Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 46 (27.11.1890)
- Date
- 1890-11-27
- Page
- Seite 594 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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594 reden, was da so tief drinnen sitzt? Kenn'ich denn das nicht? begreif'! ich denn nicht, was eine Abneigung ist?" „Und warum willst Du meine Abneigung jetzt nicht begreifen?" „Was für eine Abneigung?" „Gegen die Partie!" „Narrele! Weil ich keinen Grund dafür einjeh'. Dort seh' ich; den Grund, hier seh' ich keinen. Dort seh' ich ein, Du bist anders : erzogen und anders aufgewachsen, wie die in der „Khillc" drinnen, und kannst Dich in ihre Sachen, in ihre Gespreiztheiten, wie Du | sagst, nicht hineinfinden: aber hier seh' ich in Deiner Weigerung nichts anders als wie eine Laune!" „Mus; man denn den Grund von Allem einseheu, Pater-Leben!" „Und was soll ich dem Pandar schreiben?" „Schreib' ihm," sprach das Mädchen mit Entschlossenheit, „schreib' ihm: es kann Nichtsein: ich will es nicht. Am besten grad' heraus. Gut' Nacht, Pater-Leben! Schlaf' gut,' und denk' nicht mehr daran!" fügte sie mit ihrer früheren neckische» Munterkeit, die sic ganz wicdergewonncn hatte, hinzu und verlies; die Stube. „Du bist, soll ich leben und gesund sein, »och mehr Behcme als wie Leb," rief ihr der Pater nach, der eine solche Bestimmtheit der; Weigerung nicht erwartet hatte. Und da sie längst draußen war und seine Worte nicht mehr hören konnte, wiederholte er sich brummend noch intiner die Worte: „Ich Hab' gemeint, ein' größer» Behcme gicbt es auf der ganzeit Welt nicht, wie Leb: ich Hab' ihm Unrecht gcthan, sie ist bei mein Leben noch mehr Beheuic!" Ter Randar war durch die Weigerung seiner Tochter in eine! Sackgasse gerathen. Den Widerwillen der Tochter gegen die „Khillc- : Leut'" hatte er von jeher, wenn auch nicht gerade anfgcmuntert, so! doch stillschweigend geduldet, und so wenigstens eine Art von Billigung j und Einverständnis; eusgedrückt. Dies that nicht nur er, sondern! auch seine Söhne, und zwar aus eben so leicht begreiflichem wie der-! zeihlichem Grunde. Dem Randar und seinen Söhnen, die von den : „Khille-Leutcu" wohl auch hier und da als „Torf-Mvtzen" geneckt j und gestichelt worden sein mochten, ihnen that es wohl, hier in derTochter j und Schwester eine so liebenSwiirdige Pertheidigerin ihrer Torf-Eigen- : thümlichkeitcn, ihres „Dorf-Motzeiithums" und zugleich eine so gewandte! und tüchtige inAngriffen allerArt so geschickte Gegnerin der „Khille-Leut'" I und ihrer steifen Förmlichkeiten zu besitzen. Die Art und Weise, wie Rachele die „Khille-Leut'" lächerlich zu machen und wie sic deren l Gewohnheiten und Gebräuche zu tritisircn verstand, schmeichelte den > Brüdern eben so. wie dein Pater, jeder Streich, gegen: die „Khillc- | Leut'" geführt, war eine indirekte Verherrlichung des „Dorf-Motzen- I thums." Jedes Lächeln von Seiten der Brüder und des Paters l war für das Mädchen eine Aufmunterung, jede Beifallsänßeruug ein > vollkommenes Gutheisien ihres Widerwillens. Freilich war dies an-! fänglich mehr Scherz als Ernst, uttb man bedachte bei solchen; muntern Ausgelassenheiten von vornherein keineswegs die gefährliche! Seite der Sache, man dachte nicht an die ernstlichen Folgen des! kindischen Spiels. Allein bei Rachele fast die Abneigung gegen die! „Khille-Leut'" und gegen das ganze Leben in der „Khillc" etwas j tiefer, cs war ihr wirklicher Ernst damit, und dies kam zum Bor- ' schein, als cs sich für sie zum erstenmale um eine ernstliche Ange-! legenheit handelte. Daß der Vater sich, als er die Wahrnehmung j machte, darüber just keine grauen Haare wachsen ließ, das hatte nun : zwei gute Gründe. Ter erste füllt mit dem zusammen, warum er! auch ihren Späßen und launigen Einfüllen über die „Khille-Leut'" l Beifall gezollt, er wollte ihnen eigentlich gern Eins versetzen, und j dies that er, wenn er sagen konnte: Ihr „Khille-Leut'" stolzirt gegen! uns Torf-Motzen und macht Euch groß! Mein'Rachele möcht'nicht einmal Einen von Euch! Seht Jhr's, da habt Jhr'S! Der andere Grund aber — und zwar der wichtigere — war dieser, datz der Vater hoffte, er brauche unter den ihm bekannten Randaren in der ganzen Umgegend nur die Hand auszustrecken nach demjenigen, dessen Sohn er seiner Tochter für wiirdig halt, eine Hoffnung zu der er auch völlig berechtigt war. So gut standen die Dinge allerdings noch vor einer Stunde, jetzt aber nicht mehr; diese schöne Freiheit hatte der gute Mann, ohne es zu wissen, selbst vernichtet, er hat sich selber ein Netz gesponnen und mag nun zusehen, wie er herauskommt! Indem er sich beinühtc, seiner Tochter die Vorzüge der angetragenen Partie in das hellste Licht zu setzen, beging er den Fehler, alle andern Randaren der llmgebung herabzusetzen; um den Einen zu heben, trachtete er, jedem Anden; irgend etwas anzuhüngen. Je mehr er alle Anderi; heruntermachte, desto besser glaubte er dem Eine» zu dienen, zu dessei; Guiisten er sprach, und wenn er den Einen auf Kosten aller der Andern bis in den Himmel erhob, so mußten die Andern eben nur um so tiefer hinabsteigen. Wäre cS ihm gelungen, den Widerstand des Mädchens zu überiviuden, dann hätte er sich immer mit seiner Methode rühmen können; allein gar bald, da er die Hartnäckigkeit des Mädchens wahrnahm, hatte er Gelegenheit, zu überdenken, daß er mit diesem Manöver eigentlich einen großen Fehler begangen habe. Einen von der „Khille" dürft' er ihr gar nicht mehr anbieten, es durfte ja nur noch Einer vom Torfe sein; nun aber hatte er selbst alle die jungen Leute von den Dörfern der Umgehung, die inan ihr möglicherweise anbieten konnte, alle diese hatte er ihr selbst nach Herzenslust tüchtig heruntergemacht; an Jedem hat er einen andern Fehler anfzildecken gewußt. Unter solchen llmständeii »iiißte sich seine NeigiiNg für die angetragene Partie jetzt nur uni so mehr steigern, und es handelte sich nur darum, ohne Anwendung von Zwangsmitteln den Eigensinn des störrigen Mädchens zu brechen. Ten Eigensinn! —Der Vater fand kein anderes Wort, uni den Widerstand der Tochter zu bezeichnen. Rachele wollte nicht; ivarum? Sie wollte eben nicht. Wie schön und ungestört war der Friede, in welchem diese arbeitsameii und thätigcn Menschen auf der „Rande" bisher mit und neben einander gelebt hatten, ivie machten sie sich Einer dem Andern das Leben anKnehm niid süß, wie suchten sie sich die Arbeit gegenseitig zu erleichtern, wie suchte Einer dem Andern das Schwierigste abzunehmen, und wie erheiterten und verkürzten sie sich die Stunden, wenn des Tages Blühe und Last vorüber war, wie lebte Einer nur in dem Andern, ivie hob sich dem Pater das Herz vor Freude, wenn er die Sohne in strotzender Gesundheit, in markiger Kraft, wenn er die Tochter in Amnuth und Leichtigkeit handtieren sah, wie lachte dem Mädchen das Herz vor Freude, wein; dem Pater und den Brüdern das Esscii so recht sänneckte, das sic ihnen nach ihrer eigenen Weise zubereitet, lind wie lachten die guten Brüder über jeden muthwilligen Scherz der Schwester, wenn sie anfing, ihre Neckereien und und leinischcn Einfälle loszulassen! Dieser schöne, ungebrochene Friede, dieses tugendhafte, patriarchalische Leben, die Eintracht und Ruhe in Hof und Haus sollte nun gestört werde» und auf iinmer dahin sein, und nur durch Racheles Eigensinn. Noch nie war ir» Schooße dieses kleinen Kreises ein eigentlich tieferer Konflikt ausgebrochen. Kleine Verdrießlichkeiten, ja! Bagatellen, die ein Wort wieder gut macht, ja! aber eine Störung des häuslichen Glückes? niemals! Was wollte es zum Beispiel besagen, wenn hier und da der Vater einmal sich mit einer von Haschelc getroffenen Anordnung nicht einverstanden erklären konnte, und schoi; dies, wie äußerst selten kam es vor! was wollte das bedeuten im Großen und Ganzen? Ter Erfolg lehrte in kurzer Zeit, wer Recht hat, ob Pater oder Sohn. War der Pater im Recht, so besaß Haschelc trotz seiner Jugend Einsicht genug, die getroffenen Maßregeln i im Reck Willen auch d» Thatsaö Tüchtig Anlässe mit eini iiicht fe schöne l gestellt, jetzt dri nicht sc Vater keinen Punkt Alles d seines < sehr ivi zu dem und Di Schluß zu sein in gan er der daß R> seine 3 >ind v Warun nicht n zur Be N Brüdei Sache Mein» wenn - machte den; A in der Tochte Borech heraus Seite die S« angetr die B; einfach genug. ergäbe was d in Wt Stimr hin ni zuhefti doch e eine 1 Seitei streite: