Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 46 (27.11.1890)
- Date
- 1890-11-27
- Page
- Seite 595 (sequence 11)
- Language
- German
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regeln auf eine gute Art wieder rückgängig zri machen; war Haschele im Recht, wie es bei Leb Beheme der Fäll war, den er gegen den Willen des Vaters zu immer wichtigeren Geschäften stellte, dann war auch der alte Randar wiederum klug genug, sich den vollendeten Thatsachen 311 fügen, »in so mehr, da er sich ja innerlich über die Tüchtigkeit des Sohnes nur freuen konnte. Es gab bei solchen Anlässen höchstens ein bischen Schmollen, aber nichts weiter, und mit einigen guten Worten da und dort, woran es die älteren Brüder nicht fehlen ließen, war Alles wieder in Ordnung gebracht, und das schöne Gleichgeivicht, die Harmonie des Familienlebens wieder hergestellt. Jetzt aber drohte ein wirklich tiefer Konflikt auszubrechen, setzt drohte zwischen Vater und Tochter eine Kluft sich zu öffnen, die nicht so leicht durch ein paar gute Worte zu überbrücken war, ,Der Vater war auf einen Punkt gebracht worden, von welchem ans er keinen Rückweg mehr sah, und die Tochter, welche willig auf diesen Punkt gefolgt war, rief nun entschlossen und fest: Nicht weiter! Alles das, was der Vater gegen die anderen Randarssöhne im Eifer seines Gespräches vorgebracht hatte, alles das nahm das Mädchen sehr willig auf, ja sie untre im Stande gewesen, bei jedem Einzelnen zu dem, was der Vater an ihm ouszusctzen fand, noch das Doppelte und Dreifache hinzuzufügen. Wenn es sich nun aber endlich nm den Schluß handelte, der aus alledem zu ziehen war, so mußte der Vater zu seinem bittersten Schmerze wahrnehmen, daß dieser von der Tochter in ganz anderer Weise gezogen wurde, als von ihm; denn während er der Meinung war, es ergebe sich aus alle dem mit Klarheit, daß Reb Jtzeg Randars Sohn nun die einzige passende Partie für seine Tochter sei, meinte Rachele, dieser sei erst recht gar nichts nutz, und von diesem wolle sic schon gar nichts hören. Auf die Frage: Warum! gab es nun freilich keine andere Antwort, als: Weil ich nicht will, und solcher Eigensinn brachte den gutniüthigen Randar zur Verzweiflung und einpörte sein ganzes innerstes Wesen, Nicht lange konnte der Vorgang zwischen Vater und Tochter den Brüdern verborgen bleiben. Und warum hätte man vor ihnen die Sache auch geheim halten sollen! Hatten sie kein Recht, »in ihre Meinung gefragt zu werden, wenn es sich um eine so wichtige Sache, wenn es sich um das Wohl und Wehe der Schivester^handelte! Sic machten große Augen, als sie erfuhren, wie hartnäckig sich die Schwester dem Anträge, des Vaters entgegeustemmte, sie waren unvermögend, in der Sache ein bündiges Urtheil abzugeben, woran sich Vater oder Tochter als auf eine feste Stütze hätten lehnen können. Weder Borech, noch Koppel, noch Haschele, keiner getraute sich's gerade herauszusagen: Ja oder Nein! Sie standen mit dem Gefühl aus Seite der Schwester, mit dem Verstand aber mußten sie sich auf die Seite des Vaters stellen. Wenn das Mädchen gegen den ihr angetragenen Bräutigam einmal einen Widerwillen empfand, so waren die Brüder sicher nicht so ungerecht, sich über solchen Widerwillen einfach hinwegzusetzen; andererseits aber waren sie wieder praktisch genug, unr alle die Vortheile, welche sich aus der angetragenen Partie ergaben, klar, verständig und unparteiisch ins Auge zu fassen, und was diesen Punkt betrifft, mußten sie sich gestehen, daß die Partie in Wahrheit nicht viel zu wünschen übrig lasse, weshalb sie die Stimmung des Vaters, der die'Sache eben nur nach dieser Seite hi» ansah, sehr gut begreifen konnten, und wenn sie in seine oft allzuheftigen Worte auch nicht mit einstimmten, so mußten sic sic doch entschuldigen. So nahmen sie zwischen Vater und Tochter eine Stellung ein, mit welcher sie sich auf keiner von beiden Seiten die völlige Zufriedenheit erwarben. Jeder der beiden streitenden Theile hätte sie gern ganz auf seiner Seite gesehen. tFortsetzung folgt.) 3alrobs Traum. Tron Gustav I aeobso Zog Jakob einst durch Wüstenflur Mit seinem Wanderstabe. Zein einziger Begleiter nur Und seine ganze Habe; - Ein wenig Ce(, ein Stückchen Brod. Ein Wasserschlauch für Durstesnoth War seine ganze Labe. So wandert er mit leichtem Sinn. Im Herzen tiefsten Frieden. Zum fernen Euphratlande hin. Er hält' es gern gemieden; Doch Bruders Grollen treibt rhu fort. Bielleicht, daß ihm am fremden Sri Ein neues Glück beschieden. Und als die Sonne nun entscknvand Mit letztem Purpurscheine. Legt er sich nieder in den Sand, Das Haupt auf einem Steine; Da ruht er aus nach heißem Dag, Und bald im süßen Schlummer lag Er muiterseel' alleine. -licht kümmert's ihn, ob durch die Nacht Der Lowe brüllt nach Raube. Er schlaft, von Sternen überdacht. Wie in geschützter Laube: Denn wer ein gut Gelvissen hat. Hat eine sanfte Ruhestatt Auch in der Wüste Staube. Und sieh! Ein frommes Traumgebild Schwebt leis' zu ihm hernieder: (** steigen Engel, freundlich mild. Mit leuchtendem Gefieder An einer Leiter auf und ab, Zum Himmel auf, zur Erd' herab, lind klimmen hin und wieder. Und über jener Leiter stand Auf sternumglänztenr Throne Der Ewige im Lichtgewand Und sprach zu Jsaks Sohne: „Sieh, dieses Land, auf dem Du liegst. Wo Du in sel'ger Ruh' Dich wiegst. Das geb' ich Dir zum Lohne. Ger: Mittag und gen Mitternacht. Wohin du immer stehest, Gen Abend, und wo Morgen lacht. Dem Du entgegenfliehest. Dein Alles lind den Enkeln Dein. Und sieh', ich werde mit dir sein. Wohin Du immer ziehest. Und ich bin mit Dir überall Im Nahen und im Weiten. Ich bin Dein Schirm und Schlitz imD Walt In allen Fahrlichkeiten;