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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-11-20 · Heft 45 (20.11.1890) · p. Seite 579

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 45 (20.11.1890)
Date
1890-11-20
Page
Seite 579 (sequence 7)
Language
German
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579 ngstag läß ei» lk Vergester» n Tag Wohl »er sich r Platz rzrede» wie bei mn dic i mehr >chzeits nd dir dieser ic »nd rig, dic lche de» he recht >rs au» en Zu- 's Neue lautern r unter Uhüllen Einfaii t stand e Weile ntsstubc! wurde r Vater ch Heu» c.hoch )aß mir Minute ngs ge sogleich )nnte er s erlebt nicht ie daheim! : Wege» n Mund ueg de» itsch' i» >hr zu" Die ganze Hochzeitsgesellschaft sah ihm traurig nach. Das betrübteste Gesicht nrachte der Sohn des anderen Randars, Racheles Tänzer; ihm war die Hochzeitsfreude am allermeisten verwüstet. Das Gefährt flog dahin wie ein Vogel durch die Luft, nur daß es auf der holperigen Straße eben nicht ohne manchen Rippenstoß abging; aber der Randar, sonst, wie man sich erinnert, ein wenig ängstlich, lind für diese Stöße nicht uneinpfindlich, schien auf dieser Fahrt von den Erschütterrmgen des Wagens wenig zu spüren, sein ganzes Gedanken- und Empfindungsleben war auf einen einzigen Punkt gerichtet: auf das brennende Haus, das er sich in seiner Einbildung mit den grellsten Farben ausmalte. Man mußte ziemlich lange fahren, ehe man des Dorfes ansichtig werden konnte, denn das Dorf lag in einem kleinen Thale am Fuße eines Berges, und erst ivenn man die Spitze des Berges erreicht hatte, lag das Dörflein ausgebreitet vor den Augen des Beschauers da. Als das Gefährt den Berg Hinanstieg und sich deni höchsten Punkte desselben immer mehr und mehr näherte, da stieg die Ungeduld des Randars am höchsten. Da oben angekommen, mußte er ja den fürchterlichen Brand schon sehen, und nur wenige Schritte waren es noch, die zu erklimmen waren. Schon sah er im Geiste das mächtige Flammenmeer, das sich da oben seinen Augen bieten würde. Wie überrascht war er aber, da er auf dem Gipfel des Berges angelangt, das Dorf ruhig j und.. still daliegen sah und von einem Feuer und brennenden Häusern keine Spur! „Was ist das?" rief er, „ich seh' kein Feuer! hat man uns gefoppt?" „Ich seh' auch nichts!" sagte Haschele, der jetzt die Pferde ein wenig zurückhielt und sic im mäßigen Trabe den Berg hinunter laufen ließ. Endlich stand der Wagen vor der Rande. Er konnte nicht in den Hof hinein fahren, denn es standen zu viele Menschen da, auch lagen noch rauchende Balken hier und da umher. Gefoppt hatte man sie nicht. Der Brand hatte wirklich stattgefunden; man war des Feuers aber bereits so zieinlich Meister geworden. Man arbeitete zwar noch, die letzten Reste des Brandes zu tilgen, doch war jede Gefahr vorüber, und Borech war bereits ruhig genug, um den Ankommenden über den Unglücksfall Bericht zu erstatten. „Gedankt sei's Gott," begann Borech seinen Bericht, „es ist gut abgelaufen! Es hätt' können ärger herausfallen, wenn Leb nicht da gewesen wär'. Ich sag' Dir, Vater-Leben! Leb hat heut Wunder verricht', und wir Alle haben ihm nur zugesehen und haben ihn angestaunt, wie einen Menschen, der gar kein Mensch ist. Ich kann mich jetzt noch gar nicht fassen, wenn ich daran denken thu', und muß mich besinnen, mn mir Alles zurückzurufen, wie es sich ereignet hat. Wir sind drüben in der Brennerei wie gewöhnlich. Der Kessell hat schon angefangen zu singen, Du kennst ja den Gesang, wenn das so siedet im Kessel, das brummt Einem so eintönig in die Ohren, daß man inöcht' dabei einschlafen. Und wirklich Hab' ich; nachgegeben, scheint mir, angefangen, ein Bisselc zu „nappezen" «schlummern), ich bin da gesessen, ich weiß selbst nicht mehr, Hab' ich; geträumt, oder Hab' ich wachend so mich hingegeben. Mir ist's vor- \ gekommen, wie wenn ich mit Euch drüben auf der Hochzeit wär', : jetzt ist die „Chuppe", Hab' ich mir gedacht, jetzt „leint" (liest) der j Rabbi die „Kessube" (den Ehevertrag), jetzt zieht der Bräutigam den! Ring ab und steckt ihn der Braut an den Finger, jetzt singt der! Chase» die „Schewe-Broches" (sieben Segensprüche), jetzt zerbricht i man das Gläsel, wie gesagt, ich weis; nicht, war ich auf und Hab' j an das Alles gedacht und mir's so vorgestellt, oder war es mir so! im Traum, was soll ich da viel sagen, genug in den, Augenblick, wo | man das Gläsel auf die Erd' niederlegt und der Bräutigam darauf! | tritt, höre ich ein Geschrei, daß ich gemeint Hab', die Welt geht unter, j und es ist mein letzter Augenblick.; Der Kessel springt! hör' ich rufen, ich spring' auf und weiß vor! Verwirrung nicht, was ich machen soll. Da hättst Du dabei sein; sollen, Haschele! Denn was jetzt kommt, es ist schwer, so etwas nachzuerzählen, das muß man gesehen haben. ' Es war nämlich zu wenig Wasser im Kessel, und dic Leute haben . geschrieen: Wasser, Wasser! „Gott soll behüten!" rief Haschele. „Leb aber hat mit einer Stimme, wie ein Löw' geschrieen: ' kein Wasser!" „Gott sei Dank!" ries Haschele. „Darauf hat er den Leuten Befehl gegeben, sie sollen das Feuer : aus dem Ofen herausnehmen." „Gott sei Dank!" rief Haschele. „Und das haben sie gethan, und er hat nicht geruht, bis alle Bründ' aus dem Ofen heraus waren, und die Gefahr war vorüber!" „Warum hat er die Bründ' aus dem Ofen herausgenommen?" fragte der Randar. „Er hat schon gewußt, was er thut," gab Haschele zur Antwort; „hätt' er lassen Wasser nachfüllen, wär' im Augenblick ein solcher Dampf im Kessel entstanden, daß er erst recht gesprungen wär'. Wir haben es Leb zu verdanken, daß nicht die ganze Brennerei in dic Luft geflogen ist." „Hast Du denn Leb darauf vorbereitet," fragte der Randar, „was in so einem Fall zu machen ist?" „Nein!" sagte Haschele. „Und von wannen hat er es gewußt?" fragte der Randar weiter. „Du siehst ja! — er ist der Beheme nicht, für welchen Du ihn halten thust." „Wie ist es aber mit dem Feuer gewesen?" fragte der Randar. „Das — mit dem Feuer," antwortete Borech, „das war gar nichts, das war nur so ein kleiner Schrecken daneben. Wie die Leut' die Feuerbründe herausgetragen und auf den Hof hingeworfen haben, hat sich die Schuppen dort gefangen. Es war ein klein' Feuer!, und wir haben es bald wieder gelöscht! Das war nichts! Aber da drinn' in der Brennerei! das war ein Wunder, wie vom Himmel herunter." 4. Die Brautwerbung. Ani Sabbath nach dem Ereignisse saß man wieder in der Schänkstübe beisammen. Noch immer bildete dasselbe den Gegenstand des Gespräches. Jeder der Anwesenden pries den „Randar" glücklich, einen solchen Menschen im Hanse zu haben, einen so treuen Diener und so geschickten Arbeiter. Jeder war voll des Lobes, Jeder wollte allein am besten verstehen und wollte dem Andern gar nicht recht zutrancn, daß er auch genau wissen könne, was Leb eigentlich geleistet habe. Der Ruf des Branntweinbrenners hatte sich sogar schon bis über die Grenze des Dorfes hinaus verbreitet und war bis in die „Khille" gedrungen. Zwei Briefe waren eingelaufen, der eine vom Vetter Joichene, welcher Ausdrücke der Freude enthielt über die Verhütung eines großen Unglücks durch den braven Leb, der andere kam von wo anders her und hatte vermuthlich einen zienrlich wichtigen Inhalt, denn der Randar überlas denselben zweimal, aber auch in diesem Briefe war des braven Branntweinbrenners gedacht, der — wie man erzählt — bei der Sache sehr gute Dienste geleistet haben soll. Der Randar ging mit den Händen auf dem Rücken übereinander geschlagen in der Stube auf und ab, hörte die Lobsprüche, die seinem Branntweiirbreirner gespendet wurden, ruhig an, blieb dann Plötzlich stehen, wie es seine Gewohnheit war, und fragte: „Ich bitt' Dich, Borech, hast Du ihm schon den Dukaten gegeben?"

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