wiedergegeben. Das innige und schöne Gebet Mosis, Nummer 27. 15— j7, wird wie folgt erzählt: ..Da betete Moses znm Herrn, das; er den« Volte einen Mann bestelle, der es anführe" x. ... In dieser Beziehung liehen sich noch zahlreiche Stellen erwählten. Was nun beit Inhalt der Erzählungen anbetrifft, so stoßen wir häufig ans falsche Auffassung. Hier in«r einige Proben: „Lot ging zu ben Verlobten seiner Töchter"! midraschisch). /Rietst lange daraus inach der Opferung Isaaks) starb Sarah." Die midrafchische Auffassung, als ob Isaak bei seiner Opferung nahe an 47 Jahre alt gewesen sei, gehört doch wahrlieh nicht in eine ..Rinderbibel". Vers, lässt Esau seinem Bruder antworten: „Ich muf; ja doch einst sterben." Midraschisch. aber nicht dem Wortsinne gemäß, ist es ferner, wenn Verf. Jakob nach seinem Traume sagen läßt: „Aneh hier ist Gott", oder wen;« er übersetzt: ki!<> imchiiseJi lijakol». „es w irtt kein Glauben in Jakob". Etlvas falsches wird den Rindern« gelehrt, wenn o hne jedeEins ch rä n t ung gesagt wird: ..Noch heute wirken die Psalmen, die David gedichtet, zur Verherrlichung des Gottesdienstes." Falsche Vorstellungen in der Seele des Rindes geweckt, wirken immer schädlich. Neben diesen Fehlern, welche ans falscher Auffassung seitens des Verfassers beruhen, kommen auch Flüchtigkeiten in den« Buche vor. Hier null ich nur einige Beispiele anführen. Wenn es S. 04 heifst: „Sonne stehe still zn G i b e a'/anstatt zn „Gibeon", so «nag dies ei«« Druckfehler fei««, das; aber Iesajah im Todesjahre Ufias znm ersten Male öffentlich auftrat, «st «licht «nehr Fehler des Setzers, ebensowenig «venu S. 12.'» hinter den Worten „im achtzehnten Jahre" die Worte „seiner Regiernngszeit" fehle««, oder wenn i«« den« Buche die Wände der Stiftshütte aus Akazienhvlz und mit Gold belegt waren. Verf. weif; ««ns auch zu berichte««: „Nur der Prophet Elia mit einigen Getreuen wurde durch Frömmigkeit eines königlichen Dieners gerettet." Sollte auch hier ei«« vielleicht mir unbekannter Midrasch dahinter stecke««? Manche selbständige Einschaltungen sind unnütz oder gar schädlich. „Hub er freute sich mit ihr" ist bereits erwähnt. Der zweite Schöpfungstag «vird eingeleitet mit de«« Worte««: „Aber Himmel und Erde f l v s s e«« n u b w i r d eiten ««o ch d n r ch einande r." (Was hat Vers, sich dabei gedacht ft Und znm Ansrvendiglernen: „Am Weiten Tage trennte Gott den Himmel von der Erde", eine naive Auffassung der Schöpfungsgeschichte. Ebenso seltsam «st es, «venu das „uuftdt und flüchtig" des Kain in folgenden Worten umschrieben «vird: Bon bitterer Reue geplagt, floh Kain ruhelos von dannen." „Die Hirten (ci^eu stets mit einander in« Streit." A««ch «nanche undeutsche Redelve««dung hätte vermieden werden «nüssen. „Das Wasser fammele steh au einem Ort", «st wohl blos Drmkfehler. Sprachlich falsch ist aber: „Auf dem „Trockenen" ließ Gott Gras und Kräuter wachsen", anstatt auf de«n „Lande". Hier hat Verfasser sich «nieder zu sklavisch a«« das Vibelwort gebunden, ebenso, «venu er alah-sa.jis mit „Oelbtatt", anstatt „Blatt eines Oelbaumes" übersetzt. In „Abraham holte selbst stink aus dem Stalle": ist flink ein schlesischer Provinzialismus. Anstatt „Er (Elieser) ließ die Kameele lagern" ist bester und anschaulicher der biblische Ausdruck „niederknieen". Eine«« abso««derlichen Gebrauch «nacht der Verfaster von dem Worte „gelviß", ungefähr so, rvie i«n Iudendentseh das aus de««« Hebräischen korrnmpirte Wort ..cavrulo" gebraucht «vird. Die haranitischen Hirten autrvvrteu dem Jakob: „Gewiß kennen «vir ihn", obgleich ihr Kenne«« gar nicht i«« Zweifel gezogen war. Jakob sagt nach den« Traume: „Gelviß, auch hier ist Gott". Josua spricht zu den« herabsteigende«« Moses: „Gelvis; ist es ein Rriegsgetümmel". anstatt „vielleicht" oder „lvahrscheinlich". Bcerklvnrdig ist auch der sotge««de Satz: „Wen«« ihren er Land erntet, so schneide die Ecken deines Feldes nicht gänzlich a b." „Ei«« Land ernten"! und „die Ecken eines Feldes ab-!chneiden" ist ebenso unmöglich, «vie sich etlvas stehlen in dem Satze: „Er stahl sich die Herzen :c." S. ftft. Mindeste««s ungebräuchliches Deutsch ist: „Der Shrerkönig «vollte den Gottesmann fangen", anstatt „gefangen nehlne««". Trivial erscheint «vvht der Ausdruck S. 4! : „Die begeisterte Dankbartcit hielt «licht lange vor." Die am Eingänge des Büchlei««s stehenden Gebete sind unserem Gebetbuch«' entnonnnen. Die Auslvaht ift eine gute. Jedoch würde hier eine Paraphrase, die auf gute«« deutschen Ausdruck «««ehr Gewicht legte, passender sein, als die «vörtliche Uebersetzung: „Mit großer Liebe liebst Tn uns" ist nnbentfd), ebenso: ..de««« bei: Gott Jakobs z u seiner Hilfe ist". Tie Häufung: „was fii«b uni/ «vas ist unser Lebe««? was unsere Liebe/ «vas unsere Frömmigkeit? «vas nufer Heil? «vas nufere Kraft n««d Stärke/" ist hebräisch, aber nicht deutsch. Tie Verse, die de«« Erzählunge«« a««gehängt sind, passe«« «licht immer z«« diese««. Wer aber «veiß, welche Schlvierigkeiteu es macht, i«umer passende Verse zu ftnbeu, «vird diese«« Fehler verzeihen. Die meisten dieser Verse au sieh sind znm Menwrirstvff «vohl geeignet, bei einiger« ist das «veniger der Fall. Ein Vers jedoch ist als Memorirstoff entschiede«« z«« verrverse««. nämlid) der Seite 44 angeführte: „Gedenke, «vas A mal et dir gethan?c." Das Gefarumtergebniß dieser Abhandlung ist: Der geschätzte Verfasser «nuß das Büchlein einer sorgfältigen Umarbeitung unterrverfen, «vem« es für den Zlveck, für ben er es bestimmt hat. durchweg brauchbar nnb ««utzbrillgeud sei«« soll. Der A««hang „Erläuterungen zu de«« Biblischen Geschichten", wird «nancher Mutter und mancher Lehrerin «villkornmen sein. Für die Hand der Schüler ist er nicht geeignet. Auch hier mußten manche rabbinische 'Auslegungen wegsallen «md auf den sprechlichen Ausdruck sollte «nehr Sorgfalt gelegt «verden. „Ei«« rührendes Selbsterkenutniß" (S. 8) ist wohl Schuld des Setzers, aber Redewendungen, «vie: „stehle«« und erschleichen «vir das Urtheil uub die Ueberzeugung nuferer Mitmenschen" lS. ift). „ar«n aber tugendhaft" (S. 40) beruhe«« auf einem lapsus calami. «ute solche leider sich häufig «viederholeu. Im Uebrige«« aber kann die Anschaffung der „Erläuterungei/ solche«« Personen, «reiche ohne dazi« vorgebildet zi« sein, de«« Unterricht in der Biblischen Geschichte ertheilen sollen, «vvht empfohlen «verdei«. Berlin, 24. November l/.H). A. Lev«). Druck und Verlag von Rudolf Ni esse in Berlin. Vcra«stw örtlich für die Redaktion: Mar Bauch Witz in Berlin.